Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1920)
- Date
- 1920-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IL.Iult 1SLV umschrtebenes und engbegrenztes .Gebiejt als Erfüllung der vom Staat „analog" wie die der Judenheit gestellten Bedingungen anzüfehen ist. Wir haben guten Grund anzunehmen, daß die Staats-, regierung es von sich weist, seinerseits die Errichtung einer umfassenden, organisch gegliederten Gesamtorgantsatton mit weiten Befugnissen zu fordern, die mit der Frage der Bewilligung von Staatsmitteln für leistungsschwache Gemeinden nicht im Zusammenhang stehen. Eine solche Organisation zu fordern, ja, auch nur seinerseits anzuregen, w e i st d a s M t n i st e r i u m v o n si ch - darum, weil es überhaupt nicht gewtlltist, zu riner kirchlichen Frage, zumal des Judentums, Stellung zu nehmen. Ob sich die Synogogengemeinden Preußens — von einer Organisation mit Einschluß auch der nichtpreußischen Gemeinden, ist überhaupt im Zusammenhang mit der vom Minister behandelten Frage nicht die Rede — zu einem oder zwei oder noch mehr Gemeindebünden zusammenzuschließen, ob sie auf jeden Bund verzichten, das ist für die Gewährung von Staatsmitteln nicht von Bedeutung. Welche Form auch immer die Synagogengemeinden finden, die dem Staate die Heranziehung der steuerlichen Kräfte im Dienste der schwachen Geureinden sichert, ist dem Staate rechtebenso recht wie im analogen Falle bei der evangelischen Kitchc". Die gesetzestreuen Kreise werden gut tun, im Sinne der vorstehenden Ausführungen jeder von Verbandseite etwa versuchten mißbräuchlichen Verwertung des ministeriellen Schreibens mit alle r E n t sch i e d e n h e i t entgegen zu treten. Bemerkenswerte rionistlsche Selbsterkenntnis. Durch die jüdische Presse macht ein Brief des bekannten zionistischen Schriftstellers Dr. Klatzkin die Runde, der außerordentlich bemerkenswerte kritische Aeußerungen über Wesen und Methoden der zionistischen Politik enthält. Es heißt da m a.: Also, selbst wenn es England mit uns sehr gut meint — woran ich, wie gesagt, nicht zweifle — und wenn es sogar bereit wäre, die Interessen seiner arabischen Politik zu unseren Gunsten zu opfern, wäre dieser Gewinn nicht entscheidend — will sagen: nicht von Dauer. Heute entscheidet die Politik überhaupt nicht -mehr — sie wird von den Völkern entschieden. Unsere auf diplomatischem Wege errungenen Erfolge hätten nur dann Sinn und Wert, wenn uns England die Möglichkeit geben würde, sofort mit einer großzügigen jüdischen Einwanderung nach Palästina und der Bildung von jüdischen Legionen — ja, Legionen! — zu beginnen. Die Erklärung Balfours hätte dann den hohen Wert eines Sprungbcttes. Wenn sie uns vorläufig die Hände bindet und für später Versprechungen macht, so hat sie wohl schon für die nächsten paar Jahre seinen größeren Wert, als eine Versprechung eines Hermann Müller für das nächste Halbjahr. Auch wenn wir solche diplomatische Neugestaltungen nur. als Möglichkeiten bewerteten für mich find sie mehr als bloße Eventualitäten —, sollten wir uns davor hüten, das jüdische Volk in beseeligende Hoffnungen einznlullen. Die Leitung hatte mithin Grund genug, die zionistische Oeffentltchkeit yor überspannten Erwartungen geradezu zu warnen. Das hat * DerSchülergarten deMraelliischen Volksschule in Frankfurt a. R. Von Kehrer M. Steinberger. Die Arbeitenim Schülergarten der israelitischen Volksschule begannen in diesem Jahre unter ungünstigen Wttterungsverhältnissen. Das naßkalte Wetter tm April und Mai verzögerte das Jnstandsetzen des Gartens und die Frühjahrsbestellung. Umso erfreulicher waren unsere Erfolge im Sommer und Herbst. An den Arbeiten nahmen 60 Kinder, 36 Knaben und 24 Mädchen teil, die in Gruppen zu 13 einmal in der Woche an einem genau bestimmten Tage sich im Schülergarten an der Rhönstratze etnfanden und dort von 4—7 Uhr mit kleinen Erholungspausen arbeiteten. Die Teilnahme war eine freiwillige. Sie wird aber, wenn die AusfühxungsbestimmuNgen zur neuen Reichs- Verfassung erschienen sind, , für die oberen Klaffen verbindlich werden. Mit einzelnen Ausnahmen kamen die Kinder gern und regelmäßig, ja viele meldeten sich freiwillig als Vertretung für solche Teilnehmer, die. einmal am Erscheinen. verhindert waren. Eine Ermüdung war nur bei den körperlich Schwachen festzustellen, weshalb solche nur zu leichten Arbeiten verwendet wurden. Aber alle wollten hacken und graben, säen und pflegen, gießen und jäten. Dabei wurden entsprechende Belehrungen naturwissenschaftlicher Art angeknüpst. Die Kinder hörten z. B., wie durch das Umgraben die Nährstoffe des Bodens mehr und mehr Mer Mrasm.... sie aber nicht getan. Ja, bei aller meiner gewohnten Nachsicht kann ich sie von der Schuld nicht ganz freisprechen, daß sie viel dcizn beigetragen hak, die zionistische Denkart auf Momente politischer Sensation einzustellen. Nun ist es klar, daß jeder politische Rückschlag ungeheure Enttäuschungen nach sich zieht, die, wie Sie auch befürchten, die ztonistische Organisation tief erschüttern müssen. Sehen Sie sich mal die zionistische Jugend an! . Was ist aus ihr in den letzten Jahren geworden? Wie vieles ist in ihr vom Glauben an die historische Macht unserer Idee geschwunden, von jenem Glauben, der die Weite des Weges kennt und durch Augenblickserfolge und Mißerfolge nicht irre wird. Selbst unsere Jugend lebt eben seit Jahren in der Atmosphäre politischer Sensationsnachrtchten, von der sie gespeist und genährt wird auf Kosten der idealistischen Gesinnung und Glaubensstärke. Sehen Sie sich die zionistische Organisation in Polen an! Es ist kein zu starkes Wort, wenn ich sage: Sie ist geradezu demoralisiert, All die schreienden Nachrichten übergroße Erfolge unserer Bewegung in diesem Lande sind mindestens Selbstbetrug, denn diese Erfolge werden durch eine Stratzenpolitkk der Sensation erzielt — und müssen in sich zusammensallen, sobald die politische Lage eine für uns weniger günstige Wendung nimmt. Können die diplomatischen Erfolge diesen Verlust an innerer Zielsicherheit, die mit der Einsicht in den historischen Charakter unseres Ideals aufs innigste.verbunden ist, aufwtogen, wettmachen? Ich sage nicht, daß einzig die Leitung an dieser neuen Einstellung der Zionisten schuld tst? aber sie ist jedenfalls dafür verantwortlich zu machen, daß sie nicht rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen getroffen hat, um die Agitation in andere Bahnen zu letten. Was nun, wenn die bedrohliche Situation überwunden wird — was ich als höchst wahrscheinlich annehme? Daun wird wohl die Taktik der letzten zwei Jahre wieder einsetzen, Es ist aber höchste Zeit, die zionistische Denkart zu festigen und gegen Rückschläge der zionistischen Diplomatie zu wappnen. Es gilt, die zionist'sche Idee tu ihrer Strenge zu vertreten und der selbst in die besten Schichten unsere^ Gemeinschaft etngedrungenen Seichtigkeit entgegenzunrbeiten. Ich bitte Sie, mich nicht mißzuverstehen. Ich bin kein weltfremder Mensch, kein Ballan, ich unterschätze gewiß nicht die aufopfernde Arbeit und die Errungenschäften unseres Weizmann. Wogegen ich mich wehre, ist, daß wir im Volk den Mauben aufkommen laffen, als ob diese Erfolge, die nur eine zeitweilige Etappe darstellen können, die Endstation, dteErreichungunsereszweitausendjährigen Ideals bedeuteten. Die Voraussicht, die der Schreiber dieses Briefes nach den Jerusalemer Pogromen, aber vor San Remo an den Tag legte, hat sich unmittelbar nach dem Tage von San Remo besonders nachdrücklich bewährt. Denn was seitdem an Bluff - Politik und unwahrhafttgen Straßensensationen von der zionistischen Partei — nicht nur tm Osten —■ geleistet worden ist, übersteigt alle Grenzen des Erträglichen. Trotzdem scheint es uns, daß die von Klatzkin verurteilte Taktik keine Willkür, kein Zufall, sondern nalurnotwendig ist. Das stille Ausharren 4n äußerster Rot, die Kraft des Duldeus erschlossen werden, sie lernten die Vorgänge der Verwitterung und Verwesung und ihre Bedeutung für die Pflanzenernährung aus eigener Anschauung kennen. Der Arbettsschulgedanke wird aus solche Weise im Schülergarten in die Wirklichkeit versetzt. Aber noch in anderer Hinsicht ist der Schülergarten gerade für die Kinder unserer Schule von größter Bedeutung. Hier werden sie zur körperlichen Arbeit erzogen, lernen sie die körperliche Arbeit richtig einschätzen, wird ihnen die Abhängigkeit von der Scholle mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Hier lernen sie den stillen Frieden der Natur und die Liebe zur Natur in engster Beziehung zur ewig spendenden Mutirr Erde kennen. Darum ist es sehr zu bedauern, daß das jetzt zur Verfügung stehende Grundstück in mancher Hinsicht nicht den Anforderungen entspricht, die die moderne Schülergartenbewegung an einert Schülergarten stellt. Vor allem ist eS zu beklagen, daß der Garten eigentlich eist Baumgrundstück ist. Die vielen Bäume entziehen dem Boden nicht nur übermäßige Kräfte, sondern sie verhindern auch den Hinzutritt von Luft und Licht, zwei für das Wachstum und Gedeihen der Pflanze unentbehrliche Dinge. Die Beschaffung eines geeigneten Grundstückes wäre deshalb eine dankenswerte Aufgabe des Jugendpflege-Ausschusses. Gleichzeitig müßte eine Quelle zur Beschaffung des für den Garten so notwendigen Dunges ausfindig gemacht werden. Es ist zu verwundern, daß trotz der angeführten Schwierigkeiten uns der Erfolg auch in materieller Hinsicht nicht versagt blieb. Insbesondere hatten wir eine gute Bohnenernte, 180 Pfund, das Pfund zu 80 Pfg. gerechnet, entspricht einem Werte von 14fr Mk. Während der ganzen Zeit konnten Karotten, Rettich, Radieschen, Salat, Suppengrünes, Meldegemüse usw., abwechselnd an die Kinder als Belohnung für ihren Eifer verteilt werden. Der Er- Nr. 28. Seite S und Vertrauens ist nun einmal das Privileg der vom Gottesgesetz erzogenen und an ihm festhaltenden geschichtlichen jüdischen Nation —- das neu konstruierte jüdische Volk, wie es der Zionismus zu schaffen sich anschickt, ist auf politische Sensationen angewiesen. Es rechnet nach-Tagen und nicht mehr nach Jahrhunderten und ersetzt durch künstlich aufgestacheltes Kraftmeiertum, was ihm an innerer religiöser Stärke abgeht. Wo sollte ihm die Fähigkeit Herkommen, mit „zweitausendjährigen Idealen" zu operieren? Der Terror unserer Gegner. Bon einem Milgitede der „ZeVre Emune Israel" in Frankfurt a. M- (Ans dem Jüdischen). In einer Zeit, in der sich das jüdische Volk ln einer überaus kritischen Lage befindet, in der es überall der elementarsten menschlichen Rechte beraubt wird und besonders im Osten den Pogromen und Schikanen, Verfolgungen und Unterdrückungen auf Schritt und Tritt ausgesetzt ist, in dieser Zeit, in der die jüdische Atmosphäre von ernsten, brennenden Problemen erfüllt ist, die eine logisch-tiefe Behandlung und gründliche konkrete Lösung erfordern, wagen es unsere Gegner, die Gegner des gesetzestreuen Judentums, während wir alle. austauchenden Fragen im Geiste der Thora und Tradition zu lösen bemüht sind, sich in ihrem Kampfe gegen uns der empörendsten Lügen und Verleumdungen zu bedienen und versuchen es, alle unsere öffentlichen Versammlungen durch die verschiedenartigsten terroristischen Mittel zu stören. Unsere Gegner merken, daß die frommer» jüdischen Massen im Osten politisch reif und selbstbewußt werden, daß sie sich von der bisherigen unerbetenen Bevormundung sreimachen und die Gründung einer eigenen starken Weltorganisation anstreben, mit dem Zwecke, alle jüdischen Fragen und Probleme im Geiste des alten Judentums zu lösen. Daß diese orthodoxen Massen sich zur energischen organisatorischen Tätigkeit aufraffen, hat nun auf unsere Gegner vernichtend gewirkt und ihnen einen Todesschrecken eingejagt. Wissen sie doch, daß nunmehr ihre Stunde geschlagen hat, daß die fromme Judenhett sich jetzt mit Abscheu und Empörung von all den unverantwortlichen verräterischen Taten abwenden werde, die sie letztens in der jüdischen Welt vollbracht haben! Ja, die Judenhett, die dem einzigen Gott, seiner Lehre und seinen Geboten treu blieb, lebt jetzt auch in organisatorischer Hinsicht auf und trag an Roterüben betrug nahezu 50 Pfd. Während des Winters kommt noch prächtig entwickelter Rosen- und Winterkohl zur Verteilung. Es ist wohl nicht zu hoch gegriffen, wenn der Wert des Gesamtertrages mit 500 ivik. angegeben wird. Dein stehen etwa 92 Mk. Ausgaben für Sämereien und einige Frühgemüsepflanzen gegenüber. Der Anbau von Kartoffeln ist mcht besonders gelungen. Jedenfalls ist der Boden hierfür nicht geeignet. An' einem prachtvollen Herbsttag wurden die Kartoffeln gemeinsam geerntet. Bald loderte ein lustiges Feuerchen, worin diese gebraten wurden. Alle versicherten, noch niemals solch köstliche Kartoffeln gegessen, zu haben. Nach den Herbstfeiertagen konnten wic noch für das nächste Frühjahr Feldsalat und Spinat einsärn und Kopfsalat and« pflanzen. Dann aber setzte viel früher wie gewöhnlich Regen, Schnee und Frost ein und machte unfern Arbeiten ein jähes Ende. Mögen uns im nächsten Jahre neue volkserzieherische und volkswirtschaftliche Erfolge beschieden sein. Möge der Umgang mit der Natur unsere Kinder zur Verinnerlichung, zur Veredlung des Gemütes führen. (Konfession der Reichstagsmitglieder). Obwohl amtlich nach der Konfession des deutschen Bürgers nicht mehr gefragt werden darf, haben doch die Reichstagsmitglieder in ihren Angaben für das Handbuch des Reichstags nicht vergessen, ihre Konfession anzngeben. Danach zählt der neue Reichstag 173 Evangeltsche, 105 Katholiken und 5 Juden? dem stehen jedoch 139 Dissidenten, 1 Atheist und ein Ungetanster gegenüber. ,DaS Verhältnis der KonfessionSbekenner zu den Konfessionslosen beträgt also 3:1.