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Der Israelit · 1920-07-01 · Heft 26 (1.7.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 26 (1.7.1920)
Date
1920-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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f>ei Sette » Nr. 26 tzierten-Versankmlung einzulegen und um die Erlaubnis der sofortigen Einberufung derselben zu ersuchen. Das E. A. C. in London wird ersucht, sich mit allen Mitteln für die'Verbotsaufhebung einzusetzen. . Ta eine internationale Kommission betreffs der Bestimmung der Heiligen Stätten demnächst ün Palästina erwartet wird, fand Ende Mai in Jerusalem unter Teilnahme von Rabbi Kuck, .Ussischkin u. A. eine Sitzung statt, um über die den Juden heiligen Orte zu beraten. Rabbi Kuck berichtet, daß er noch während seines Aufenthaltes in Londoy ein allerdings unvollständiges Verzeichnis der jüdischen heiligen Orte zusammengestellt habe; um . dies Verzeichnis zu vervollständigen, müsse eine Beratung von kompetenten Gelehrten einberufen werden, um dokumentarisch und historisch die uns heiligen Orte festzustellen. Auch Ussischkin sprach sich in diesem .Sinne aus. lÄne dreigliedrige Kommission, bestehend aus Prof. Sloutsch, Pers und Machen, die das Material zu diesen! Zwecke vorbereiten soll, wurde gewählt. Namens des W-aad Hazirim versprach Ussischkin dieser Kommission finanziell und wissenschaftlich beizustehen. In einigen Wochen fallen den Juden Palästinas dreisprachige palästinänsische Pässe (englisch, arabisch und hebräisch) ausgestellt werden. Der „Doar Hajoin" empfiehlt den palästinänsjschen Juden, bei dieser Gelegenheit ihre Galuth-Namen mit den Endungen off, sky, man, sohn, bäum Usw. auf ausgesprochen hebräische Namen umzuändern. — Ebenso hat die palästinische Verwaltung unlängst einen Erlaß herausgegeben, wonach alle Handelsgesellschaften verpflichtet sind, ihre Statuten und Aktien in allen drei Landessprachen: englisch, arabisch und hebräisch drucken zu lassen. Brief aus lerulalem. ' Jerusalem, den 10. Juni. Aus dem 'Chaos des hiesigen jüdischen Lebens beginnt sich mit einiger Deutlichkeit das Gemrindebtld abzuheben. Wir werden es, wie es scheint, mit drei selbständig organisierten Gemeinden in der heiligen Stadt zu tun haben. Bereits vor zwei Jahren sind zwei Stadtverwaltungen ins Leben getreten, ein Waad Aschkenasim und ein Waad Hair für die Juden Jerusalems. Die Gegensätzlichkeit dieser beiden Gebilden leuchtete jedem ein, der nur einen Tag in der Stadt weilte. Drr Waad Hair steht auf dem Boden des reinen Nationalismus mit allen Kennzeichen dieses Gepräges, während der Waad Aschkenasim eine gute jüdische Gemeindeverwaltung mit echt religiösem Geiste ist. Daß der Waad Heaschkenasirn dem Waad Hair ein Dorn im Auge war, ist erklärlich. So kam es denn, daß während des Wahlkampfes auf Betreiben der Nattonslisten über Nacht noch ein drittes Komitee entstanden ist, das unter dem irreführenden Namen Waad Hoaschkenasim, weniger radikal in religiösen Dingen, dazu bestimmt ist, die Gesetzestreuen, richtiger alle Halben und Aengstlichen für die Sache der Nationalen zu gewinnen. Zum Ruhme der Gesetzestreuen in Jerusalem sei es aber gesagt, daß sie auf den Leim nicht gingen, daß sie allen Machenschaften zum Trotz treu zum Waad unter der Leitung der Rabbiner Diskin und Sonnettfelb hielten und nur ein kleiner Teil ließ sich ködern, um für die andern Listen Wahldienste zu leisten. / Es ist erstaunlich, wie die Zionisten es verstehen, sogar die lktzten traurigen Vorgänge in Jerusalem propagandistisch auszubeuten. Am 8. Jjar war von mehreren Rabbinern ein Fasttag angesetzt, man sagt, zur Sühne für eine begangene Festentweihung am 7. Pesachtage. Wie diese zustande kam, darüber erzählt man sich folgendes: An dem betreffenden Festtage, da alle Gemüter noch im Zeichen der grauenhaften Vorgänge zitterten, kamen einige Zionisten- Führer zu einem bekannten Rabbiner und berichteten ihm, daß Jabotinsky noch am gleichen Tage erschoffen werde, wenn nicht innerhalb zweier Stunden 2000 Unterschriften in Jerusalem für eine Petition zu seinen Gunsten aufgebracht sind. Der betreffende Rabbi dachte nicht daran, die Angaben seiner. Gewährsmänner zu bezweifeln und veranlaßt« in bester Absicht durch sein Vorbild, daß 2000 Juden in Jerusalem gegen die Werhe des Festes verstießen. Es stellte sich aber heraus, daß der Prozeß fünf Tage nach dem Festtage begann und daß die Unterschriften für diesen Prozeß nicht im mindesten von Belang waren. Die Dringlichkeit der Sache war von Anfang an nicht sehr einleuchtend und heute ist es allen klar, daß es den Zionisten nur darum zu tun war, durch.die Demonstration zu zeigen, daß sie vollkommen daS Heft in Händen hätten. Auch dem Mtsrachi kann es nicht gelingen, irgendwie dämpfend auf die nationalen Führer einzuwirken, nachdem er bet allen Kompromissen im Ganzen nicht mehr als 140 Stimmen bei den Wahlen sich errungen hat. Mitten in diese Wahlwtrren bekam, wie bereits mttgeteilt, Jerusalem einen Oberrabbtner. Natürlich blieb die Gegenaktion gegen die Wahl Rabbi Chain Sonnenfelds nicht aus. Sofort wurden den Jeschiwaus und Gelehrten, die sich an dieser Wahl beteiligt hatten, die Unterstützungen entzogen. Die Not in den Kreisen der Jeschiwaus ist unbeschreiblich. Auch die Talmudthoralehrer darben infolge der Verminderung der Einkünfte der Talmudthoraschulen. Umsomehr ist es anzuerkennen, daß das geistige Niveau dieser Schulen sich auf einer Höhe erhält, die uns mit Freude erfüllen muß. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind hier höchst traurig infolge der Arbeitslosigkeit und der anhaltenden Teuerung. Die Folge ist eine starke Abwanderung. Zumeist geht der Zug nach Amerika. Personalien. Bad Nauheim, 1. Juli. Am 29. Juni feierte Herr Louis Loeb von hier im Atter von 77 Jahren sein 25 jähriges Jubiläum als Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Herr Loeb, welcher weit über seine Vaterstadt bekannt ist, hat es verstanden, das Interesse der Gemeinde bochzuhalten. Herr Rabbiner Dr. Hirsch selb aus Gießen, hielt am Samstag zu Ehren des Jubilars, einen Jestgoitesdienst ab. Altona, 23. Juni. Seinen 70. Geburtstag feierte der langjährige Vorsitzende der hochdeutschen israelitischen Gemeinde und der Vorsteher der Klaus ln Attona, Herr Wolfs Möller. In der festlich geschmückten Klaussynagoge feierte Herr Rabbiner E. Duckesz den Jubilar als Förderer der Thora und des Lehrhauses, an dem er seit 25 Jahren Vorsteher ist und selbst eifrig lernt und lehrt. In der Wohnung erschien das Oberrabbinat und die Kollegien der Gemeinde, um ihre Glückwünsche auszusprechen. Herr Oberrabbiner Dr. M. Lerner und Herr SanitälSrat Dr. L. Frank brachten die Glückwünsche der Gemeinde unter Hervorhebung der Verdienste des Geburtstagskindes um üle Gemeinde dar und überreichten eine Prachtausgabe der neuen Mtlchnajos. Eine Deputation der Ostjuden dankte dem Jubilar für seine rastlose Bemühung für die Interessen der Ostjuden und ein früherer russischer Kriegsgefangener bankte im Namen der jüdischen Kriegsgefangenen für die Versorgung mit Mazzos und Ritualien während des Krieges. Köln, 27. Juni. Zum letzten Male betrat am letzten Sabbat Herr Rabbiner Dr. Hanover vor seinem Weggang nach Würzburg die Kanzel. Nach seiner Schrifierklärung verabschiedete sich Herr Rabbiner Dr. Hanover in schlichten herzlichen Worten von seiner Gemeinde. Nach ihm betrat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal die Kanzel, um ihm im'Namen der Gemeinde für sein Wirken Dank zu sazen. Zu einer Abschiedsfeier am nachmittag hatte dann ein Komitee von Gemeindemitgliedern in den großen Saal der Rheinland-Loge eingeladen. Nachdem vom Synagogenchor der Glockengasse sehr stimmungsvoll ein Psalmgesang vorgetragen war, gab Herr Aron Hofmann im Namen des Komitees den Gl fahlen der Wehmut des Abschieds, der Dankbarkeit für HrnoveiS 14-jähriges Wirken in Köln, sowie den herzlichsten Wünschen, für seinen neuen Wirkungskreis in Würzburg beredten Ausdruck, Nach ihm sprachen die Vertreter der Gemeinde, der Loge, der naiionaljüdischen und der ostjüdischen Jugend, ehemalige Schüler, die Amtskollegen und eine Vertreterin der Lehrer. Die Reihenfolge der Redner wurde durch Chorvoriräge des Synagogenchors und durch Solovorträge des Kantors der Synagoge Glockengasse, Herrn Cohn, stimmungsvoll unterbrochen. Herr Aron Hofmann überreichte' eine kunstvoll angefertigte Adresse dem Scheidenden. __ 1. Juli 1928 Vermischtes. Berlin, 32. Juni. Der Vorstand öesZentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erläßt folgende Erklärung: Die politischen Vereinbarungen in San Remo über Palästina haben an der Stellung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden , im und zum deutschen Vaterlande nichts geändert. Sie fühlen sich staatsbürgerlich, kulturell und national wie bisher als Glied des deutschen Volkes. Diese Tatsache hindert uns nicht, aus Juden- und Menschenpflicht an allen Bestrebungen mitzuarbeiten, die daraus abzielen, normale, menschenwürdige DaselnSbedingungen allerorten und insbesondere in Palästina, für alle diejenigen Glaubensgenossen zu schaffen, die in ihren gegenwärtigen Verhältnissen nicht leben können. Köln, 25. Juni. In der Repräsentanten-Sitzüng vom 15. Juni wurde der Antrag der konservativen Fraktion aus Wiedereinführung des Kol-Nidre, di»s feit dem Jahre 1862 abgeschafft ist, mit den Stimmen der liberalen Fraktion abgelehnt. Bremen, 23. Juni. In der Sitzung der Stabtkammer zu Vegesack (Bremen), vom 10. Juni hielt Herr Stadtverordneter Wolfs eine äußerst eindrucksvolle Rede gegen die antisemitische Hetze und richtete an die Leiter der kaufmännischen Betriebe die Bille, im Interesse des allgemeinen Friedens, zu wirken und den verhängnisvollen Klassen- und Rassenhaß nach MiWchkeit zu bekämpfen. Kisstngen, 27. Juni. Von einem langjährigen Kurgast wird uns berichtet: Das jetzt zur Ausgabe gelangte neueste Register des Vereins ritueller Speisehäuser zeigt uns, daß wiederum mehrere Restaurants aus der Reihe der Plätze ausgeschieden sind, die e'ne rituelle Verköstigung gewährleisteten. Man muß sich damit als eine. Folge der jctziaen Verhältnisse abfinden. Umsomehr ist es zu begrüßen, daß am hiesigen Platze jetzt ein Restaurant entstanden ist, das allen Anforderungen der Neuzeit entspricht. Die Inhaber des früheren Restaurants Seelig, früher in der Marktstraße, haben in nächster Nähe des Kurgartens, von der Tannftraße 8, ein großes Anwesen umgeben von einem großen, gutgepflegten Garten gekauft und tst dieses aufs Beste geführte Haus, in dem sich ein großer und ein kleiner Speisesaal,- sowie außerdem 20 gut eingerichtete Zimmer befinden, voll mit Gästen besetzt, die sich durchweg hochbefriedigt * über die glänzende Verpflegung, aufmerksame Bedienung und zuvorkommende Aufnahme aussprechen. Es wäre tedhaft zu wünschen, daß im Interesse des erholungsbedürftigen Publikums an vielen Plätzen derart gute und besonders sachkundig geführte Hoteks entstehen. Das würde sicher ganz erheblich zur besseren Beobachtung der Speisegesetze beltragen. München, 23. Juni. Dem zweiten Vizepräsidenten der Handelskammer München, Kommerzienrat Siegmund Fränkel, wurde im Hinblick auf seine Verdienste um die Kriegs- und Uebergangswirischaft das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß-schwarzen Bande verliehen.' Bad Reichenhall, 23. Juni. Der Stadtrat wandte sich einstimmig gegen die in letzter Zeit auffällig betriebene antisemitische Propaganda, die geeignet sei, dem Kurort, zu dessen Besuchern auch viele anständige und angesehene Juden zählten, Schaden zuzufügen. Gohfdr, 21. Juni. Die jüdische Gemeinde zu Goßlar a. H. sieht sich veranlaßt, dort etntreffenden jüdischen Reisenden, folgendes mitzuteilen: „Im Falle Sie beabsichtigen, Goslar zu besuchen, halten wir es für unsere Pflicht, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß in den Lokalen „Der Achtermann-Hotel", „Rats- Cas6" und „Gasthaus Vogel" Judenhetze getrieben und geduldet wird. Um sich, vor Unannehmlichkeiten zu schützen, wollen Sie sich danach richten". Florenz, 25. Juni. Dem Professor am Collegio Rabbmico Jtaliano und am R. Jftituto di Studi Superiori in Florenz, Dr. Umberto Cassuto, ist für fein hervorragendes Werk über die Geschichte der Juden in Florenz während des Mittelalters, von der R. Academia bei Lincet der Preis für Geschichte und Geographie erteilt worden. Dieses ist die ehrenvollste Auszeichnung für wissenschaftliche Leistungen i» Italien. Professor Cassuto hat sich durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der Geschichte der italienischen Juden und seine Btbelsorschungen einen Namen erworben. Sadhal'Anfang und Ausgang. 0 R Ti Anfang Datu« Ausgang UbrlMin. isrrvl 8680 Uhr jMiv. Frankfurt a. M. 7 50 2. Juli 17.Tamus 9 .40 Bern» . . 7 30 9 33 München . . - 7 15 9 08 Vtrahburg . . — — — — Stuttgart. . . — — .— — Pose« .... ~ — — — Nürttberg. 7 15 S 18 Hamburg . . . — — 10 1 01

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