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Der Israelit · 1920-06-24 · Heft 25 (24.6.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 25 (24.6.1920)
Date
1920-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 No. 25 Der JSraelit. 24. Juni 1920 eben ein anderes. AG jener Rabbiner die gegen ihn gerichtete Erklärung int „Israelit" las, kam er schon am nächsten Tage nach Berlin, um den Rabbi um Verzeihung zu bitten. An der Türe Zu seinem Studierzimmer blieb er stehen und sing an bitterlich zu Meinen, und sagte zu der Gattin des Rabbi, der ich diesen Bericht verdanke: Er habe beim Tode seiner Eltern nicht so geweint, denn es tue ihm zu wehe, den Rabbi, dem ^er so viel verdanke, erzürnt zu haben. Im Jahre 1884 fand in Berlin eine Rabbiner-Versammlung statt, an welcher der Rabbi und seine Freunde nicht Leilnahmen. Ein ehemaliger Schüler des Rabbi hatte den Aufruf zum Besuche der Rabbiner-Versammlung unterschrieben. Er entschuldigte sich deshalb beim Rabbi, betonte aber, daß er nunmehr, nachdem er selbst zu der Tagung eingeladen habe, derselben nicht fern bleiben könne. Zu jener Zeit schrieb ich hie und da Briefe ftir den Rabbi, w-elcher die Fähigkeit hatte, zu gleicher Zeit selbst schreiben und diktieren zu können. Damals mußte ich im Namen des Rabbi jenem Rabbiner einen Brief schreiben, in welchem er ihn entschieden ersuchte, sich an der Versammlung nicht zu beteiligen. Am Tage darauf traf ich einen Herrn, der für die auswärtigen Rabbiner die Wohnungen zu besorgen hatte, und dieser teilte mir mit, was mich natürlich nicht in Erstaunen setzte, der betreffetide Rabbiner habe soeben telegraphiert, er sei verhindert, ttad) Berlin zu kommen. Natürlich gab es unter so vielen Schülern des Rabbi auch solche, die ihrer» Lehrer untren geworden sind. Einer der ärgsten abtrünnigen Schüler war der verstorbene Dr. R. in A. (Ungarn), der sogar Mischehen „einsegnete". Als der Rabbi begraben wurde, erkannte ein alter Bekannter Dr. R. irn Traucrzuge. Wie? Sie sind hier? fragte er ihn erstaunt, und jener antwortete: „Bitte verraten Sie mich nicht; ich weiß wohl, daß ich nicht würdig bin, mich einen Schüler des Rabbi gn nennen. Ich gehe auch nicht ins Trauerhans und schreibe mich nicht in die Listen ein. Aber als ich irn Pester Lloyd die Depesche von: Tode des Rabbi las, da litt' es mich nicht daheim. Ta zog es mich her wie mit magnetischer Gewalt, ich mußte diesem Männe die letzte Ehre erweisen." Wir miijfen dem Allmächtigen dafür danken, daß er vor hundert Jahren der Menschheit und dem Judentum unfern Rabbi geschenkt, und mit ihm das Ideal eines Menschen und Jehudi in unsere Mitte gepflanzt hat. Ich aber und meine Gefährten danken Gott für die Gnade, daß wir die Wirksamkeit dieses Mannes mit ansehen und die Erinnerung an ihn ins Leben hinaustragen bnxften. Von nnserm Rabbi gilt in allen seinen Teilen das Wort aus dem Buche Daniel dSw D'Zin rpin 1N112 nw ♦W Die Weisen werden leuchten, wie der Glanz am Himmel, diejenigen aber, welche auf die Menschen veredelnd wirken, wie die Sterne immer und ewig. N2127> PISS “DT Sein Andenken wird ein segensreiches sein für alle Zeiten. „Es wird die Spur von seinen Erdetagen nicht in Aeonen untergehen." romspondenze» und Aachrlchien. Das Ergebnis 9er Repräfenfanfenroahlen. Merlin, 21. J rnt. Die Wahlschlacht ist geschlagen, und der in der letzten Woche auf seinen Höhepunkt gelangte Kampf um die Verteilung der Mandate der Repräsentantenversammlung hat damit sein Ende erreicht. Der Erfolg entsprach den Erwartungen, die an dieser Stelle vor vierzehn Tagen zum Ausdruck gebracht worden sind. Den Zionisten ist der vorausgesehene Erfolg von drei bis vier Mandaten zuteil geworden. Dagegen haben sich ihre eigenen sanguinischen Hoffnungen, unter der Parole der „Jüdischen Volksgemeinde", die Mehrheit der Wähler mit sich reißen zu können, nicht erfüllt. Bei insgesamt 40000 Wahlberechtigten erschienen an der Urne nur 14539, also knapp 37°/.. Stimmen erhielten: die vereinigte konservativ-liberale Liste 8666, die jüdische Volkspartet (Ziontsten, Ostjuden usw.) 4516, Poale-Zion 939, liberale Sonderlistev (Liste Gottschalk) 294. Es sind mtthin gewählt von der konservativliberalen Lffte acht Repräsentanten und vier Stellvertreter, darunter befinden sich von streng gesetzestreuer Seite die Herren James Go lösch mtdt, Moritz A. Loe-b und Dr. med. A. Wechselmann, von Konservativen die Herren: Adolf Lewinsky, David Holpe, Magistratsrat Dr. Reumann und David Lichtenstein. Von zionistischer Seitesind gewählt: vierRepräsentanten und zwei Stellvertreter, darunter als Repräsentant der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Mlsrachi, Herr Rechtsanwalt Dr. Ä. Löb. Oskar Cohn, der bekannte Führer der U. S. P. D., ist als Repräsentantenstellvertreter gewählt. Die Zionisten werden natürlich, über den Erfolg, den sie davongetragen haben, jubeln. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Parole der „Jüdischen Volksgemeinde", unter deren Zeichen sie diesen Kampf führten, einen eklatanten Mißerfolg erlitten hat. Hofften doch die Zionisten gerade mit dieser Parole die Mehrheit der neu hinzugekommenen Gemeindewähler (rund 24000), an die Urne^zu bringen. Statt dessen tst es ihnen trotz sehr rühriger Agitation kaum gelungen, 10,'/» der anderen Wähler für die Jüdische Volksgemeinde zu begeistern. Dabei ist zu berücksichtigen, daß mehr als V. der zionistischen Stimmen von den Oftjuden stammt, denen sie in. ihrem Programm und in ihren Versammlungen weitgehende Sonderversprechungen gemacht haben. Eines muß man den Zionisten lassen: in ihrer Agitation zeigten sie einen Eifer und eine Rührigkeit, die von den andern Richtungen auch nicht im' entferntesten erreicht wurde. Versanmv lung folgte auf Versammlung, und die Anschlagsäulen wurden nicht leer von den Ankündigungen der „Jüdischen Volkspartet". Daß ihre Agitation stellenweise einen recht rüden Charakter annahm und persönliche Angriffe auf den Gegner nicht fehlten, ist eine für die zionistische Kampfesweise nicht gerade neue, aber darum nicht minder unerfreuliche Erscheinung. Mit der großen Anzahl neuer Männer wird auch ein neuer Geist seinen Einzug in die Repräsentantenversammlung halten. Es darf jedenfalls eine etwas größere Berücksichtigung der von gesetzestreuer Seite bisher vergeblich erhobenen Forderungen auf allen Gebieten des Gemetndeiebens mit Sicherheit erwartet werden. Die Reichsfchulhonferenj. Merlin, 17. J^ni. An der Reichsschülkonferenz nahmen von jüdischer Seite Rabbiner Dr. Munk (Freie Vereimgung), dem die Herren Lehrer Ochsenm a n n und Stern äks Aachreferenten zur Seite stauden, Hauptlehrer Feiner (Lehrerverband), Lehrer Stein (Jügendverband) und Justizrat L i l i e n t h a l (Verband der deutschen Juden) teil. " Bei dem durchaus unübersichtlichen 'Ergebiris der Konferenz überhaupt, den: Mangel' jeglicher MchrheiLsentscheidung und der Verworrenheit der um den Einfluß kämpfenden Richtungen, läßt üch etwas B ftkmmtes über die Wirkungen der Konferenz auf.die jüdische Schule noch nicht sagen.; f Fest steht nur, daß die jüdische Lehrer- \ b ildüng auf neue Grundlagen gestellt werden | muß, da die Seminare verschwinden. An deren Stelle muß. für eine gediegene jüdische! Bildung während " des Besuches der Oberschulen und der pädagogischen Universitätsseminare gesorgt werden. ~ Gesterveirh. Dfe Kahlen jur Kulfusaemeinöe. Wie», 15. Juni. 'Tie orthodoxe Liste weist an erster bis zwölfter Stelle folgende Namen ans, Wölf Papp e n h e im, Siegmund B o n b i, Oftas M ä r z, Moritz F e l s e n b e r g, Adolf R a a ß Markus Kamm, Franz Neumann, " Adalbert Breuer, Gerson Wesnstock, Moritz Lettner, Hirsch Eder, Nathan Schiff. Der Wählkampf wird von zionistischer Seite tu der denkbar gehässigsten Weise geführt, wobei leider eine Anzahl gesetzestreuer Persönlichkeiten, denen jedes Gefühl für die Würdelosigkeit ihres Handwerks abgeht, dem Zionismus gegen die Orthodoxie Vorspanndiensteleisten. Das Wahlergebnis wird zeigen, auf welcher Stufe politischer Reife die thoratreue Mässe in Wien sich besindet. PaläRinaarbeif 9er flguäas 3isroel- ‘ Me», 17. Juni. Air die Jüdenheit in Deutsch-Oester re'ch und in der Tschecho-Slowakei ergeht folgender Aufruf der österreichischen Palästinazentrale der Aguda-Wälwrganisation: „Die Palästinazentrale der Agüda-Weltorgamsation für 'Deutschs-Oesterreich und Tschecho- Slowakei, beabsichtigt eine -großzügige und u m f a s f e n d e T ä t i g k e i t für Erez-Jsroet zu entfalten. , Treu unserem Programme, sämtliche Judenprobteme in Erez-Jsroel und im Golüt'h im Geiste unserer heiligen echitjüdischen Tradition zu lösen, wollen und müssen wir, gesetzestreue Juden an dem nunmehr im größeren Maßstabe möglichen Wiederaufbau unseres heiligen Landes mit voller Energie Mitwirken. Eine der vornehmsten 'Ausgaben der gesetzestreuen Jüdenheit der Wett muß es jetzt sein, dafür zu sorgen, daß die gesetzestreüen Juden für die Zukunft den Kenr und die Mehrheit der palästineüsischen Jüdenheit werden. Der undurchdringliche, ewige Damnr..gegen äußere und innere Angleichpng an die anderen Völker ist nur das unverrückte.Festhalten des jüdischen Volkes an der jüdischen, Von Gott gegebenen Volkstradition. - Soll Erez-Jsroel der Mittelpunkt des jüdischen Volkes werden, so muß die Thora der Mittelpunkt Erez-Jsroels werden. 'Darum ist es notwendig, den gesetzestreuen Jischuw iy Palästina durch Einwanderung gesunder, produktiver und gesetzestreuer Juden zu stärken und äuszUgestalten. Ein gesetzestreuer Jischuw muß in Palästina ras che sie ns gesch affen werden. Liebe. Brüder, hälfet uns bei diesem wichtigen Werke. ' 1. Wir rufen alle gesetzestreuen Juden, die sich mit Landwirtschaft beschäftigen wollen, auf, sich zu unserer „Ojlim^Gruppe" (zwecks mehrmonatiger landwirtschaftlicher Heranbildung) zu melden. 2. Wir rufen alle gesetzestreüen Handwerker, die nach Palästina fahret: wollen, auf, uns ihre Adressen bekannt zu geben. Für solche, die ein Handwerk erlernen wollen, beabsichtigen wir Werkstätten zu errichten. " 3. Wir rufen alle gesetzestreüen Landwirte, Gzitsüesitzer, Gutspächter auf, utrs ihre Adressen bekannt zu geben und uns mitzuteilen, ob sie geneigt wären, gesetzestreuen > gefunden und arbeitslustigen jungen Juden > - Arbeitsgeleglenheit cms dem Lande zu verschaffen. Für Alle aber, die nach! Palästina fahren 'wollen, gedenken wir einen Kataster anzulegen.

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