Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1920)
- Date
- 1920-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israe BMW Ein Centralorqan für das irthodoxe Judentmn ff 09 v58P'11/ wsssszts^k!i§ Jafei no Or. KÄMM io HSains \\\ fVi 61 Jahrgang SW» Sranhfurt.a. M-. Öen 8. Juli 1920 22. Tammus 5680 M 27 AbounewLttl pro Vierteljahr r Deutschlandbei den Postamtem sowie Lei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil, durch d.Berlag M.6.— Viertels, f. Lehrer u.Knltusbeamte (n. direkyM. 3.—viertelsl., monatl. 5 Pfg. Bestellgeld. Deutsch-Oesterreich Kr.30.— Viertels.; Tschecho- SlowakeiKr. iS—Ungarn Kr.36.— Viertels., Polentnnr in deutsch. Reichsmk.)M.9.viertels.,Holland fl.l,SkandinavienKr.2, Schweiz, Frankreich u. Belgien Fr. 1.50, England 1 sd. 6 p., AmerikaO.50 Doll. Viertels. Einzelnumm.60 Pfg. Durch d. Buchhandel wtech. Verl. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Anserate:Mk.l.50 iürdiesechSgespaltene Tolonel-Zeile einschl. Teuerunaszuschl. :Ansland-Jns.Mk. 3.—pro Zeile Rab. nach Tarif Bei laufenden Jnferatanftr. tarifm.! Preiserhöhung jederz. vorveh. 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Kleines Feuilleton: Dr. Kaatz: Usch einmal „;ur Abwehr". — Die Gesamtzahl der Juden auf der Erde. — (Wie Juden christliche Flüchtlinge behandeln.) — (Osteuropa und die Juden.) 3.Wochenrund s ch a u: Welthülfskonferenz und Wirtschaftskongreß. — Die Gemeindewahlen in Wien und die Orthodoxie. — 1. Aufsätze: Dr. Ben Zion Feßler: Iudenkongreß oder Zkonistenkongrrß. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Derzionistische Delegiertentag). — Berlin, (Zur Frage der Gesamtörganisation). — Breslau, (Aus der Breslauer Synagogengemeinde). — Würzburg, (Die Besetzung des Distriksrabbtnats.) — Eschwege, (Die kurhessische Judenverordnung). — Wien, (Der Wahlausgang in Wien). — Wien, (Ungarn oder Europa?) — Wien, (Oberrabbiner Löw enthaftet). — Warschau, (Aus der Warschauer Gemeindestube). — Lemberg, (Agudas Jisroel in Ostgalizien). — Bratislava, (Die orthodoxe Landeskanzlet beim Präsidenten Ätasarhk). — Bratislava, (Agudas Jisroel in Tschecho-Slovakien). — London, (HerbertSamuel auf dem Wege)-Buenos Aires. — New Jork, (Die jüdischen Kriegsopfer in Sowjetrußlnnd). — 6. Personalien. — 7. Vermischtes. — 8. Feütlleton- B e i l a g e: Im Judenstaat der Chafaren. — Eine Stunde als Jude. — Im dunkelsten Ungarn. — Aus dem Talmud und Midrasch. — 9. Frankfurter Berichte. — Familiennachrtchten — Vereinskalender. — Gebetzeiten. Sas englische Sberhans über Palästina. Am Dienstag voriger Woche war das englische Oberhaus der Schauplatz einer ausgedehnten Palästina-Deüarte, deren Wichtigkeit für die Beurteilung der w a h r s ch e i u 11 ch c n Entwicklung der Dinge im heiligen Lande nicht leicht überschätzt werden kann. Nach den vorliegenden Parlamentsberichten interpellierte Lord Sydenham den Staatssekretär oes Auswärtigen, Lord Curzon, über die „Bedingungen, unter denen die Regierung die Rechte der ungeheueren nichtjüdischen Mehrheit der Bevölkerung schützen wolle, wenn man ein nationales^ Heim ftir die jüdische Rasse einzu richten beabsichtigt"; ferner wünschte der. Lord zu wissen,- ab der Ausdruck „nationales Heim" den Sinn habe, daß „e.ine Regiernngsmacht über das Ganze oder über einen Teil der Bevölkerung Palästinas ausgeübit werden solle." Es ist weniger wichtig, sich mit der langen Rede zu.befassen,, die Lord Sydenham zur Begründung seiner Interpellation hielt, denn diese Rede war, wie Curzon später wut Recht feststellte, von einem so einseitig a n t i j ü d i s ch eit Geiste beseelt, dag es sich kann: verlohnt, auf das von dem Redner vorgebrachte mehr oder minoer authentische positive Material eiuzugeheu. Nur so viel ist aus seinen Ausführungen zu entj nehmen, daß die unvorsichtigen, zum Teil ge- | radezn lächerlichen Uebertreibungen zionistischer ' Führer, insbesondere Max N o r d a u s mit seiner Zahlenwut bereits das größte Unheil angerichj fei und die Wiederherstellung eines erträglichen > Verhältnisses zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung in Palästina aufs schwerste gefährdet, .ja wahrscheinlich auf lauge hinaus unmöglich gemacht haben. Im höchsten Grade bemerkenswert jedoch war zunächst die Rede Lord L a m i n g t o n s, der, j wie er selbst erzählte, einige Zeit nach dem Er- \ scheinen der Balsour-Erklärung auf einem großen zionistischen Meeting im Londoner Opernhaus zu Gunsten der zionistischen Sache gesprochen hatte und darum nicht als Gegner des jüdischen Heimes 1 gelten kann. Dennoch beglückwünschte er Lord Sydenham zu seiner Interpellation. Er habe j inzwischen in Palästina und Syrien die Ber-! hältnisse aus eigener Anschauung kennen gelernt j und bei der Gelegenheit erfahren, daß die i eng li sch e Regierung zu Beginn des s Krieges gegenüber den in Vordert a s i e n miteinander ringend e n M ä ch - I ten einander widersprechende Ber--! p f l i ch t u n g e n e i n g e g a n g e n habe, wor-! aus jetzt eine äußerst verworrene Lage sich er-! gebe. England habe den.Arabern versprochen,! daß sie in Mesopotamien, Syrien und P a l ä- I st i n a (mit Ausnahme von Bagdad und Ieru-. I salem) unabhängig sein sollten. Damit stehe Bal-; fours Erklärung bei extensiver Interpretation j tut Widerspruch und das Ergebnis sei, daß die j englische Politik jetzt von seiten der Araber, ivie der Lord behauptet, init Recht, des Wortbruchs geziehen werde. Man fürchte in Vorderasien, daß Palästina, während die Regierung dein Namen nach britisch sein soll, in Wirklichkeit hauptsächlich -Juden anvertraut wird. Aus diesem Grunde sei die Ernennung Herbert Samuels zum Gouverneur von Palästina ein höchst unkluger Akt, den die Araber als eine förmliche Herausforderung betrachten müßten. Er halte es für die beste Lösung der Adnnnistrationsfrage, wean man die Verwaltung ans Arabern, Inden und rnngszahl zusammensetze und zwar unter der Souveränität des Emirs Faisul. So lange die Idee vorhanden sei, daß Palästina als Ganzes unter jüdische Kontrolle geraten könne, werde es keinen Frieden in Palästina geben, und wenn man nicht dieses „Jüdischwerden" Palästinas unter dem Ansdruck „I ü d i s ch es Hei in" verstehe, was denn sonst könne darunter gemeint sein? Auch hervorragende. Zionisten verständen unter diesent Ausdruck, daß sie die praktische Herrschaft über Palästina erlangen sollten. Das ganze Gebäude der englischen Politik in Palästina beruhe aus einer künstlichen, den englischen Traditionen in allen sonstigen Teilen der Welt widersprechenden Grundlage, sodaß man nur mit äußerster Unruhe den Lauf der Dinge verfolgen könne, der zu'schwerem Unglück in Palästina führen und dem englischen Reiche nichts Gutes bringen könne. Nachdem noch Lord Newton eine warmherzige Rede zu Gunsten der deutschen Internierten in Palästina gehalten und Lord Jslington die mit Palästina verknüpften militärischen Probleme erörtert hatte, ergriff der Staatssekretär des Foreign Office, Lord Cnrz o n, das Wort z n einer a tt ö fit h r l i ch e n Erwiderung. Wir bedauern, daß die Raumverhültnisse unseres Blattes es nicht gestatten, die bedeutungsvolle Rede im Wortlaut wiederz,ngeben. Wir müssen uns aus die möglichst genaue Reproduktion der wichtigste n Aeußerungen, soweit sie für die Zukunft der jüdischen Einwanderung und Siedlung in Palästina von Bedeutung sind, beschränken. Merkwürdigerweise vermied es der Minister, ans die Behauptungen Lord Lamingtens hinsichtlich des Widerspruchs der Versprechungen gegenüber den Arabern und den Zionisten auch nur mit einem Wort einzugehen, obgleich er im übrigen das Faisul-Problem ausgiebig erörterte. Er sprach in dieser Hinsicht die Hossnung aus, daß in nicht allzu ferner Zeit der Emir Faisul der an ihn gerichteten Einladung, zur Erörterung her Differenzen nach Europa entsprechen werde. E n g l a n d s I n t e r e s s e a n P a l ä st i u a, fuhr Lord. Curzon fort, sei in derTatine r st e r R e i h e h i st o r i s ch, t r aditiouell, religiös begründet Und daher bis zu einem gewissen Grad in der Tat