Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1920)
- Date
- 1920-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ii Sette 4 No. 24 fntioiicit einen jüdischen Entigralionskon-- greß ein. f '2. Sollte bic &itlH'nifun(] an? irgend einem Grunde unausführbar pin, so errichtet die Aguda unter Zttsninmciisasung aller ihrer Kräfte e in j ü d i s ch e s' V o l l s a m t f ü x Em i (i r n t i o n in einer Großstadt Mitteleuropas (vielleicht wäre Wien als Tor zwischen Osten und Wester, sehr geeignet) mit Filialen in allen größeren Städten Ost- und Mitteleuropas. *) 3. Tie A g u d a - O r g a n i s a t i o n tritt a n di e z i o » i st i s ch e O r g a u i s a t i o n ul i t de in Vf ii t x a g h c r an, 6 e z » g f i ch der w i r t s ch a f t l i ch e n A u s b a u t ä t i c\- keit i n P a l ä st i n a , Nc l ah e S a ch e u n d Aufgabe des ge s a in t e n j ü d i - sch e n Volkes ist u n d fei u m it st, ein u nparteii s rfji c s P a l ä st i n a k o m i t e e zu bilden, in w e l ch e s alle die P a l ä st i n a a r b e i t b e j a h e n d e u. j ü - d i s ch e n P a r tc i e u u u b O r g a n i s a - tioneil vertreten fein sollen. Die erste und vornehmste Aufgabe dieses Komitees ist die. Zustandebringung einer jüdischen Bollsanleihe. Es jft höchste Zeit, dast die Agudas- I i s r o e l für K l a l - I i s r o e l handelnd eingreife! Große jüdische Massen harren der erlösenden Tat! Sie must von derjenigen jüdischen Organisation geleistet werden, welche beit gläubig-jüdischen Massen seelis ch am nächsten steht, damit diese nicht nur voll Abfall bewahrt, sondern auch im Glauben an die Macht des religiös-jüdischen Vollslums gestarrt werden. Radvi Israel Hildesheimer rw- ‘gexföntitfe Krinnerrmgen ' zu feinem Hundertsten Geburtstage 5580 — 27. Ijar —5680. Bon Mabb. Dr. A. Cohn in Bafel. (Fortsetzung.) II. Wenn ich nun anschließend an den Bericht von der Wirksamkeit'nreines verehrten Lehrers einige persönliche Züge seinen: Lebensbilde hinzusügeu möchte, so weist ich nicht recht, wo ich arrfangen und wo ich anfhören soll, denn ich sehe ihn auch heute noch als eine geschlossene, einzigartige Persönlichkeit vor mir, als eine Gestalt, in der cs nichts Unausgeglichenes, Widerspruchsvolles, Brüchiges gab, die vielmehr gehämmert war wie aus einent Guß. Wenn der Küttig David die Worte spricht: "pnnr?rr '^1 '211 To»n Ich rdachte meine Wege und führte meine Füße zu dritten Zeugnissen, so wollte er gewiß damit nicht sagen, daß er stets nur einen Weg, den Gang ins Gotteshaus, gekannt habe, .vielmehr wollte er dein Gedanken Ausdruck geben, daß für ihn auch seine Staatsgeschäfte, seine gr-.nze Tätigkeit als Mensch und König, weil er alles sub specie aeternitatis tat, eilt beständiger Gottesdienst waren. Dieses ist das erste, was ich auch von hteiirem Lehrer bezeugen möchte. Nie sah ich einen Menschen wie ihn, dessen Tun und 'Lassen so völlig von dein Gedanken an Gott beherrscht war, und von. dem man ohne Uebertrcibung sagen fomtte: Was er auch unternahm, er rar es um Gort zu d.eneu. Seine Tätigkeit' war eine rein ideale. Für das, was er triftete, nahm er keine Bezahlung an. Schon in Eisenstadt, so wurde mir von einem seiner ältesten Schüler erzählt, liest er an jedem Freitag das Gehalt, welches er als Rabbiner empfing, und das dort wöchentlich entrichtet wurde, an die Armen verteilen. In Bcr- *) Der Plan eines jüdischen Bolksamtes stammt bekanntlich von Dr. Birnbaum, besten glühende Hingabe für die jüdische Volkssache von der Engherzigkeit der zionistischen Parteidogmatik leider verkannt w'-rd. Auch die Züricher Konferenz Uv Agudcch bMhästi...1e sich Mil ähnlichen Anträgen. ■ ■ - Der Israelit. ~ ■ 1 lin nahm er weder als Rabbiner, noch als Schulleiter, noch als Rektor des Rabbiner'Seminars irgend eineBelohnung an; im Gegenteil, er, der für sich selbst vollkommen bedürfnislos war, gab reiche Spenden für alle jüdischen -Institutionen. Um so höher ist .es anzuerkenneit, daß er, der vollkommen frei und unabhängig war, mir einem Eifer, einer Treue und einer Hingebung sein ganzes Leben hindurch gearbeitet und geschasst hat, die demjenigen, der es nicht selbst staunend mit angesehen hat, fast unglanblich erscheinen muß. Sein ganzes Leben war nichts wie treue Pftichterft'illnng. Mit alleiü, was er tat, fmitö er bewußt int Dienste Gottes, und wie von Rabbi Iehudo Hannosi konnte man auch von ihm sagen: Er hat gearbeitet mit allen seinen zehn Fingern; aber nach Genuß und ^Vergnügen nicht einmal für seinen kleinen Finger Verlangen gehabt. Niemals zeigte sich der Rabbi krank oder erholungsbedürftig, niemals hatte er außer an Purim und an den Feiertagen Zeit für Zerstreuungen und Vergnügen. Niemals hat er einen Kurplatz ausgesucht. Einmal weilte seine Gattin in Karlsbad und bat ihn dringend, ebenfalls dorthin zu kommen, .und um ihn zur Reise anzuspornen, schrieb sie ihm, er werde dort Gelegenheit haben, bei den reichen Kurgästen viel für seine Sammlungen tun zu können. In Wirklichkeit wünschte, sie, ihm bei dieser Gelegenheit eine kleine Ausspannung und Erholung zu verschaffen.. Aber während er seiner Gattin sonst keinen Wunsch versagte, schlug er ihr diese Bitte ab. Dabei hat »iemand den Rabbi .jemals mißmutig oder unlustig gesehen. Immer sahen wir ihn fröhlich und heiter. Der Gedanke, sich im Dienste des Höchsten zu bemühen, das Gute zu wollen und zu erstreben, das Bewußtsein der erfüllten Pflicht ließen ihm alle Arbeit leicht erscheinen und machten ihn glücklich und zufrieden. Des Morgens stand er sehr früh auf. Rabbiner Dr. Rosenthal in Breslau, einer seiner ältesten Schüler, erzählt, daß er in Eisenstadt zusammen mit andern Bachuriin bereits des Morgens von 2—4 Uhr den Unterricht des Rabbi genoß. Zn der Zeit, da ich der Schüler des Rabbi war, stand er morgens um 3 Uhr auf. Tann kochte er sich selbst schwarzen Kaffee, wie er es von feiner' Studentenzeit gewohnt war und studierte und forschte einige Stunden lang. Es waren die einzigen am Tage, in/denen er vor Störungen sicher war. Mini ging er in die kleine Synagoge, wo er regelmäßig vorbetete. Schnell nahm er dann sein Frühstück ein und empfing in früher Morgenstunde diejenigen, die ihn zu sprechen verlangten. Im Sommer um 7, int Winter um 8 Uhr, pünktlich wie eine Uhr, begann er den Unterricht im Rabbiner-Seminar, wo er die obere Abteilung leitete. Pünktlich schloß er auch den Unterricht, itnd die etwas langsam schlagende Uhr des Seminars hatte noch nicht ausgesckstagen, so hörte man bereits die Hnustüre ins Schloß fallen, und der Rabbi begann seine eiligen Mizwohgänge, die ihn täglich mehrere Stunden 4n Anspruch nähmet!. Nie ließ der Rabbi den Unterricht aussallen. Er unterrichtete, um nur ein Beispiel anzüfnhrett, am Erew Sukos nachmittags, bis nur noch etwa eine knappe halbe Stunde zum Beginn des Festes fehlte. Dann eilte er nach Hanse, deckte ein Stück der Sucko, das man für ihn reserviert hatte, um auch an dieser Mizwoh teil zu haben, wusch sich und kleidete sich an und war pünktlich bei Beginn des Gottesdienstes in der Synagoge. Wenn er Reisen unternahm, so berechnete er die Zahl der Unterrichtsstunden, die er versäumen mußte, und gab sie den Schülern im voraus. Nur einmal versäumte er zwei Tage lang den Unterricht: Ein großer und frommer Gelehrter war in Berlin gestorben und hatte zwei unversorgte Töchter zurückg'elässen. Da benutzte der Rabbi die zwei Tage, die den Todesfall von der Beerdigung trennten, um bei wohltätigen Glaitbettsgenossen in Berlin die schöne Summe v)n 50000 Mk. zu sammeln. (Forts, folgt.) ' T""' ,17^ Juni 1926 Sylrefpoil-enzen und AachrichtM. AsntMe» KetzH. Du „SremößnDerfölgung" im Bayrifdien tanöfag. München, 2. Juni. In der Begründung einer sozialdemokratischen Anfrage wegen der Handhabung der Fremdenauswetsungen in Bayern erklärte der Abgeordnete Sänger im Bayrischen Landtag die gegenwärtige Fremdeupolttik tn Bayern müsse zu einer gefährlichen Isolierung des Landes führen. Die Handhabung der Fremdenpolizei besonders in München sei allzuscharf und nur geeignet, die Stadt zu schädigen und sie lächerlich zu machen. Hierbei wandte sich Sänger, auch gegen die Untätigkeit der Staatsregierung gegenüber der antisemitischen Propaganda. Es sei hohe Zeit, däß die Regierung endlich mit dem ganzen Gewicht ihrer Autoritär dem Treiben der antisemitischen Gossenblätter engegentrete. Ministerpräsident Dr. v.Kahr erwiderte, doß schon die Regierung.Eisner sich veranlaßt gesehen habe, eine Paßordnung einzuführen. Es sei unrichtig, daß die Ausweisungen wahllos erfolgten. Was die Judenfrage arckange, so habe er schon früher seinen Standpunkt klargelegt, daß in der Behandlung der Staatsbürger keinerlei Unterschied hinsichtlich Abstammung und Religion gemacht werden dürfte. Vorgebrachten Klagen werde man nachgehen. Die.Regierung beabsichtige übrigens, wie bereits angekündigt, eine Mild ei rung in" der Handhabung der Fremdenpolizeeintreten zu lassen. Oeste^veiLh. flusftfireifungen in lvien Wien, 7. Juni. Der Vorabend der nach dreiwöchiger Pause wieder zusammentretenden Nationalversammlung war in Wien von lärmenden Straßenkundgebungen erfüllt, die sich an eine vom antisemitischen Bund gemeinsam mit der deutschnationalen Frontkämpferderetnigung etnbrrufenen Volksversammlung anschlossen, für die seit Tagen in allen Bezirken geworben-worden war. Es sollte feierlich und nachdrücklich für die Ausweisung der Ostjuden eingetreten werden. Die sozialdemokratische Partei hatte nur für den Fall, daß monarchistische Kundgebungen stattfinden sollten, für ihren Ordnerdienst die strengste Bereitschaft angeordnet. Die umfassenden Vorkehrungen der Polizei, denen sich auch Abwehrmaßregeln der Zionisten beigesellten, verhinderten größere Ausschreitungen der zumeist aus jugendlichen Elementen bestehenden Demonstranten. Die üuitULwaMen. Men, 15. Juni. Zu den Kultuswahlen in Wien schreibt das „Jüdische Korrespondenzblatt" nach einer pessimistischen Betrachtung über die Aussichten für . )ie Orthodoxie: „Es wäre von ungeheurem Vorteil gewesen, wenn sich alle unsere glaubenstreuea Brüder gelegentlich der Kultuswahlen znsammengefunden und einmal gemeinsame Arbeit gemacht hätten. Auf sie fällt die Schuld, daß die Einheitsfront der Orthodoxie durchbrochen wurde. ' Ob dies 'üx die gesamte Orthodoxie nicht von großem i^achteileßsein wird, können wir heute nicht ftftstellen. Wir hoffen und wünschen, ohne damit