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Der Israelit · 1920-06-17 · Heft 24 (17.6.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 24 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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17/ffttgt..IM» sW opttmiMch sein zu müssen, daß sich unsere BAder vielleicht doch noch eines Besseren besinnen werden und vielleicht späterhin doch zu einer.gemeinsamen Arbeit Zusammengehen werden. Wenn nicht,- so fällt die Schuld einzig und allein auf diese Separatisten, die es verpörieu, wenn Orthodoxe , sich von dett Neölogen separieren wollen, weil die Einheit des Judentums nicht gestört werden darf und sie sich selbst von den Orthodoxen separieren und eine Spaltung heraufbeschwören. Dies sei ein für allemal festgeftellt." Ungerrrn. €in Rufer in der llJüfle. J i Budapest, 10. Juni. In Budapester Blattern findet sich folgende Stelle aus ein er Rede des Grafen A p p o n y i vor seinen WählernDieJudenVerfolgung verurteile ich schon deshalb, weil fir zum großen Teil bloß eine Erscheinungsform der Faulheit, der Scheu vor konkurrierender Arbeit, im übrigen aber ein^ Abatesten der christlichen Richtung von den Selbstbeherrschung und Einkehr erfordernden Höhen der christlichen Moral in einen Abgrund ausschweifender Zügellosigkeit ist, in dem allen bösen Leidenschaften staltgegrben werden foutvv Da gibt es keinerlei Entschuldigung für Gewalt- Handlungen, die die Sicherheit der Person und des Vermögens unserer jüdischen Mitbürger angreifen. Die Regierung, die Heeresverwaltung und das Gros unseres Volkes stehen solchen Handlungen fernes wäre mithin eine große Ungerechtigkeit, sie der Nation aufs Kerbholz zu schreiben. Allein auch das Entstehen eines falschen Anscheins darf nicht zugelassen, derartige Erscheinungen dürfen keinen Augenblick geduldet werden. Welchen Rock immer die Urheber solcher Handlungen tragen, sie müssen mit ^eiserner Hand gezügelt werden und zwar sofort. Noten. Die Lehrerbildung in Litauen. Wikrra, 30. Mai. Ein „Hilfsverein für religiöse Institutionen" hat in Wilna Pädagogische Kurse für jüdische Lehrer ins Leben gerufen. Man darf sagen, daß die Gründung zu den glücklichsten Leistungen des genannten Hilfsvereins gehört. Der Verein verdankt der Initiative des Rabbi Grodsenski seine Entstehung und ist mit Hilfe ler amerikanischen Brüder bereits zu einer ansehnlichen Blüte gelangt. Für Litauen ist diese Jnstitutton von doppelt hohem Werte, mit Hinblick auf die mißliche Zustände in der Kindererziehung, wie sie der Krieg geschaffen hat. Es fehlt nicht an sogenannten „hebräischen" und. „jüdischistischen" Schulen in Stadt und Land. Daß diese dem Bedürfnis, der religiösen Elemente irgendwie entgegenkommen, wird keiner behauptet! wollen. ' Das einst so ruhmreiche litauische Judentum, das die ganze jüdische Welt Mit Thorawissen versorgt halte, kann nur mit der Wiederrichtung -des Eheder und der Talmudthoraschule seine alte Stellung wieder erlangen. Daß diese jüdische Primarschule..in Einigem sich den Ansprüchen der Zeit anzupaffen hat, wird kein Vernünftiger bestreiten. Dieses zu erreichen, ist die vornehmste Aufgabe deS religiösen Hilfsvereins, den wir zu der Gründung der Lehrerkurse aufrichtigst beglückwünschen. löilnaer „UelKsbelunigungen". Wilna, 10. Juni. Da die Warschauer Mode, bärtige Juden auf der Straße mit Messer und Scheere zu überfallen, in bedenklicher Weise auch auf Neupolen, besonders auf Wilna übergreift, so wandte sich Herr Rabbiner R u b b i n st e i n an den kommandierenden General der 7. Armee mit der Bitte, den Militär- Ukffen, die drei Tage lang, von Mittwoch bis Freitag ganze Straßenviertel in Wilna in Schrecken hielten, ein Ende zu machen. ES wurden dann auf Anordnung des Generals Patrouillen ausgeschickt, die die Soldaten von der Straße wegbrachten, freilich nachdem mehrere jüdische Läden ausgeplündert und unzählige Juden auf jegliche Art mißhandelt worden waren. Verhaftungen. Koivno, 2. Juni. In Rußland sind 75 Juden verhaftet worden, die als Delegierte zum zionistischen Kongreß in Moskau gewählt, waren, darunter S a l k i n d, Brutzkus und Schapira. Rus dem Polnischen Landtage Warschau, 10. Juni. Das projektierte Gesetz zur Schaffung von Handelskammern, die nur zur einen Hälfte aus freier Wahl hervorgehen, zur anderen Hälfte durch Nominierung vonseitrn des Handelsministeriums, ihre Mitglieder erhalten, rief eine lebhafte Judendebatte in der' Plenarsitzung des Landtages hervor. Bon jüdischer Seite wurde sofort das ganze Projekt als neuer Versuch, die Rechte der Juden im Geschäftsleben zu begrenzen, erkannt, und Herr Diamant gab dem Proteste der jüdischen Kaufleute, die an der Vertretung ihrer Rechte verhindert werden sollen, beredten Ausdruck. Der Geistliche Luroslawski beantragte die Schaffung von zwei Handelskammern, einer polnischen und jüdischen und erweckte mit dieser genialen Idee bezeichnender Weise, nicht die Heiterkeit des ganzen Hauses, sondern fand sogar ernste Beachtung. Eine Kommission wird sich, mit der Frage noch weiter befassen. 0a§ Sfärheoerhälfnis von Orthodoxie und öionismus in Polen- Zürich, 11. Juni. Das, hier weilende Mitglied des Zentralkomitees der Schlome Emune Jtsroel, I. Horowitz, veröffentlicht gegenüber heftigen zionistischen Angriffen in Sachen des Austritts der Orthodoxie aus der polnischen Hülfskonferenz folgende Richtigstellung: Die wiedergegebenen Zeitungsstimmen sind tendenziös und gehässig. Der wahre Sachverhalt war bereits im „Jud" wiedergegeben. Die Orthodoxie bildet in Polen unbestreitbar die überwiegende Mehrheit der jüdischen Bevölkerung. Zieht man diejenigen Volksschichten in Betracht, dte durch den Krieg, Pogrome und Boykott am meisten gelitten haben, somit an der Htlfstätigkeit zunächst interessiert sind, so ist dte orthodoxe Mehrheit auch dem Nichteingeweihten evident. Trotzdem wurden die Orthodoxen von der Verwaltung der aus Amerika gesandten-Hilfsfonds von vornherein fast ausgeschlossen. Als schließlich auf Drängen der Schlome Emune Jtsroel die strikte Weisung von Amerika eintraf, der Orthodoxie in allen Berwaltungs- und Verteilungstkommissionen gebührende Vertretung einzuräumen, erkannten die Zionisten der Orthodoxie zwar einige Sitze bei der Hilfskonferenz zu, vermehrten aber zugleich ihre eigenen Sitze dermaßen, daß der Einfluß der orthodoxen Mehrheit vollständig paralysiert erschien. Es ist unrichtig, daß die Schlome Emune Jisroel sich mit dieser ihnen zuaedachten kläglichen Rolle anfänglich einverstanden erklärt hätten. Dte Orthodoxie hat im Gegenteil stets das ihr zukommende Recht zur Wahrung ihrer Interessen unzweideutig gefordert. Es stimmt auch keineswegs, daß die Zionisten bei den Sejm-Wahlen eine größere Stimmenzahl erlangt hätten, als die Schlome Emune Jtsroel In Wirklichkeit erhielten nach den amtlichen gedruckt vorliegenden Ausweisen bei den Sejm- Wahlen die Orthodoxen 866,00 Stimmen, während die Zionisten im ganzen blos 50000 auf ihre Kandidaten vereinigen konnten. Am klarsten zeigen aber die statistischen Daten über die jüdischen Gemeindewahlen das richtige Zahlenverhältnis der jüdischen Parteien in Polen, die umso charakteristischer find, weil .eS sich bet ihnen in gleicher fit. 24 Sette 6 Weise um innerjüdische Parteirtchtungen handelt wie bei der Frage der Hllfskonferenz und weil ja gerade die Zionisten seit. Jahren alle Anstrengurgea machen, die ,,Gemeindestube zu erobern". Auf dem Gebiete Kongreßpolens fanden ... in 270 Gemeinden Vorstandswahlen statt, wobei % die Z onisten 100, die Misrachisten 13, die Orthodoxen htvgegegrn 406 Mandate erh'elten. Diese Zahlen zeigen am deutlichsten die absolute Haltlosigkeit der von den Zionisten geübten Taktik, die Schuld an der Uneinigkeit unter den Juden Polens den organisierten Orthodoxen in die Schuhe zu schieben. England. Die Sabbafruhe in Aegypten- London, 9. Mat. Wie aus Kairo gemeldet wird, wurde vor kurzem in ganz Aegypten die sogenannte „englische Woche" festgesetzt, in der Weise, daß die Sonntagsruhe schon am Samstagnachmitlag ihren Anfang nehme. Bei dieser Gelegenheit gelang es dem Rabbtnat in Alexandrien durchzusetzen, daß die jüdischen Kaufleute am Sonntag ganz geöffnet halten, dafür aber den ganzen Samstag ihre Geschäfte schließen. UalastLna. Zürich/ 4. Mat. Wie die „Neue Zürcher Zeitung" aus Jaffa meldet, ist die Ruhe jetzt m ganz Palästina wieder hergestellt. Die Be-« Hörden haben umfassende Sicherungsmaßnahmen ergriffen. In allen Städten patroullieren bewaffnete Gendarmen sowie britische und indische Reiterei. Die Mtlltärgouverneure haben sich überall verpflichten müssen, für die Sicherheit der Einwohner einzustehen. Der kommandierende General der britischen Ehrentruppen in Palästina, General Bols, berief alle jüdischen und arabischen Notabeln Jerusalems zu sich und versicherte ihnen, daß er von nun an von der ihm erteilten obersten Gewalt Gebrauch machen werde, wenn.irgend ein Versuch zu Ruhestörungen Vorkommen sollte. Seine Erklärung beruhigte die Gemüter insofern nur zum Teil, als dte britischen Behörden die jüdischen Selbstwehrleute noch immer verhaftet halten, während die Anstifter der Pogrome auf freien Fuß gesetzt worden sind. Vas afchhenafifche Otferrabblnaf- Jerusalem, 20. Mai. Rabbi Josef Chajim Sonnen feld wurde zum offiziellen Oberrabbiner der Aschkenasim-G em e i n d e in Jerusalem gewählt. Obschon er bisher dte ihm wiederholt angebotene rabbinische Würde ablehnte, nahm er dieselbe endlich auf Zureden Rabbi Diskins, der auch auf dem Rabbtnatsbriefe als erster unterschrieben ist, an, lehnt jedoch die Annahme eines Gehaltes auch f-nerhin ab. Am 15. Mai strömte eine nach Tausenden zahlende Volksmenge in dieäußerst bescheidene Wohnung des neugewählteu Oberrabbiners, um ihn zu beglückwünschen. Sonnenfeld stammt aus Ungarn und war Schüler des „Kesaw Softr". Vor etwa 5 Dezennien führte ihn seine glühende Liebe fürs Heilige Land nach Jerusalem, wo er sich durch seine große Gelehrsamkeit, tiefe Frömmigkeit, Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit dte Ächtung, weitester Kreise erwarb. Im öffentlichen Leben Palästinas nimmt er seit Jahrzehnten regen Anteil, ist Gegner des Zionismus, mit dem er kein Kompromiß schließen will, ist Präsident der palästinensischen Landesorganisation der Agudas Jisroel, an deren Arbeiten er seit ihrer Begründung tetlnimmt und hat auch s. Zt. vor der Palästina-Kommission der interalliierten Friedenskonferenz die politischen nnd kulturellen Forderungen der palästinensischen LandeSörganisatton der Agudas'Jisroel vertreten.

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