Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-06-03 · Heft 22 (3.6.1920) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 22 (3.6.1920)
Date
1920-06-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450108--68261-2525368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sette 6 Nr. 22 _ Lot hat auch eine arabische Delegiertenversammlung getroffen. SlrmikMe tenößnjnadiricftfeo. — Hlisradii* Poiiftii in PaläRina. Amsterdam/ 20. Mai. Prof, de Haan schreibt im „Mg. Handelsblaad" im Verlaufe eines feffelnden^Stimmungsbildes aus Jerusalem vom 28- April u. a. Felgendes: „Es ist plötzlich eine Flutwelle von Nationalismus über die Bevölkerung gekommen. Vor drei Wochen waren die Zionisten die schlechten Menschen, die uns in Ungelegenheitcn gebracht haben. Plötzlich sind sie die Bringer des „jüdischen Staats". Und viele Orthodoxen wollen da doch mitmachen..... Jerusalem ist auS ein^r frommen, stillen Lernschule, ein lauter hastiger Markt geworden. Mit vielem Getue bat man in die ganze Welt hinauStelegraphiert, daß mit Er. läubnis der Nabbinen orthodoxe Juden am Pesfachfest eine Bittschrift an die Regierung unterzeichnet hätten.*) Die Tendenz ist deutlich. Man will dem Volk begreiflich machen, daß die jüdisch-gottesdienstlichen Interessen vor denjenigen des nationalen Kampfes zurücktreten müssenso hätten ja als Vorbild die Makkabäer am Cabvat gekämpft, wenn es nötig war. Aber von dieser Erlaubnis der Rabbiner ist kein Wort wahr. Rabbiner Kuk hat blos gesagt, datz im Falle unmittelbarer, dringender Lebensgefahr zu deren Abwehr am Feiertag gearbeitet werden dürfe. Allerdings — wir halten am letzten Peffachtag eine Juristen.Versammlung, um über die Verteidigung der jüdischen Angeklagten zu beraten. Man schickte sich an, wichtige Notizen aufzuzeichnen, einer der Anwesenden versuchte, dies zu hindern. U si i sch k i n alS Vorsitzender antwortete, datz Rabbiner Kuk und zwei andere Rabbiner erlaubt halten, heute zu arbeiten. Solch ein leichtfertig hingeworfenes Wort kann später bitter bereut werden." De Haan berichtet weiter, daß der „Mlsrachi" — entgegen dem Rat fast aller Nabbinen und entgegen seinem eigenen vorjährigen Beschluffe — bei den Wahlen trotz Frauenwahlrecht sich beteilige, was jedoch gänzlich auf den E nfluß des in Jaffa sitzenden „bezahlten Propagandisten aus Amerika mit einigen Freunden" zurückzuführen sei. Die englWe 3u9enheit unö Paläfiina* «London, 23. Mai. In der Monatsversammlung des Board of Deputies wurde einstimmig eine Resolution angenommen, worin die Repräsentanz der britischen Juden ihre Befriedigung darüber ausdrückt, daß „Seiner Majestät Regierung Palästina regieren und daß Balfours Erklärung vom 2. November 1917 in den türkischen Friedensvert^ag eingeschaltet werde." Der Vorsitzende, Stuart Samuel, regte eine allgemeine Palästina-Konferenz der englischen Juden aller Parteien an. Der Beschluß von San Remo sei durch einheitliche Stellungnahme der englischen Judenheit erleichtert worden, und es erscheine rätiich, in der gleichen Richtung auch' praktisch zu arbeiten. Personalien. Hildesheimer-Gedenkfeier. Berlin,^. Mai. Aui Sonntag, den 28. Jjar (16. Mai), veranstaliete das Rabbiner-Seminar zu Berlin im engsten Nahmen eine Gedenkfeier für seinen verewigten Begründer und ehemaligen Rektor, Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer. Die Feier fand im Synagogenvorsaal, *Artilleriestraße 31, in Gegenwart der Dozenten, der in Berlin wohnenden Kuratoren, der gegenwärtigen Schüler des Institutes, sowie den in Berlin amtierenden Rabbinern, von denen sich etwa zwanzig eingefunden hatten und schließlich der Mitglieder der Familie des Verewigten statt. Von einer Feier größeren Stils war mit Rücksicht auf die Zeitverhättniffe Abstand genommen worden. . Mit der Feier war auch die Einführung der beiden Neuangestellten Dozenten, des Talmüdlehrerö Abraham Kaplan und des als Nachfolger Barth's berufenen Dr. Samuel Grün- *) Es handelte sich um eine Eingabe um Befreiung Jabotinskys am letzten Ptssachiager die angebliche Sabbatenlweihung aus nationalen Gründen wurde in London triumphierend verkündet. (Die Red.) A ' ' »er Jsraettt berg verbunden. Zunächst ergriffder Rektor, Herr Prof. Dr. D. Hoffmann, das Wort, um ln großen Zügen ein Bild des verewigten Rabbiners zu entwerfen. Er schilderte das erstaunlich große umfassende ralmudische und allgemeine Wissen und'die persönlichen Vorzüge des Heimgegangenen, die ihn zum Führer.geradezu vorausbestimmten. Anknüpsend daran, daß genau hundert Jahre und sieben Wochen vor der Geburt R. Israel Hildesheimer's, R. Elijähu aus Wilna (der „Wtlnaer Gao n"), geboren worden' war, weift Redner auf die Aehnlichkeit der Charaktere und der Wirkungen hin, die sie ausgeübt haben. Im besonderen hob er hervor, datz Hildesheimer d e Strömungen seiner Zeit erkennend, mit der ihm eigenen kraftvollen Energie, als, Gipfel seiner weltumfassenden Tätigkeit das Rabbiner-Seminar zu Berlin begründet und somit nicht nur unvergängliche Spuren feiner Tätigkeit hinterlaffen, sondern auch die Entwicklung der deutschen Judenheit und darüber hinaus, die der ganzen Welt mahgebend beeinflutzt hat. Die mit zahlreichen mtdraschichen Ausdeutungen Utid vielen Einzelzügen durchsetzte Rede übte in der Schlichtheit ihrer Darstellung und der seelenvollen Empfindung, die dieser bevorzugteste Schüler des Verewigten in seine Worte legte, auf alle Zuhörer tiefgehende und nachhaltige Wirkung aus. Am Schluffe seiner Rede begrüßte er die neuen Dozenten und führte sie in ihr Amt ein. Von den letzteren erwiderte zuerst Dr. Samuel Grün berg in deutscher, sodann A. Kaplan in hebräischer Sprache. Beide legten die Ziele dar, die sie sich gestellt haben. Elfterer will an die Tätigkeit seines Vorgängers und geschätzten Meisters, Geheimrat Barth V'xt, anknüpfen und Bibelexegese unter Berücksichtigung der modernen Schrifiauslegung und der alten jüdischen — noch heute unübertroffenen — Erklärer — seine Vorlesungen gestalten. Der letztere gab seiner Freude Ausdruck, daß er seinerseits berufen sei, an der Erziehung der deutschen Jugend teilzuhaben, Tolmudstudtum und Kenmnis unserer rabbinischen Schriften zu vermehren und die altbewährten erbein. ges.ffenen Lehrmethoden der litauischen JeschiwauS auch am Rabbiner-Seminar zu verwerten. Zum Schluffe dankir Dr. Meier Hildesheimer zunächst namens der Familie, sodann namens des Kuratoriums des Rabbiner Seminars für das treue Gedenken und schilderte anknüpsend an die dem Wahr sprach des Rabbrner-SeminarS (Mischle 3/6) im Spruchbuche vorangehenden und folgenden Schriftversen, die Ziele des Seminars und die Ansggben seiner Lehrerschaft. Der Vortrag der von Prof. Hvffmann verfaßten und von Kaplan mlt einer poetischen Einleitung versehenen, übrigens auch allen Rabbinern zugegangenen GebeteS, beschloß die würdige, eindrucksvolle Feier. Mannheim L5. Mai. Stadtrabbiner Dr. Stecketwacher ist am ersten Festiag nach langem schweren Leiden in Bad Dürkheim im 69. Lebensjahre gestorben. Er stammte aus Boskowttz in Mähren und/ besuchte in jungen Jahren die Jeschtwoh zu Preßburg. Seine theologischen Studien absolvierte er in Breslau und diente seitdem dem' Reformjudentum. Im Jahre 18S0 kam er als Stadtrabbiner nach Mannheim und war auch als Mitglied der Religionskonferenz des Badischen Oberrates der Israeliten tätig. Steckelmachers Wirken auf charitativem Gebiete war allgemein geschätzt. Schriftstellerisch ist er hervorgetreten mit der Schrift: „Die formale Logik Kants in ihrem Verhältnis zur Transzendentalen", „Die Gottesi ee der Offrnbn'ung und des Heidentums" und verschiedenen Predigtbänden. Vermischtes. Berlin, 8. Mai. Die Tagung der Vertretung der deutschen Studentenschaft in Dresden, befaßte sich am Sonnabend auch mtt der Ausländersrage, die für die Studenter schgst ihren wesentlichen Ausdruck in der Einstellung zu ihren jüdischen Kommilitonen findet. Gegen vereinzelte Stimmen wurde zunächst der Beschluß gefaßt, daß die jüdischen Studierenden, die vor August 1914 die deutsche Staatsangehörigkeit besessen haben, dieselbe Stellung einnehmen wie die deutschen Studierenden. Berlin, 3. Mai. Zu dem Skandal bei der Uraufführung des Schauspiels „Die Nachtwandler" von K lab und, im Opern- und Schauspielhause zu Hannover, nimmt der Dichter in einer Zuschrift Stellung, in der es heißt: „Bon welcher Seite diese Opposition unter anderem ausgkng, beweist ein Artikel in der „Deutschen Zeitung" vom Montag, den 10. Mai, in welchem behauptet wird, daß in dem Stück der Haß des Judentums gegen das ehrliche aufrechte Deutschland ganz unverhüllt zutage tritt und datz ich unter anderem als „jüdischer Brünstling" apostrophiert werde. Das Stück ist deutscher, als es die „Deutsche Zeitung" je sein wird, und ich möchttz festgestellt wiffen, daß der antisemitische Radau gegen mich, wie er in Hannover auch mit dem Rufe „Nieder mit den Juden", zum Ausdruck kam, völlig unangebracht ist. Mein bürgerlicher Name ist Alfred Herrschte und in meinen Adern fließe nicht ein^Tropfen jüdischen Blutes. Die Opposition gegen mich wird sich eine andere Flagge suchen müssen." Berlin, 27. Mai. Die auf die Initiative Hermann Cohens und dank den Bemühungen des Geyeimrars, V 3. Juui lSllS Lauhau in» Leben gerufen^ MkÄdemie für die Wissen schaft de S Jü d e nt um S", hielt am 17. Mat ihre erste Mitgliederversammlung ab. Eingeleitet wurde die Tagung durch einen. Vortrag von Prof. Cassierer über Hermann Cohen. Der Berwaltungsbericht ergab, daß^die Sammlungen befriedigend fortfchretien.. Geheimrat Landau hat eine Bibliothek gestiftet. Den wtffenschäftlickem Bericht erstattete Privatdozcnt Dr. Taubler. Von dem Forschungsinstitut sind bereits die . historische, die talmudifche und die sprachwissenschaftliche Abteilung ins Leben gerufen» Dr. Täubler bereitet eine Schrift üver die Begründung deS Makkabäerstaates vor. Beabsichtigt ist ferner die Schaffung einer großen Bibliotheca Juöäica, welche kritische Ausgaben der Texte aller jüdischen Schriften bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts umfassen soll. Eine eigene Zeitschrift unter dem Titel „Kritische Vierteljahrsschrtft für die Wiffenschäft deS Judentums", wird gegründet werden), außerdem ein Korrespondenzblatt. Halber stadt, 20. Mai. Der Gruppenverband der Agudäs Jksroel in Deutschland hat jüngst eine Serie neuer Aguda-Marken herausgegeoen, nachdem die erste Serie von 999600 Stück vollständig verkauft ist. Die neuen Marken find zu 5, 10, 15, 20. 50 Pfg. und 1 Mk. und Heftchen zu 2 Mk. erhältlich. Die Zeichnung zeigt, in feinsinniger Symbolik des Aguda-GedankenS, in der Mitte den heiligen Altar, avf dem die ewige Flamme nach oben streb/, umringt vom Namen der Organisation. - Reinheim, 20. Mai. Man schreibt uns: Ihre Notiz von Lindensels in Nr. 18 entspricht nicht den Tatsachen. Der betreffende Wirt ist nichts weniger als Antisemit. Eine antisemitische Gesellschaft wollte das Schild „Juden Eintritt verboten-, arn Eingang des Hotels anbringen, dem trat der Wirt mit den Dorren entgegen: den Saal habe ich Ihnen vermietet, da können sie in demselben das Schild anbringen, aber nicht an meinem Hotel. Dieses zur Richtigstellung. Basel, 15. Mai. In der hiesigen Agudas Jisroel-Ortsgruppe sprach Herr I. I. Braun aus Zürich, über den Stand der Bewegung. Alsdann fanden die Wahlen für die bevorstehende Delegiertentagung der Schweizerischen Landesorgantsaiion statt. Vrieskasten. E. C. 100. Falls es sich um ein geistesschwaches Kind handelt, wenden Sie sich an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund Berlin, Stegsttzerftrafee; für Erwachsene gibt es jüdische Heilanstalten dieser Art unseres Wissens nicht. Literarisches. Die bekannte Berliner Verlagsfirma LouiS Lamm, die im Jahre 1919 neben anderen umfangreichen jüdischen Publikationen die sämtlichen Werke von Leopold Zunz in sieben stattlichen Bänden verlegt hat, stellt soeben den Maimonides'scken Moreh Nebuchim, hebräisch mit der deutschen Heber setzung von Fürsten« thal, Stern u. Scheyer in drei Bänden fertig. Ferner gelangt in wenig Tagen beim gleichen Verlag nach mehreren Menschenaltern die erste, wieder in Deulschland gedruckte Talmudausaabe zur Ausgabe. Es bandet sich unr eine komplette Ausgabe des Talmud Jeruschalnn, der nach den uns vorliegenden Probeblättern sehr deutlich auf holzfreiem Papier gedruckt ist. Das WiederaufEhen der jüdischen Literatur in Deutschland ist freudig zu begrüßen. Sabdat-Ansang und Ausgang. rot? QRTi Anfang Datum Ausgang Ubr iMin. 1920| 5680 UhrMn. Frankfurt a. M. 7 50 4. Juni l8.Siwan 9 30 Berlin . ... 7 30 9 21 München . . . 7 15 8 59 Gtraßbnrg . . — — — — Stuttgart. . . — ' — — — Pose« .... — — — Nürnberg. . . 7 15 9 10 Hamburg . . . — 9 52 "ibo Df. Goldschmidtitto Taunus-Sanatorium Bad Homburg v. d. H« (3463 für Narvosa, innerlich Kranke, Erholungsbedürftige. Familiennachrichten. Geburten. Einen Sohn: Lehrer Hermann. Löwy (Oberweyer), Hatte a. S., Krükenbergstr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.