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Der Israelit · 1920-06-17 · Heft 24 (17.6.1920) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 24 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Rabb. rvt&ina 22/28) nicht, sondern macht sich im Gegenteil seßhaft 82^1. Er entsagt nicht, sondern beginnt ein neues/ kraftvolles Leben. Die wirkliche aufrichtige Reue hat diese emporrichtende Kraft. Sie bedeutet eine Gotteshuldigung für die Aufnahme und Förderung selbst des gefallenen Menschen und zeigt offensichtlich die Leitung der Menschheit und ihre stete Erneuerung durch Gott, der fort und fort des Menschen Geschick nach dessen Verdienst bestimmt und so auch die Wirkung der geschaffenen Natur der Pflichterfüllung des schaffenden Teiles der Schöpfung, der Menschen, unierordnet (Midr. Rabb. fi'$*n2 22,28). — Ob indes Kajtn eine solche wahrhafte Reue empfand, darf füglich nach dem Berscht der vorhergehenden Sätze bezweifelt werden. 17. Wenn Kajin begann, Städtebauer zu werden, indem er die erste Ansiedlung schuf (N22 nicht;2'i; er baute nicht sofort eine große Stadt) so wollte er dadurch seinem Sohne die Seßhaftigkeit sichern. Es ist psychologisch erklärlich, daß der Vater, der ein unstätes Leben führt, seinem Kinde ein anderes Dasein wünscht und es mit der Fähigkeit, der Möglichkeit dazu ausrüsten möchte. Der zur Untätigkeit verurteilte Mann wird der Begründer der Seßhaftigkeit. Aber diese Seßhaftigkeit im Gegensatz zu Gott bringt kein Glück. 18. Es ist nicht zu überfthm, daß das Kainitische Geschlecht, das uns in diesem Vers bis zu seinem klugen und hervorragenden Vertreter Lemech genannt ist, passivisch und in blos physischer Entwicklung T?1)'! und l*?1 vorgesührt wird — im deutlichen Unterschied zum kraftvollern sethitifchm Geschlecht, dessen Aufzählung räumlich, formal und durch die dreifachen Altersangaben auch inhaltlich ganz anders wirkt. Nur die Mutterschaft des Geschlechtes Kajins, das gleichsam eine natürliche Folge des voraufgegangenen darstellt, kann uns berichtet werden. Eine väterliche Erziehung in einer bestimmten Richtung eines Geschlechtes durch das andere war nicht vorhanden. Darum der unaufhaltsame Niedergang. War es fdwn die völlig passive Naturnotwendigkeit, "D'n daß dem Jpn der ohne sein Zutun die fertige Stadt vom Vater überkommen hatte, der Stolz in die Wiege gelegt war, sodaß der Weltenherr, das Geschlecht von der Welt hätte verdrängen müssen (Midr. Rabb. fi'tP&nn 23,2), so mußte fortzeugend als Fluch der bösen Tat ein Geschlecht das andere ^gebären" Darum “n'ib auf *VPU dasL Sokeph godaul. Das in seiner Anschauung bereits durch den Vater „verzogene" Geschlecht konnte durch eigene Lebensführung nur ein solches zur Welt bringen, das Gott aus dem Leben strich. Schließlich bleibt ein Geschlecht ohne jeglichen sittlichen Halt übrig, ein Geschlecht ohnegleichen, weil ihm alles vergleichbar *“|ö7> zu dem alles hinstrebte b von dem alles ausging üa, zu dem sich alles vergleichen “] konnte und das daher die völlige Auflösung aller sittlichen Begriffe erlebte. 19. In diesem Geschlecht hatte die Freude den Vorzug vor der Pflicht, der Genuß galt höher als der Ernst. Der Mensch stand im Dienst seiner Begierde und nicht seiner Ausgabe, anstatt, daß die Naturkräfte die Ausgabe des Lebens ausführten, der der Mensch mit seinem Wesen und Wirken dient. 20. Der Genuß schafft Werte. Ein Geschlecht der Pflicht ist genikgsam, sein Ziel läßt sich mit ideellen Mitteln erreichen. Es bleibt daher auf dem Gebiete der materiellen Werte unfruchtbar. Das Volk und die Zeit, die genießen will, schafft im Dienste des genießenden Lebens Kulturwerte. An der Spitze steht der Kaufmann. (Hirsch). Ihm zur Seite die Kunst, die über dem Kampf ums Dasein, der den Mann zur Rauheit gegen sich und zur Rückstchtlosigkeit gegen andere erzieht, das Schöne, das Gemüt und seine Bildung nicht vergessen lassen will. 22. Die Kunst, besonders die Musik steht aber nur zu häufig im Dienst der Sittenlockerung, ebenso wie sie neben der Industrie und deren Lebenslust, dem Krieg, als Veredlung deren Erzeugnisse, der Waffe, schwesterlich erscheint. Die Schwester des Mars ist Venus. Der Kriegssohn gilt heute noch als Mtnnediener, ist ebenso der Ritter des Krieges wie der Dame. Es ist das Schöne nur der äußere Schmuck, der die Roheit seines Handwerks verdeckt und ihm den Eintritt in die Gesellschaft ermöglicht. Ohne das Schöne, worauf daher der schneidige Militarismus im Interesse seines Daseins den höchsten Wert legt, wäre er ein Schrecken der Menschheit, da er an Tod und Verderben erinnerte. hatte zuerst geboren. Es ist naturgemäß, daß das Werkzeug zuerst Anliegen des sinnenden Menschen war. Zuerst wendet er sich dem Notwendigen und dann erst dem Angenehmen, der Kunst, zu. Zillah war durch die umworbene, schöne Ada in den „Schatten" gestellt, ward verbissen, war der Welt wegen des Unrechts gram. Das Luxuspserd wird mehr gepflegt als das arbeitsame Lasttier, auf das man keine Rücksicht kennt. Das verärgert und schmiedet die Waffe der Rache. Gerade der ernsten bescheidenen Zilla Sohn wird Träger — nicht '28 Erfinder — des Mordtnstruments, wird Hyrr der Situation, Rächer der ungerechten Verteilung der Güter dieser Welt. Die Waffe war schon da, vielleicht hatte Kajin sie bereits verwandt, er wußte nur den Stahl besser zu schleifen. Das Etseninstrument ist übrigens schon recht früh da. Die „Steinzeit" beweist für das allgemeine nichts, gar nichts. Im Osten vom Eden, im Lande Noa dort verwandte man Metall schon früh. Wann, können wir nicht angeben. Die Lebensdauer der Kajtniten ist nicht überliefert. Ihre hohle Sitte und ihre blühende Kultur — und ihre scharfe Wehr dürfte ihre Lebensdauer sehr gemäßigt haben. 23. Das Gute erhält sich nur in der Frau — es ist die Diakonissin neben dem Kriege Der Mann verwundet, die Frau verbindet, der Mann stößt nieder, die Frau richtet auf. Es wird auch das Losungswort der Erlösung der Zukunft lauten: „Die Fran umgibt den Mann." So findet Lemech nur bei Frauen und nur bei seinen Frauen noch Verständnis für ein rechtes Wort, für eine objektive, wenn auch harte Beurteilung der Zeit. Er redet sie nicht direkt an. Es heißt nicht sondern VtW?. Verzweifelt schaut er das Fazit der Leistungen. Alle drei Söhne sind „etwas Tüchtiges" geworden. Zwei von ihnen haben epochemachende Bedeutung erlangt. Handel, Kunst und Industrie blühten — und ^22 war der Vater der größten Persönlichkeiten der Zeit — und doch vergebens. Seine Frauen sollen hören, wenn sie ihm nicht nahe ständen, daß sie ihn kennen, als Frauen sein Gefühlsleben 'blp verstehen, und da sie ihm nahe stehen, erst recht den Inhalt seiner Verheißung begreifen. '2 Fragearttkel, habe ich einen Mann erschlagen, daß es nötig wäre, daß als Vergeltungsstrafe „Wunden von mir d. h. meinem Kind ausgehen müssen? 'J?2£S und 'rfonfmb genetiv. subject. Ist das Kind da, damit Beulen von mir beigebracht werden sollen? Um sofort an das Schaffen des Tubal Kajin die Rede des Lemech anzuschließen, ist vielleicht die Geburt des älteren Tubal Kajin später erzählt. Jedenfalls ist der Satz als Frage (Midr. Rabb. N'V8N2 der Verzweiflung zu fassen. Man vergl. Hirsch z. St.) 24. Hatte Kajtn nur einen Menschen getötet und damit eine zweifache Schuld auf sich geladen, gegen die Person und die Gesamtheit, so hat die Waffmtnduftrie, die Schwerindustrie, wie man sie mit einem schonenden Ausdruck nennt, sich gegen die Göttlichkeit der Gesamtheiten (70) und die Göttlichkeit des Einzelnen (7) gewandt und das Verderben in vollstem Umfang in die Welt getragen. Daß JTOttN Q'22w nicht die Zahl 77 bedeutet, geht aus der Stellung hervor, in der der Zehner vor dem Einer erscheint, während bei der Zahl der Einer dem Zehner vorangeht. Lemech frohlockt nicht über die Zeitgrößen, die er erzogen. - Er sieht die Welt auf dem Höchstziel der Entwicklung und resigniert — denn die Kultur, die die Zeit hervorgebrächt, trügt den Tod in die Welt und hat sich das Prädikat selbst geschrieben. 25. Scheinbar unvermittelt schließt dieser Vers sich an den vorigen an, mtb doch ist er nur die Fortsetzung von dem, was von Kajin zu erzählen war. Dieser Sohn Kajin hat die stolzen Erwartungen nicht erfüllt, die besonders seine Mutter auf ihn gesetzt hatte. Er war nicht /tafnK Ti'22 tP'K geworden, sondern ein '2LL2 TiJnrT V'8. Schlicht und einfach, ernst und betrübt, wird uns die Geburt von fiW erzählt. Aber indem er als Geschenk Gottes ohne Preis der Menschenkraft erkannt wird '2, trägt er die Gewähr für seine Erhaltung der /Weit und der Erhaltung der Welt durch ihn in sich. Auch ihm wurde ein Sohn geboren. Aber das Passivum wird hier durch den Pual iS' ausgedrückt, das das intensivere Aktiv voraussetzt, das in dem Cauativen T?VT seine Erklärung findet. Den Namen erhält der Sohlt nach dem Siechtum der Zeit, in der der Nanre Gottes entweiht war, den aufs Neue zu künden darum die Verhältnisse gebieterisch forderten. Eine Bemerkung macht der Midrasch Rabb. ti'V8N2 239, die beweis, daß seine Worte nicht nur erbauen, sondern belehren sollen. Seitdem die Erde ihren Schoß öffnet und die Schätze der Vorzeit zu Tage fördert, die sie mit dem Blut der Menschheit in sich ausgenommen, gibt mancher Fund zu denken. Aus diesen Funden, die überraschten, zog man Schlüsse. Auf falschen Voraussetzungeu waren sie aufgebaut. Legenden, die man als Wissenschaft erklärt, hat man erdichtet und bietet als bare Münze, was bcu Münzwert nicht besitz''. Das Volk der Thora überrascht nichts. Es weiß ja Bescheid darüber, wie die Welt aussah. Das kleinste Kind dieses Volkes kann über die Dinge Auskunft geben, über die die größten Denker der Zeiten sich vergeblich mühen. Solche Kinder waren es, die lallend Rätsel lösten, die Onkelos als solche schienen und deren natürliches Wissen ihn bewogen, das Judentum anznnehmen. Aus bcn Auffindungen von später den Gang der Weltentwicklung schließen zu wollen, wäre zu gewagt, denn nur ein geschlossener Zusammenhang önrf. für Schlüsse die Grundlage bieten und man wird niemals wissen, ob und welcher Ring in der Kette fehlt. Und sollte wirklich die Geschichte der Welt der Menschheit völlig verheimlicht sein und ein für die Menschheit so wichtiges Btldungselement, wie die Geschützte aller Gebiete es ist, nur dem Zufall überantwortet werden, ob die Menschen dm Schlüssel dazu finden oder nicht? Wir haben die Geschichte in der Hand. Nur müssen wir verstehen, sie zu lesen. Da kommt die konstante, nie unterbrochene Ueberlieferung des jüdischen Volkes hinzu und deutet uns die älteste Geschichis.)uelle, die wir haben, die Thora, deren Wahrheit jeder Fund bestätigt und jede Entdeckung besiegelt. Sie allein darf sicher auftreten und kann uns künden, was war, damit wir wissen, was ist und ahnen dürfen, was sein wird. Ein Lehrbuch ist der Midrasch an vielen Stellen. Erst durch die Fragen der Welt tverden wir auf die Goldgrube aufmerksam, die wir besitzen. Die Fragen stellt de Welt, die Antworten aber vermögen nur wir zu geben. Die Entwicklung des Menschengeschlechts steht obenan im Interessentenkreis der um wahres Wissen mehr oder weniger aufrichtig bemühten Menschheit. Und weil man Menschen gefunden, die tierähnliche Gestaltung haben, drum hat man die Menschheit in wissenschaftliche Beziehung zum Affen gebracht. Die neue Idee ward bejubelt. Es war glücklich erreicht, den Menschen zum Tier zu degradieren und der Freibrief zum viehischen Leben war ausgestellt. Als wenn man noch nie Physiognomien von Schlemmern und Säufern gesehen hätte, die sich um vieles von solchen Menschen unterscheiden, die edleren Beschäftigungen zugewandt sind. Es berichtet uns der Midrasch, daß der Körper in den Tagen übergroßer Genußsucht des Enosch,

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