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Der Israelit · 1920-06-17 · Heft 24 (17.6.1920) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 24 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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3m Zeitalter -er Organisation. Die ':)tad)Rui'l:iiuflcit des Weltkrieges sind iit konstanter Regelmäßigkeit eingetroffen, genau um' die Geschichte sie nach jedem großen Kriege.zu erzählen weiß. Entsprechend der furchtbaren Schrecken, die dieses Bölkerringen in noch nicht gekanntem Umfange heraufbeschworen hat, haben wir nun auch unter den entsetzlichen Nachwehen zn leiden und jeder Tag stellt uns vor neue ungekannte Hindernisse, zn deren Ueberwindnng wir mit größtem Scharfsinn zn Werke gehe» müssen. Wir haben in den letzten Monaten den Tcrrdrismus kennen gelernt, wie ihn nicht einmal das graue Mittelalter zu erzählen weiß und sind uns bewußt geworden, daß wir als einzelne Glieder der Massen nicht mehr des mackten Lebens sicher sind. Kein Wunder darum, daß ein Jeder schleunigst seinen Anhalt sucht, da, wo er gemeinsame Interessen zu finden glaubt. So finden wir wieder die Sammlung der Zünfte, die Vereinigungen der Akademiker, Handwerker nub Kaufleute. Bei Letzteren, deren Interessen unsere Ausführungen speziell gewid ntct sind, hat sich durch die enorme Teuerung vielfach der Zwiespalt zwischen Brotherrn und Angestellten verschärft, da Letztere uad) den bisherigen Einkünften am Hungertode nagen müßten, während gleichzeitig die Geschäftsbetriebe von Tag zu Tag durch alle möglich steigenden Stenern belastet werden, daß sie ihre Mühe und Not haben, wenn sie ihre Unternehmen auf der Höhe halten wollen, zumal selbst das zehnfache Betriebskapital für den bisherigen Umsatz nicht mehr ausreicht. Durch die hierdurch entstehende Verbitterung werden auch die jungen Leute in unseren Kreisen vergiftet und es ist darum höchste Zeit, daß wir unsere tauf-! männische Jugend um uns scharen, um sie vor den verderblichen Einflüssen nichtjüdischer Kreise zu bewahren. Inmitten unseres Volkes darf j es auf die Dauer weder eine Not eines Ein zelnen noch eines Berufskreises geben, denn kol Jisroel arewim seh losch. Schaffen wir darmn eine Organisation für unseren jungen Kaufmannstand, in der er offenes Ohr und offene Hand für jegliche Sorge, die ihn be drückt, findet. Laßt uns gemeinsam sorgen, daß unseren jungen Leuten, die bei 'der heutigen Wohnungsnot und bei der fast unmöglichen Beschaffung ausreichender Lebensmittel kaum einen Familienanschluß, geschweige denn ein behagliches Unterkommen finden, eine Häuslichkeit geboten wird, wo sie zunächst zu angemessenen bescheidenen Preisen einen ausreichenden Mittags- und Abendtisch finden, luo sie ihre behagliche Wohnstätte mit Gesellschastsräumen besitzen, die ihnen jeden Besuch der Kaffeehäuser als ungemütlich erscheinen lassen, da sie Lektüre, Gesellschaftsspiele nnb Gesinnungsgenossen in ihrem Heim finden, die ihnen für ihre Mußestunden mehr Anregung bieten, als sie draußen finden, wo sie gewärtig sein müssen, als I^deii angepöbelt zu werden. Die Geschäftsinhaber werden gewiß sich bereit f inbcn, von dem jährlich eil Bilanzgewinn größere Smmnen für dieses Heim zn spenden, denn mit einem durch Behaglichkeit zufrieden gewordenen Personal werden sie eine weit größere und leichtere Förderung ihrer Geschäftsinteressen erreichen. Freunde der Sache, die sicherlich in großer Menge sich finden werden, werden sich abwechselnd zur Verfügung stellen, um die Anliegen der Einzelnen mit Interesse zn behandeln und einen jeden mit Rat und Tat zur Seite zn stehen. Kurse für fremde Sprachen, Steno graphie, Buchführung, Nachhilfe in einzelnen kaufmännischen Fächern dürften die jungen Leute zu ihrer weiteren Ausbildung anregen. Selbstredend darf es an regelmäßigen kurzen Schmrim, namentlich vor oder nach denl gemeinsamen Abendbrot nicht fehleil, auch während der Mit lagsmahlzett empfehlen sich kurze Dw rei Tan roh, damit ein jeder sich zur Gewohnheit macht, jede Mahlzeit wenigstens nicht ganz ohne Thaurowort vor sich gehen zu lassen. Zeitweilige Vorträge und größere Veranstaltungen werden die j jungen Leute schon ans sich heraus arrangieren. Als Corona dieser Gemeinschaft wäre natürlich eine Ben.Thanro sehr erwünscht, der gar schnell die ganze Erziehung nnb jüdische Lebensweise der ganzen Bereinigung irr die richtigen Bahnen lenken wird. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Anregung auf fruchtbaren Boden sowohl bei den Geschäftsinhabern als bei bcn Angestelltern ans den Kreisen der Jereiim finden wird. Ein rechtes Wort findet stets. seinen guten Ort. Die Redaktion des Volksfremides erklärt sich mit Freuden bereit, ihr zugehende Vorschläge nach dieser Richtung hirr durch Veröffentlichung zrrr Kenntnis der Gesamtheit zu bringen, auf daß sich der Gedanke möglichst schnell oerwirkliche. Die Sünde des Menschen. Cap. III. (Fortsetzung.) 8. Nach dieser trostreichen Offenbarung sollte man die ernste Reue Kajins erwarten dürfen. Wie ist psychologisch der Zusammenhang der Verse 7 und 8 zn verstehen? Vielleicht dürfte die tägliche Erfahrung in der Erziehung die einfache Antwort erteilen. Der Zögling versteht die Güte des Erziehers nicht. Die Vergebung ist ihm angenehm, aber sie bessert nicht. Güte wird stets, auch im Leben, verkannt und wird als Schwäche ausgelegt, als Anarchie be'pöttelt. Es liegt drum eine tiefe Wahrheit in dem Wort, das der lYUX ttn*7ö z St. den beiden Brüdern in den Mund legt. Sie hätten miteinander gestritten. Kajin habe — (eben infolge der ihm zu teil gewordenen Vergebung) gesagt, es gibt kein Recht, es gibt keinen Richter, es gibt kern Jenseits. (Sind es nicht stets die vom Gesch'ck Bevorzugten, die also sprechen?) 72 n bestritt das und wies ja gerade auf den Ausgangspunkt dieses Gedankengangcs, das nicht angenommene Opfer hin, woran Kajin nicht erinnert sein wollte und erboste. Der Wahrhaftige ist ja immer dem nicht Pflichttreuen ein Dorn tm Auge. Sein Dasein bringt die Pflichtvergeffenheit immer wieder in unliebsame Erinnerung. Ein solcher oder ähnlicher Gedankengang mag die Ueberleitung von der Vergebung zum Morde bilden. Daß nun der Mordplan durch Neid auf materiellem Gebiete, nachdem eine Mißgunst auf ideellem vorhanden war, noch schneller reiste, liegt ebenfalls im menschlichen, allzu menschlichen Fühlen begründet und erhält ebenfalls seine Bestätigung durch die Erfahrung. Insofern lassen sich auch die Worte der Mrdr. Rabb. rPEftTO 22,16 verstehen, die als Gegenstand des Zwistes, aus dem der Mordplan sich verdichtete, den Streit um die Teilung der Welt annehmen. V. 8 -m'l ist absolut, es steht nicht, was er sagte. In Anlehnung an V. 6 ist daher zu übersetzen: „Es sprach freundlich" ("i/'iaxx 7"21). Kajin verstellte sich, so bekam er den nichts ahnenden ^>3.7 in seine Gewalt. Als sie dann einmal allein auf dem Gffilde THEO (mit best. Art.) abseits der Wohnung der Eltern waren, da erschlug Kajin den 737 plötzlich. 9. Auch hier ‘7. Konnte doch Kajin als erster Mörder gar nicht die Tragweite seines Beginnens ermessen, x heißt nicht „wo"? X ist nur Fragepartikel, die in Verbindung mit dem hinzeigenden Fürwort, dasselbe zu einem fragenden macht. Z. B. ns h er, 7L?X wo? 7? dieser, 7PX welcher? “pro* 737 'X heißt: „dein Bruder ^37"? Im Deutschen würden wir „und" davor setzen, z. B. „Und Du?", hier also: „und dein Bruder?" Mit dieser Frage sollte sein Geständnis veranlaßt werden OzniE nUx z. St.) Kajin g bt zwei Antworten, die den Gedankengängen ent.prechen, die zum Morde geführt haben. TOT x7 kann niemand sagen, -»er von der Allwiffenheit des Allgegenwärtigen überzeugt ist — es beweist also den Zweifel, den Kajin in die Allgkgmwart und die Allwissenheit, in die HITOn setzt und die zweite als Gegenfrage formulierte Antwort verrät, daß sein Egoismus fetne Pflicht gegen seinen Bruder -hn nicht erkennen läßt. 10. Die Antwort mußte'darum diesen Zweifeln begegnen. In dem JTTO 7ö liegt der niederschmetternde Vorwurf, der den Verbrecher am meisten dadurch trifft, daß ihnr die nackte Tatsache aus den Kopf zugesagt wird. Und in der Mehrzahl 737 wird ihm die auf alle Geschlechter sich erstreckende Tragweite eines Mordes klar gemacht, das Verbrechen des Egoismus an der Zukunft. (Midr. Rabb. rWX73 22,21). 11. Die Sünde des Egoismus findet ihren Rächer nur an seinem Mißerfolg. Der Erdboden, dessen Genuß der Frevel erstrebte, das Objekt der Sünde, wird Subjekt der Strafvollziehung. 12. Zum zweiten Mal wird feine Kraft beschränkt (vergl. zu 3,17). Diese Gestaltung ist doch jedenfalls ans eine plötzlich eingreifende Veränderung der für das Wachstum in Betracht kommenden Boden- oder (vielleicht und) klimatischen Verhältnisse zurückzuführen, durch die die Funde sich erklären lassen, welche bei angenommener allmählicher Entwickelung einen langen Zeitraum voraus setzen ließen. Der Mensch selbst aber, welcher Herr der Scholle zu sein wähnte und keinen neben sich duldete, wird selbst von innerer Unruhe getrieben, unstät. 13. Ec begreife allerdings nicht, wodurch er sich so versündigt. Ist denn Selbsterhaltun^ ein Verbrechen? Warum soll er den Erfolg, sich vom Nebenbuhler befreit zu haben, nicht genießen dürfen? Er fragt: „Ist denn meine Sünde so groß, daß man sie nicht verzeihen kann?" 14. Und,77 ja, gesetzt, Du, Aürichter, du müßtest mich vertreiben, meine Sünde wäre so groß, daß ihr eine Verzeihung nicht gewährt werden könnte, daß ich nicht mehr würdig bin, 7I37X den spendenden Boden zu besitzen" und seine Gaben zu genießen, aber kann ich mich denn vor deinem Angesicht verbergen? Und noch eins. Kann denn die Verbannung des wenn auch lediglich im Dienste der Selbsterhaltung stehenden arbeitenden Menschen ein Vorteil für die Erde, die Welt, bedeuten, die sich doch pK weiter entwickeln soll. Wenn ich nicht mehr Herr der .737X bin und unbeständig px2 auf Erden mich zeige, habe ich ja die Einlösung meiner Aufgabe 72)331 (1,28) verabsäumt und gehe damit meiner Stellung und meiner Immunität den übrigen Wesen gegenüber verlustig. Anstatt ich ihr Herr bleibe, werden sie mein Herr werden und mich umbringen. Entweder ich muß mich verbergen oder ich muß fliehen. Erster s ist nicht möglich, da Du allgegenwärtig bist, und wenn ich fliehen muß, werde ich für die Tiere vogelfret. 15. •£>, über ihn sprach Gott aus. 137 Damit die Menschheit durch eine Einzelperson, die Gesamtheitsbestimmung nicht durch die Abweichung eines Einzelnen gefährdet werde, darum, weil Kajin im Augenblick nicht nur Mensch ist, sondern die Menschheit der Zukunft repräsentiert, soll DTO22) zweimal siebenfach gestraft werdender ihn umbringt. DTO2tP ist eine Dualform, die man nicht übersehen kann. 3EH Kajin erhielt daher ein unverlierbares Zeichen — wie es auch nach ihm den Verbrechern gegeben ist, durch deren Gesichtsausdruck die Menschheit zum Mitleid angeregt wird. (Midr. Rabb. rwx72 22,27) — damit kein Wesen ihn erschlage 1X2£3 *?2 das ihn fände. Das X2£tt bedeutet, daß man ihn suchen müsse. Die Scheu, die jeden Verbrecher begleitet, würde Kajin veranlassen, sich zürückzuziehen. 16. '1S73 XL7 bestätigt die V. 7 angedeutete Besürchrung von der Fehlwirkung der Verzeihung. Eben'noch hatte er Gewiffensbedrüng-- nis geheuchelt, die ihn nicht in der Gesellschaft duldete, sofort XA7 hat er mit der Gewißheit straflos auszugehen, seine Stellung geändert, tritt hinaus aus dem bisherigen Gedankenkreis, behält das Bewußtsein '7 '32? zu stehen, (Midr.

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