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Der Israelit · 1920-07-08 · Heft 27 (8.7.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 27 (8.7.1920)
Date
1920-07-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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8? Just ISS»;; bet den kapitalkräfLigen nicht-zionistischen Judenschichtrn tm Osten: und Westen aMübringen sind. Wozu schön jetzt über den Charakter der Palästinatättgkeit reden? Der' nation^le Charakter des jüdisch en Sie dlungsgeb i et es in Palästina wird ja eö ipso gegeb^n sein, da j.a d i e z w e t w t ch t t g st e n n a ti o.n a l e n K r i t e rien, L and und Sprache, dort vorhanden sind. U nd von der Orthodoxie droht gewiß kein „Verrat". Schon und gerade die von^er Ort hoboxie prinzipiell betonte Forderung der Beibehaltung alles Jüdischeradionellen in. Palästina gewährleistet bei dem markant-nationälen Gepräge der jüdischen Religion den nationalen Ch arakt er der jüdischen Siedlunge^im heiligen Lande. . Aus den obigen Ausführzrugen ergibt sich nun mit zwingender Logik die Schlußfolgerung nach Einberufung eines Judenkongresses zur Beratung, Beschlußfassung uno Einsetzung^etner Exekutive, über und für alle allgemein-jüdischer Anerkennung sich erfreuende Tätigkeitsgebiete, vornehmlich für die Palästinaarbeit, Emigration un5 Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Golussiedlu^ngen. Gerade dieser Judenkongreß konnte und würde trotz seiner Befassung mi^ rein-wirtschaftlichen Judenfragen gewissermaßen mehr nationale Bedeutung, daZ^ heißt: mehr Bedeutung für die Erhaltung und Entwicklung der Judenhett und des Judentums, haben, als ein nur einen Krastebruchreil des jüdischen Volkes^ umfassender Zionistenkonqreß.. Und gerade die Ziowstrn laden^jetzt eine ungeheure historische Verantwortlichkeit auf sich, wenn sie nicht alles anwenden, Jim wenigstens ein trilweises Zusammenarbeiten zum Wohte der gesamten Judenhett herbeizuführen und zu ermöglichen. “"*■* Denn gerade sie, die immer 4m Namen des jüdischen Volkes und des Judentums reden, sollen jetzt beweisen, ob ihnen ein Instrument der Judenheit, die zionistische Par trj^. höher steht als das Ziel: die Judenheit, das Judentum und Erez Israel! Oder — wird jetzt „der große Moment kleine Menschen finden? Man^ kann begierig sein. — (Siehe hierzu die Wochenrundschau. Red.) Sorrespondenzen und Aachrichten. Dentschss Reicy. Der jionifiifdie Delesierfenfag- Wertiu, i. Juli. Der hier stattgehabte zionistische Delegiertentag in Deutschland stand ganz im Zeichen von San Remo und war von vornherein mehr eine Demonstration, denn eine Arbeitstagung. U. a. wurde scharfer Protest gegen den '„weißen Terror" in Ungarn erhoben. Politische Referate hielten Richard L i ch t h e i m und Julius B e r g e r. Die Palästina-Referate hielten Dr. E. Auerbach und Dr. E. Soßkin. Urber allgemeine Angaben und Anregungen gingen die Referate und die Aussprache nicht-hinaus. Ausschuß und Zentralkomitee wurden per Aklamation gewählt. Sur 5rage Ser öesamlorganisation. Werkin» 4. Juli. Der preußische Kultusminister hat an die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und an den „Verband der deutschen Juden" unterm 21. Juni ein gleichlautendes Schreiben gerichtet, worin er sich bereit erklärt, für das Der Israelit. ,___ Jahr 1921 die Einstellung von Hilfsgeldern für leistungsunfähige Synagogengemeinden iw dem Etat zu erwägen. Voraussetzung hierfür sei jedoch die Errichtung einer die gesamten Synagogengemeinden umfassenden Organisation, die analog der Regelung bei der evangelischen und der katholischen Kirche neben der aushllfsweisen Betätigung des Staates in erster Linie die Kräfte der leistungsfähigen Gemeinden in den Dienst der hilfsbedürftigen Religionsgemeinden stellt. Der Minister fügt hinzu, daß dem Vernehmen nach Verhandlungen über Schaffung einer solchen Organisation bereits im Gange seien. Er könne diesen Bestrebungen nur den besten Erfolg wünschen und wäre dankbar, wenn er über den Fortgang durch die dem Ministerium als Sachverständige betgeordneten Herren Rabbiner Dr. Munk und Justizrat Lilienthal auf dem Laufenden erhalten würde. Der „Verband der deutschen Juden" versendet dieses Schreiben nebst dem von ihm jetzt fertiggestellten Entwurf zur Bildung eines Reichsv erbandes jüdischer Gemeinden an die Presse nebst dem Abdruck eines Schreibens, das' der Verband an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gerichtet hat. In diesem Schreiben wird der Vorstand aufgefordert, die Initiative zurBildung des Reichsverbattdes, event. gemeinsam mit den übrigen Großgemeinden, zu ergreifen. Es sprechen nach Ansicht des Verbandes erhebliche Bedenken dagegen, daß der D. I. G. B. seinerseits sich in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft mit dem Rechte einer Religionsgesellschaft umwandle. Bus der Breslauer Synagogengemeinde. Wreskau, 30. Juni. Der Repräsentantcnvrrsammlung der Synagogengemeinde Breslau lag. in der letzten Sitzung der Haushaltsplan für 1920/22 vor. Der Gemetndevorstand ersucht, den Allgemeinen Haushaltsplan für 1920/22 in Einnahme mit 664,578.96 Mark, in Ausgabe mit 2,410,531.51 Mk., demnach mit einem Beiiragssoü von 1,745,953.55 Mark nebst den näher bezetchneten Anträgen der . einzelnen Haushaltspläne zu genehmigen, ferner sich damit einverstanden zu erklären, daß der Prozentsatz der Beiträge auf 42 vom Hundert (anstatt bisher 22 Prozent), für die in der Stadt wohnenden Gemein demitglieder, 28 vom Hundert (anstatt bisher 14%), für die im Landkreise wohnenden Gemeindemitglieder festgesetzt werde. Man beschloß einstweilen Vertagung der Vorlage. Die Belebung des Diifribfsrabbinafs. Würzvurg, 28. Juni. Nachdem der hiesige Rabbtnatssitz mehr denn ein Jahr verwaist war, hat vor wenigen Tagen der neue Rabbiner sein Amt übernommen. Zaghaft und beklommen blickte man beim Hinscheiden des allverehrten Distriktsrabbiners Nathan Bamberger b"X) in die Zukunft der Gemeinde. Ernste Gefahren für die Einheit von Stadt und Distrikt schienen im Anzuge, denn es war mehr als fraglich, ob die zahlreichen liberalen_Würzburger Gemeindemitglieder ihre Stimmen einem gefttzestreuen Kandidaten geben würden. In mehreren Versammlungen der drei Gemeindeparteien, sowie auch in gegen-' fettigen offiziellen und inoffiziellen Besprechungen wurde die Rabbinatsfrage eifrig diskutiert. Dem besonnenen und taktvollen Auftreten der Führer der hiesigen Orthodoxie, ist es zu danken, daß in den weitesten Kreisen der Kultusmitglteder der. Gedanke durchdrang, die bisher gewahrte Einigkeit in der Gemeinde durch die Wahl eines konservativen Mannes erhalten zu wollen. So konnte der bisherige zweite Stadtrabbiner in Köln, Herr Dr. Siegmund Hanover nahezu einstimmig aus der Wahl hervorgehen. Am Freitag, den 25. d. Mts., fand in Gegenwart von Vertretern der Stadtverwaltung, der Regierung, der Geistlichkeit, der Universität, der Presse, der Kultusverwaltung uud der überaus zahlreich er- Ro. 37 Seite 5 fchienenen Gemeindemitglieder die feierliche AmlSein. führung in der festlich geschmückten Synagoge statt Der erste Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Rechtsanwalt Dr. Haas, begrüßte in herzlichen, wirkungsvollen Worten das neue geistliche Oberhaupt und beglückwünschte Herrn Dr. Hanpver zu seiner unter 31 Bewerbern erfolgten Wahl. Herr Dr. HaaL er- ] innerte kurz an die Verdienste des Rabbiners in seinem bisherigen Wirkungskreise Köln, an seine aufovfernde Tätigkeit als Feldrabbiner, gedachte der Wichtigkeit eines RabbineramteS und bat ihn zum Schluffe, nunmehr den ihm gebührenden Ehrenplatz einnehmen zu wollen. Nach Bortrag von Pf. 122 bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel zu einer groß angelegten, formvollendeten Antiittspredigt. Anschließend an die verklungenen Psalmworte enrbot er zunächst > Friedensgruß dem schönen Bayernlande, der Stadt Würzburg, sämtlichen Ehrengästen und Mitgliedern der Kultusgemeinde. Dann zeichnete er in immer mehr begeisterter und begeisternder Weise die Ausgaben und Pflichten eines wahren Lehrers drS Judentums, begründete eingehend, wie der Rabbiner ein jnsi K12J, Priester und Prophet in einer Person fein müsse, b-e:? sr&ib ps y.C’H von den irdischen Niederungen eine tragsähiae Brücke zu schlagen zu den höchsten Idealen drS ' ‘ Himmels und Israel zu eiützm 'n cy wahrhaften Gottesvolke emporzulekten. Im Vertrauen auf die Hilfe Gottes und die Unterstützung aller Behörden und Gemeindevvrstände, trete er sein schwieriges, verantwortungsvolles Amt an. Er schloß mit andächtigen. Gebetesworten für Vaterland und Stadt. Stimmungsvoll umrahmt wurde die Feier durch die wohlgelungenen Gesänge des ersten Kantors und des Synagogenchores. Am Sabbat Morgen hielt Herr Distriksrabbtner De. Hanover eine gleich fesselnde Predigt. Mannigfache, ernste Aufgaben harren denen ernannten Rabbiners. Möge es ihm n"1D gelingen, den alten Ruhm des Würzburger Rabbtnats zu erhalten zum Heile der Gemeinde | und des gesamten Judentums. | Die fturfieffiidie 3udennerorönung. 1 Eschwege, 1. Juki. Die israelitische Gemeinde Eschwege hat bei der Regierung in Cassel beantragt, die kur- * 7 hessische Judenverordnung vom Jahr 1823 resp. 1833 wie folgt-abzuändern:; 1. Die Aeltesten der Synagogen-Gemeinden sollen nicht wie seither von den Kreisvorstehern vorgeschlagen und von den Vorfteherämtern ernannt, sondern von den 1 Gemeindemitgltedern auf Grund einer zu schaffenden Wahlgesetzgebung gewählt werden.? 2. Die Provinzialvorsteherämter sollen sich ■{ aus Mitgliedern zusammensetzen, welche | durch Wahl aus sämtlichen Gemeinden der j ganzen Provinz entnommen sind. Insbesondere müssen Gemeinden mit über 100 Seelen darin vertreten sein. Für den Fall der Behinderung sollen den Mitgliedern des Vorsteheramtes gewählte Stellvertreter beigegeben werden. 3. Bet Festsetzung des Haushaltungsplanes :’j der Provinzen muß eine Mitwirkung der Gemeindevertretungen gesichert, werden. Die Heranziehung zu den Gemeinde- und den Provinztallasten soll auf Grund ) des Landessteuergesetzes vom 30. 3. 20, i wonach das Einkommen zu Steuerzwecken f der Religionsgesellschaften des öffentlichen j Rechts nur in Form von Zuschlägen zu den Reichseinkommensteuern herangezogen darf, (§ 15, Abs. 1), auf gesetzlicher Grundlege erfolge^ 4. Den Organen der Gemeinde soll die Be- ’ fugnis beigelegt werden, sie nach außenhtn rechtlich zu vertreten.! 5. Die Beiordnung landesherrlicher Kom- / missare zu den Provinzial - Vorsteherämtern und ganz speziell zu den Sitzungen 4; des Landesrabbinates möge unterbleiben. Die Mangelhaftigkeit der kurhesfischen Judenverordnung von 1823 resp. 1833 ist in diesen Spalten schon zu wiederholten Malen gründlichst - erörtert worden. Es dürfte sich daher erübrigen,; heute nochmals näher darauf einzugehen, zumal | die einzelnen Absätze der vorstehenden Eingabe! der israelitischen Gemeinde zu Eschwege klar! erkennen lasten, um welche Dinge es sich handelt , Jedenfalls dürste zu empfehlen sein, daß di^ r T-Trrrrr—ri -<m ~‘rT mrr m*Vi rvir.^Tn t«-

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