Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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MW dnW- Persönliche^ Vermittlung ' gelang es, die erhitzten Gemüter zN hessnftigen nnd die Ruhe wiederherzusteUen. Auchbei den späteren Reden - wurden viele Zwischenrufe von der Galerie hörbar. Herr B a d t vom Vorstande bestätigte, was bereits Herr Professor Türk erwähnt hatte, daß . diese. Besoldungsvorläge nur ein Provisorium bilde und daß, wenn die Lebensverhältnisse sich! - nicht ändern, sie einer neuen Vorlage Platz machen würde. Ter Vorstand sei jederzeit von dem größten Wohlwollen für die Beamten erfüllt und habe,, dies auch jederzeit bewiesen. .Schließlich wurde die neue Besotdungsordnung mit den Abänderungen, welche die Kommission vorgeschlagen hat, mit großer Mehrheit angenommen. Hierauf folgte die Etats b er atung. 15 200276,62 Mark müssen an Steuern aufgebracht werden und eine Erhöhung von 40 Prozent auf 60 Prozent des staatlichen Steuersatzes .muß eintreten. Dieser Beschluß ist einstimmig gefaßt worden. Es folgte noch! eine dringliche Vorlage, die eine Bewilligung von 38000 Mark verlangte, um die Räume im Nebenhaufe der Synagoge Fasanenstraße auszubauen. Mit den üblichen Abschiedsreden und Danksagungen schloß, die letzte Sitzung. Oeste^veiLtz. Me Boykottierung Ungarns — ein iü9ifcher Racheakt ' Me», 25. Juni. Die hiesige antisemitische Presse bringt es sogar fertig, den über Ungarn verhängten Boykott, unter dem die ungarischen Juden am meisten zu leiden haben wKden, als Racheakt des Judentums hinzustellen. Es seien dem gegenüber die Aeußerungen des. demokratischen Nationalrat August Forstner wiedergegeben, der an der Spitze der Transportarbeiterbewegung steht. Er sagt: „Der Aufruf zum Boykott gegen Ungarn ist bekanntlich vom Internationalen Gewerkschafts- ' bureau in Amsterdam ausgegangen, Der Boykott soll eine wirksame Demonstration der sozialdemokratischen Gewerkschaften [gegen den Weißen Terror und die Unterdrückung der Arbeiter in Ungarn skiu. Die Böykottbewegung als eine Aktion auf Veranlassung der Juden zu bezeichnen, ist ein e grobeVerleumdung, ebenso wie die Angaben der ungarischen Negierung über die Zahl der Hingerichteten und Ein gekerkerten in Ungarn völlig unrichtig sind. Es sei ausdrücklich erklärt, daß im Internationalen Gewerkschaftsbureau, das. den^Boykott beschloß, kein einziger Jude sitzt. Der Boykott setzt auch nicht wegen der Ermordung von Juden in Ungarn, sondern wegen der von Arbeitern und wegen der Unterdrückung jedweder sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Organifationsbestrebung in Ungarn ein. In meiner Hand befindet sich eine Liste von 454 Namen. Es sind die Namen eines Teiles jener Menschen, die in Ungarn, meist durch die Brachtaltruppen, hin gemordet worden sind. Die Zahl ist nur ein Bruchteil der vielen Hunderten von Ermordete» — die ungarische Regierung gM nur fün fzig zu — die allen Gesellschaftsklassen angehören. Die Liste weist Namen von Bürgern, Beamten und Arbeitern auf. Neunzig Prozent dieser Ermordeten sind Arier und Christen und nur zehn Prozent Juden. Biete Intellektuelle befinden sich unter den auf der Liste angeführten Toten, zumeist jedoch Arbeiter. Der Boykott ist eine Maßregel, die gegen dieses Ungarn der Gewalt angewendet werden mußte. Die im Transportarbeiterverband organisierten Genossen sind ebenso einig in der strengen und gewissenhaften Durchführung des Boykotts, wie alle anderen sozialdemokratischen Arbeiter, die am Boykott mitzutun haben. Wir erhoffen uns von dem Boykott gegen Ungarn einen bedeutenden moralischen und prak- Ler ZKraÄtt. tischen Erfolg, der wohl sehr bald schon sichtbar werden wird!" Tie Juden haben den Boykott, unter dem naturgemäß Unschuldige leiden müssen, nicht gewünscht und werden ihn in ihrer großen Mehrheit auch nicht billigen, Polen. polnische Befehle. . Warschau, 27. Juni. Der Klub der jüdischen Reichstags-Abgeordneten hat eine Abschrift eines am 17. Mat erlassenen Befehls des Kriegsministeriums zwecks Eindämmung der Exzesse auf den Bahnhöfen erhalten. Darin werden besondere Eingänge für Soldaten in den größeren Hauptbahnhöfen bestimmt. Die durchreisenden Soldaten sind in besondere Waggons zu plazieren, die am Schluß des ZugeS argekoppelt Werder^, damit sie von öen Zivilpersonen getrennt werden. Im Falle eines Exzesses soll der Wagen abgekoppelt und auf der Station zurückgehalten werden, zwecks Durchführung einer Untersuchung. Besondere Soldaten-Buffets sollen aus den Bahnhöfen eingerichtet werden. Für Exzesse aus den Bahnhöfen werden die Bahnhofskommandanten und die Führer der Trnppm-Transporte verantwortlich gemacht. — Seit dem 17. Mai, dem Geburtsdatum dieses Befehles, haben sich aber die Exzesse noch wesentlich vermehrt. Unter dem öeirhen der Sonntagsruhe- ^arf^^a», 27. Juni. Der erste Sonntag seit Einführung der Sonntagsruhe-Bestimmung zeigte das ganze Elend das das Gesetz über die jüdischen Kausteule bringt. Die Polizei-Patrouillen kannten keine Schonung noch Rücksicht und hatten ganz besonders die jüdischen Kleinhändler ins Auge genommen. Die kleinsten Werkstätten wurden förmlich überfallen, geschlossen und zur Anzeige registriert. Ein starkes Stück leistete sich die Polizei dadurch, daß sie selbst die Chedersckulen kontrollierte und einige Melamdem, die sich erlaubten, an diesem Tage zu unterrichten, zur Anzeige brachte. Auf eine allgermine Beratung, wie dem Gesetze und seiner drakonischen Handhabung entgegen zu kommen sei, sind mehrere Anträge gestellt worden, die aber das Gros der Versammelten nicht befriedigte. D?e Einen rieten zu einem jüdischen Dkmonstrattonszug durch die Straßen. Andere wollten sich mit einem Rundschreiben an die freigesinnten Juden wenden, daß auch fie jetzt aus Solidarität ihre Geschäfte am Sabbat schließen, wieder Ändere setzten sich für einen einwöchigen Demonstrationsstreik der gesamten jüdischen Geschäftswelt ein. Zu einem einheitlichen Beschlüsse ist es bis jetzt nicht gekommen. n» r*-t 1 1 Unerfreuliches [aus 9er warschauer öemeinöettube. Marschau, 26. Juni.M Die neueste Leistung des radikalen Vertreters der Warschauer Neologen und Gemeindegewaltigen, des Herrn L. Davtdsohn ist, daß er Herrn Rabbiner Perlmutter, auf den er seit der bekannten Londoner Reise des letzteren nicht gut zu sprechen ist, bei den Behörden denunzierte und diese veranlaßte, daß dem Rabbiner, der zugleich Matrikelfühter ist, die Amtsbücher abgenommen werden. Ueber dieses neueste Attentat auf die Ehre der Thora, das alle Gemüter in höchste Erregung versetzte, wird noch zu sprechen sein. Sefsaravien. Sur Srsge 9er Sonntagsruhe. Zürich, 27. Juni. In der neuesten Nummer des „Haderech" berichtet Rabbiner Zirelsohn aus Kischinew über seine Bemühungen zur Milderung des Sonntagsruhe-Gesetzes für die sabbathaltenden Juden. Er leitete seine Aktion auf Grund der in Paris beschlossenen Rechte der MinorttätSvslker 8v. 8« Seüe 5 | und zwar lautet seine Petition an den Minister wie folgt: „Seit Ausführung der Bestimmungen deS SsnntagSruhe-GesetzeS find die Juden in Ktschineff, die den größten Teil der dortigen Geschäftswelt auSmnchen, gezwungen, zwer Tage ihre Betriebe ruhen zu taffen. Da unS Juden die Ruhe an einem Tage der Woche von alterSver religiöses Gesetz ist, so ist diese Sonntagsruhe- Bestimmung für uns ohne Nutzen und nur d^zu augetim, unS großen wirtschaftlichen Schaden zuzuführen. Ist das Sonntagsruhe-Äesetz auS dem Bestreben heraus geboren, eine soziale Fürsorge für die Arbeiter in die Wege zu leiten, so verfehlt es Sei uns insofern vollkommen den Zweck, als es den Ruin der jüdischen Geschäftswelt, sowie der Angestellten und Arbeiter zur Folge hat. Zu beachten ist, daß das Gesetz gegen das elementare Völkerrecht verstößt und darüber hinaus auch die Jnteresien der Konsumenten schädigt, indem diese bei allgemeiner Schließung «n Sonn- und Feiertagen ihren nötigsten.Bedarf nicht decken können. Wir konnten bisher unser gutes Recht nicht sordern, weil uns dieses versagt war. Nun aber, da auf der Friedenskonferenz in Paris das Recht aller Naiimialtiälen proklamiert ist, dürfen auch wir darauf rechnen, daß den jüdischen Kaufleuten, sofern sie am Sabbar und jüdischen Feiertagen ihre Betriebe geschlossen halten, erlaubt werde, an Sonn- und Feiertagen offen zu halten und ihr Personal zu beschäftigen." Die'e Petition ist dem Minister im Namen der jüdischen Geschäftsleute eingereicht worden. Eine zweite Petition ist vom Rabbinale unterschrieben und geht mehr aus die religiöse und moralische Seite der Frage ein. Es wird sich empfrhlrn, in vllen Ländern und allen Städten, wo das Sonntagsruhe-Gesetz mit allen seinen drakonischen Besttmmungkn die jüdische Geschäftswelt bedroht, ähnliche Akrtone t einzuleiten und die Petition des Herrn Ztresohn zur Unterlage zu nehmen. jf?antarjei4?« Die Wischen Delegationen. Aarls, 23. Juni. Bei der Sitzung des Komitees der jüdischen Delegationen, die vom 8. bis 10, Juni in Paris, stattfand, berichtete So ko low auch über die Tätigkeit des Komitees in San Rem'o zu Gunsten der ungarischen Juden. Sir Stuart Samuel berichtete über die von der englischen JüdenHeit ihm übergebene Mission. Mehr Interesse erweckten die Ausführungen der Herren Schlo ßbe rg und Temkin über die Lage der Juden in Groß- Nußland und .in der Ukraine. Ueber politische Entrechtung hätten die Juden.'in Groß-Rußland z. Zt. .nicht zu Ragen, dagegen sei die wirtschaftliche Lage mehr wie trostlos, umso mehr als die Regierung eine jede speziell jüdische Organisation verfolgt und niederschlägt. Selbst die Gemeindeorganisationen sind aufgelöst, Im Gegensätze hierzu hat, nach Berichten des. Herrn Temkin, in der Ukraine auch die politische Verfolgung bei allem Wechsel, dem das Land in den letzten Jahren unterworfen war, keinen Augenblick äufgehört. Was die Armeen Denekins an'Grausamkeit an den Juden verübt haben, ist unbeschreiblich. Wenn man von 50 000 Opfern spricht, so ist die Zahl sehr niedrig gegriffen und mindestens 500 Millionen Dollar werden nötig sein, um wenigstens den ersten Schaden gNtzumachen. ' Der einzig greifbare Beschluß der Sitzung war, die Einberufung der allgemeinen jüdischen Hilfs-konferenz für den 27. Juli bis 3. August nach Karlsbads Die große Hilfsarganisation aus den Vereinigten Staaten, Groß°Rußland, Littauen, Polen, England, Deutschland, Holland Skandinavien usw. haben ihre Beteiligung an der Konferenz zugesagt. riBjaaw Patiistintt. Rus Palüflina. Zürich, 17. Juni. Der Palästinensische Korrespondent' der „Jüd. Preßzentrale Zürich" berichtet: Ans der elften Sitzung des Wäad Häsmank in Jaffa von Ende Mai wurde u. a. beschlossen,- bei der 'englischen Regierung scharfen Protest gegen das Verbot des Zusammentritts der Tele-