Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1920)
- Date
- 1920-07-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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’i - Sette 6 Nr. 27_ . anderen kurhesfischen Gemeinden in gleichem Sinne vorstellig werden und daß nötigenfalls ein Zusammenschluß sämtlicher kurhesfischen israelitischen Gemeinden erfolgen möge, falls es nichk von vornherein gelingen sollte, diese einf ad ften und natürlichsten Rechte jeglicher politischen, kirchlichen und sozialen Gemeinschaft zu erreichen, die den kurhessischen Juden gemeinden dis heute versagt war. Oesterdeich. Her HJahlausgang in Wien. Wie«, 28. Juni.. Die Wahlen in den Vorstand der Kultusgemeinde, auf die schon seit Wochen ein wütender Parteikamps. vorbereitete, verliefen am letzten Sonntag verhältnismäßig ruhig und ohne Störung. Die zionistische Liste errang 13 von den 36 Sitzen, die in der Kultusstube zu besetzen sind. Im alten Gemeindeparlament waren sie nur mit zwei Stimmen vertreten. Die Orthodoxie, die bis jetzt gar keine Vertreter in dem Vorstand hatte, hat sich drei Sitze erobert. Die anderen zusammenarbeitenden Parteien, die sich „Nichijüdischnational" nennen, verl,ren zwar 14 Mandate, bleiben aber mit ihren 20 Stimmen immer noch in der Majorität. Die Wahlbetelligung war ziemlich stark: von 19 000 Wahlberechtigten sind 10 553 zur Urne gegangen. Der Erfolg der Zionisten erklärt sich durch die ungemein rührige Agitationsarbeit derselben und durch die Wahlhilfe eines Teiles der GesetzeStreuen aus Galizien, die man durch alle möglichen Verheißungen zu ködern wußte. Die unabhängige Orthodoxie hatte demgegenüber einen ztejnltch schweren Kampf. Ungarn. Ungarn o3er Europa? Wie«, 28. Juni. Die Wiener Arbeiterblätter veröffentlichrn den vollständigen Bericht der britischen vereinigten Arbeiterdelegation, die die Zustände in Ungarn erforscht hat. Sie erwähnt, daß sie volle Freiheit der Bewegung hatte. Manche Fälle sind so haarsträubend scheußlich, daß ihre genaue Wiedergabe nicht möglich ist. Oberrabbiner ßöw ensbsttet. Wierr^ 1. Juli. Wie endgültig gemeldet wird, hat die Budapester Ober'staateanwalrschaft ihre Zustimmung dazu erteilt, daß der Szegedtner Otzerrabbiner Dr. Immanuel Löw, dessen Verhaftung auf die denunztatorische. Fälschung des in Wien befindlichen Holosfy erfolgt ist, aus dem. Gefängnis entlassen werde. Dr. Löw-befindet sich in seiner Wohnung, die von der Polizei überwacht wird. Noten. Aus Ser lüarfchauer öemeinfleffube. Warschau» 1. Juli. Wie nicht anders zu erwarten war, nimmt sich die antisemitische Presse des Falles Perlmutter mit großer ^Liebe an. Das bekannte führende Organ der Hetzbrüder „Dwa-Groscha" , weiß eine ganze Serie von Märchen zu erzählen über die Londoner Reise des Rabbiners, die polenfeindlichen Zwecken gedient hätte und über Ungenautgkeiten in den Martrikelbüchern, die zur Amtsabsetzung des Rabbiners führten und dergleichen mehr. Ob den zionistischen Demagogen jetzt die Augen ausgehen über das Unheil, das sie aus purem Hasse gegen die Thora und ihre Träger, über die Judenheit bringen? AguOas Israel in öfigali?ien. Lemberg, 30. Juni. Die Aguda-Bewegung, die kurz vor dem Kriege hier festen Boden zu gewinnen versprach, Der JsrsetU geriet während des Weltkrieges in eine begreifliche Stockung. Einmal hatten die Führer zum großen Teil Galizien verlassen, andererseits war auch die ökonomische Lage, die Sorge um Leben und Eigentum und das tägliche Brot, nicht gerade""dazu angetan, die Herzen für hohe Ideale zu begeistern. Run aber ist es doch mit vieler Mühe gelungen, eine Aguda Zentrale für Ostgalizien zu gründen und damit die Basis für eine gedeihliche Tätigkeit zu schaffen. In erster Reihe wird die Aguda dem Neuaufblühen des Thoralernens wieder die Wege ebnen. Denn gerade darin sieht es hier sehr trostlos aus. Es fehlt an Lehrern und an Schulen und nur eine große Liebe zur heiligen Sache kann alle die Schwiertgkriten überwinden, die sich heute hier einer jüdischen Tätigkeit in den Weg stellen. Die Warschauer Landesorganisation hat ihre kräftige Mithilf; zugesogt, was die besten Perspektiven für die Zukunft eröffnet. Tfchecho-Sionrakei. Die orlhaSoxe LanSesiianjlei beim Präfiöenten IPalaryk Aratislava, 2. Juli. Die Mitglieder der orthodoxen Landeskanzlei unter Führung des Präsidenten Kokoman Weber wurde am Mittwoch vom Präsidenten Masaryk in etnständiger Audienz empfangen. Der Präsident ließ sich in eingehendster Weise über das Wesen und über die Wünsche der Orthodoxie auf religiösem und politischem Gebiete unterrichten und erkundigte sich mit großem Interesse auch nach den grundlegenden Unterschieden, welch; die Auffassung der Orthodoxie von derjenigen des Zionismus trennen. Nach der Audienz beim Präsidenten begaben sich die Vertreter der Lrndeskanziet zumDultusminister, bei dem wertvolle Zugeständniffe hinsichtlich des Jeschtwawesens erlangt wurden, sowie alsdann zum Ernährungsmtnister zwecks Besprechung der Versorgung mit rituellen Lebensmitteln. Die Mitglieder der Deputation äußerten sich höchst befriedigt über das Ergebnis der sämtlichen Besprechungen. flguSas Jisroel in rWecka-Slavakien. Arairslava (Preßburg), 2. Juli. An zahlreichen Orten des Landes sind anläßlich der Anwesenheit des Herrn Rabbiner Dr. Kohn diese Woche Ortsgruppen der Agudas Israel gegründet worden. Von großer Bedeutung ist insbesondere die Gründung der Ortsgruppe Galan ta dessen Rabbiner, als Leiter der größten Jeschiwa des Landes von größtem Einfluss^, bisher der Aguda-Bewegung fern gestanden' hatte, M ist zu erwarten, daß bis zu.den Herbstseiertagen die tschecho-slowakische Landesorganisation der Agudas Israel vollkommen ansgebaut sein wird. Hand in Hand damit geht die Gründung von Jugendgruppen, denen die thorabefliffene Jugend in Heller Begeisterung sich anfchließt. Personalien. Hamburg, 5. Juli. Am Donnerstag, den 1. Juli d. Js., feierten die Eheleute W. Wreschner das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Zu Ehren des Jubelpaares fand in der festlich geschmückten Synagoge der Kelilath Jofi und Agudath Jeschartm-Bereinigung, Heinrich Barthstraße Nr. 5, weiche der 84 jährige Greis täglich zum Morgen- und Abendgottesdienst besucht und in welcher er ehrenamtlich als und ypn ‘jjd fungiert, ein Festgottesdienst statt. Der von Herrn Oberkantor I. Dreiblatt geleitete Chor sang «in *pi2, lars p’l'i und am Schluß rrfrtor. Ein Mitglied der Verwaltung hielt eine Ansprache, bei welcher er eine von dem Vorsitzenden der hiesigen Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Herrn Jakob Katzenstetn, in klassischem Hebräisch abgefaßte Adresse überreichte. Als Vertreter des Synagogenverbandes hielt Sr. Ehrwürden Hern Rabbiner Dr. Bamberger an Stelle des zurzeit von Hamburg abwesenden Herrn Oberrabbiners die Festrede. Für die Synagogenbesucher sprach Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Diamant. Am Schlüsse dankte der Jubilar selbst sowie sein Sohn, Herr Rabbiner Dr. Wreschner, Samter, der Verwaltung für den würdigen Verlauf der Feier. Die Vorstände der Deutsch-Israelitischen > 8. Juli 1930 Gemeinde, des Synagogenverbandes, der vereinigten alten und neuen Klaus, deK Repräsentanienkollegiums und des Delegiertenkollegiums entsandten ihre Vertreter zu der Feier. Möchte dem Jubilar, der in seiner Thorakunde, seinem Mizwosetfer und feiner Bescheidenheit, 8er Stolz unserer Gemeinde-ist, im Verein , mir seiner Gattin ein froher, glücklicher Lebensabend beschlederr-sein. Freiburg i. 4. Juli. Am rpn vis» hauchte eine edle jüdische Frau ihre reine Seele aus. Frack A. H. Dreyfus yat das seltene Älter von 84 Jahren beinahe erreicht. Es war ein Leben, das erfüllt war mit Ausübung aller jüdischen Pflichten. In ihrem Hause wurden die Hungrigen gespeist, .kein Armer kehrte umsonst ein, die Kranken wurden allenthalben und oft besuchteres ist keine Klinik an der hiesigen Universität, in der sie nicht war, um die Pflicht von n"ar im wahrem-Sinne des Wortes zu erfüllen. Sie war das verkörperte Beispiel einer echtjüdischen Frau, d'e die Pflichten einer solchen äußerst streng genommen, nicht nur die Familie, sondern alle die sie näher gekannt, blickten mit wahrer Berehrunq auf diese Frau, die nichts Unterlasten, um ihre Mitmenschen zu erfreuen. Dem hohen Ansehen und ihrer Beliebtheit entsprechend, war auch die Beteiligung an der '<V? ganz außerordentlich groß und die Teilnahme der ganzen Gemeinde fehlte nicht. rrsssri. Bad Orb, 27. Juni. Am vergangenen rat? feierte die hiesige jüdische Gemeinde das 50 jährige Jubiläum der Synagoge. Aus diesem Anlaß fand ein besonderer Jestgotiesdlenst statt. Nachdem die Thorarouen, getragen von den Aeltesten der Gemeinde, in die neue hergerichtete Synagoge unter Chorgesang gebracht wurden, sang der Kantor das irrä na. Hierauf folgte die Festpredigt des Herrn Lehrer S e e l i g. Im Anschluß an den crma N2V1 BHpa 'b 18W betonte der Redner, daß es nicht allein auf die Schönheit des Gotteshauses ankäme, sondern auf den Geist der darin Betenden und ermahnte zur 'n n«T. Hanan, 24. Juni. Eine wahrhaft fromme Frau, Esther Stern, wurde in diesen Tagen neunzigjährig, von dieser Welt abberufen. Nicht nur ihre Kinder und Enkel, denen die Verblichene noch bis in allerletzter Zeit die treue Beraterin war, erleiden einen schweren Verlust, sondern alle Kreise, die sie kannten und verehrten. Frau Stern in ihrer schlichten Vornehmheit, mit ihrem echten, innigen Gottvertrauen, bereu ganzes Leben ein Gottesdienst war, in deren Haus stets Arme Aufnahme und Trost fanden, die in idrer Seelengröße. und Güte für jedermann ein freundliches Entgegenkommen hatte, wird nie aus dem Gedächtnis derer weichen, die das Glück harten, schöne, erhebende Stunden in ihrem Heim zu verbringen. n"anr>. Ermetzhofen, 1. Juli. Am Montag, den 12. Tamus, wurde die Scniorin der hiesigen Gemeinde, Frau Edeie Stein, im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen. Doppelt schmerzlich, so betonte Herr Lehrer Weil am Grabe, steht eine kleine Gemeinde mit der scheidenden Gemeindeschwester ihren Bestand verringert. Ais eine Frau vom alten Schlage rühmte Herr Rabbiner Dr. Brader die Dahtngegangcne. n"2S37i. Vermischtes. Hamburg, 7. Juli. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg bittet uns, darauf aufmerksam zu machen, daß die Restauration in Oberhof seiner Aufsicht nicht untersteht und die dort angesteüte Aufsichtsperson den Anforderungen des Vereins nicht entspricht. . Bad Kissingen, 2. Juli. In der neuesten Nummer des „Israelit" spricht ein „langjähriger Kurgast" seine Befriedigung darüber aus, daß hier durch den Seeligschen Betrieb ein Restaurant entstanden ist, das allen Anforderungen der Neuzeit entspricht. Der Herr Einsender hätte als objektiver Beobachter noch hinzufügen müssen, daß noch ein anderes hiesiges Hotel in diesem Jahre eine ganz bedeutende Erweiterung vornehmen konnte. Das seit vielen Jahren rühmlichst bekannte Hotel Ehrenreich erwarb nämlich im laufenden Jahre das 55 Zimmer enthaltende, bestens eingerichtete freiherrl. v. Sohlernsche Sanatorium und gliederte dieses seinem Hotel-Betriebe an. Die vorzügliche Verpflegung und die erstklassige Leitung dieses Hauses sind weithin anerkannt, das Kaschrus ist mustergültig. Uffenheim, 18. Mai. Vor einer großen Anzahl von Gästen und fast sämtlichen Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde fand am Sonntag die feierliche Einweihung zweier Kriegserinnerungstafeln in der hiesigen Synagoge statt. Ein Doppelquartett unter Leitung des Dirigenten Hoffmann eröffnete die Feier mit dem Begrüßungsgesang „Boruch habbo". Hierauf predigte Herr Distriktsrabbiner Dr. Brader in erhebender Rede über die Worte der Weisen: „Auf drei Grundsäulen steht die Welt: Friede, Wahrheit und Gerechtigkeit". Dann ergriff Herr Hauptlehrer Strauß das Wort und dankte zunächst allen Spendern der inzwischen enthüllten beiden Gedenktafeln, verlas die Namen der gefallenen Helden und zeigte an Hand einiger an die betreffenden Eltern gerichteter Briefe von Vorgesetzten, mit welcher Hingabe sie jederzeit für ihr Vaterland gestritten und wie sie nun auch ihr blühendes junges Leben mutig für die geliebte Heimat geopfert hätten. Die Tafel der Kriegsteilnehmer enthält 21 Namen.