Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450088-2450112--68317-2525428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
A ir ü! f- Seite 4 No. 26 Irrtum. Ich schwöre Euch, es liegt etwas Großes in dieser Aufklärung. Wir müssen gegen die künstliche Znchtinrg des militärischen rverstes, gegen die Ausbreitllttg der Herrschaft der Macht in unserem neuen Iischub mit allen Mitteln kämpfen. Unsere tausendjährige Entwicklung kann nicht int Handumdrehen rückgängig gemacht werden. Wir wollen nicht frit Marsdienern und Räubern erzogen werden; vor uns sind andere Ziele und andere Wege. Wenn wir schon Opfer darbringen müssen, so werden wir sie auf anderen Altären als auf dem des JmperialiÄims und Militarismus bringen. Ein Held ist der Jude, welcher für die Heiligung Gottes unerschrocken dem Tode entgegengeht. Nicht der ist tapfer, der sich auf seine übermäßige Kraft verläßt, aus seine robuste Faust, sein Schwert und seinen Bogen und seinen sicheren Sieg, sondern vielmehr derjenige, der in der Not seinen Hals dem Schlächter, seine Brust dem Schützen hinstreckt, um den Namen Gottes nicht zu entweihen und nicht selbst zum Schlächter und Mörder zu werden. Das ist das Wesen der echten jüdischen Tapferkeit, das ist der neue Typus des edelsten und reinsten Heldentums, das wir uns aus dem langen dornenvollen Weg durch die Gallith angeeignet haben und das wir nicht durch das Heldentum nach beit Begriffen anderer Völker ersetzt haben wollen. Mochten einige der Richter einem anderen Heldentum gehuldigt haben; seit jener Zeit ist aber viel Wasser vom Jordan ins Tote Meer geflossen. Die jüdische Masse hat nicht die Fähigkeit zu töten, zu rauben und zu vergewaltigen; wer nun daran geht, die Juden zu Muitäristen zu erziehen, der hemmt die sittliche Entwicklung unseres Volkes und den Fortschritt der Menschlichkeit. Man komme ja nicht mir der Eintoendung, daß das Gedeihen des neuen .Jischubs cs erfordere, daß die Juden mit den neuzeitigen Methoden der Mititärkunst und dergl. vertraut werden, llit müssen die Herren Wer den Iischub aber nicht dessen Knechte sein. Mir dürfen nicht unser eigenes Wesen des Jischubs wegen verleugnen. Wir haben schon seinetwegen genug Opfer gebracht; lange genug sind wir die widerwärtigen Schleichwege der Diplomatie, der Uebertreibrmgen und der Schönfärberei 'gewandert. Das geschah lediglich aus dem Irrtum, als ob wir die Pflicht hätten, etwas in Palästina zur bestimmten Zeit zur Ausführung zu bringen, lins liegt vielmehr ob, aufrichtig und ehrlich zu handeln und vor allem das zu tun, was die Stunde von uns erfordert; sind uns doch die Wege Gottes verborgen. Wir brauchen uns keine künstlichen Ziele setzen und keine neuen Götzen schaffen Bewahren wir reines Herz und reine Hände, dann werden wir unsere Feinde zu unseren Freunden machen. Wir stehen auf dem Scheidewege. Wir leben in einer Zeit, die entscheidend ist für unsere ganze zukünftige Entwicklung. Noch hat der imperialistische Geist keine festen Wurzeln im jüdischen Volke geschkrgen; die Aposteln des FaustrechLes sind noch unter den Juden sehr gering. Wachen wir mit scharfem Auge darüber, daß unser Volk nicht in Bahnen geleitet wird, die es in Schmach und Verderben führen könnten." " „ und Aachrlchle» du den Berliner öerneinderoaftlen. Iraukfurt a. M., 15. Juni. Das Berliner Misrachi-Organ fragt uns. wie der „Israelit" feine Stellungnahme gegenüber dem „Misrachi" mit.der journalistischen Toleranz vereinen könne, die er dem Berliner „Erhaltungsverein" entgegenbringe. Tie Antwort ist sehr einfach. Daß wir jedes Wahlbündnis der Orthodoxie mit neologen Organisationen — seien sie liberal oder zionistisch — in'Mischen Gemeindeangelegenheiten grundsätzlich verwerfen, ja, daß uns die gesamte organisatorische Steilung der sogenannten Gemeinde- Orthodoxie religiös genau so bedauerlich und objektiv verwerflich erscheint wie diejenige des „Misrachi", haben wir oft genug dargelegt, als daß es bei jeder Gelegenheit wiederholt werden müßte. Wir halten aber zur Zeit die zionistische Neologie gerade in religiöser Hinsicht für tausendmal gefährlicher als den greisenhaften Liberalismus unserer Großgemeinden, mit dem sich praktisch zumeist fertig werden süßt. Wir erblicken darum in B e r l i n wie in M i e n in der Frontstellung der Orthodoxie gegenüber dem religiösen Nationalismus, der die Thora zum Range einer einzelnen Kulturäußerüng in einem konfessionslosen, allumfassenden jüdischen Volksleben herabdrstcken will, eine erfreuliche Erscheinung^ wenn wir auch das Berliner konservativ-liberale Wahlbündnis ebenso perhorreszieren wie das mGrachistifch-volksgemeindliche. ' ' Tie Wunden aber, die der „Misrachi" gerade in diesen Tagen durch! sein Paktieren mit den Gegnern, feine Verständnislosigkeit für jedwede Solidarität der Orthodoxie und durch feine VerherrtickMng des der Thora entfremdeten Nationalismus dem überlieferten'Judentum schlägt, sind wesentlich schmerzlicher und gefahrdrohender als die ganze liberale Gemeindewirtschaft mit ihrenr leblosen Berwaltungsmechanisnms. SesolöungLvorlsge und Etat Berlin, 22. Juni. Tie Besoldungsordnung per' Gemeinde, die den letzten Repräsentantensitzung vor den * Neuwahlen Vortag, umfaßt zehn Gruppen und drei ,Sonder gruppen, in die die Beamten, die Rabbiner und Kantoren eingeteilt sind. Heber die ^Gruppen 1—10 ist zwischen dem Vorstand und dem Beamtenausschnß Einigung erzielt worden. Dagegen ist der zur Beratung eingesetzte Ausschuß zu dem Entschluß gekommen, die drei Sondergruppen für die höheren Beamten abzuändern, «und schlägt vor, für die juristischen Beiräte, Prediger, den Gemeindebaumeister, die Rabbiner und Beamte nach § 50 a, das sind diejenigen, die das Recht haben, den Vorstandssitzungen * beizulv'ohnen, 2—3000 Mark weniger festtzusetzen, als der Vorstand festgesetzt hat. Neben dem Gehalt tvird eine Teuerungszulage gewährt, die 2000 Mark für die Verheirateten, sowie 600 Mark für jedes Kind, und 1500 Mark für die Ledigen beträgt. Es ist ferner vorgesehen worden, daß, die Kantoren neben ihrer Tätigkeit in den Synagogen auch Unterricht in den ReligionssHuken erteilen, daß die Kastellane, auch Bureauarb'eiten übernehmen. Tie beiden letzteren Beschlüsse hätten in den Kreisen dieser Beamten eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Tie Kantoren beantragten, "noch vor der Sitzung gehört zu werden. Es wurde ihnen das nicht gestaltet, da der Vorsitzende keinem Unberufenen Zutritt in den- Versammlungsraum gestatten könne. Die Kantoren, die.Kastellane und viele andere Beamte gingen infolgedessen ans die Galerie und begleiteten die Äenßerungen der Redner mit lautem Beifall oder Mißfallen. Als der Vorsitzende damit drohte, die Galerien räumen zu lassen, erklärten die Beamten, daß sie der Aufforderung nicht Folge leisten werden. Erst „ohne Anfang und ohne Ende", das ist zeitlich: ewig; räumlich: allgegenwärtig. H. C. -« (Professor Cornill) Just zur Zeit, da sich Delitzsch mit der Axt an die Grundmauern der jüdischen Religion heranwagt, starb in Halle ein Mann, der, wenn auch vom verderblichen Geiste der kritischenjBibelauslegung nicht ganz frei, doch mit ganzer Seele das alte jüdische Schrifttum liebte und ungemein viel zu seiner Popularisierung bekgetragen hat. Prof. Dr. Karl Heinrich Cornill war ein gründlicher Kenner der semitischen Sprachen und des biblischen Altertums. Seit 1910 lehrte er als Ordinarius für altlestament-. ltche Theologie und Mitdirektor des theologischen Seminars kn Halle, nachdem er vorher in Königsberg und Breslau gewirkt hatte. Unter seinen wissenschaftlichen Arbeiten, in denen er die biblischen Schriften nach der philologischen Methode zu verstehen bestrebt war, sind vor allem seine Studien über den Propheten Ezechiel zu erwähnen, deren Ergebnisse er in dem Werk „Das Buch des Propheten Ezechiel" (1886) zusammengefatzt hat. Weite Verbreitung fand seine „Einleitung in das Alte Testament", die rasch mehrere Auflagen erlebte. Für die von Prof. Paul Haupt (Baltimore) unternommene große englische Bibelausgabe bearbeitet Cornill „Das Buch Jeremia". Schon vorher hatte er eine gründliche Untersuchung über diesen Propheten und seine Zeit veröffentlicht. Von seinen sonstigen Arbeiten seien noch genannt „Der israelitische Prophetismus", „Das Alte Testament und die Humanität", „Geschichte des Volkes Israel" (1899). Sein Werk über den „Israelitischen Prophetismus", sowie über die Psalmen, wurde auch ins Englische übertragen. Cornill war nicht nur ein tiefschürfender Gelehrter, er war auch ein geist- und humorvoller Dozent und ein edler Mensch, dem Vorurietle ßemd waren.? (Hat Dnnte Judernrnd Judentum gekannt?) Ein Feuilleton-Mitarbeiter der „Germania" stellt Dante als Schüler der Araber dar. Demgegenüber wird die Frage aufgeworfen, ob nicht auch jüdische Quellen Dante bei seiner poetischen Ausgestaltung von Himmel und Hölle beeinflußt hatten. Hat nun Dante von der älteren jüdischen Literatur Kenntnis gehabt? Dante selbst konnte weder arabisch noch hebräisch. Ob er mit Arabern direkt verkehrt Hat, weiß man nicht. Er hatte aber Gelegenheit, in jeder italienischen Stadt mit Juden zü sprechen und sich von diesen über ihre Literatur unterrichten zu lasten. Gegen Fr. X. Kraus behaupten jüdische Schriftsteller, daß Dante in Gubbio oder Verona mit dem jüdischen Dichter Emmanuel ben Salomon zusammengetroffen ist. (The Jewish Encyclopaedia, New-Iork. JV, 485. VI, 564). Letzterer soll nun gerade umgekehrt Dioina Comoedka nachgeahmt haben. Aber daß Dante wirklich mit Juden in Verkehr stand, wird wohl kaum zu leugnen sein, während über seinen Verkehr mit Arabern bis jetzt n'cht viel bekannt ist. („Die Wersen von Zion".) Die Zionistische Vereinigung schenkt der Mär vvn den „Welsen Zions" Beachtung und versendet an politische Zeitungen folgende Zuschrift: In einem Teil der deutschen Preffe wird bedauerlicherweise ein vor kurzem erschienenes antisemitisches Lügenpamphleht „Die Weisen von Zion" noch immer empfehlend besprochen und als ein ernst zu nehmendes politisches Dokument behandelt. Wir haben bereits vor kurzem in einer Erklärung gegen diese Veröffentlichung Stellung genommen und ihren Inhalt als erlogen gekennzeichnet. Um allen gegenteiligen Behauptungen, die trotzdem noch immer ausgestellt werden, endgültig die Spitze abzubrechen, haben wir eine Aeutzerung von Teilnehmern des 2. Zionistischen KoNgreffes herbeigeführt Als Bevollmächtigte dieser Persönlichkeiten bitten wir - Sie, die nachstehende Erklärung in Ihrem Blatte veröffentlichen zu wollen.: Erklärung, Die Unterzeichneten, die zu den Teilnehmern des ersten Zionistettköngreffes gehörten, der im Januar 1897 zu Basel abgehalten wurde, und die dem Kongreß während seiner ganzen Dauer veigewohnt haben, erklären hiermit: Es ist unwahr, daß während des Kongreffes Gehelmsitzungen irgendwelcher Art stattgesunden haben, viel weniger solche, in denen Pläne zur Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft erörtert' worden sind. Alle Behauptungen gegenteiliger Natur, wie sie in der letzten Zeit in der Preffe und anderen Druckerzeugnissen aufgestellt worden sind, sind tendenziöse Lüge. Sollten nach Bekanntwerden dieser unserer Erklärung derartige Behauptungen erneut aufgestellt werden, so werden wirgegendie Urheber und Verbreiter öffentlich den Vorwurf der vewutzren-Berleumdung erheben. — Es folgen Namensunterschriften. Aus dem Talnmd und MbraW. (R. Hofchaja:) Mit drei Getränken ist die Thora verglichen (Jes. 55, 1): Wässer, Wein Milch. So wie diese Getränke in den geringwertigsten Gefäßen sich am besten erhalten, so erhallen sich die Worte der Lehre am besten in dem Menschen einfachen, demütigen Sinnes. Taanit 7a.