Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-12-09 · Heft 49 (9.12.1920) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 49 (9.12.1920)
Date
1920-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450134--68603-2525350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 8 *fc. # pf^t. Er ist ein Schulbeispiel für den Pflicht, krteg, bei dem, nich Talmud Sota, olle im V. B.M.vorgesehenen Ausnahmebestimmungen für Unfähige und Unwillige glatt aufgehoben sind. nnBinp 71721 *mnö ht fnn vrax. Dieses eiserne Muß wirkte noch an zwei Jahrzehnte nach dem Anfangserfolg bei. Modin'nach und erhielt das Auge wach und die'Waffe scharf. Und dann war der ganze geistige Gewinn der Helden durch di« Makkabäer selbst'' bereits in der zweiten, Generation in Frage gestellt worden. Damals ichon — es war der Brennpunkt in der EntstehungSzeit der Mtfchna - - brachten Israels Weiien den Siegespreis MatiSjohus und Judas rechtzeitig in Häusern der Lehre, abseits vom Lebrn und Kampf der Straße, unter, wo er unversehrt blseo,^Ns hundert Jahre später die ganze staatliche M^rrl chkeit närh unsäglichen Uebkr.qangslMU in Trümmer geschlagen war. Dieser MMWhlieb bis auf den'kieütigen Tag, sodaß wirmMilöH 1880 Jahre nach Untergang des von den Mikkabäern zweihundert Jahre vorher wiederhergestellten Reiches mit Lichtern feiern dürfen und — mit Vorschriften, die mit liebe, vollem Eingehen ins Etnzelste und Kleinste diese Lichter behandeln. Noch nie tateS so sehr not, sich diesen historischen Sachverhalt vor Augen zu halten, wie heute. In hundert "Festreden wird" in dieser Lichterwoche die Chanukageschichte wissentlich und unwissentlich gefälscht)' mißverständen und mißdeutet. —: - -:r Es mißverstehen und mißdeuten ste alle, die im Zusammenhang mit" ihr"Mn Krieg und Kraft, Macht und Musktln sprechen! Ein historisches Mißverständnis ist es, wenn an Universitäten jüdische Studenten unter dem Namen „Mukkabt" schlagende Verbindungen bilden. - Und mehr als das, ein Verstoß gegen den Geist der Geschichte ist es, wenn man im Lande der Väter Juda, den großen Makkabäersohn, in blauweißem Gewände zum Schutzpatron von jüdischen Legionen nimmt, die etwas anderes bezwecken, als jüchches Lben und jüdisches E'gen. tum vor Räuber- und Mörder Hand zu schützen. Es ist durchaus begreiflich. wenn sich in Polen oder in der Ukraine jüdische Selbstwehren bilden, um bedrohte Brüder und um ihre Ehre ringende Schwestern zu schützen. Und Fluch über den, der bet solchem Selbstschutz aus Feigheit oder Eigenliebe zurücksteht. Es ist auch richtig und r atürlick) wenn im heiligen Lande „Sckomrtm" das auf Väterboden^ mit Tränen erworbene jüdische Gut mit starrer Hand vor Dieben und Räubern schützen. Es ist abr nicht richtig und nickt von Nutzen, Wer JSraelft. von Kampffreu de zu sprechen und Männer, die * hierin still ihre Pflicht tun sollten, mit dem Heiltgennlmbus des Nationalhelden zu umgeben, dem man gelegentlich sogar den Sabbat opfern dürfe ... Lassen wir uns zum achtzehnhundertfünfzigsten mal von Ehanuka im Golus belehren, daß das L-cht uns-erhalten blieb längst nachdem das Schwert — auch das Makkabäerschwert — zerbrochen war. ■ Wochenniiidschaii. Mli-erhMrechle und 1 J nDonale AujWmk. Die Schnelllkbhkeit ^unserer poltll ch n Entwicklung wirkt, wenn man einen Augenblick zur Besinnung den Atem anhält, geradezu unheimlich. Vor zwei Jahren schuf der Streit um die „nationalen" Mtnderhettsrechte der Juden in den Golusländern eine bis zur Siedehitze gesteigerte Kampfstimmung innerhalb des jüdischen Lagers in Ost'Und West und lieferte sogar in dem engeren Kreis der demschen gesetzestreuen Juden heit reichlichen Zündstoff. Hente herrscht — die Ehrlichen in allen Parteien geben es zu — Katzenjammerstimmung und Resignation. - Man merkt allmählich, daß es nicht auf die Etikette, nicht einmal hauptsächlich auf die Flasche, sondern auf den Wem ankommt, und daß die er in religiöser, nationaler, kultureller Aufmachung'' kraft'pendend oder rötlich sein kann. Die „nationale Autonomie" wirkt in dem einzigen Lande, in dem sie ohne scharfe Widerstände des Staatsvolkes, gewährt wurde, in Litauen, politisch sehr gut, hat aber in reltgiö er Beziehung schon recht verheerende Korst quenzen '— darüber ein anderes Mal — gezeitigt. In allen anderen Ländern mußten unsere Brüder die Nachwirkungen des poetischen Nationalismus und seiner törichten, manchmal frevelhaften Desperado-Politik an Leib und Leben büßen, trotzdem nicht ein»- al auf dem' Papier der von diesen Kreisen erstrebte Erfolg etngetreten ist. Unter dem täuschenden Lärm und den Reklämeberichten der nationalistischen Presse ist vielfach die Tatsache überhört worden, daß die jüdischen Minderheitsrechte in dem wichligften Lande, in Polen, nach dem Friedensvertrage durchaus keine nätionalen Rechte sind. Vielmehr vermeidet der polnische Vertrag ausdrücklich die Anerkennung verschiedener Nationalitäten, •; Dezember 1980 spricht vielmehr die G samtbevölkerung als „polnisch-national" an. {Report of the Delegation of the Jews of the British Empire pag. 27). Er wahrt die Rechfe der „polish nationale belonging to racial, religious or linguistio minonties“, wendet also die Bezeichnungen „Nation" und „national" auf den Staat an, während er die Volksgemeinschaft im blutmäßigen und sprachlichen Sinne als „Rasse"" betrachtet. Auch die Deutschen in Polen gelten als „P 0 l e n d e ut s ch e r Z u n g e" (Brief Elsmeueeaus an Paderewski vom 24. Juni 1919. a. a. O.) Es ist also im großen Ganzen — von dem wichtigen Punkte der Sicherung des Sabbats abgesthen — durch die Friedenskonferenz Merkwürdchei weile das Programm verwirklicht worden, das die polnische-Agu da unter der Führung Dr. Kohns jahrelang als die politisch und religiös einzig gangbare Marschroute vertreten zu müssen glaubte. Schade nur, daß durch die vorangegangenen Uebertreibungen der nationalistischen Politik soviel verdorben worden und Lloyd George recht gegeben worden war, der den zionistischen Führern, als sie die nationale Autonomie für die Juden Polens forderten, schon 1916 gesagt haben soll: „Autonomie bedeutet Verderben." Nun kommt den Gegnern des politischen Nationalismus Unterstützung von einer'Sette, von der sie sie am wenigsten zu erwarten hatten — von Max N or diru. Der greise zionistische Feuerkopf veröff ntlicht in der Brüsseler „Hattkwa" einen scharfen Artikel, in dem er das zionistische Bestreben, „die Juden als Minderheitsnation mit besonderen politischen Rechten und speziellen Privilegien zwischen andere Völker einzuordnen" für „höchst absurd und schädltch", für die Ausgeburt des „Gehirnes politischer Amateure" erklärt, die „unfähig seien, die direkte oder indirekte Folge ihrer Handlungen vorauszusehen oder einzuschützen." Es könne nur zwei Arten Juden geben. Solche, die entschlossen seien, so rasch als möglich nach Palästina überzusiedeln und die sich daher in ihren jetzigen Wohnorten als Fremde fühlen und benehmen müßten, und die anderen, die bleiben wollen, denen man um keinen Preis den Makel des Fremdseins mit allen Konsequenzen aufdrücken dürfe. Man überliefere sie sonst dem Untergang Sie müßten sich darauf beschränken „Bekenner des mosaischen Glaubens" zu sein. Uns dünkt, daß Nordau in seiner alten Liebe zu Paradoxen und Radikalismen das Kind mit drm Bade ausschüttet. Der einzige rechte Wegweiser ist, wie wir das früher wiederholt autzführten, auch in diesem Josephs Traumdeutung und das Mnukawunder?) Bon Rabbiner Dr. Hermann Klein 1 W mm§: Joseph belehrt in seiner Traumdeutung Pharao, baß nicht dasjenige, was uns als stark erscheint, in der Ta» stark ist, und nicht dasjenige, was wir schwach *) Im Verlag von Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M., ist unter dem Titel 1121» v»v» eine ISS Seiten starke Schrift erschienen, die „zeitgemäße homiletische Betrachtungen zu den Festtagen" von Rabbiner Dr. Hermann Klein enthält. Der Autor ist den Lesern deö „JSraelit" kein Fremder. Auch diese Homilien zeichnen sich durch die Form wie den guten belehrenden Inhalt auS und werden mit ihren warm-jüdtfchen Tone nicht verfehlen, Liebe und Begeisterung für das Thorajudentum zu wecken. Aus det ersten Cjanukabetrachtung (eS sind deren drei in der Schrift enthalten), bringen «ir hier den zweiten Teil, wobei wir aber Jedem raten möchten, die Lektüre des ganze« BvcheS auf sich etnwirken zu lasten. nennen, auch wirklich schwach ist, daß -Stärke und Schwäche an sich nicht über Sieg und Niederlage entscheiden, daß es einen Gott gibt, der Herr des Sieges ist und ihn demjenigen verleiht, den er als wü big erkennt und daß äußere Machtmittel hierbei garnichts bedeuten. „Nicht durch Heeresmacht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist geschieht Alles, spricht Haschem Zebaoth". Diese Lehre, die, wie wir auseinandergesetzt haben, sich uns auS der Betrachtung der Träume deS AegypterkönigS ergibt, , ist dieselbe Lehre, die sich unS auS der Betrachtung der Chanukageschichte ausdrängt. Die Schwachen besiegen die Starken, weil es der Geist Gottes war, der diese Schwachen in ihren heiligen Krieg trieb, weil eS. die Gefährdung der heiligsten Güter war, die ihnen das Schwert in die Hand drückte. Nicht die nationale Selbständigkeit war es, die sie erkämpfen wollten, nicht, um äußere Güter war es ihnen zu tun. So lange nur solche auf dem Spiele standen, waren sie ruhig. Dulden wollten sie ja Alles, wenn man nur nicht das Allerheiltgste angelastet hätte. AIS man aber die Hand an das Heiligste, als mandie Axt an den Lebensbaum des jüdischen Volkelegte, als man daran ging, dem jüdischen Volke die Lebensadern zu unterbinden, als man das Judentum — nicht die Jubenheit angriff, als man ste für eine Lehre gewinnen n ollte, die der ihrigen entgegengesetzt war, als man ihnen eine LebenSanfchauung aufzwingen wollte, in der Schönheit an Stelle der Wahrheit herrschte, in der Ebenmaß und Harmonie, Geist und Stärke ersetzen sollten, da g'iffen sie zum Schwerte zur Verteidigung der jüdischen Wahr, heften, der jüdischen Lehre, der jüdischen Heiligkeit und der jüdischen Reinheit. Und nur eine schwache Minorität aus dem Kreise der Juden zog da- Schwert, denn die überwiegende Majorität hatte ohne jegliches Bedenken den ihnen angebotenen Tausch angenommen Die Mehrzahl fand an der Lehre ihrer Feinde Gefallen Die verweichlichenden Lehren hielten Einzug in die Häuser der jüdischen Familien. Und diese waren, wenn wir der Sache auf den Grund gehen, die w hrhaft Unglücklichen. Der königliche Sänger gibt diesem Gedanken in einem kurzen, bedeutungsvollen Satze den t effendtten Ausdruck, onn 21K wdbo arh 182 NI'I. „Und er sah ihr Elend, alser ihren Jubel hörte". So lange sich der Jude besten bewuft bleibt, daß es für ihn keine Brücke in ändere Kreise gebe, ist er nicht unglüalich. Wenn er aber sich eine Notbrücke zu bauen ve'mtßt und den Weg sich erkämpft in das Lager unserer Feinde» und — an ihren Freuden teilntmmt und in ihren Jubel miteinstimmt, dann ist er elend. In einem solch n Elend lebten die meisten Juden der Borhasmonäeizeit. Nur ein Krüstlein Oel war rein, nur eine Familie war da, in der die Begeisterung für Gott und sein Gesetz rein dlteb, und diese Familie, die klein und schwach war, griff zum Schwert, zog in den Krieg und erfocht den Sieg. Da8 eine Krüglein, das nur für einen Tag reichen sollte, reichte für acht Tage. Darum sollen wir auch die Lichttein in aufwärts steigender Zahl zünden, um uns zu vergegenwäriigen, daß die reine Flamme der Gotteserkennmis, wenn sie auch nur Wenigen leuchtet, wenn sie uuch nur einen kleinen Kre>s erhellt, ja selbst, wenn ste nur auf dem Herde einer einzigen Familie gepflegt wird, den Sieg über alle- Unreine, Unwahre und Unjüdische davontragen muß. daß sie immer wachsen mutz, dis sie zu einem Flammenmeer wird. Wir dürfen .nicht entmutigt werden, wir dürfen.uns nicht beirren lasten, nicht durch die scheinbaren Triumphe einer unS feindlichen LebenSanfchauung und auch nicht durch die Fahnenflucht unserer Brüder. Einer unserer Weisen meint zwar, daß wir die Ltchtlein in abwärts steigende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.