Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1920)
- Date
- 1920-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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; - - - {s n |l ■ i In < •; lir - •;■ ■)? Seite 6 Nr. 25 Allsländer müssen mindestens zehn Jahre tri der Schweiz gewohnt haben, um das Bürgerrecht in Zürich erwerben zu körrncrl. UcllÄstincr. Der Paläffina-Paragrapfi 9es fürhifcfien SrieöensDerfrages- Waris, 4. Juni. Wir geben im folgenden den Wortlaut des auf Palästina bezüglichen Artikels 95 des türkischen Friedensvertrags wieder: „Les Hautes Parties contractantes sont d’accord pour confier par application des dispositions de l’article 22, l’administration de la Palestine dans les frontieres qui seront determinees par lesprincipales Puissanees alliees, a un mandataire qui sera ehoisi par les dites puissanees. Le mandataire sera responsable de la misea exeeution de la declaration originairement faite le 2 novembre 1917 parle Gouvernement britannique et adoptee par les autres Puissanees alliees en faveur de l’etablissement en Palestine d’un foyer national pour le peuple juif, etant bien entendu que rien ne sera fait qui pourrait porter prejudice aux droits civils et religieux des eommunautes nonjuives en Palestine, non plus qu7aux droits et au Statut politique profitant aux .juifs dans tout autro pays. La Puissance mandataire s’engage a nommer dans le plus bref delai une Commission speciale pour etudier toute question et toute reelamation concernant les diffeerentoa eommunautes religieuses et en etablir le regiement. II sera tenu compte, dansla composition de cette Commission, des interets religieux en jeu. Le President de la Commission sera nomme par le Conseil de la Societe des Nations.“ Das neue Pa!äfiina. London, 13. Juri. Herbert S a m uel, der neue Kommissar für Palästina, ist vom König in den Ritterstand erhoben worden. Aus Jerusalem imb Jaffa treffen hier fortgesetzt Nachrichten über die drohende Haltung gewisser arabischer Kreise gegen-die Juden eilt; insbesondere die galiläischen Kolonien dürften stark gefährdet sein, wenn kein ausreichender niititärischer Schutz geschaffen wird. Jabotinsky und Genossen haben im Gefäng'nis zu Akko einen .H u n gerstrerk begonnen. djeNX^arfi eraris Sabbat, Sabbatpsalm und Habbala nach den Kapiteln des R Eliefer. (Fortsetzung.) „Der Gerechte wird palmengletch blühen". — Wie die Dattelpalmen schön von Ansehen und alle ihre Früchte süß sind, so ist der Davidsohn schön an Werken und Ehren, und so sind alle seine Taten gut und süß vor Gott. „Wie eine Zeder im Lebanon gedeiht er". Wie die Zeder viele Wurzeln tief in der Erde hat und wie selbst wenn alle Winde der Welt kommen und gegen sie blasen, sie sie nicht von der Stelle bewegen, ebenso sind die Taten und die Macht des Davidsohnes so gewichtig, daß selbst, wenn alle Völker gegen ihn aufstehen, sie ihn nicht von seiner Stätte bewegen- „wie eine Zeder wird er blühen". — „Ein gepflanzt im Hause Gottes". Einst wird Gott ganz Israel von den Enden der Erde sammeln, wie der Gärtner von Beet zu Beet pflanzt, so wird Gott sie dereinst vom unreinen Lande in das reine Lande verpflanzen, eingepstanzt im Hause Gottes." Wie das Kraut des Feldes werden sie im Heiligtum blühen und sprossen, f „im Hause unseres Gottes blühen". Wie -das Greisenalter ein Schmuck und eine Ehre ist für die Alten, so sind sie, Israel der Zukunft, selber Schmuck und Ehre (sc. des göttl. Weltenbaues), „gesegnet und frisch werden sie sein^. „Zu berichten, daß Gott redlich ist". Wozu das alles? Um preisend und berehrend zu künden die Allmacht der Werke Gottels, und zu künden, daß er gerecht und redlich ist, ohne Fehl, „mein Fels und kein Fehl ist an ihm." Der Tempel des Sabbat, das jüdische Haus ist zwar die Wurzel alles jüdischen Lebens, allein der Nährboden dieser Wurzel muß von allem Fremden rein sein. Die Verpflanzung in die heilige Bätererde aber bleibi Gott selber Vorbehalten. Denn alle Mächte der Erde reichen ja nicht aus, die latente Macht jüdischen Geisteslebens in Bewegung zu fetzen. Und diese Aüserwählten, die allein aus der Weltenentwurzelung und dem Weltenverfalle sich gerettet haben, sind sie nicht derGreisenschmuck der gealtertenWel t? Bezeichnet R. Elteser sie nicht mit Recht so? Sind sie nicht die schönsten Kristalltsierungserzeugnifse des Weltenplanes? Und sind sie nicht die lebenden Beweise dafür, daß ein Welten- P lan Gottes besteht und vollzogen wird trotz des ewigen Verfalles? Schließt also nicht mit Recht Psalm und Kapitel mit dem Hinweis auf Gottes Redlichkeit? — Uebertragen wir all diese makrokosmischen Erlösungshymnen auf den Mikrokomos des jüdischen Hauses, so finden wir in unserem Kapitel das herrlichste Abbild des stillen Machtbewußseins dieser schönsten der Feiern. Vom Weltendurchstreifen kehrt der Handels-" beflissene, vom heiligen Lehrhause der Talmudjünger, vom häuslichen Wirken die jüdische Frau zurück in die heilige Atmosphäre des stolzen Rühens. Heute ist Arbeit nicht Segen, heute, am Sabbat, heute wäre sie Fluch. Heute ist alles fertig. Die Weltentwtcklung stzht auf ihrem Abwege still, gehemmt durch das jüdische Aufwärtsstreben, das frei ist wie dereinst am „großen Sabbat", am Ende der Tage. Frei! Für die Dauer eines Tages zwar nur, — aber gibt es hienieden eine wirklichere Freiheit des ^Willens? Heil denen, die in der Welt der ewigen Wirklichkeit, der Sabbatwelt, so fest verankert sind, daß diese Scheinwelt sie nicht beirrt! Daß sie vielmehr streben, so frei zu werden, wie sie scheinen. Damit sie wert bleiben, zu künden, in die Nachwelt zu retten die Kunde: „Daß Gott redlich ist", in uns die Möglichkeit dieser Verinnerlichung gelegt hat, „und kein Fehl von ihm." Wcherbesprechungen. „Ein Kamps um Gott". Von Isaak Breuer. Verlag von Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M., 1920. Preis geb. Mk. 30.- Dunkel und mächtig hebt sich vom blassen farblosen Grunde die Gestalt des Helden der Erzählung, Heinrich Thorning, ab. Das .ist keine Einzelpersönlichkeit, mit der man leidet und bangt, das ist kein Einzelschicksal, um das man -sich sorgt und quält, nein, die Einzelpersönlichkeit ist zum Typus emporgeläutert, das Einzelbild zum Weltbild erweitert. Es ist der Typus des dem Boden des Gotlesgesetzes entrückten, halt- und wurzellos in der Luft schwankenden und doch in Heister Sehnsucht nach dem ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht drängenden und suchenden Juden der Gegenwart, den der Autor mit ttefex seelischer Anteilnahme, mit eindrtngender Psychologie, mit reifer, reicher Künstlerschaft schildert. Langsam allerdings nur und zögernd wächst die Persönlichkeit Thornings hervor, ästhetisch und ethisch nicht zu ihrem Vorteil belastet mit allerlei lehrhaften Auseinandersetzungen, die das Problem „Seele und Ichheit" oder einfacher gesagt „Seele und Körper" aufrollen. Ist es schon unratsam, dem Fluß der Dichtung gleich zu Beginn Geröll und Steine in den Weg zu legen, anstatt die Motive in die Darstellung selbst lebendig zu verweben, so erhöht sich das Bedenken, wenn in eine im Wesentlichen unbestreitbar prächtige und vertiefte Anschauung des jüdischen Lebensberufs Axiome einflietzen, die an und für sich anfechtbar und im Hinblick auf den Träger des Zwiespaltes zwischen Seele und Ichheit gefährlich sind. „Göttlich ist die Seele des Menschen und, wie Gott selber, gut. Aber die Ichheit des Menschen ist nicht frei und ist nicht rein und ist nicht gut. Ueber sie entscheidet die Geburt. Die Seele wird nicht geboren. Aber die Ichheit wird geboren., Nicht auS sich,sondern pon der Erde hat Gott sie einst entnommen und alle 34. Juni 1930 Triebe der zeugenden Erde ihr mttgegeben. Milliardenfältig hat sich die erste Ichheit, dein Gesetze der Entwicklung folgend, anseinandergespaltenaber jede neue Ichheit ist nur das zusammenfassende Ergebnis der ihr vorangegangenen Reihen. Nichts geht verloren, was je eine Jchhelt gedacht, gewünscht und getan. Die Ichheit des Enkels leidet unter der Last zehrend verderblicher Begierden des Ahns und strebt unbewußt, zur verhängnisvollen Tat seiner jäh abgebrochenen Gedanken. Keine Ichheit war je sündenfrei. Drum wird keine Ichheit sündenfrei geboren". .Hier stocke ich schon und kann nicht weiter fort. Zugegeben: ererbte Triebe, Neigungen, Begierden, mögen einen Einfluß auf die ursprüngliche Veranlagung von Kindern, vielleicht gar Kindeskindern, ausüben. Aber ist die Ichheit des Menschen nicht trötzdem frei, rein und gut, da sie inS Leben und ins erwachende Bewußtsein tritt? Wird sie nicht, obwohl „auf Erden kein Mensch so gerecht ist, daß er nur gut täte und nicht auch sündigte", wird sie nicht trotzdem sündenftet geboren? Tritt sie nicht vielmehr erst in den dunklen Bannkreis der Sünde, wenn die Seele die Ichheit nicht mehr zu meistern vermag? Und ist wirklich, wie es kurz darauf heißt „Geburt, Schicksal"? Ist uns Geburt nicht vielmehr Aufgabe, froh und gern empfangene Aufgabe? Wozu dieser Pessimismus? Der dazu noch geeignet ist, dem in Thorning verkörperten Kampf zwischen Seele und Körper, zwischen Sehnsucht und Erfüllung eine falsche Richtung zu geben, weil er den Schalten unfreier Gebundenheit in die notwendige Wahlfreihcit seines Tuns und Lassens wirft. Thornings Urgroßvater hat noch zu den Füßen des Chassam Sauser gesessen, seine Großeltern haben noch inmitten ihrer irdischen Dürftigkeit nur die Thora als Nährboden und Leitstern ihres Lebens betrachtet. Dann geht der Weg abwärts. Der Vater hat schon „das Herz an die Kette der Ptetär gelegt", ihm fehlt die „Simchoh schel Mizwoh" und die Ernsthaftigkeit in ihrer Ausführung. Als Kind ist Heinrich noch weich, den besten und reinsten seelischen Eindrücken hirigegeben, die ihm die Großmutter vermittelt. Mit dem Gymnasium beginnt der Abstieg. Der Glanz des Sabbats, des trauten, festlichen und hochgemutstimmenden Sabbats kommt ihm abhanden. Das Gefühlsleben tritt zurück, die Welt des Verstandes dominiert. Was. sich hier innerlich vorbereitet: Die Abkehr von Gott, vollendet das Studententum, besiegelt bis zur Vernichtung die erwachende, ringende und — erliegende Männlichkeit. Hier ist eine Szene, die zu dem Erschütterndsten, Gewaltigsten und Reinsten gehört, was wir im erzählenden Schrifttum besitzen. Diese Darstellung des aufglimmenden Feuers der Sinnlichkeit, der Ohnmacht, es zu löschen, „wM Gott nicht in seiner Mitte ist", der grenzenlosen Verzweiflung über den jähen, nicht wieder gutzumachenden Zusammenbruch der sittlichen Welt in ihm nach seiner Entadlung, sie sollte als Menetekel unserer Heranwachsenden Jugend in die Hand gegeben werden und ihr in die Ohren gellen: Bewahrt eure sittliche Reinheit! Haltet euch heilig für Gottes Zwecke! Zerfetzt und zerrissen nach dieser tiefsten Entwürdigung sucht Heinrich anderen Trost, .andere Stütze. In ihm glüht, ihm selbst unbewußt, Göttliches und wartet nur des Tages, da es in Heller- Flamme emporlodern kann. Aber die Unfreiheit, in die ihn seine erdentstammte Leiblichkeit geschlungen, läßt ihn den Blick weiterhin zur Erde richten. Und er glaubt, für seine Unrast Stillung zu finden, glaubt, seiner Pflicht genug getan zu Haben, wenn er diese Erde seinem Volk zurückerobert. Er wird „völkisch". Ihm schweben berückend vor: Selbstbewußte Juden! Nicht mehr gottesbewußte Juden, die das Joch göttlicher Herrschaft auf den Schultern, als Gottes Gäste in Gottes Welt voll Angst und Besorgnis sich bewegen, ihre Freude nur in Gottes Wohlgefallen, in Gottes Zorn nur ihre Sorge finden, selbstbewußte Juden, die ihr Elgenrecht aus deur Schreine ihrer Brust holen. Auch dieses Irrtums wird er grausam tnne. Ein Vertreter des „reinen Menschentums" begegnet ihm, er wähnt entzückt in' dieser Anschauung die goldene Brücke gefunden zu haben, die ihn zum Ideal und zum Frieden hinführt. Der Weltkrieg umwandelt das Ideal zu einem Idol, das zertrümmert zusammenstürzt. Nackt und frierend, . bar jedes Anhangs und jedes Haltes, auf sich selbst zurückgeworfen und auf sich selbst beschränkt, wacht angesichts des Todes das Beste in ihm auf, was viele Jahre verschüttet war, sein seelisches Leben glänzt, erhöht und weiht sich zu dem Bewußtsein, daß es für alle Unrast, für alles Sehnen, für alles Tasten, für alles Begehren, für alles Wollen, für alle Vollendung, nur einen Anker, nur ein.Ziel gibt: Gott. Die Seele hat die Ichheit besiegt, sie war unterjocht und schwingt sich nun frei zu ihrem Schöpfer empor. „Aber in dieser Nacht leuchtet Heinrich Thorning ein Licht. Er hob den Blick zum Himmel und Ihm war, als schaute er oben am Himmel die Buchstaben des Gottesrechts flammen, schwarzes Feuer auf weißem Feuer, Buchstabe vor Buchstabe, unermeßlich an Zahl. Da zog der Friede in ihm ein. Gott selber ergriff ihn und trieb ihn empor zu Zeiten überschauender Höhe und er sah die Menschheit lagern nach ihren Nationen und unter ihnen, geehrt von allen, die jüdische Nation, Gottes Erstling — und die flammenden Buchstaben des Gottesrechtes flammten in den Seelen. Da zog der Friede in ihm ein-"• „ Max Speier. Sei Sliftelii