Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1920)
- Date
- 1920-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1 r. Lezemter 1SLO Vier Israelit. R,. 4» Sekte S Volley Bilder zerschnitten, die Schlösser aüfgebrochen, -ie amtlichen Stücke des früheren alten jüdischen Magistrats vollständig vernichtet. Der Haufen drang in alle Räumlichkeiten des Rathauses ein, wo seiner Berntchtungsgier nicht einmal zwei altertümliche Thora-Rollen entgingen, die ebenfalls zerrissen wurden. Aus der Shnagoge wurden ein goldner alter B> e ch e r, ein altertümlicher Silberleuchter und verschiedene silberne Ornamente entwendet. Die Fenster wurden zerschmettert, die Gitter verbogen. Was wurde, so schreibt das Blatt, durch die Verwüstung des historischen, wertvollen Archivs im jüdischen Rathause bewiesen? Der durch die Demonstration verursachte Schaden ist unersetzlich? Das, was in Prag geschehen ist, ist in tschechischen Gebieten vorher nie geschehen. Auch bei den allergrößten Sturmen wurden die wertvollen historischen Dokumente nicht angerührt. Die öffentliche Sicherheit hätte das nicht zugelassen. Das Blatt wälzt die Schande an diesen Vorgängen auf die Schreibweise der tschechischen Agrarpresse. gfdjtwjet;. Dom VölKerbuiiSe. Henf, 29. November. Die Versammlung des Völkerbundes beschloß die Absendung einer Spezialkommission nach Budapest, 14m die Lage der Juden in Ungarn zu erforschen und den Anstagen gegen die Regierung und den von ihr gedeckten weißen Terror auf den Grund zu gehen. Der Kommission gehört auch ein Mitglied des Sekretariats des Völkerbundes an. DieSonnfaflsruhe un9 Sie gefßfcesfreuen3u9en. Aaset, 3. Dezember. Anläßlich der ersten Lesung des revidierten Sonntagsruhegesetzes im Januar dieses Jahres wurde von Großrat Dr. Wormser der Antrag g estellt, daß eine Bestimmung in die Statuten ausgenommen werde, die es dem Regierungsrat freistellen solle, den jüdischen Firmen zu gewähren, die jüdischen Angestellten am Sonntag während einiger Stunden zu beschäftigen. Der Antrag wurde von Dr. Wormser in sehr beachtenswerten Ausführungen in der öffentlichen Großratssitzung energisch befürwortet. Das Postulat wurde alsdann nach längerer Debatte dem Regierungsrat zur Prüfung überwiesen. Die Mitglieder des Regierungsrates waren sodann von kompetenter Seite auf die Bedeutung dieses Antrages aufmerksam gemacht wordenvor allem war es Herr Gewerbeinspektor Dr. Strub, der für die berechtigten Wünsche der jüdischen Geschäftsinhaber volles Verständnis und Entgegenkommen zeigte, Im regierungsrätlichen Bericht an den Großen Rat zur zweiten Lesung des Gesetzes heißt es nun wörtlich, daß dem durch die Glaubens- Und Gewtssensfr ei heit begründeten Antrag Wormser in der vorgeschlagenen Form unbedenklich zugestimmt werden darf. Die Fassung des Antrages (§ 22 d) lautet: „Mit amtlicher Bewilligung sink) Ausnahmen von den Bestimmungen des Gesetzes bis auf die Dauer eines Kalenderjahres zulässig für Bureau- Arbeiten in Geschäften, die aus religiösen Gründen ihren ganzen Betrieb an einem Werktag jederWoche ruhen lassen, mit der Einschränkung, daß nur die Beschäftigung von Angestellten der gleichen Religiosgemeinschaft bewilligt werden darf." Hiermit war die Annahme des Paragraphen sozusagen gesichert und er konnte auch bei der zweiten Lesung diskussionslos passieren. Am 11. November hat der Große Rat von Basel- Stadt in zweiter Lesung das neue Sonntagsruhegesetz angenommen. Eine ähnliche Bestimmung findet sich übrigens auch im Sonn ta gs ruh eg es e'tz des Kamqns Luzern vom 26. November 1913. Dort lautet die Faffung (§4): „Den Inhabern von Geschäftsbetrieben, welche an israelitischen Feiertagen gänzlich ruhen, wird gestattet, ihre israelitischen Angestellten bis zur Dauer von drei Stunden in den für den Verkehr geschloffenen Geschäftsräumen zu beschäftigen." Falls kein Referendum ergriffen wird, tritt das Basler Gesetz am 1. Januar in Kraft. iPmrftte, Uhralnifdie Dementis London, 29. November. In hiesigen und ebenso Pariser Zeitungen sind „Richtigstellungen" Belachowitschs zu den Pogrommeldungen aus der Ukraine, die den Gipfel des Zynismus darstellen. Die liberale Presse gibt die Dementis unter Vorbehalt wieder und warnt davor, ihnen Glauben zu schenken. Wie ferner berichtet wird, erhielt der englische Vertreter bei der lettischen Regierung in Riga Auftrag, über Dwinsk nach dem Operationsgebiet Balachowitsch zu gelangen, um dort die Vorgänge zu untersuchen. Auch die Delegationen der Entente in Kowno,' Warschau sind von ihren Regierungen um schnellste Berichterstattung über die Metzeleien in der Ukraine ersucht worden. Rumänien. DguSss Ärmel unS Sie uftrainifdien Flüchtlinge Kifchinew, 25. November. Auf Grund der Bemühungen der beßarabifchen Agudas Jisroel und ihres rührigen Präsidenten, Rabbiner Zirelsohn, hat General Avereseu genehmigt, daß die Flüchtlinge aus der Ukraine von der rumänischen Regierung Legetimationspapiere und Leumundszeugnisse erhalten, damit die srenchen Konsulate die bisher verweigerten Reisevisa für die Flüchtlinge ausstellen. . Ferner hat „Agudas Jisroel" die sofortige Befreiung der zahlreichen gefangen gehaltenen Flüchtlinge durchzusetzen vermocht. Eine Rede Rabbiner Zirelsohns bei einem zu Ehren der rumänischen Minister gegebenen Bankett hatte auf Avereseu besonders tiefen Eindruck gemacht. Uatüstina. Die religiösen Scfmien in Paläffina un9 9er misrachüfilfhß fiuksillitLrat. gttanRfuvt er. M-, 6. Dezember. Bekanntlich wurde in London der Antrag der Mlsrachiften auf Bildung eines besonderen orthodoxen Waad Hachinuch in schärfster Form abgetehnt. Hingegen hat Misrachi mit der zionistischen Partei bezw. mit dem palästinensischen Waad Hachinuch ein Abkommen getroffen, laut welchem alle Schulen religiöser Richtung, die von dem zionistischen Waad Hachinuch finanziert sind, automatisch dem Misrachi, d. h. offiziell dem mtsrachistischen Aufsichtsrat zufallen. Hauptsächtlich handelt es sich bei dieser Transaktion um die Schulen „Nezach Jisroel" in den judäischen Kolonien, um die Tachkemonischulen in Jaffa und Jerusalem und um die Talmud-Thoraschule der sefardischen Gemeinde in Jerusalem. Mit Beginn des laufenden Semesters ist die Wirksamkeit dieses Abkommens in Kraft getreten. Bon den ersten zwei Wochen dieser Aufsichtstättgkett — so lesen wir im „Dauar Hajaum" — sind folgende Vorkommnisse zu vermerken: In der Kolonie Sema gab es eine blühende Talmud-Thora Schule. Sie wurde aufgehoben. An,deren Stelle hat der rnisrachistische Aufsichtsrat einem Kompromiß zugestimmt, nach welchem die hebräische Schule des Waad Hachinuch auch für die Kinder orthodoxer Eltern erweitert werde. In dieser Schule sind die Klaffen für Knaben und Mädchen zusammen eingerichtet. Die Lehrer der Talmud- Thora-Schule sind vom Kompromiß ausgeschaltet. In Rechowot soll die Talmud-Thora-Schule deswegen geschloffen werden, weil die meisten Kinder, die sonst diese Schule besuchten, in die hebräische Schule übergehen. Die Mädchenschule von Jerusalem — die auch dem mtsrachistischen Aufsichtsrat zuerkannt ist — wurde vom Waad Hachinuch wiederholt inspiziert, während vom mtsrachistischen Aufsichtsrat noch kein einziges Mitglied diese Schule besucht hat. Im misrachisttschen Lehrerseminar in Jerusalem—zusammengeschmolzen mit dem Seminar Petach Tikwa und Jeschiwas Hamischtalmim von Jerusalem — wurden die Vorträge im Talmud so stark beschnitten, daß in der obersten Klaffe nicht mehr als sechs Stunden wöchentlich für Talmud und Poskim zugewiesen sind. Die Lehrer der Tachkemont-Schule von Jerusalem veröffentlichten eine Protesterklärung, daß sie die Autorität des mtsrachistischen Waad Hamfakeach nicht anerkennen. Die Talmud-Thora Schule der Jerusalemer Nemenitengemeinde stellt es in Abrede, daß sie mit Misrachi oder mit dem mtsrachistischen Aufsichtsrat irgendwelche Verbindung hätte. Unter den jüngeren Lehrern der sefardischen Talmud- Thora Schule von Jerusalem ist eine Bewegung im Zuge, die den Zweck verfolgt, sich in keinem Falle dem misrachistischen Aufsichtsrat zu unterstellen. — In einer Begrüßungsantwort hat der inzwischen in Jerusalem eingetroffene Inspektor der. mtsrachistischen Schulen, Rabbiner Dr. Schönfeld unter Anderem folgendes erklärt: „Manche glauben, daß es den Orthodoxen in Deutschland und Ungarn gelungen sei, das Prinzip von „Thora im Derech-Erez" zu verwirklichen. Als Schüler einer Jeschiwah und eines Gymnasiums empfinde er, daß das Problem „Vereinigung der Thora mit der Wissenschaft" noch keine Lösung gefunden habe. Eine Persönlichkeit, wurzelnd und schöpfend aus beiden Quellen, kann nur in Erez Jisroel sich entwickeln. Deswegen sei er gekommen, um auf dem Gebiet, der Erziehung sich zu betätigen". Mit dem Gesang der Hatikwa wurde die Festlichkeit geschloffen. öioniflifcfies. Ilero-Kork, 27. November. Der am 25. November in Buffalo eröffnten zionistischen Jahreskonferenz wurden zur, Bestätigung folgende, von der Exekutive beschlossenen Resolutionen betr. der Palästinaarbeit zur Annahme vorgelegt: Wir bedürfen zum Aufbau Palästinas der Mitwirkung des ganzen Judentums und müssen Mittel ergriffen werden, daß die Juden' der ganzen Welt daran Anteil nehmen; auch Nichtmitglteder der zionistischen Organisationen müssen in den Dienst dieser Aufbauarbeit gestellt werden. Der zionistischen Weltorganisation soll vorgeschlagen werden, daß der Verkauf der Anteilscheine für die öffentlichen Unternehmungen in Palästina von den einzelnen Korporationen besonders vorgenommen' werden soll. Ein Komitee soll sofort zur Gründung einer Agrarbank schreiten. > Ein autonomes, aus Zionisten und Ntchtztonisten bestehendes Komitee soll die Durchführung der Paläfttnaanlethd auf Basis eines 67. Zinsfußes in die Hand nehmen. Es soll empfohlen werden, daß alle öffentlichen Unternehmungen für Palästina von Juden kontrolliert werden und daß diese Kontrolle von der zionistischen Organisation zusammen mit dem Economic Council, falls dieses geschaffen wird,» ausgeübt wird. Als dringend werden folgende Unternehmungen bezeichnet, die die Schaffung von Geldmitteln in Form von Investitionen verlangen: Hydroelektrische Entwicklung, Vergrößerung des Kapitals der jüdischen Kolonialbank, nach vorhergehender gründlichen Reorganisation derselben/ Organisierung einer Agrar- und Hypothekenbank/ Organisierung besonderer Korporationen für die baldige Entwicklung der sogenannten Landindustrten / Organisierung kooperativer Baugenosienschasten. Die Gelder, die durch freiwillige Spenden aufgebracht werden — der Keren Hajeßod — sollen dienen: für medizinische und sanitäre Hilfe/ Bildungszwecke und Erforschung des Landes/ Landerwerb durch den Nationalfonds/ Immigration: Aufforstung. Auch die Misrachi-Organisation hielt vom 8.—10. November in Baltimore eine Konferenz ab, auf der der Sekretär berichtete, daß 298 Vereine dem Misrachi beigetreten seien, wodurch