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Der Israelit · 1920-07-08 · Heft 27 (8.7.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 27 (8.7.1920)
Date
1920-07-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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G,ltr 2 27 rein gefühlsmäßig: aber der äußere Anlaß, der England nach Palästina geführt habe und der es veranlassen müsse, dort Zu bleiben, sei doch strategischer Natur. Das englische Krie'gsmut sei sich vollkontmeir klar darüber, daß die Sicherheit Aegyptens durch den Besitz Palästinas bedingt sei. Was die gegemnärtige Lage im heiligen Lande betresse, die Lord Sydenham so düster gemalt habe, so sei es nun einmal das Schicksal des heiligen Landes zu allen Zeiten der Weltgeschichte d e r E r r e g e r l e i d e n s ch a f t l i ch e r Gefühle zu sein, die Gegnerschaft . und Feindschaft ^heranfbeschwäreir und daß auch heute noch eine Tendenz zur Wiederbelebung dieser Traditionen vorhanden sei. Zweifellos sei aber Palästina ein Land, in den: Raum und Möglichkeit ist ftir eine größere Bevölkerung, für besseren Landban, viel mehr Eisenbahnen, bessere sanitäre Verhältnisse, beisere Forstwirtschaft und für die Entwicklung aller Hilfsquellen wirtschaftlicher Art. Da zur Lösung dieser wirtschaftlichen Ausgaben bisher weder die Türken 'noch die Araber fähig seien, so habe man es für richtig gehalten, den Juden die Gelegenheit zu gewähren, diese Aufgabe i it ihrer altcn Heimatzu lösen. Ter gegenwärtige Gegensatz zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung sei erst n e n e r e n Ursprungs: früher hätten die jüdischen K o l o n i e n i n v.o l l e r F r e u n d s ch a f t m i t d e n A r a b c r n g e le b t und seien sogar wegen der Entwicklung des Wohlstandes, die sie dem Lande brachten, p o p u! ä r g e wese n. Auch fetzt seien die beiden Rassen absolut unentbehrlich für das Heil des Landes: die große Majorität der 5—600 000 A r a b c r kraft ihrer Bedürfnislosigkeit, ihrer heimischen Interessen, ihres Patriotismus, die Juden oder Z i o - n i st e ü andererseits wegen ihrer U n t c r n e h - m u n g s l u st, i hres R e i ch t u in s, ihrer außerordentlichen Rührigkeit. Warum sollten sich diese beiden Gruppen b e f e hd e n, statt sich zu ergänzen? Der Minister zitierte dann wörtlich die «svor kurzem bereits im „Israelit" abgedruckten) Paragraphen des türkischen Friedensvertrages, wobei die Balfour-Erklärnug w örtlich eingerückt ivnrde. Aus die direkte Frage des Interpellanten, wie die Rechte der nichtjüdischen Mehrheit ge-; sichert werden sollten, antwortete Curzon: „ T n r ch die E i n r i ch l u u g ein e r Zivi!- r e g t e r n n g und d u r ch die Vor k e h r n u - a e n, welche diese Zivilregierung s ü r die innere S i ch e r h e i t n n d E ntwi ck -! l u n g des Land es treffen w i rd." Aus die zweite Frage aber nach dem Sinne des „na-! Aoch einmal „zur Abwehr". Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Hiudenburg i. In Nr. 25 des „Israelit" hat Rabbiner Dr. Lervin die Kampfesmeife des sich Otto Arnim nennenden antisemitischen Demagogen beleuchtet, der seiner Tcndenzschrift „Die Juden im Heere", als Lritwort den talmudischen Satz N. Jochanans voranstellt: „Wenn du in den Krieg gehst, so gehe nicht zuerst, sondern zuletzt, damit du zuerst heimkehren kannst" (Pessachim 113 a). Herr Dr. Lewin hebt mit Recht hervor, daß die antisemitische Erfindung der jüdischen „Drückebergerei" durch das talmudifche Zitat eine religionsgesetzliche Stütze erhallen sollte und er erbringt in klarer und seinsinnigrr Ausführung den Beweis, daß die angebliche Stütze eine brüchige und daß die Berufung auf den Talmud eine Täuschung ist, da der talmudifche Satz einen andern Sinn hat, als ihm untergelegt wird. Die Lewinsche Darlegung bedarf aber noch einer kurzen Ergänzung: Die talmudischen Weisen sagen nämlich genau das Gegenteil von dem, was der antisemitische Talmudforscher behauptet. Zu dem Satze Num. 27, 16, „Gott, der Herr der Geister in allem Fleische, möge einen Mann über die Gemeinde bestellen, der vor ihnen ausziehe und vor ihnen elnztehe", bemerken sie: „Nicht wie die andern es tun, die ihre Soldaten voranschicken und selber am Schlüsse nnchziehcn, sondern Der Israelit \ 8. Juli 1920 tionateu Heims" hinsichtlich der Ausübung der Regierungsgewalt, lautete die Antwort: „N e i n. )v e n lr der I n t e r p e l l a n t e g l a a b t h a b e n sollte, d a ß diese R e g i e r u n g soewalt.durch die j st d i s ch e Mi «der h e i t über die n i ch t jüdische M c h r h c i t ausgeübt werde. Die Regie r u n g s g ewa l t wird v i e l ni e h r l e d i g l i ch England als Mandatar macht zu kommen." Er müsse sich versagen Einzelheiten bekannt zu geben, weil Herbert Samuel dies in bett nächsten Tagen gleich nach seiner Ankunft in Palästina tun solle. Eine besondere Erklärung glaubte der Minister zur E i n w a n d e r u n g s s r a g e abgeb'en zu müssen. Sie lautete: „Unsere allgemeine Politik ist, daß kein Mann und keine Frau Zugelassen werden solle, die das Land nicht ernähren kann uno daß M asseneinwa iibentng, ob es nun Juden oder Nichtjuden seren, ob yiese Juden aus Rußland oder aus a udereu Teilen der Welt stammen, nicht gestattet werden w.i r d." Curzon fuhr fort: „Es war ein anderer Punkt, über den ich gefragt worden bin. Nichtjüdische Grund b e s i tz e r w e r d e u n i ch t enteignet oder gezwungen werden ihrenBesitzz.uGunstenderJud.enhe rz »geben. Die Administration wird sich das Recht Vorbehalten, die natürlichen Hilfsquellen des Landes nutesolchen Bedingungen zu enrwickeln, die ihr am besten erscheinen werden. E wird, jüdischer U n t e r n e h m ungS - tust überlassen bleiben, sich ans deut offenen M arkte und zu g lei ch en Be-' d i n g u n g e n mit n i ch t j ndi scheu K ä n - i fern s o l ch e Ländereien z u e r w e r b e n, die u n b t u a u t, a b e r b e b a u u n g s s ä h i g s i n d. Für die Entwicklung dieser Ländereien wird es den Käufern überlassen bleiben sich ihre eigenen Arbeitskräfte zu sichern, und nur w e n n die R e gi eru n g G ru nd zu der Bermutung hat, daß organisierte An st reust u n gengeinach t werden sollten, um die Errichtung eines j ü d i s ch e n n a t i o n a - t e n Heimes zu v erhi n de rn,'k onn te d ie Erg r e i f u n g besondere r Nt a ß n a h m e n für notwendig e r a ch t e t werden, um dieses zu sich e rn. Ich füge hinzu, daß ich mit meinen engsten Freunden darin übereinstimme, daß iuir sehr sorgfältig darüber wachen müssen, daß nicfjt zu viele Einwanderer auf einmal eingesührt werden. Ich denke, es ist sehr wahrscheinlich, daß unter der. zionistischen Kommission, welche von dem Vorredner erwähnt worden ist, Hä tz k ö p f e vorhanden sind, welche törichte Dinge gesagt und vielleicht auch getan! haben mögen."- ' so wie Moses es tat. . . und wie Josua es tat... z und wie Pinchas es tat . . . Daher „der vor ihnen! ausziehe", d. h. an der Spitze, wie es von Joab! heißt . . . Daher „wer vor ihnen ausziehe", d. h. im Kampfe und „der vor ihnen einziehe, d. h. im Kampfe" (Sifra zu Num. 27, 17, vgl. Raschis. Für jeden, der Augen im Kopfe hat, ist die Antwort sonnenklar, ob die talmudischen Le. rer es für edler halten, tapfer und opferbereit zu sein oder feige und selbstsüchtig. Es kann daher keine Rede davon sein, daß an der zitierten Stelle Pessachim 113 a, Feigheit und Selbstsucht zur Pflicht gemacht würde. Die Stelle muß nur richtig verstanden werden. Sie spricht nämlich überhaupt, nicht von einem einzelnen, sondern von der Gesamtheit. Wie Deuter. 20, 1, 21, 10, bezieht sich „wenn du in den Krieg ziehst", auf das ganze Heer und nicht aus den einzelnen Soldaten. Der Satz sagt: Man solle zunächst den Feind ausziehe« lasten und dann erst selber ausziehen, um dem eigenen Lande nahe zu sein und an ihm einen Rückhalt und Rückzug zu haben. Dies ist der schlichte Sinn des Satzes. Es handelt sich bei ihm nicht um einen Lehrsatz der Moral, sondern her Strategie. Ob diese Strategie eine richtige ist oder nicht, ist gleichgültig, zumal N. Jochanans Meriten auf einem anderen Gebiete liegen als auf dein strategischen und sein Satz vermulich nichts anderes ist als das Fazit der Auslegung irgend eines Bibelverses. Aber das kann gesagt werden, daß z. B. der Steg Armins, nicht Armins des Skribenten, sondern Armins des Cheruskers, im Teutoburger Walde, auf der von R. Jochanan vertretenen Strategie beruhte. „Wir haben jetzt an der Spitze der Verwaltung einen vorsichtig wägenden, verständigen und erfahrenen Mann. Obgleich es wahr ist, daß heute abend feine Bemerkungen gemacht worden sind, die sich gegen die Persönlichkeit Sir Herbert Samuels selbst richten, sind doch ernste Zweifel darüber geäußert worden, vb es weise war, in diesem Augenblicke einen jüdischen Administrator in das Land zu senden. Das ist eine Ansicht, die sich vertreten läßt, und dennoch war es nicht die Ansicht der Regierung, die vielmehr gl anb te, daß keine k o m p e t e n t er e P e r - son gefunden werden konnte ats Herbert Samuel, den ich aus persönlicher Erfahrung als einen Charakter von seltener Unparteilichkeit kennen gelernt habe. Ich habe viel Gelegenheit gehabt, den Gegenstand zu diskutieren und während es wahr sein mag, daß Samuel jetzt bei seiner Ankunft eine zeitlang in schwierigen Beziehungen zu den Arabern sich befinden wird, sagte mir jüngst ein genauer Kenner des Landes, daß Sir Herbert Samuel n ach sechs M o n a t e n ebenso unpopulär bei den Juden sein werde. Das ist ein Z e u g n i s für den C h a r a k - t c r Sir Herbert Samuels, das, wie ich erwarte, von deit~ Tatsach eu gerechtfertigt werden wir d." Der Minister schloß damit, daß er die Notwendigkeit eines äußerst vorsichtigen und langsamen Vorgehens in Palästina unterstrich und des weiteren es ablehnte sich über die Jerusalemer Unruhen zu äußern, solange-die Sache der richterlichen'Untersuchung ' noch unterliege. Der Erzbischof von C a n t e r b u r y berief sich auf seine direkten Berichte über Palästina, die außerordentlich beunruhigend lauteten und klagte über die Zweideutigkeit des Begriffes „Jüdisches Heim", der je nach Bedarf von seiteil der Regierungsvertreter und von seiten ihrer Kritiker in ganz v e r s chi cd en ein Sinne verwendet würden. Teilweise hätten in dieser Hiilsicht die Erklärungen des Ministers des Auswärtigen allerdings zu einer gewissen K l ä r u it g g e s ü h r t. In ähnlichem «inne äußerte sich Pord Sheffield. Es sei geradezu ein Unheil, was mit dem Schlagworte „Nationales Heim" angerichtet worden sei. Ein nationales Heim könne ganz harmlos interpretiert werden, aber es ist auch iir d e m Sinne interpretiert worden, als handle es sich darum, einer kleinen Minderheit voil Juden gegenüber der Masse des Volkes in Palästina Priorität zu geben. Der Minister solle nur einmal das offizielle Organ der Zionisten .in r England, die Zeitschrift „Palestine" lesen, luic * es der Redner seit zivei Jahren tut. Dieses Me Gesamtzahl der Men aus. der Grde. Die amerikanische Wochenschrift „The "American Jsraelite" hat soeben eine Schätzung der Gesauttzahl aller Juden auf der Erde vecöfsentlicht, die schon infolge der neuen- Staatsgrenzen, auf die sie sich nunmehr verteilen, nicht ohne -Interesse ist. Die riesige Judenbevölkerung Rußlands, die un Zarenreich lebte, hat sich auf drei Staaten verteilt: Polen, die Ukraine und Rußland selbst. Trotzdem stehen die beiden ersten Staaten unbedingt an der Spitze aller Länder der Welt, sorveit die Zahl ihrer jüdischen Bevölkenmg in Betracht kommt. Im einzelnerc lauten die Zahlen wie forgt: Polen .. 3 300 000 Ukraine. Vereinigte Staaten ....... 3100 600 Rußland und Sibirien ..... 900000 Rumänien . . . . . . . . . . «50 000 Deutschland .......... 5i0 000 Ungarn .. 450000 Tsckecho-Slowakei. 450000 Großbritannien und Irland . . . 300000 Oesterreich . . . . . . . . . . 300 000 Litauen . 250000 Süd-Slawien.. 200000 Afrika (außer Marokko, Tunis und Algerien) .. . 170000

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