Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1920)
- Date
- 1920-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Nr. 49 Mer. Asrarltt 9 Dezember 1929 ble Mitgliedschaft auf IS 000 erhöht werde. Gedaljah Bublick, der gerade von emem mehrmonatlichen Aufenthalt aus Erez Jisroel zurückoekehrt war, berichtete über seine dortigen Erfahrungen. Er legte dar, daß nur 3 Prozent des Bodens in jüdischem Besitz sei und betonte, daß es erste Pflicht der Juden sei, Boden in Erez Jisroel zu kaufen. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die von allen Misrachi- Bereinen die Gründung eines Fonds zum Boden- Erwerb in Erez-Jisroel fordert, es wurden bereits bedeutende Summen zu diesem Zwecke gesammelt. Dem Keren Hajeffod und den Beziehungen zwischen Misrachi und Zionistische Organisation wurde ein großer Teil der Beratungen gewidmet. Die Konferenz wurde am 10. November mit der Wahl des Herrn M. Berlin zum Vorsitzenden geschlossen. Personalien. Berlin, 3. Dezbr. Wenn wir an dieser Stelle der pädagogischen und schriftstellerischen Leistungen des Berliner Lehrers Emil Flanier, anläßlich der Vollendung seines 60. Lebensjahres am 18. Dezember d. Js. dankbar gedenken, so glauben wir eine Dankesschuld abzutragen für eine 40 jährige segensvolle Tätigkeit als Pädagoge und Jugendschriftsteller. Wir erinnern 8 uns mit Freuden des „Israelitischen Jugendfreundes" r und der „Israelitischen Jugendbibltorhek", die beide 8 von ihm herausgegeben find und eine eigentliche r jüdische Jugendliteratur ins Dasein gerufen haben. 8 Auch des „Wegweisers für den jüdischen Religionsj unterricht", der besonders jüngeren Lehrern manche I wichtige methodische und didaktische Winke für alle Zweige des jüdischen Religionsunterrichts gegeben hat, dessen Fortsetzung aber leider durch den Krieg verhindert wurde, sei anerkennend gedacht. Wir wünschen dem Jubilar V"pivp Rüstigkeit und Frische. - Harburg (Schwaben), 29. Nov. Unsere kleine rftnp ist von einem unersetzlichen Verluste betroffen worden. Gerson Stein ist im Alter von 76 Jahren von uns geschieden. Mit ihm ist eine Persönlichkeit aus der „guten alten Zeit" ins Grab gesunken. Er war der Typus des alten d:id, gemessen und würdevoll in seinem Auftreten, durchdrungen von höchsten' Pflichtgefühl und voll Liebe für die, denen sein Wirken galt. Fast ein halbes Jahrhundert hatte ihn das Vertrauen der Gemeinde an ihre Spitze gestellt; die Chronik unserer nS"p zeugt für fein unermüdliches Schaffen. Auch in den nichtjüdischen Kreisen seiner Heimat wurde der Wert seiner Persönlichkeit erkannt und gewertetlange war er in der Verwaltung der Stadt, gehörte er dem städtischen Armenrate an und stand mit an der Spitze von gemeinnützigen Vereinen. Ihm, dem Manne voll Gefühl, ward die innere Kraft gebrochen, als ihm in kurzer Zeit die Gattin und der prächtige Sohn (Dr. Stein Memel), genommen waren und ein liebes Enkelkind vor seinen Augen dahinwelkte. Die zahlreiche Beteiligung zeigte die große Verehrung, die der Dahmgeschiedene bei allen Konfessionen und allen Ständen genoß. Der greise Vezirksrabbiner Dr. Cohn, Jchenhausen, scheute die beschwerliche Rei^e nicht, um dem langjährigen Freunde Worte des liebevollen Gedenkens zu widmen. Leider wurde er vor der miap von einem kleinen Unfall betroffen. An seiner Stelle schilderte Herr Rabbiner Dr. Berlinger, Hall, das Leben des Verewigten und gab dem riefen Schmerze Ausdruck, der die Familie und die Gemeinde erfüllt. Dem Zuge folgten u. a. dor Oberregierungsrat aus Donauwörth, der Bürgermeister und die Stadträte, sowie die gesamte Mannschaft der Feuerwehr. Gerson Stein führt nun unsere Gemeinde nicht mehr; mit Bangen sehen * wir der Zukunft entgegen, denn nur ein knappes ist noch übrig von der blühenden r&ip von dereinst. Um so stärker sollten die noch hier Lebenden, das zu erhalten suchen, was ihr verstorbener djis ihnen als heiliges Vermächtnis hluterlaffen. Damit wird das Andenken des Verstorbenen am besten geehrt. Köln, 6. Dez. Am Sonntag, ö. Dezember, fand in der Tonhalle in Düpeldorf eine große Festlichkeit statt, die der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands in Köln, mit seinen Düsseldorfer Freunden, Talmud-Thoraverein und Religtonsgesellfchaft veranstaltete. Sie galt der Einführung des Bezirksrabbiners, den der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands für den Regierungsbezirk Düffeldorf angestellt hat. Eine vielhundertköpsige Menge aus Düsseldorf und .der Provinz war herbeigeströmt, um ihren neuen geistigen Führer zu begrüßen und beim Scheine des Chanukalichtes das Vertrauen zu bekunden, daß die Thora immer siegreich bleibt. Herr Bezirksrabbiner Dr. W e y l, früher Czarnikau, verstand eS mit feinen geistvollen und inhaltlichen Ausführungen seine Zuhörer zu seffeln. Der sehr befriedigende Verlauf der Veranstaltung läßt hoffen, daß der Düsseldorfer Bezirk mit vollem Vertrauen seinem neuen Führer folgen darf. Irrlzbürg, 29. Not». Am IS. ». ALS. feierte Herr Tr. Weinberg fein 25Mriges AubiWa» als Rabbiner des Distrikts Salzbürg. Dem Jubilar wurden an dem Tage seitens der hiesigen Kultuß-?gemeinde wohlverdiente Ehrungen zuteil. Nach einem eierlichen Gottesdienste und' nach einer Ansprache des Herrn Kulturvorstandes Dreichlinger wetteiferten die Gemeindeangehörigen, ihrem Seelsorger ihre Glückwünsche mit ehrenden Anerkennungen zn überbringen. Besonders herzerfreueno war die Ehrung der S ch u l j ü g e n'd , welche unter Leitung des Herrn Hauptlehrers Nußbaum ihre Wünsche in poettscheu Worten überbrachten. Der Tag bot ein Bild Harmonischen Gemeindelebens. — Zu Ehren d?S Jubilars veranstalteten sämtliche Anschlußgemeinden des -Distrikts eine größere Feier in Sulzoürg. zu der die Geistlichkeit, der Marktrat und außer den Gemeind emitgliedern viele Bürger erschienen waren. Der Saal .war prächtig geschmückt. Der Kulrusrorftand, Herr * Siegfried Regensburger erössnete die Versammlung und richtete herzliche Wvrie an den Herrn Jubilar. Herr Bezirksamtmann Oetzinger richtete in kerniger Rede herzliche Glückwunschworte an den Jubilar im Namen des Bezirkes Neumarkt. Er sprach ihm die Anerkennuug für .sein Wirken aus, das in unserer heutigen Zeit des'' Hasses und der Zersplitterung besonders schwierig, aber umso erfolgreicher gewesen ist. H. H. Pfarrer Büchner von hier, beglückwünschte den Gefeierten in besonders ehrender Weife durch schöne markante Worte. Der Jubilar habe stets friedliebend unter den sämtlichen Konfession cu gewirkt, die Katholiken Sulzbürgs hätten allen Grund, an dessen Jubiläum innigsten Anteil zu nehmen. Auch die Forschungen des Herrn Rabbiners als Historiker sanden lobende Anerkennung. Ferner beglückwünschte den Jubilar in herzlichen Worte» Herr Bürgermeister Dollinger Herr Lehrer Rose n b a u M und Fräulein Martha Regensburger von'hier. Sodann der Vorstand der Kultusgemeinde Neumarkt, Herr Fabrikbesitzer Dreichlinger Herr Hauptlehrer Nußbaum in Neumarkt, sowie die Herren Wilmers d ö rser in Amberg und Kantor M. Goblewsky in Eham. Dieselben überreichten dem Gefeierten zum Zeichen der Anerkennung für sein segensreiches Wirken ansehnliche Geschenke. Nach diesen Reigen von Reden erhob sich Herr Rabbiner Tr. Weinberg selbst und dankte in längeren Ausführungen tiefgerührt für die unerwartete ihm bereitete Ehrung. (Auch wir stimmen in den Glückwunsch der Gemeinden ein. Red.) Flörsheim a. M., 3. Dez. Einer seltenen Feier konnte unsere Gemeinde sich dieses Monats erfreuen. Das Ehepaar Ellas Hers hei wer und Frau geh. Jasmin begingen in aller Still« im engsten Familienkreise das goldene. Ehejubiläumsfcft. Taö Glück des Ehepaares erhöht sich noch dadurch, daß sich dasselbe noch besonderer körperlicher wie .geistiger Frische erfreut. Eine entsprechende Ehrung des glücklich-eu Ehepaares Lu der Synagoge am Sabbaih verlieh der Feier noch eine besondere Weihe. Möge das Ehepaar noch lange Jahre als eine Zierde unserer Gemeinde erhalten bleiben, 'v'w nso ny. ■ Vermischtes. ZSund der jüdische« Kranken- und Mtegeanüatten Devtfchtands. Frankfurt a. M, 20. November. Am 19. Okt. fand tu Frankfurt die Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der privaten gemeinnützigen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands statt. Aus diesem Anlaß hielt auch der dem Reichsverbaud angehörende Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands seine erste Mitgliederversammlung ab. Dr. Philipsborn erstattete den Geschäftsbericht und betonte die Notwendigkeit, durch die Zusammenfassung aller Krankenhausorganisationen den den Anstalten durch die Gesetzgebung drohenden Gefahren zu steuern, und wies aus die wertvolle Tätigkeit hin, die der Reichsverband im ersten Jahre seines Bestehens ausgeübt hat. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Rechtsanwalt Dr. Phili psb o r «-Berlin, Verwaltungsinspektör Ähren s-Fraukfurt a. M., Justizrat Eltzbacher-Köln, Direktor Jriedmann-BerUn, Prof. Dr. Gott st ein-Breslau, Sanilätsrat Dr. Block-Hannover, Frau Sidone Wern'er-Hamburg. Dem bisherigen 1. Vorsitzenden, Kommerzienrat Dr. Netter, der aus Gesundheitsrücksichten seine Aemter in der Berliner Gemeinde niedergelegt hat, stattete der Vorstand den Dank für seine bisherige Tätigkeit ab. Dr. Philipsborn teilte aus dem Arbeitsprogramm mit, daß in erster Reihe der Beitritt zu dem von dem ReichsverbandbegründetenWirtschaftsbund empfolen sei. Des fsrneren solle der Bund es sich zur Aufgabe machen, Auskunft in doppelter Richtung zu erteilen. Die Geschäftsstelle des Bundes soll den Bundesmitgliedern in allen einschlägigen Krankenhausfragen, insbesondere auch in Rechts- und Steuerangelegenheiten, sachkundige und zuverlässige Auskunft erteilen. Freiwerdende Betten und Stellen find von den Bundesmitgliedern der GeschöstSstelle zu melden, damit diese in der Lage ist, freie Stellen auf Anfrage nachzuweisen und auf diese Weise die Erledigung von Gesuchen, die infolge Platzmangel unberücksichtigt bleibe» müssen, zu fördern. Sine weitere Aufgabe soll die Reform der AnstaltSsatzunge» sein. Die bestehenden Satzungen der Bundesanstalten sind vielfach noch aus alter Zeit. Aufgabe des Bundes soll sein, ein Musterstatut aufzustellen. ^Insbesondere wird hierbei in Betracht zu ziehen sein, daß viele Anstalten heute noch erschwerende Bedingungen an die Ausnahme in Bezug auf die Aufenthaltsdauer, auf den Wohnsitz am Sitz der Anstalt und die Herkunft der Aufzunehmenden haben. Unter Berücksichtigung der veränderten Umstände in Deutschland, der starken Flüchtlingseinwanderung aus dem Osten muß hier Wandel geschaffen werden. Dringende Aufgabe ist aber auch die Schaffung neuer und der Äusvau bestehen, der Anstalten in der Oeffentltchkeit. Der Gesundheitszustand in Deutschland erfordert die vermehrte Bereitstellung von Anstalten für Lungen-, Nerven- und Gemütskranke. Ebenso die Errichtung von Mittelstandsheimen. Die vorhandenen Anstalten sind fast durchweg für'mehr oder weniger Unbemittelte bestimmt und werden im Durchschnitt von gänzlich Mittellosen benutzt. Auf Anregung Jmtizrats Eltzbacher fand eine Aussprache über den Achtstundentag statt, dessen innere Unmöglichkeit für Anstalten von allen Redner«, besonders von Herrn Inspektor Ahrens, dargelegt wird. Berlin. 26. Nov. Ende November und Anfang Dezember findet eine Sammlung zu Gunsten der notleidenden Kinder statt, die von der „Deutschen Kinderhilfe" veranstaltet wird. Dem Arbeitsausschuß dieser Organisation gehört auch die „Zentralrvoylfahrtsstekle der deutschen Juden" an. Auf Grund dieser Tatsache haben die jüdischen Gemeinden das Recht, in die, a« allen Orten über 5000 Einwohnern gebildeten OrtS- I ausschüsie einen Vertreter zu entsenden, ebenso in die . Prooinzialausschüffe. Es ist somit die Gewähr dafür geboten, daß an dem Ergebnis der Sammlunge», welche zweifellos auch in jüdischen Kreisen starke Unterstützung finden werden, die der jüdischen Kinderhilfe dienenden Einrichtungen in entsprechender Weise teilhaben werden. Es liegt im eigensten Interesse dieser gerade gegenwärtig besonders notleidenden Jnfltutionen, daß auch von jüdischer Sette der „Deutscho- Kinderhilse" möglichst reichlich Mittel zufließen. Der besonderen Sammlung, die im Januar in sehr intensiver Weise für das hilfsbedürftige jüdische Kind geplant ist, wird hierdurch nicht vorgegriffen. Berlin, 19. Nov. Das Preuß. Kültusministeriu« hat, wie die „Pol. Part. Nächr." hören, folgende Rundverfügung erlaffen:' Von einer großen Anzahl, Schüler wird heute das Hakenkreuz getragen. Leider mußte in vielen Fällen festgestcllt werden, daß durch das Tragen des Hakenkreuzes das gute Einvernehmen zwischen den Schülern erheblich gestört wurde. Ich bestimme daher: Auch das Hakenkreuz ist als Abzeichen im Sinne der Ziffer 3 des RunderlässeS vom 14. November 1919 anzusehen, d. h. sein Tragen in der Schule ist verboten. Die Provinzialschulkollegie« und Regierungen wollen die Leiter und Leiterinnen der sämtlichen ihnen unterstehenden Lehranstalten bez«. die Kreisschulräte hiernach mit Weisung versehe». Berlin, 2g. Nov. Eine neue jüdische Gemeindebjbliothek und Lesehalle, wurde in Berlin ins Leben gerufen. Die „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" ist von dem gleichnamigen Verein mit allen Bücher- und Zeilschristenbeständen der Berliner Jüdischen Gemeinde überlassen worden; diese bilde« den Grundstock eine dieser Tage oröffnelen Zweigbibliothek und öffentlichen Lesehalle im Flügel des Synagogengrundstücks Fasanenstraße. Die Lesezeit ist: Montag bis Donnerstag 6—9 Uhr, Samstag ll1/* bis l1/* Uhr, Sonntag 10—1 Uhr. Im Lesesaal, dessen Benutzung für jedermann frei ist, befinden sich über 50 jüdische Zeitungen und, Zeitschriften, ohne Unterschied der Parteirichtung. Ladenburg, 4. Dez. Bereichert durch %im schöne Stiftung, begannen wir heute die ,i2i:n - Tage. Unser Vorsteher, Herr Julius Kaufmann TI., der erst jüngst seinen 70. Geburtstag feierte. Ließ aus einem an die Shnagoge angrenzenden freie« Raum ein Zimmer Hersteller^ das als Lernzimmer und als Gemeindezimmer dienen soll. ES wurde heute am naiin - Abend seiner Bestimmung übergeben durch eine schlichte Feier, die non Kinve»- gesängen umrahmt war. Der Wille des ' StisterS ist ousgedrückt in einer Taftl, die außer dem Namen und Jahr die Worte entbält: c6i5min niü^n. Herr L. Kaufmann sprach Worte des Dankes im NamiW Ssöbal-Ansang mb Ausgang. ppa row- 8RTi Anfang I Datn« AuSgang Ubr!Min.!1S20! 8681 Uhr jMitl. , j 11. dv.Kislew Frankfurt a. M. 4! - ' Dez. S 1» Berlin .... 3 45 4 4L München . . . 4 , tzS! s «7 Straftburg . . —! — 1 — — Stuttgart. . — — Posen 1 1 i : — — Nürnberg. 4 •» s 03 Hamburg . . . 4 — i 4 SS