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Der Israelit · 1920-12-09 · Heft 49 (9.12.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 49 (9.12.1920)
Date
1920-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Lette 4 P,.. 4» •irr ■ 111 lim i ■ „m. ganz und gar ausrotten wollten, in der Tat fortgeschritten wären; wenn auf ihrer Seite und auf Seite der Griechen der wahre Fortschritt gewesen wäre: so hätten sie, nach ihrer Ansicht, -aß das Judentum überlebt und veraltet, sein Gesetz ein unwahres, nicht mit der Wissenschaft zu vereinbarendes sei, obsiegen muffen und nicht erst einer so späten Zeit, wie der ünsrigen, einem Geschlechte, das üb r zweitausend Jahre später lebt, diese Aufgabe überlaffen sollen. W-r sehen aber, wie schwer und unmöglich den Syrern und den „gebildeten" Juden es wurde, das jüdische Gesetz aufzuheben, das jüdische Volk aus seiner ihm von Gott vorgeschriebenen Bahn zu verdrängen — und heute? Hat man wirklich geglaubt, es sei so leicht, so einfach, das jüdische Gesetz für abgetan zu erklären, die jüdische Wahrheit als einen Kmderglauben hinzustellen? Glaubt man, weil die Welt um zweitausend Jahre weiter fortgeschritten, weil inzwischen die Wissenschaft so große Fortschritte gemacht und immer neue Wahrhpiten entdeckt, das Judentum sei wirklich um 2000 Jahre zurückgeblieben und sei nun sicher ver -ltet und habe sich überlebt, seine Wahrheit könne nicht mehr die Probe bestehen? Es haben sich ja Viele losgesagt von dem jüdischen Gesetze, und nur ein loses Band hält sie noch mit ihrem Volke zusammen. Aber ihr Judentum hat kein Z el und keinen Zweck, führt zur Selbstvernichtung. Außerhalb ihrer Bahn stoßen die Teile, die sich vom Judentume abgesondert und eine neue Bahn gewählt haben, überall mit anderen Körpern zusammen, irren planlos umher, nur vom Augenblick sich bestimmen lassend, bald diese, bald jene Richtung etnschlagend. Wohin sie gehen? das können sie .selbst nicht sagen; aber sie fühlen, daß sie nicht so recht in's Weltgefüge him inpaffen. Darum nennen sich solche Juden gerne „konfessionclos", dem Weltganzen, wie sie vorgeben, angehörend, aber ketnem einzelnen Teil sich anschließend. Näheren sie sich einer anderen Konfession, so stößt man sie zurück, weil sie nicht zu hr gehören,' gesellen sie sich aber irgend einer Konfession, so sind sie nicht mehr konfessionslos. Allein können sie nun einmal nicht lange wandern. Denn die Menschen sind alle in Raffen, in Völker und Konfessionen ein geteilt- W ü man ruhig und ungestört mit den Mer schm leben, so muß man sich ihren Zielen, ihren Zwecken, ihren Sitten und Gesetzen anpaffen. Ob man dabei dem Fortschritt huldigt, das kann man dadurch erproben, daß man sich nicht bloß körperlich, sondern auch geistig erhält^ daß man der großen Wahrheit und den daraus sich notwendig ergebenden Folgen dient und in diesem Der Israelit. —. .. Smne weiter schreitet. Eine neue höchste Wahrheit gibt eS nicht. Die Wahrheit von dem Schöpfer ist noch nie durch eine neue Wahrheit umgestoßen wordensie blieb immer die eine Wahrheit. Und wenn man heute glaubt die Schöpfung, oder das Bestehende anstatt des Schöpfers als neues unumstößliches Resultat der Wissenschaft, als die neue höchste Wahrheit hinstellen zu können, so reicht diese Verwechselung der Wirkung mit der Ursache noch lange nicht heran an die vom Judentum gelehrte und aller Welt überlieferte Wahrheit von Gott, dem Schöpfer. Neue Ideen haben immer geblendet und Anhänger gefunden bis — sie sich überlebten. Wie viele derartige neue, kühne Ideen hat das Judentum gleich Kometen an sich vorüberziehen sihen! Sein Stern aber leuchtete und wandelte ruhig weiter. „So spricht der Ewige der Heerschaaren: W 'nn Du meme Wege wandelst und meine Vorschrift beobachtest, und Du auch mem Haus verwaltest und auch wahrest meine Höfeso mache ich Dich zum Letter und Fü rer, zu Wandelnden unter denen, die da stehen." Dieses Urteil, dieses Versprechen wird uns lebhaft üm Ehanukafefte in Erinnerung gebracht. Als damals die Chaschwonäer das Licht im heiligen Tempel wieder anzündeten als Symbol ( des göttlichen Lichtes und Geistes, welchem unser Volk seine Lebensaufgabe weihte, da fand sich nur ein Krug reinen Oeles, das nur für einen Tag ausreichend war, aber durch Gottes Hilfe acht Tage brannte, bis wieder neues Oel zubereitet werden konnte. Der Wille war da bei den Chaschmonäern, das Licht zu erhalten, aber es stand außer ihrer Macht. Da half Gott mit. Auch in unserer Zeit dürfen wir das feste Vertrauen haben, daß, was unserem guten W-llen und u serem Können nicht möglich ist, mit Gottes Hilfe doch erhalten und bestehen bleibt. Denn „Ihr seid Fortschreitende, Erhultende nach meinem Gesetze. Und durch mein Gesetz werdet Ihr erhalten und fortbeftehen, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren." Drese Wahrheit leuchte uns aus dem Chauukalicht entgegen, stärke und kräftige uns und lasse uns unsere Bahn stetig, ruhig und mutig verfolgen! »orreipoadwze» an» rtachruvtev. Kamöurg, 29. November. In der letzen Sitzung des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurde durch den Gemeindk-vorstand bekannt gegeben, daß der Uebermacht zum Siege ver hilft, wenn sie einsrehen für die höchsten Girier, die der Mensch verteidigen kann. Es hat vielmehr einandere Ursache, wenn gerade die Feier der Chanukatage einen eigentümlichen Reiz aufwetst. Wir möchten behaupten, daß es vor allem die Schlichtheit der Feier ist, die ganz besonders dem Bedürfnis entspricht, das von Natur aus unserer Seele innewohnt) denn wenn wir uns ernstlich prüfen, so müssen wir es uns eingejtehen, daß der künstlich verfeinerte und aus zahlreichen Elementen zusammengesetzte Genuß trotz des starken momentanen Eindruckes nicht die nachhaltige Wirkung auf uns auszuüben vermag wie das Wohlgesühl, das ein Erleben hervorzauberr, welches der Geschmacksrichtung jedes natürlich veranlagten, nicht erst durch Erziehung und Bildung in seiner Empfänglichkeit beeinflußten Menschen -entspricht. „Wo Licht ist, ist Freude". Das ist ein aller Erfahrungssatz. Säugling und Greis, beide streben nach dem dichte. Warum? Weil es aber in der Natur des Menschen liegt. Und je länger du des Lichtes entbehrt hast, desto mehr freuest du dich mit ihm. Darum, wenn auch nicht allein darum, ist unS Chanuka so willkommen! Den festlosen, licht- und sreudearmen Winter unterbricht es mit seiner anspruchslosen Feier und befriedigt so die uns von Natur innewohnende Strebung, die ihrer Anlage nach wohl nach Lristgefühlen verlangt, aber um so empfänglicher für sie ist, je seltener fie auftreten und je einfacher sie geartet-find. ~ Und damit hat der Heiligegelobt sei er, sein „Zedek^ in unS selbst begründet. Gr hat zwar unser äuß reS Geschick garvk'schieden gebildet, unser inneres Glücksempfinden dagegen vollkommen gleich gestaltet. Denn nicht auf den absoluten, sondern nur auf den relntwev Grab der auf «neinwtrkenden Einflüsse reagiert unsere Seele. Dem Armen bedeutet der Hundertmarkschein das gleiche Glück wie dem Reichen der Tausender,- dem Kranken bringt die Genesung ein Wohlgefühl, das der Gesunde garnicht kennt Der geistig Zurückgebliebene fühlt sich glücklicher als der geistig hochstehende. Allein in dem Umstande, dah man das nicht entbehrt, was man nie getonnt, liegt ein sozialer Ausgleich von höchster Bedeutung. Besonders in der Gegenwart sollten wir diesen Gedankenaängen recht gründlich folgen. Wir werden dann nicht verzagen, wenn wir auch annehmen müssen, daß die Zukunft uns in einfachere Verhälrntsse zurückwerfen wird. Sind wir doch davon überzeugt, daß sie darum nicht minder glückliche sein müssen! Was uns auf einer Seite genommen wird, das wird uns gleichzeitig auf der anderen Seite geboten. Nur müssen wir dafür ern Empfinden besitzen, nur uns den veränderten Verhältnisien entsprechend einrichten. Die erste Maßnahme, die mit diesbezüglich in -er Jetztzeit zu treffen haben, das ist die Erziehung unserer Kinder zur Einfachheit und. Anspruchslosigkeit. Damit sichern wir ihnen auf alle Fälle mehr Glück, als wenn wir fie durch ein gegenteiliges Verhalten vor die Gefahr stellen, einst zu verlieren und zu entbehren. Ob sie in der Lage fein werden, alljährlich rauschende Winterfeste zu veranstalten, wer vermag es zu sagen? Aber das stille, bescheidene Chanukalicht, das werden sie wohl immer entzünden können. Die Hauptsache bleibt ja doch, daß sie imstande sind, so recht aus vollem Herzen dabet zu sprechen: Gepriesen seift du, Ewiger, baß du uns ein wahrhaftes Leben geschenkt, unS stetS aufrecht erhalten hast und zu dieser Zeit gelangen läßt. , , , f. goatm&W 1880 j preußische Minister seine Genehmigung zur Verwendung des von der Gemeinde erworbenen, an den Friedhof in Ohlsdorf angrenzenden Grundstücksfür Frtedhofszwecke erteilt habe. Damit ist die Gemeinde in den Besitz eines auch den orthodoxen Anforderungen genügenden Frikdhofsgeländes gekommen. Für d'e nötigen Jnstandsetzungsarbeiten wurden vorläufig 50000 Mark aus Gemeindemitteln bewilligt. Es wurde dann ein Antrag deS Gemetndeoorstandes auf Nachbewilligung von 25000 Mark für das Armenwesen angenommen, mit der Anregung, daß die Gemeindebehörden an die Mitglieder zwecks Hergabe weiterer freiwilliger Spenden heran? treten. Es wird dann eine Komrmssion gewählt, die gemeinsam mit dem Vorstand einen neuen Statutenentwurf ausarberten soll. Der Gesamtvorstand hat dem Repräsentantenkcllegium die Abrechnung für das Jahr 1919 zur Genehmigung vorgelegt. Aus der G metndeabrechnung ist unter anderem zu ersehen, daß den Einnahmen von 415000 Mark Ausgaben in der Höhe von 453 000 Mark gegenüberstehen, so daß sich ein Fehlbetrag von 38000 Mark ergibt. Unter den Ausgaben steht an erster Stelle das Armenwesen mit 117000 Mark und das Wohlfahrtswesen mit 119000 Mark. Nach Bewilligung einer neuen T uerungszulage an die Beamten und die Gemeind-pennonäre wurden in geheimer Sitzung verschiedene Wahlen vorgenommen. Molen. Nelmgsng zweier beöeulenSer Rabbiner- Warschau» 28. November. Am 26. d. Mts. verstarb hier der bekannte „Madwiczer Nebbe", Rabbi Israel Tob, Mitglied des Rabbtntschen Rates der „Schlome emune Jisroel" in Polen. Edelreis aus herrlichem Stamme, einer alten altverehrten Rabbinerfamtlie entsprossen, bewährte sich auch Rabbi Tob als Führer und Letter in schwerer Zeit und wird von Tausenden treuer Anhänger beweint. Fist zur gleichen Zeit starb in Tschenstoschau der „Pfizer R bbe" Rabbi Ptnchas Just mann, ein Enkel des alten Gerer Rebbe., Auch die Anhängerzahl dieses hervorragenden Rabbi war sehr groß. An den Ehrmg leiten in Wa schau wie in Tschenftochau beteiligten sich viele Tausende irfy ep DrvDT Her EUanOernrom aus Oer üftraine. Warschau, 1. Dezember. Hunderttausende von Juden, Greisen, Frauen und Kindern, sind aus der Ukraine auf der Flucht und viele erfrieren bet der anhaltenden Kälte unterwegs oder sterben Hungers. Alle wollen nach Amerika, aber zunächst stießt der Strom der Nack en und Hungrigen von Podolien nach Oftgalizten, von Wolynten nach Kongreß- Polen. Die jüdischen Zeitungen Warschaus rufen die Juden Polens aber darüber hinaus, die gesamte jüdische Welt zur Hilfsarbeit für die Flüchtlinge auf. Galizien. öelcklagnakme 9er offgaMchen Synagogen- Wien, 2. Dezember. Wie man aus Krakau erfährt, ist in der letzten Zeit von den polnischen Behörden offiziell die Beschlagnahme von sämtlichen Synagogen in O stg alizten für militärische Zwecke angeordnet worden. Dagegen wurde bet den Ministerien des Innern und des Kultus schärfster Protest erhoben. Ts djedttr-glirnrakei. Die Verwii Hungen im Wicken Ralhaufe- Ara-, 29. November. Die tschechtche „Tribuna" bezeichnet die Vernichtungen, die im Prager jüdischen Rathaus am 16, und 17/NovemberHmgertchtet wurden, .als. ungeheuer. Das alte/' berühmte A rch t v ' d e s - j ü di sichen RaLh a usr s wurde v o l lst ä st d i gIe r w ü ff et. DieStkftunKsurkunden aus dem Mittelalter^ ^MurVest zerrisse« «nd aus dem Fenster geworfen, die altertümlichen- "wert-

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