Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1920)
- Date
- 1920-07-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Nr. 28_ ' ___ die erste Hülfssendung nach der Ukraine abgehen, wobei hoffentlich die Zuspitzung der militärischen Lage keinen Strich durch die Rechnung macht' Molen. kin üeberfall auf flbgeorönefen Rabbiner Perlmutter. Marschau, 5. Juli. Der „Tag" meldet, daß der Abgeordnete zum polnischen Landtag Rabbiner Perlmutter, der sich mit feiner Familie auf einer Reise befand, in Skiermewicr von einem „Bewaffneten" überfallen wurde. Dieser wollte am langen Barte des greisen Mannes die bekannte Friseuroperatton vornehmen. Die Bahnwache und die christlichen Paffagiere ließen den uniformierten Exzedenten ruhig abzieheu und verhielten sich den jüdischen Passagieren gegenüber sogar aggressiv, als die letzteren den Soldaten der Bahnwache übergeben wollten. »«iura*. Rabbi Sdi. ö- Sdineerfohn b*st- Warschau, 7. Juli. Aus Rostow am Don kommt die erschütternde Nachricht vom Heimgänge des sechzigjährigen Ober hauptes der Chadad-Cbassidim, des würdigen Nachfahren des Raws von Ladt, Rabbi Scholaum BeerSchneersohtkausLubawitsch. DerRabbi,in dem wohl eine halbe Million Se elen auf dem Erdenrunde ihren geistigen Führer und Mittelpunkt erblickten, har eine gewaltige Lebensleistung hinter sich: in den 37 Jahren seiner Wirksamkeit haben 100000 Schüler die von ihm errichteten und geleiteten Lehranstalten in Lubawitsch^ Schedrin bei Bobruisk, Rostow, Charkow, Krementschug u. a. durchlaufen. Seine Freitag Abend-Ansprachen waren weltberühmt ob ihrer philosophischen Tiefe und lohenden Gottesbegeisternng. Was der Lubawitscher Rebbe auf dem Gebiete der Zedo ko und in Erez Jtsroel, insbesondere in Hebron, geleistet hat, verlohnte eine ausführliche Darstellung. Als der Krieg ihn aus der Heimat nach Rostow ins Exil trieb, war dies nur eine Gelegenheit für den Unermüdlichen, der Thora und der jüdischen Lebensführung neue Heimstätten zu bereitm. Entgegen seiner ablehnenden Haltung vor dem Kriege, hat der Lubawitscher Rebbe in den letzten Jahren den Agudas Itsroel-Gedanken mit Eifer aufgegriffen und sich an dem Zusammenschluß -er orthodoxen Organisationen in Rußland unter dem Namen „Adaß Jisroel" beteiligt mit dem ausdrücklichen Programm des Anschlusses an die Gesamtorganisation nach Friedensschluß. Rabbi Schneersohn ist einem Typhus zum Opfer gefallen. Bor seinem Scheiden konnte er seine Getreuen in einem großen Saale, wohin er? sich tragen ließ, um sich versammeln, um sie zu jegnen und ihre Anliegen noch einmal entgegenKrnehmen. .Der sioinzige Sohn des Heimgegangenen, Rabbi Josef Jizchok, ein Künfunddreißigjähriger dürfte wohl zur Nachfolge berufen sein. N282N England. Me ZiokülMiRonferen). London, 5. Juli. Die Konferenz wurde in Anwesenheit von 260 .'Delegieren eröffnet. Ehrenpräsident ist Max Noroau, Präsidenten LouisE.randeis und U ssischkin. We-i-z-mann hielt eine ausführliche Piogrammreds, mWn er Balfour dqMe, eine - Neugestaltung. 'Tyx. rKWtzWjyn verlangte üstd vor allem die Errichtung einer großen jMtfthen Kolonisationsgesellschaft.ankündigte, .ohne Ausschluß öer privaten Unternehmungen. Er glaubt die Zähl der Einwanderer im ersten Jahr auf 50000 beziffern zu dürfen. -Ussischkin forderte 4 Millionen Pfund für die Einwanderung von wenigstens 30000 Juden. ßu ««elfe - IS -Juli 1SSS , Sfuarf Samuels Beridif über Polerr. Londo«, 9. Juli. Das Weißbuch, welches den B e r ich t S t u a r t } Samuels über seine Mission nach Polen enthält, ist soeben, 36 Seiten stark, veröffentlicht worden. Es enthält einen Geleitbrief des englischen Gesandten in Warschau, den Be-; richt Stuart Samuels, drr 13 Seiten umfaßt und denjenigen seines Begleiters Kapitän Peter Wrtght auf 20 Seiten. Samuel verwirft zwar in Uebereinsttmmung mit seinem Kollegen die Anwendung des Wortes „Pogrom" auf die Vorgänge in Polen und äußert 'sich auch relativ optimistisch über die zukünftige Entwicklung der Beziehungen zwischen Polen und Juden. Aber umso erschütternder wirken die Anklagen die sich aus den sorgfältigen Feststellungen Samuels ergeben. 348 Juden sind dem polnischen Haffe zum Opfer gefallen, ganz abgesehen von -en Unzähligen, die namenlose Leiden ertragen mußten, dabei aber am Leben geblieben sind. Das Schwergewicht legt der Berichterstatter auf die wirtschaftlich e Unterdrückung der Juden, die verschwinden muß, wenn die Juden zu einem idem Staate nützlichen Element gemacht werden sollen. Samuels Bericht gipfelt in 12 Anträgen, beginnend mit demjenigen, die polnische Rsgierung zur ehrlichen Ausführung derMtnoriiäts« klaufel des Vertrags vom 26. Juli 1919 zu veranlassen. Die Urheber der Ausschreitungen sollten bestraft, die Schikanen, die in Ostgalizien und anderwärts den jüdischen Beamten zugefügt wurden, beseitigt und die Prozentnorm auf den Universitäten aufgehoben werden. Schließlich empfiehlt Samuel die Anstellung eines Jüdisch verstehenden Sekretärs in der britischen Gesandschüft in Warschau, eine Anregung, welcher der englische Gesandte wiederspricht, weil die Ueberwachung der Ausführung des Friedensvertrages nicht Sache Englands, sondern des Völkerbundes sei. Herbert Samuel auf gern Wege. Laudon, 25. Juni. Sir Herbert Samuel, der Oberkommissionär für Palästina hat auf seinem Wege nach seinem Wirkungskreise in Boulogne den Beratungen von Lloyd Georg und Millerand über dis Orientfragen beigewohnt. In Rom nahm er Fühlung zum Vatikan, um zü einem Uebereinkommen über den Schutz der katholischen Interessen in Palästina zu gelangen. Er wurde vom Papst in Audienz empfangen. Für feine Reife ist ihm von der englischen Regierung ein Kriegsschiff zur Verfügung gestellt worden. Aus einer Amnestie, die der neue Kommissar bei seiner Ankunft in Palästina erlassen wird, erhofft man unter anderem auch die Freilassung Jabotinskys. . Argentinien. Buenos Aires, 1. Juni. Hier wurde ein Komitee zum Schutze der jüdischen Emigranten nach Argentinien gegründet. DaS Komitee bezweckt: s.) Die Erleichterung der Einreise für die Emigranten,' b) die Gewährung einer ausgiebigen Hilfe an diese/ c) ihnen Arbeitsmöglichkeiten nach Tunlichkeit zu sichern. Um die Immigration von schädlichen Elementen hintanzuhalten, wird die Einreisebewilligung von der Erfüllung nachstehender Bedingungen abhängig gemacht: 1. Ein Reisepaß mit der Photographie des Besitzers / 2. ein judizielles Zeugnis, daß der Emigrant wegen schwerer Verschuldungen gerichtlich nicht verfolgt war- 3. ein genügendes ärztliches Gesundheitszeugnis- 4. ein professionelles Zeugnis, das den Beruf des Immigranten ftstjrellt- 5. ein polizeiliches Zeugnis, daß der Immigrant nimals Bettler war. Alle diese Dokumente müssen vom argentinischen Konsul des Herkunftslandes bestätigt sein. Die 'ökonomischen Bedingungen in Argentinien sittd -gegenwärtig günstig. Wer ' einen freien Beruf ausüben will, muß die Kenntnis der spanischen Sprache besitzen. 1 Amerika. Die Wilüien Kriegsopfer In Sorolefrußlanb. MttihJgnK 10. §unf. Dem amerikanisch-jüdischen Hilfskomitee ist es nach mannigfachen Bemühungen -gelungen, eine direkte Verbindung zu den jüdischen Kriegsopfern in Sowjetrußlandherzustellen. Der Joint hat bereits zwei Vertreter dorthin entsendet und zwar den Richter Harry Fischer nach Petograd und Max Ptne nach Moskau. Eie haben die Aufgabe, die Lage der dortigen. jüdischen Kriegsopfer überhaupt zu prüfen und die Mözlichieilen für ein umfassendes Hilfswerk festzustellen. Ihren in New.Uork eingerroffmen Nachrichten ist zu entnehmen, daß sie bereits Mittel und Wege gefunden haben, um die Zustellung von Unterstützungsgeldern nach Rußland zu sichern. Diese Mittel gehen durch Estland, dessen Ministerpräsident Herr Tennifon den Vertretern des Joint jede mögliche Hilfe seiner Regierung zugefagtchat. Der Transport und die Zustellung geschieht durch den Ingenieur Abraham Pompiansky in Reval, drr als Beauftragter des Jüdischen Nationalrates für Estland diese Aufgabe übernommen hat. ' Die Warschauer Filiale des Joint Distribution Commitee meldet nach New Aork, es seien im Zuge der polnischen Offensive ihre Vertreter nach allen, dem Zugang freigegebenen jüdischen Orten abgegangen. In Schitomir, Mohilew, Podottki, Kiew/ Berdyczew und anderen Orten hat die Hilfstätigkeit bereits begonnen. In Kiew sind Kapitän Voorsanger und Herr Doktor ^Charles Spiwat mit beträchtlichen Geldbeträgen angekommen und Herr Georg Rooby hat ganze Wagenladungen mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kleidern und anderen Bedarfsartikeln im Auftrag des Medical Unit Nr. 1 nach Kiew gebracht. Eine Illilliönen-Snffuna. Acw-YorL, 20. Jmü. Die geplante Millionen-Stiftung für die nstleidende jüdische Bevölkerung in Polen, Ltttauen, Galizien, Ukraine, Rußland kommt in großzügigster Weise zustande. In New Mrk allein sink» in den ersten zwri SammlungSragen über 2 Millionen Dollar zufammengekommen. Die Sammlung soll in dieser Stadt allein Vj2 Millionen Dollar erreichen. Hecvorzuheben ist, daß die Geistlichen aller Konfessionen mit Feuereifer für die Sammlung tätig sind. Zum größten Teil soll das Sammelgeld, das man auf eine Summe von 35 Millionen zu bringen hofft, für medizinische Hilfe zur Bekämpfung der Epidemieen in Osteuropa verwendet werden. Das€n9e öesameriftanifdNüdifcfien Kgngreffes- Kew HZvrk, 28. Juni. Der amerikanisch-jüdische Kongreß, zu dem die -großen liberalen Organisationen ihre Zustimmung seiner Zeit nur unter der Bedingung gegeben hatten, daß er sich auf die Vertretung der amerikanischen Judenheit beim Friedenskongreß beschränke, ist nun nach Entgegennahme des Berichts htx - Delegierten tatsächlich aufgelöst worden. Die Versuche einer zionistischen Minderheit, den Kongreß in SavvalMsang und Ausgang. Wö mtöö rotp ORT» Anfang Datum Ausgang UhriMn. 19201 5680 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 [ 50 16. ’ Juli 2. Ab g 28 Berlin .... 7 i 30 9 17 Mönche« . 7 j 15 8 56 Strakburg . . _! _ — — Stuttgart. . . — j — Pose« .... _j _ ■ L. ■IL1 NörNverH. - . 7! 15 s 06 Hamburg . . . —; — s 45