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Der Israelit · 1920-06-24 · Heft 25 (24.6.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 25 (24.6.1920)
Date
1920-06-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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24. Juni 1920 x -- Gabriel Riefte»'. Eindeutscher Mann jüdischen ' Glaubens. Ein Lebensbild von Jakob Seikensieder. . Frankfurt a. M., Kaussruann 192«. 177 S. Preis geb. 10 Mk., Luxusausgabe 30 Mk. Geht man die Mauer der Rückseite des jüdischen Friedhofs in Hamburg aus dem Grindel entlang, so bietet sich dem Wanderer ein für einen jüdischen Friedhof befremdliches, das jüdische Auge, verletzendes Bild: über die Mauer ragt eine Erzfigur, die, wenn ich nicht irre, einen Pälmzweig in der Hand hält, hervor und über hie man erfährt, daß sie das Grab Gabriel Riesters schmücke. Seine Freunde haben es . also als geschmackvoll befunden, mit einem für einen jüdischen Friedhof unjüdkfchen Denkmal das Andenken Rteßers seinen Landsleuten zu bewähren. Schöner und ansprechender ist jedoch das Denkmal, das ihm Seifensieder in obenerwähntem Buche gesetzt hat, in dem Lebensbild, das er gezeichnet, dessen Schönheit wir gern anerkennen, wenn wir auch nichtjede Zeile unterschreiben möchten, namentlich nicht diejenigen, in welchem der Verfasser den Parteimann nicht verleugnet, was aber dem Ganzen gegenüber nicht schwer ins Gewicht fällt. An der Hand feiner Schriften und Briefe zeichnet uns der Verfasser Rießer's Persönlichkeit, Was er als Vorkämpfer für die Emanzipation geleistet, wie er mit scharfer Klinge die Menzel und Konsorten bekämpft, wie er aber die Deserteure aus der Judenheit als Verräter stigmatisiert und auch zugleich die Negierungen, die auf die Gewissenlosigkeit der Ueberläufer die Prämie eines Amtes und einer Anstellung gesetzt und ihnen die -kernigen' Worte zugerusen: Ihr sagt, die Juden treiben Wucher mit ihrem Gelde, ihr aber wuchert doch mit eurer Religion: dies alles soll ihm nicht vergessen werden. Aber, was er für die deutsche Freiheit getan, wie er treu in dem Frankfurter Parlament an der Seile von Arndt und den anderen Freiheitskämpfern "für die Freiheit eingetreten ist, dies alles sollte ihm von den Deutschen nicht vergessen werden. Aber, was ein Jude für sie getan, wird sehr leicht vergessen und darum ist dieses Buch eine willkommene Mahnung. Das Bild dieses Mannes aber, der für die I ud e n h e t t mit seiner ganzen Persönlichkeit sich eingesetzt und Unschätzbares für sie geleistet hat, bliebe nur unvollkommen, wenn wir nicht auch erführen, was er in seiner hervorragenden Stellung als Jude für das Judentum geleistet hat. Aus dem vorliegenden Buche erfahren wir nun, daß Riester für den Hamburger Tempelverband, dem er selbst angehörte, kein Interesse hatte, daß er nur einmal zu einer Denkschrift an den Senat sich bewegen liest, um zu verhüten, daß dieser nicht auf Betreiben der jüdischen Gemeinde in die freie Bewegung des Tempelverbandes eingreife. Als Gegner jedes staatlichen Religionszwanges, sei es auf die Orthodoxie, sei es auf die Reform, nahm er sich hier des Tempclverbandes an. Ebenso arbeitete er an der Seiten des Dr. Stern aus Güttingen, gegen den staatlichen Beschneidungszwang in Frankfurt a. M. Waren htese Arbeiten getan, so kümmerte er sich mehr weder um den Hamburger Tempelverband noch um^ die Reformbewegung in Frankfurt a. M. und zwar, weil sie in ihrer Halbheit ihm nicht gefiel. Er machte der Reformpartei in den böiden Städten den Borwurf, daß sie nicht den Mut zu einer ,,Sektenbtldung" hatten. Austritt aus den Gemeinden, war sein Losungswort, wie es auf radikaler Seite schon vorher Geiger ausgesprochen hatte. Das mar sein einheitlicher, mit Konsequenz innegehaltener Standpunkt. Er hätte niemals einem staatlichen Gemeindezwang das Wort geredet. Der Orthodoxie konnte er gewiß keine Neigung entgegenbringen, dieser harte die Erziehung im Elternhause vorgebeugt und es ist noch ein Wunder, daß das feindselige Gebühren der Mutter, der Tochter des Oberrabbtners Rabbi Raphael Cohn, gegen alles dem frommen und auch vielen nichtfrommen Juden heilige, zur Mellgtonsübung notwendige Utensil dem Sohn nicht zu einer feindseligen Stellung gegen die Orthodoxie veranlaßte. Dieses ließ jedoch schon sein freiheitliches Denken und Fühlen nicht zu, die Freiheit des Handelns, die er für sich beanspruchte, billigte er auch Andersdenkenden zu. In seiner Stellung als einflußreiches Mitglied des Gemeindeoorstandes hat er es nie versucht, etwas gegen die orthodoxe Führung der Gemeinde zu unternehmen. Ja, noch metjv; Wenn er sich in den Vorstand oer orthodox geleiteten Gemetndeschule, Talmud Thorck, delegieren ließ, so beweist dies schon, daß er dieser Richtung seine volle Anerkennung zollte. Aber wie er geradezu ein Interesse für diese Schule an den Tag legte, das bezeugt dem Schreiber dieses eine Erinnerung aus seiner Schulzeit. Es war bei einer öffentlichen Prüfung, der Rießer, neben dem Oberrabbiner sitzend, beiwohnte. Der imposante Kopf ist mir wie aus dem Gedächtnis geschwunden, aber auch^. nicht das Interesse, welches Rießer ax» dem Gang der Prüfung bezeugte. Ziehen wir nutt das Resultat, was Rießer's Leistungen für das Judentum betrifft, so läßt sich sagen: er hat hier nichts gefördert, aber auch nichts gehindert. Es ist dies zwar ni bt viel, aber immerhin etwas. 8. fr-- Der Israelit. J’fTtPrr niaSC- Bon Rabbi Elieser Chajim Deutsch Zu beziehen bei Herrn Rabbiner Jos. Schwartz, Bonyhad (Ungarn). Wohl niemals sind so viele NMp vorgekommen als in der Gegenwart. Der Krieg mit seinen Folgeerscheinungen hur leider so viele Frauen zu nnm nvn nwtAa gemacht, sodaß rvuuy m:pn zu den wichtigsten miü der Jetztzeit gehört. Wer die Responseniiteratur kennt, weiß w»e schwer dieje Frage zu beharrdeln ist. Der nniri, mita, an den eine solche herantri-t, kann nie genug Literatur über v"r\ besitzen und wir sind den D'iiw, welche diese bereichern, zu außerordentlichen» Danke verpflichtet, insbesondere, wenn aus der Praxis entstandene halachische Entscheidungen aus der neueren Zeit 'veröffentlicht werden. Solch wertvolles Werk ist das soeben erschienene Werk von dem bekannten Gaon Rabbi Elieser Chajim Deutsch aus Bonyhad, unter dem Titel rwn Rö5t. In dem bei Lebzeiten des Verfaffers erschienenen Tschuwaus rntPH nsian sind bereits eine Reihe rwirp beantwortet. Das vorliegende Werk enthält zahlreiche derartige mbm. Doch auch andere höchst interessante ntaxtP sind darin behandelt, z. B. die Frage über iati>n '2) V2K ‘irk bip \b pwn nrx oty )b kn»? pan» bk »rnaP na a"nni (Rvndva jump. - Wir machen auf dieses wertvolle Werk aufmerksam, welches von den Herren Rabbiner Josef Schwartz in Bonyhad und Oberrabbiner M. Deutsch in LemeS zu beziehen: ist. Rabbiner Dr. M. L. Bamberger. Gedanken über Monismus Von Hermann Cohn Verlag Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M Freunde beschaulicher und philosophisch aphoristischer Literutur werden das Büchlein mit Freuden begrüßen und mir Nutzen lesen. Cohn hat die Gabe, in leichtfaßlicher konzentrierter Weise über tiefgehende Probleme zu sprechen. Man kann über die einzelnen Fragen auch anderer Meinung sein, aber eine hohe geläuterte sittliche Weltanschauung spricht aus dem Ganzen. -Tiefem Eindringen gesellt sich eine ruhige Abgeklärtheit in der Behandlung der Materie, um die Schrift zu einer sehr angenehmen Lektüre zu machen. Der Reinerlös fallt wie bet früheren Publikationen des Verfassers, jüdischen Wohltätigkeitszwecken zu. Personalien. Kiel, 12. Juni. Am 9. Juni verstarb hier nach längerem Leiden der langjährige Lehrer und Kantor der Gemeinde, Leopold Katz, im Aller von erst 54 Jahren. Er hat in der Gemeinde seit fast 25 Jahren aus allen Gebieten jüdischen Lebens unermüdlich gewirkt. Er war Gründer und Vorstandsmitglied mehrerer jüdischer Vereinigungen, betätigte sich in selbstloser Weise in allen Angelegenheiten, wo es galt im jüdischen Interesse zu wirken. Die Gemeinde betrauert in ihm einen allzeit hilfsbereiten Freund, einen treuen und hingebungsvollen Beamten, sowie einen verständnisvollen und bewährten Erzieher ihrer Kinder. Der Beisetzung, die am 11. Juni unter starker Beteiligung der Gemeindemitglieder, sowie zahlreicher Vertreter der Bürgerschaft stattfand, ging eine ergreifende Trauerfeier im Sitzungssaals der Synagoge voran In Vertretung des Oberrabbinats Altona, hielt der Herr Rabbiner Dr. Duck es, Altona, eine warmherzige und ergreifende Ansprache, in der er die Verdienste des Verschiedenen eingehend würdigte und die besonderen Leistungen um die jüdischen Matrosen und Kriegsgefangenen hervorhob. Für den Vorstand der Gemeinde sprach der Sanitätsrat Dr. med. Jacob, der besonders auf das segensreiche Wirken des Verstorbenen im Gemetndeleben mit eindrucksvollen Worten hinwles. n"äjtjn. Butzbach, 13. Juni. Plötzlich und unerwartet wurde anc 21. Iwan unser alloerehrter Lehrer, Herr Emil Spiro *?"!», nach kaum vollendetem 81. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen. Für unsere Gemeinde und die naheliegenden Gemeinden, in welcher der Verklärte die Jugend unterrichtete, ist der Tod dieses Mannes ein großer Verlust und schafft eine schwierig auszufüllende Lücke. In Fulda geboren und erzogen, war Spiro, wie man sagt, noch einer vom alten Schrot und Korn. Seit 32 Jahren wirkte er in unserer Gemeinde als Lehrer, Schochet und Vorbeter und war stets darauf aus, in den Gemeinden den Frieden zu erhalten. Jeder, der ihn aussuchte, wurde mit Rat und Tat unterstützt. Auf dem schilderte Herr Provinzialrabbiner Dr. H i r s ch f e l d, Gießen, das Wesen dieses edlen Mannes. Alsdann sprach Herr Hauptlehrer Storch im Namen der hiesigen Stadtschule und der Herr Realdirektor für die Realschule. Herr Lehrer Ehr mann aus Friedberg sprach im Auftrag der verschiedenen Lehrervereine, zu welchen der Verblichene gehörte und zum Schluß rief Herr Lehrer Spiro als Verwandter, in ergreifenden Werten dem Verklärten DiStpn “f? nach. Sein N'r. 25 Sette 7 Andenken wird in unserer Gemeinde unvergeßlich sein und die Ertnuernng an ihn bleibt ein Segens Möge '"PR der Witwe und de»n einzigen Sohn seinen Trost spenden. R"ann. Stuttgart, 15. Juni. Nachdem unsere NeligionS gesellfchaft in jüngster Zeit erfreulicherweise stattliche»» Zuwachs erhalten, haben »vir uns nur» n»ich zu»»» geistigen Führer und Leiter unserer »veiler auszubauenden Reltgionsschule einen Rabbiner gewählt. Für den geeignetsten Mann hielten »vtr Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher, der die benachbarte .Schwestergemeinde in Heilbroun aus kleinen Anfängen zu einer lebensfähigen Kehilloh entwickelte und seit einiger Zeit auch bet uns radbinische Funktionen ausgeübt hatte. Möge nun unsere Gemeinde zum Samrnelpunkt aller ihoratrcuen Genoffen in der bedeutenden Landeshauptstadt werden und von hier aus nach allen Teilen des Schwabenlandes Segen für das gesetzestreue Judentum verbreiten. Schenklengsfeld, 20. Juni. In körperlicher Rüstigkett und geistiger Frische feierten am 16. Juni d. Js. — nör LNN twn — die Eheleute I. W e i l und Johanna, geb. Löbenster.n, das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise ihrer zahlreichen Kinder und Enkelkinder und unter allgemeiner Beteiligung der Gemeinde. Eingeleitet wurde die Feter in der schön geschmückten Synagoge durch einen erhebenden Fest« gottesdienst, in welchen» der Lehrer der.Gemeinde, Herr Grünewald, eine zu Herzen geh?nde Allssprache hielt und ein Bild von der aufopfernden Wirksamkeit des Jubelpaares entwarf. Der Sohn des Jubelpaares, Herr Lehrer Weil, Neustadt, gedachte in rührende«» Worten der mühevollen Aufopferung und selbstlosen Hiygabe seiner Eltern zu ihren Kindern. Zur Verschönerung und weihevollen Stinlinung des Jestgottesdienstes trug auch wesentlich der gutgeschulte Synagogenchor bei, der unter Leitung des Lehrers Grünewald in ergreifender Weise Ma-tau»vn sang. Möge dem ehrwürdigen Jubelpaar ein »veiterer »,»»- getrr'ibter Lebensabend beschieden sein. Vermischtes. Frankfurt a. M., 22. Juni. Das Büro der „Freien Vereinigung" bittet uns, öarnuf ansmerksknn zu machen, daß Anfragen wegen Bezugs von Mesnsoth und Tefiüin, die ko»»trolliert und einwandssrei sind, direkt an den Lieferanten, A. I. Hostnann, Buchhandlung hier, Aller hetligenstr. 87, gerichtet »verden mögen. Wien, 18. Juni. Ein von Rabbiner der Jsrac- Mischen KlMusgemeinde M. Kramer Unterzeichneter Aufrlrf meldet die Gründung eines Vereines zur Unterstützung der Palästtna-Kriegsflüchtlinge in Wien und fordert alle Kreise zur Beteiligung an diesen» Hilfswerke auf. Saloniki, 12. Juni. Zur Wiederherstellung des vor zwei Jahren durch Feuer zerstörten Judenviertels von Saloniki, hat die griechische Regierung 20 Milt Drachmen in den Etat eingestellt. Briefkasten. A. O. in F. Reisebriefe können wir nur annehmeu, »renn sie, objektiv gehalten und a»n Platze selbst abgefaßt sind. SMak-Ansang und Ausgang. npn row 0 IR Ti Anfang I Datum 1 AuSgank Wr!Mln.!lSSvj 5680! Uhr |9»n. Frankfurt s. M. 7 _ 26. 50 Juni lO.Tamns 9 40 Berlin .... 7 80 , 9 34 München . . . 7 15 | 9 08 Stratzbrrrg . — — | — — Stuttgart. — — 1 — — Bose« . , — -! — — Nürnberg 7 15! 9 20 Hamburg . 10 06 iKQ Df. Goldschmidt nty 2 Taunus-Sanatorium Bad Homburg vd. H. (tirNeivitee, lunsrUvd Kranke, ErhoInngabeiHirfUge.

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