Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1920)
- Date
- 1920-12-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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schwersten GöluS-Problem Wort und Geist der p"nin- Sie lehrt uns, das > jüdische Volkstum weder zu verleugnen, noch damit zu protzenihm weder —in lächerlichstem Widerspruch zu der in Aller Händen befindlichen Bibel — abzuschwören, noch ein den Nationen der Erde nachgeäfftes politisches Volkstum mit daraus abgelebten politischen Forderungen zu vertreten. Unsir unvergleichbares Volkstum liegt sicher geborgen im Schoße unserer „Religion". Fordern.wir, was ihr allein, der Thora und ihrer vollendeten Verwirklichung dient, so haben wir gut und zugleich auch klug gehandelt. Sine ilmsraae. ES gibt immer noch Leute, die glauben, auf dem Wege der Umfrage politische Klärung zu schaffen. Als würden nicht die Meinungen auch ungefragt, hart genug aufeinander platzen. Der. Volkskraftbund, geleitet von Dr. Bruno Wille, hat sogar eine Umfrage über den Antisemitismus veranstaltet und natürlich Antworten erhalten, wie sie der Fragksteller gewünscht hat. Eme Zuickrtft vom Breslauer Uuiversitätsprofessoc Dr. G. Kaufmann muß insofern mteressieren, als sie einen Punkt berührt, den wir erst vor kurzem an dieser Stelle^ aus A laß der Försterfchen Thesen r eingehend behandelt haben. Prof. Kaufmann schreibt: „Die bedauernswerte Hetze wird nicht überwunden werden, bis sich die vaterländisch gesinnten Deutschen jüdischen Glaubens entschließen, zornig anzuerkennen und zu beklagen: 1. Daß leider in dem Kriege der Prozentsatz der sich dem Kampfe Entziehenden bet den Juden höher war als bet den übrigen Deutschen. 3. Daß unter den Agitatoren, welche den deutschen Staat untergraben und in die gegenwä tige Slot ge« stürzt haben, die Zahl der Juden erschreckend groß ist. 3. Daß die Gewalttaten in München meist von ausländischen Juden g'gen deutsche Bürger veranlaßt worden sind. 4. Daß die unheilvolle Wirksamkeit der Cohn und Genossen, welche mit russischem Gelde in Deutschland die Revolution anzettelten, n'cht vergessen werden kann. 5. Daß der Untersuchungsausschuß gegen Htndenburg, Ludendorff usw. vorwiegend auS Juden bestand." Also der akademische Jugenderzieher wünscht hier nach altbekannten Mustern, daß sich das Judentum zu einer Schuld bekennen soll, die es nie begangen hat, nur fehlen ihm die M ttel der Inquisition, dieses Bekenntnis zu erzwingen. Was nützt nun alles zusammen getragene Material unserer Abwehrvereine, wenn em deutscher Hochschulprofessor immer noch offen und ungestraft von mangelhafter Pflichterfüllung der Juden im Kriege sprechen darf? Wenn er ab^r ein Avrücken unsererseits von den jüdischen Schädlingen wünscht, die vereinzelt leider in der Tat ihr Unwesen, zu unserem Schaden, treiben', io sei ihm ge'agt, daß, so lange die Ser Israel». Hetze nicht gegen diese, sondern gegen «ns alle, gegen Juden und Judentum hochgeht, eS heu jüdischen Verteidigern vollkommen unmöglich gemacht wird, die Augen nach dieser Seite offen zu halten. Den fünf Punkten stelle. wir nur einen entgegen: Bekämpft das Schlechte und Verderbliche ohne Verleumdung und Verallgemeinerung und Volksverhejtzung überall, wo ihr es findet und wir werden auf eurer Seite sein! Im übrigen möchten wir Herrn Wille, Herrn Prof. Kaufmann und allen, die an diesem leidigen Frage- und Antwortsplel beteiligt sind, dringend empfehlen, die neu erschienene Schrift von Hermann Strack unter dem Titel „Jüdische G htimgesetze" (E. R. Schuetschke u. Sohn, Berlin) zu lesen. Sie werden mit Strack nach der von ihm angestefittn gründlichen Untersuchung der Quellen zum Schluffe kommen, daß dem gläubig en Juden, auch den Christen gegenüber moralisches Handeln vorgeschrieben ist, und welche krasse Fäl'chungen die Schriften von Rohling, Ecker und D int er, die die Quellen der antisemitischen Flugblattsimsiut unserer Tage find, darstellen. Vielleicht nehmen sie sich auch die zum Schluß von Strack ausgesprochene Mahnung des Neuen Testamentes zu Herzen: „So stehet nun, umgüriet an euren Lenden mit Wahrheit und angezogen mit dem Panzer der Gerechtigk.it!" Stillstand und Fortschritt. (Eine Chanuftabetrachtuno)* Von H. S. (Schluß). Wohl ist das jüdische Volk zerstreut worden/ aber jeder einzelne Teil desselben tzteht dieselben Bahnen, lebt nach dem dem Gesamtvolke gegebenen Gesetze. Diese ewige Befäh gung, seine ihm von Goti vorgezeichnereBahn zu wandeln, ist wieder ein sicherer mumstößltcher Beweis, daß es nicht zurückichreltet, daß es mit» und vorwärtsschreitet unter den Völkern. So zeigt Israels große Geschichte es stets unter den bedeutenden Völkern lebend, oft zwar im Kampfe mit denselben, oft auch unterdrückt, ober doch bestehend in alter Weise, in gleicher W ise seinen Weg fortsetzend und so sich erhaltend. Feiern ioir ja jetzt wieder wie alljäh lich das Wieder belebungsfest unseres Volke-, die Wiederaufnahme seiner allen Bahn,, auf der eS eine kurze Zeit gestört und aufg« halten wurde. Der Shrerkönig wollte das Gesetz unseres Volkes abschaffen, seine Ausübung unmöglich machen, das' I "dentum vernichten,—den - Stern-Jsr-aels ßt. «. Setteverlöschen. Doch sein Reich ging in Trümmer während das jüdische Volk heute noch eine feste, gesetzmäßige Bahn wandert. Auch in dem letzten Jahrhundert hat Israel tiefe Erschütterungen verspürt. Ein neuer Gedanke erstand. Alles Bestehende sollte umgewandelt werden, besonders die Gottesanschauung sollte eine andere Form erhalten. Auch das Judentum wurde von dieser Bewegung ergrffen, sollte umgeformt werden, sollte sein altes, mehrt rusendjährtgeS Gesetz aufgeben, sich der neuen Idee unterordnen, Neue Ideen und neue Gesetze können aber das Weltsystem nicht ändern und auch das Judentum nicht. ES hat noch immer diese Ideen in ihren unwahren Teilen überlebt und wandelt seine Bahn weiter/ es wandelt seine Bahn fast unbemerkvar, aber stetig und ruhig, und bleibt unserem Gesichtskreise nahe/ während die neuen Ideen bald von anderen verdrängt werden. Fortschritt kann, wie schon gesagt, eine Sinnestäuschung sein, kann falsch ausgefaßt werden. Und wenn man in unserem Jahrhundert immer behauptete, das Judentum verschließe sich allen neueren Wahrheiten, allen Fortschritten der W>ffenschaft, sei Feind der Bildung und Äufk ärung, so ist das einfach eine Unwahrheit oder eine Unkenntnis von besten Geschichte. Wo man den Juden nicht mit Gewalt zurückdrängte, da hat er sich niemals der Wissenschaft und Bildung verschlossen. Der Geist des jüdischen Volkes ist.viel zu Ubhaft und die Erhabknhett seiner Gotteslehre von Anbeginn seiner Laufbahn an zu sehr aus daS reine Denken hin gerichtet, als daß eS nicht, da. es doch unter allen bedeutenderen Kulturvölkern der alten wie neuen Welt lebte, hätte Teil nehmen unh Jntereffe haben sollen für die geistige Bewegung dieser Völker. Näher liegt unS die Zett der Juden in Spanien, und wir wissen, wie hochgebildet ein großer Tpil der spanischen Juden war, wie viele b.deutende jüdische Aerzte, Philosophen, Aftronome, Diplomaten, Grammatiker und Dichter es dort gab, die aber zugleich bedeutende Talmudgelehrte und streng gesetzestreue Juden waren. Als die griechische Bildung mit dem Eroberungszug Alexanders des Großen in Ästen vordrang und es eroberte, so daß die griechische Sprache und Wissenschaft dort hämisch wurden, da kam das jüdische Volk unter griechische Herrschaft. Viele Juden haben sich nicht nur griechisches Wissen angeeignet, sondern fanden noch mehr Gefallen an den griechischen Sitten und am griechischen Leben. Wenn nun die, welche damals sich die „Gebildeten" nannten und das jüdische. Gesetz mit. Htlfe der^Sprer..unb.Mttkchen Zahl zünden sollen und begründet diese feine Ansicht D’MSJ’i v'w mit bem Ausblick auf die kommenden Tage, in denen das Licht jüdischer Lebenswah'heit und Lebenswetshet, lmm?r trüber und trübe, leuchten wird, in denen verschwunden sein wird Hasmonäermut und HaSmonäerbegetsterung, in denen viele dem Judentum, für das unsere Verfahren gelebt, getämpft, gelitten und gesiegv haben, den Rücken k« hren werden aus niedriger Selbstsucht oder aus Feigheit, aber der den Juden eigene Optimismus läßt uns die Lichtiein in aufwärts steigender Zahl zünden. Denn wir sind Überzeugt, daß das L'chr, das uns leuchtet, schließlich siegen wfrd über die Vorkämpfer der ewigen Finsternis, daß die Flamme, die uns unseren LebenSPfad erhellt, die P'ade aller erhellen' wird, und mögen diese Psade noch so weit ab von den unsrigen liegen, daß sich um die Fahne, die wir heute allein hochhallen, schließlich die ganze Menschheit schauen wird, denn unsere Fahne ist jene alte Fahne, die unsere viarionalhelden in ihrem Krieg gegen die Feinde der Wahrheit begleitete und auf der als Schlachtruf die ewige Wahrheit eingegraben war, daß unser Gott es ist, der die Wett lenkt und leitet, daß Er eS ist, von dem Stärke und Steg stammen. K 1 Die Lichtlein, die UnS nebst d?r Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit unseres Volkes auch unsere eigene sonptge Jugendzeit vor die Seele zaubern, sie richten uns auf m den trüben Tagen unserer Gegenwart, sie flößen unS Müt ein, den Kampf gegen alle Feinde unserer teuersten Güter aufzuneymen, sie weissagen uns, daß wir siegen werden/ — darum vorwärts zuw Kampfe und aufwärts zum Stege! — Kirmes Femlima. Licht voraus! Von Heinrich Einstädter. Unsere Ch^nakafeter zeichnet sich durch ihre Einfachheit aus. Sie erfordert keine großen Vorbereitungen und keinen bedeutenden Aufwand/ sie stillt nicht hohe Anforderungen an Kraft und Zeit, sie verlangt weder Jestgewand noch Einstellung der Arbeit. Und dennoch ist ihre Einwirkung auf unser Gemüt eine lo ttefpehende. Biele Wochen vorher freuen sich schon die Kinder auf sie, und auch die Erwachsenen zeigen sich empfänglich für den Zauber, der von ihr ausgeht. Unsere Gedanken schweifen zurück bis in die Zeiten der früheren Kindheit. Es ist tiefer, eisiger Winter. Die kleinen Butzenscheiben der kalten, mit roten Backsteinen belegten Küche sind noch nicht ganz aufgetaut, obwohl eS schon Rachmittag ttt. Im Herd brennt ein flackerndes Retfigfeuer, über dem die fromme Mutter gelbes' WachS erwärmt, um es mit geschickten Händen an den Docht zu streichen, den sie vorher an das Küchenfenster gebunden bat. Neoen ihr steht ihr kleiner Knabe, nicht achtend der strengen Kälte. Er will doch sehen, wie die Chanukakerzchen gemocht werden. Schon vor Wochen har er die Mutter gebeten: ,-Nicht - wahr, Mutter, du sagst mirS doch, wenn die Kerzchen gemacht werden"? Und jetzt schaut er aufmerksam zu, wie der lange Wachsstock zerschnitten wird. Er sucht die größten Kerzen für SchabboS auS und freut sich d»S «ohl- I gelungenen Werkes. x Emt»e Jahre später begeht er das Fest in der Fremde. Auch dorthin schickt ihm die gute Mutter die Kerzchen und er entzündet sie im Verein mit vielen Genossen, die gleich ihm, die jüdische Schule besuchen Im großen Speisesaale der Anstalt sind alle.Fenster beleuchtet und die Knaben stehen mit strahlendem Gesicht vor ihren Lichtern. Da steht man „Lhanukaeisen^ von allerlei Form, Schiffchen und Kästchen, Schlangen und Leuchter, Gleichmäßig aber ist — die Freude. s.... Und wieder vergehen Jahre. Aus dem Knaben ist ein junger Mann geworden. Zum ersten Male will er Ehanuka in der großen Stadt feiern, in die ihn sein Beruf geführt hat. Er ist auf dem Wege zur Synagoge, doch nicht allein! Bon allen Seiten her streben frohgemute Menschen dem Goiteshause zu. Auf jedem Antl tz liegt die Festesfreude. Kein Geschäft hält sie zurück am heutigen Tage. Heute wollen sie auf jedem Fall dabet fein und zuschauen, wie der Vorbeter — eme Kerze ertzündet.- Woher rührt aber diese seltsame Erscheinung? „Nicht Neumond und nicht Sabbat ist", und doch diese festliche Stimmung? Ist es möglich, daß der gefchtchtliche Anlaß dieser Feier all die Empfindungen der Freude ausgelöst hat? Keineswegs! Wohl vermag uns die Erinnerung an dle Hel-enkämpfe der Makkabäer zu begeistern und diesichtliche übernatürliche Eingreifen deS Allmächtigen zu Gunsten jenes Häufleins frommer und opferwilliger. Menschen ist geeignet, unser Gottverträuen neu. zu beleben und zu entstammen. . Aber welcheunserer - Feste enthjchri e eines, historischenHintergrundes, der nicht die gleich» Wtrkung. erzeugen»künnle?-i Sl«ts hat stch.doch fp,.der; Bergan genhetr unsere-. Bo i ke», üezeigl,.daßMoltnden Schwachen gegen die Starken, den Wenigen gegen die