Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1920)
- Date
- 1920-07-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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8 Juli 1920 ■ Organ sei keine PMikalivn der Bolschewisten,. sondern es sei in England für- Engländer geschrieben und bewahre deshalb geMß die. größtmögliche Mäßigung in. der Form. Das Foreign Office solle sich darüber unterrichten, welche weitgehenden Ansprüche in diesem Organ seit zwei Jahren systematisch im Namen der Zionisten vertreten werden, Ansprüche ans vorzugsweise Behandlung, welche mit einem bloßen „Platz an der Sonne" ganz unvereinbar seien. Die Regierung stehe unter dem» Verdachte, daß sie versuche, den Weg zu bahnen dahin, daß, wenn die Dinge reisten, die Inden Besitz vom gelobten Lande ergreifen könnten. Das würde ein v'änz-, sich verkehrtes Prinzip sein.- Die Juden bildeten nur Vw der Einwohner und die heutigen Juden hätten mit dem alten -Namen, den sie tragen, nichts zu tun. Respektable Juden sollen einwandern können wie andere Leute, aber mau sollte nicht versuchen, andere an der Einwanderung zu verhindern. Der'Redner hofft, daß Sir Herbert Samuel die Hoffnung seiner Stanr- - mes- und Glaubensgenossen enttäuschen, lverde. Der Redner schloß: „Ich vertraue, daß die Regierung Sorge tragen wird, daß nichts gegen die.' Wünsche der Landesbevölkerung geschieht, um die Erwartungen der über die.ganze Welt zerstreuten Kreise zu fördern, die versuchen, sich dort einzudrängen wo man ihrer nicht bedarf." Die Debatte fand einen etwas überr a s ch e n däu Abschluß dadurch, daß der In-; terpellant Lord Sy de uh am folgendes erklärte: „Meine Herren! Ich glaube, daß die Rede des ■ Ministers des Auswärtigen viele Leute beruhigen wird, welche in dieser Angelegenheit von Angst erfüllt ware'n. Er hat uns klar erklärt, daß es in Palästina keine zionistische Regierung geben wird, daß das Vorleben der Einwanderer gründlich geprüft und kein Zufluß von unbotmäßigen Leuten geduldet werden wird. Der Minister hat auch gesagt, daß es k e i n e r l e i B o r z u g s b e h a n dl u n g geben wird bei denr Ankauf von Grund und Boden. Alle diese Dinge" werden einen großen Teil der Unruhe beseitigen, die im Land empfunden worden ist. I ch ziehe d a h e r m e i n e n Antrag zurück." q- -t- -I- Wir haben es für unsere Pflicht gehalten unseren Lesern ein genaues Bild her unseres Erachtens außerordentlich wichtigen Parlamentsverhäßdlung zu geben und behalfen uns vor, aus die' Lehren, die daraus gezogen werden müssen, noch zurück zu kommen, sobald man die ministeriellen Erklärungen mit der zu erwartenden programmatischen Aeußerung Herbert Sanmets in Jerusalem wird vergleichen können. Es ist kein Lrr Mratttt. [ Wunder, daß im Gegensatz zu der offiziellen zio-! nislischen Presse, die lediglich daraus nnsg-'ht,! die Volksmasse in einen Taumel von trügerischen Illusionen zu versetzen, das einzige ernst zu > nehmende zionistische Blatt „Jewish Chrouicle" an die Ausführungen Lord Curzons höchst nachdenkliche Feststellungen knüpft. Lor Sydenham habe vollkommen Recht gehabt, wenn er Curzons Erklärung auch von seinem Standpunkt ans für besriedigerid betrachtet. „Wo ist nun," so fragt „Jewish Chronicle", >„ das jüdischnationale Heim? Wo das Heim, wie es das jüdische Volk verstand und wie es zu verstehen verleitet worden ist?" Im Gegensatz zu Weizmann, der oft erklärt habe, daß es sich darum handle, durch die Einwanderung die jüdische Minorität in eine Majorität zu berrvandeln, wolle die englische Regierung lediglich eine ausgewählte Anzahl Juden zur Einwanderung ein laden. Diese Juden wür- ' den Heimstätten dort finden, aber politisch würoen sie nicht Juden sein, sondern palästinensische Untertanen des britischen Reiches. Ein solcher Plan, wie ihn die. englische Regierung jetzt offensichtlich verfolge, könne manche Vorteile haben, aber klar sei, daß er weder Zionismus, noch jüdischer Rationalismus genannt werden könne. Keinesfalls sei es dasjenige, was Dr. Weizmann unter der Balfour-Dekoration verstanden habe. ~ „Jewish Chronicle" weist noch auf den offensichtlichen Gegensatz hin zwischen den Erklärnngt'it Lord Curzons und der enthusiastischen Rede Samuels auf dem Abschiedsdiner bei den Zionisten, welche ganz und. gar Hoffnung aus den Triumph des jüdischen Nationalismus geatmet habe. Wir können unsererseits einen Gegensatz zwischen diesen beiden Aeußerungen nur soweit finden, als naturgemäß verschiedene S t i m m u ng e n anr Ministertisch, und bei einem Abschieds- Diner die Reden zu nuancieren pflegen. Sachlich hat auch Herbert Samuel nichts vorgebracht, was auch nur im entferntesten den Mi ßb r a u ch rechtfertigen könnte, wie er gegenwärtig von. den zionistischen.P^ßorganen in allen Tonarten mit dem heiligen Worte „Geulah" getrieben wird. Herbert Samuels Abschiedsrede war nur ein Beweis dafür, wie selbst ein reifer und kühler Politiker stinMUNgsmäßig der Suggestion seiner Umgebung unterliegt. Mchennmdscha». Welthilfskonserenz und Wirtschastskongreß. Das Pariser „Komitee der Delegationen" eine im wesentlichen zionistische Schöpfung, hat m. 27. Seite 3 f auf Ende Juli eine „WclthnlfSkvnferenz" nach! Karlsbad cinberuf'M, die über die Probleme deü wirtschaftlichen Wiederaufbaus in den Gebieten des östlichen Judenelends verhandeln soll. An und für sich könnte man meinen, daß bet dieser Frage tatsächlich die Möglichkeit einesZu sa m men- Wirkens allerJaden nnd jüdischen Organisationen gegeben wäre, und es ist sicher, daß man auch auf orthodoxer Seite den Wunsch nach der Verwirk.ichung dieser Möglichkeit aufrichtig und innig empfindet. Dennoch hat es nicht den Anschein, als ob vorerst Aussicht auf irgend eine gemeinsame Aktion vorhanden wäre. Die großen philantropischen Organisationen: Joint Distribution Commitee, J. C. A. und Alliance Israeliten?erben, soweit bisher bekannt, in Karlsbad n i ch t vettreten sein, sodaß auch die an sich wünschenswerte Teilnahme der „Agudas Jisroel" praktisch von geringer Bedeutung sein und sicherlich von zionistischer Seite leicht parteipolitisch ausgebeutet werden könnte. Wir bedauern das im Interesse der Sache. Das Komitee hätte ruhig die Initiative den älteren Hülss-Organisationen von gewissermaßen speziallstlschmi Charakter überlassen dürfen, um eine allseitige Teilnahme zu erleichtern. Daß das Pariser Komitee eigensinnig an seiner eigenen Initiative festgehalten hat, läßt sich nur aus den höheren Zwecken erklären, die es bei dieser Aktion im Auge hat: es soll auch die Wiederaufbau-Arbeit dazu benützt werden, um der überkonfessionellen politischen Zusammenfassung des jüdischen Volkes unter zionistisch er Führung die Wege zu ebnen. Man will ja ohnedies in Paris unter den tönenden Namen „ Waad hoarozaus" sich als Gesamt-Repräsentanz der jüdischen Gemeinschaft .auf dem Erdenrund? etablieren, und es ist klar, welche Förderung diesen lebensgefährlichen Plänen aus einer großangelegten Rettungsaktion unter Leitung des „Komitees der Delegationen" erwachsen muß. Dieser Gesichtspunkt scheint uns auch in den sonst gewiß zeitgemäßen Ausführungen außer Acht gelassen, die unser geschätzter Mitarbeiter Dr. Benzion Feßler,in dieser Nummer zur Kongreßfrage veröffentlicht. Th eore tisch und prinzipiell ist der Gedanke einer allgemeinen jüdischen Wirtschaftsorganisation in der Form eines Kongresses einwandfrei — praktisch aber müßten sehr, sehr starke Kauielen geschaffen werden, wenn nicht für die Orthodoxie daraus schlimme Konsequenzen erwachsen sollen. Führer auf einem solchen „Kongresse" werden nicht die klugen und stillen Männer der Praxis und der jüdischen Lehre sein, sondern die Volksredner -und Dema- Frankreich ...... 150 000 Algerien und Tunis . . . 150000 Arabien.. 130 000 Griechenland ... . . . 120000 Holland . . . . . . . . . , f 110000 Marokko .. 110 000 Argentinier, ..... 100 000 Kanada.. . 100000 Türkei .. 100 000 Palästina. 100000 Australien. 20 000 Europäische Länder ohne besondere Aufzählung ..... 200 000 Asiatische Länder ohne besondere Aufzählung .......... 100000 Amerikanische Länder ohne zählung ..... besondere 80 000. Demnach beherbergen mehr als je eine Million Juden drei Länder: Polen, die Ukraine und die Vereinigten Staaten. Zwischen 590 000 und einer Million leben auch wieder in drei Staaten: Rußland, Rumänien und Deutschland. Dagegen sind in Palästina nur 100 000. in so großen Ländern wie Argentinien und Kanada ebenfalls nur je 100 000 Juden ansässig. Bon besonderem Interesse wäre es gewesen/ hätte die genannte amerikanische Zeitschrift auch Zahlen für die Zusammenballung der Juden in den Städten, zumal in Großstädten, veröffentlicht. Dann hätte sich ergeben, §aß die größte Judenstadt der Welt nicht etwa wie vor zehn Zähren Warschau geblieben ist, sondern, daß ihr darin der Rang von Nerv-Jork abgelaufen wurde. Prozentual freilich spielen die mehr als eine Million Juden, die in New-Aork leben, keine ganz so große Rolle, wie an sich die geringere absolute Ziffer in Warschau, . Die Gesamtzahl aller Juden auf der Erde wird auf 15438 000 angegeben. Non der gesamten Menschenzahl sind das etwa 0,9 v. H. (Wie Juden christliche Flüchtlinge behandeln). Nach den Uebcrfällen, welchen die jüdischen Kolonien in dem von Franzosen besetzten Teile von Galiläa ausaesetzt waren, Ist nunmehr auch eine Anzahl von christlichen Dörfern in der fürchterlichen Weise ein Objekt der in dem nördlichen Gebietsstreifen Palästinas herrschenden Unsicherheit geworden. Die Dörfer Ein Ebel, Aramesch und Kibh nördlich von Sased, wurden^von Beduinen überfallen, 130 Personen, darunter Jräüen und Kinder, hingemordet. Die überlebenden christlichen Araber flohen nach Sased, wo sie von der jüdischen Gemeinde in liebevollster Weise ausgenommen wurden und Wohnung und Verpflegung erhielten. In Liberias wurden 250 Flüchtlinge auf Rechnung der Juden verpflegt. (Ostenropa und die Juden). „Oüserver" verüffentlicht ein offenes Schreiben von Dr. Blanc über die Lage in Osteuropa mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Frage, worin unter anderem ausgeführt wird: „Die Rettung Europas kann nur mit dem Kampfe gegen den Antisemitismus gleichen Schritt halten. Die Juden sind ein bedeutender Faktor im Wirtschaftsleben Europas und jeder Versuch sie von der weiteren Betätigung auf diesem Gebiete sernzuhalten, müßte eine allgemeine wirtschaftliche Katastrocthe nach sich ziehen. Polen, Litauen und Ukraine stehen jetzt vor der Alternative, die Juden in den Dienst deS wirtschaftlichen Aufschwunges ihrer Länder zu stellen, oder durch einen künstlich gezüchteten Antisemitismus selbst zu verkümmern, selbst im zaristischen Rußland, das für die ökonomische Erschließung Rußlands die Deutschen ms Lrnd rief, haben die Juden in der Volkswirtschaft Bedeutendes geleistet. Dies war auch der Grund, daß die russischen Kaäfleute immer für die Gleichberechtigung der Juden und deren uneingeschränkte freie Beschäftigung in allen Zweigen des öffentlichen Lebens eingetreten sind. SaS-si-Anfang und Ausgang. Anfang h Dstrmr UbrlMin.'lSSO! 8680 I m Min. Frankfurt a. M. 7 ™ i ». '>0 Juli 24.TnmuS 9 35 Bern« .... 7 30 9 2G München . . 7 15 ' 9 03 Strakvnrs . . — i — —. Sinttaart. . . — i — — Bose« .... — \ — — Nürnberg . 7 15 I 9 U Hamburg . . . ~ 9 55 Um Irrtümer zu vermeiden, macht der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser darauf aufmerksam, daß das Restaurant Charig in Overhof (Thüringen), nicht unter seiner Aussicht steht und eine dem Verein genügende Schomerath nicht har. iSSi