Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1920)
- Date
- 1920-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 No. 98 nmrnmaf mmw rwiwnwmm jwwh* n inrwi-^M>M——a—1>^— setzt mit vereinter Kraft den Schädlingen der jüdisch-nationalen Heiligtümer hartnäckigen Widerstand entgegen. Das fromme Judentum ist bereits daran, mit der Kraft der heiligen Thora die Lösung aller Judenprobleme anzugreisen. Das fromme Judentum beginnt bereits ein Machtfaktor zu werden und im öffentlich-jüdischen Leben die ihm gebührende Rolle einzunehmen. Diese Tatsachen sind es, die unser Gegner am meisten gegen uns ausbringen. Da unsere Gegner unserer organisatorischen Erstarkung und Entwicklung vollständig machtlos gegenüberstehen, da sie nicht in der Lage sind, die Ketten unseres Einigkeitsbundes, die von der ewigen Thora und Tradition geschmiedet wurden, zu zerreißen, verfielen sie aus die neueste moderne revolutionäre Taktik: den Terror. So gefällt sich z. B. die zionistische Presse in Polen in fortwährenden unerhörten Beleidigungen und Verleumdungen niedrigster Art gegen die Orthoxie. Und nach demselben System versucht man die öffentliche Meinung zu terrorisieren. In alle öffentlichen Aguda-Versammlungen wird eine Gruppe junger Leute dirigiert einzig und allein zu d<m Zwecke, um dort Terror auszuüben und die Redner nicht zu Worte kommen zu lassen. Und wie gewöhnlich konMt es ans diese Weise zu einem Chilul Haschern ... So wird der Kampf gegen die lebenskräftige Orthodoxie mit.ihren hohen Idealen und ihrer erhabenen Weltanschauung geführt .... Ist das Takt?! Unsere Gegner scheinen ganz zu vergessen, daß man mit Terrormitteln die Pulsader eurer Organisation nicht durchschneiden und ihren LeLensquell nicht znnr Versiegen bringen kann. Mit solchen Mitteln schadet man vielmehr sich sekösi am meisten. * Letztens zeigte sich die dringende Notwmdigkeit, eine Vereinigung sämtlicher polnischer Flüchtlinge, die sich hier niedergelassen haben, hierbei zrr führen. Das Organisationskomitee ebenso wie die Zeire-Emune-Jsroel veranstalteten nun zu diesem Zwecke in der Römerhalle des Rathauses eiue große Versammlung, in der der bekannte Schriftsteller und Denker, Herr Dr. Nathan Birnbaum, der letztens in die Reihen der Orthodoxie eingetreten ist und mit Mut und Aufrichtigkeit für ihre hohen, erhabenen Ideale gegen den fremden Geist, der von unseren Gegnern in die jüdische Welt hcreingetragen wurde, kämpft, ein-inhaltsreiches Referat hielt. Schon bald nach Beginn!nr Versammlung konnte man eine organisierte Gruppe junger Leute wahrnehmen, die ausschließlich zu dem Zwecke gekomnren waren, um mit einfachen Terrormitteln die Versammlung zu sprengen. Gerade dieses letzte Referat trug, es mutz dies besonders betont werden, einen vollständig unparteiischen Charakter. Der Redner befaßte sich tu demselben lediglich mit der jüdisch-religiösenWettanschauung, sowie ihrer hohen und schönen Moral und Ethik. Nichtsdestoweniger setzte gleich nach Beendigung des ersten Teils des Vortrages, der in deutscher Sprache gehalten wurde, ein ftirchterllcher Spektakel ein. Die paar jungen Leute begannen nämlich, als sie sahen, daß das Referat von starkem Eindruck war und unter der zahlreichen Zuhörerschaft großen Enthusiasmus und Begeifternng Hervorruf, einen ohrenbetäubenden Lärm zu veranstalten, um die Fortsetzung des Vortrages in jüdischer Sprache zu verhindern. Selbstverständlich mußte dann — zu unserem tiefsten Bedauern — die Ordnung durch die nichtjüdischen Saalwächter wiederhergestellt werden. *Jst das nicht ein Chili ul Haschem? Die frommen Ostjuden mit ihren heißen Funken von Jüdischkeit im Herzen, die dieser Versammlung beiwohnten, konnten sich das alles mit offenen Augen ansehen. Sie sahen die neuen Gesichter, die den Anspruch erheben, unsere Führer zu fein und überzeugten sich, wie weit deren moderne Wege von unseren alten und ewig neuen Wegen der Thora und Jüdischkeit entfernt und verschieden sind. Sie konnten zur Genüge die Quelle kennen lernen, aus der diese Der JSraellt. jungen Leute ihre sogenannte Weltanschauung schöpfen. Für jeden ernsten Juden wirft sich nun die brennende Frage von selbst auf: Was für eine Antwort werden unsere religiösen Ostjuden darauf geben? Werden sie noch weiter mit verschränkten Armen da sitzen und tatenlos zusehen, wie die Krankheit der Religionslosigkeit immer mehr um sich greift und stets größere Kreise unserer Jugend zu Grunde richtet? Haben, sie denn die feste Garantie, daß das verheerende Feuer des Radikalismus nicht auch ihre eigenen Wohnungen in Mitleidenschaft ziehen und ihre eigenen Kinder demoralisieren wird. Und außerdem wollen sie denn überhaupt auch weiterhin die Lösung der jüdischen Probleme ausschließlich diesen „freisinnigen" Menschen überlassen? Würde denn das nicht ein unverzeihlicher Leichtsinn, ein Volksverbrechen, eine Versündigung gegen alle unsere Heiligtümer bedeuten? Unsere frommen Ostjuden mögen darauf eine bescheidene Antwort geben und die Antwort muß dahin lauwn, .das längst erprobte Mittel anzuwenden und eine eigene Organisation zu gründen bezw. sich der vorhandenen großen Agudas Jsroel-Organisation anzuschließen, die auf allen Gebieten des jüdischen Lebens tätig sein solü Organisiert und vereinigt Euch unter der Fahne der Thora und Tradition!!! Das muß, ihr Ostjuden, in dem jetzigen traurigen Moment euere Losung sein!! Auf zur Arbeit Ihr Ostjuden, zur Erhaltung der Thora und zum Wohle unseres Volkes und Landes!! Agudas Jsroel ln Ost uud West. Plenarfifctfhg des öenfralhomifees 3er Sdilome emune Jisroel. (Erster Tag.) Warschau» 4. Juli. Am letzten Dienstag und Mittwoch fand hier eine gut besuchte Plenarsitzung des Zentralkomitees der Schlome Emune Jsroel statt. Nachdem Herr Awrach die Versammelten namens des gffchäftsführenden Ausschusses begrüßt hatte, und ein Permanenzausschuß zur Bearbeitung der vorgelegten Anträge gewählt war, erstattete Herr I. M. Lew in einen groß angelegten Bericht über die Tätigkeit der Aguda seit der letzten Plenarsitzung. Es ist nur mit Mühe gelungen, durch den Ausbau, der Verwaltung dem Massencharakter, den die Bewegung .in ganz kurzer Zeit angenommen hatte, gerecht zu werden. Die Aguda hat heute 700 Ortsgruppen in Polen, von denen über hundert eigene Unterrichtsanstalten ins Leben gerufen haben und unterhalten. Einen großen Teil der Kräfte geistiger und materieller Art hat dieOrganisation der Gründung und dem Ausbau der Tageszeitung „Der Jud" zugewandt, da die notwendige geistige Aufklärung der orthodoxen Massen und alle praktische Organisationsarbeit von dem Vorhandensein einer guten Tagespresse abhängig ist. Gemäß dem Beschlüsse der vorigen Versammlung wurde an zahlreichen Orten unter dem Namen „Jsroel" Kooperativ Genossenschaften für Arbeiter und Gewerbetreibende geschaffen. Der Redner berichtet über die Gründung des orthodoxen Seim- Klubs mit einer Rechts-Abteilung und deren Erfolge, Intensive Tätigkeit hat man auf dem Gebiete der Erziehung entfaltet, und es. wurde im Laufe des Jahres in Warschau unter' dem Namen „Methiwta" eine Ausbildungsstättefür Rabbiner und Lehrer geschaffen, während überall im Lande nach einheitlichem Programm Chadorim ins Leben gerufen wurden, in denen auch Profan-Unterricht erteilt wird. Man hat vorläufig noch keine Schritte unternommen, um für diese Anstalten die Anerkennung als öffentliche Schulen zu erwirken, weil ein Teil der Verwaltung vorher in diesem Punkte eine Entschließung des Rabbtnischen Rates für 0^0*0«*- 15. Juli 1939 <ich hält. Da jedoch die Einführung derZwangs- 'chulen in Polen geplant ist, so wird man bald vor der Notwendigkeit rascher Entschlüsse auf diesem Gebiete stehen, zu denen man Gottlob wenigstens gerüstet -ist. Die Verwaltung hat in allen Angelegenheiten in engster Fühlung mit den Rabbinen des Landes gearbeitet. Der Referent verbreitet sich eingehend über die Palästina-Arbeit der Orthodoxie im allgemeinen und der Aguda im Besonderen und berichtet über die Verhandlungen welche die Vertreter der letzteren mit politischen Persönlichkeiten in England führten. Sensation erregt seine Mitteilung, daß man von führender zionistischer Seite den schmählichen Versuch gemacht habe, der englischen Regierung einzureden, die ganze Aguda- Bewegung trage deutschen Charakter und jede Steigerung des orthodoxen Einflusses in Palästina bedeute eine Stärkung Deutschlands. Diese Wider besseres Wissen erfolgte Denunziation von Juden gegen Juden ist durch das Zeugnis hervorragender englischer Politiker festgestellt. Glücklicherweise ist es den Schlome Emune Jsroel gelungen, maßgebenden politischen Kreisen Englands nachzuweisen, wie es sich in Wahrheit mit der aus Parteiinteresse erfundenen Anschuldigung verhält. Der Erez Jsroel Fonds der Organisation ist in guter Entwicklung begriffen. Der Redner berichtet, daß das Zentralbureau der Agudas Jsroel auf den 4, Ellul eine Vorkonferenz allex Landesorganisationen nach Wien einberufen habe, wo über die Kenessioh ged au loh der Agudas Jsroel Beschluß gefaßt werden sollte. Es werde Aufgabe der Sitzung sein, die Vertreter zur Konferenz zu wählen. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Generalbericht referierte.Herr Kaminer über die Bedeutung der bevorstehenden Wiener Aguda-Konferenz. Kaminer schilderte in eindrucksvollen Worten die Bedeutung einer nicht auf Länder beschränkten, sondern all weltlichen Organisation der Orthodoxie, wobei natürlich die besonderen Lebensbedingungen jedes Landes berücksichtigt werden müßten. In der anschließenden lebhaften Diskussion, an der sich der größte Teil der Anwesenden beteiligte, wurde die Art der Vertretung bei der Wiener Konferenz und die Stellungnahme zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung eingehend behandelt. Schließlich wurde der Permanenzausschnß beauftragt eine Vorschlagsliste für d e Wahl auszuarbeiten. Oer Lokolower Rebbe über 3ie Aufgaben 365 Tages. Warschatt, 4. Juli. Der Sokolower Rebbe, der eine führende Stellung innerhalb der organisierten Orthodoxie Polens etnnimmt hat sich einem Berichterstatter des „Jud" gegenüber über die Aufgaben des Tages in bemerkenswerter Weise geäußert. Das Herz blutet, so meinte der Rebbe, wenn man sieht wie sich breite Massen unseres Volkes von trügerischen Vorstellungen gefangen nehmen lassen, wie sie leichtgläubig leeren Versprechungen nachlaufen, die sich an den Namen des heiligen Landes knüpfen. Junge Leute, die bisher brave Juden waren, gehen ins Lager derer über, welche die Vertreter des Gottesgesetzes hassen und verfolgen. Meinte man es ehrlich mit der Besiedlung Palästinas, so ließe sich mit diesem heiligen Gedanken unmöglich eine so abgrundtiefe Feindschaft gegen das religiöse Judentum »verbinden. Wenn der Raw von Ladi auf den Vorwurf, daß die Chassidim es mit der Zeit des Morgengebetes nicht genau nähmen, einst antwortete : „Wartet die Entwicklung der chasfldischen Bewegung ab und an ihren Früchten werdet ihr erkennen, ob sie ehrlich und heilig war," so möchte man umgekehrt aus dem unheilvollen Einfluß des Zionismus auf die Heranwachsende Jugend den Schluß ziehen auf das unjüdifche Wesen der Bewegung selber.