Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 20-21 (20.5.1920)
- Date
- 1920-05-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450088-2450107--68244-2525336- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Ammiel 1× ep/1003420
OCR text
Seite" 10 Nr. 20 u. 21 20 Mai 1930 £»iffe rarisc^e^X^arte I Sabbat, Sabbatpsalm und Kabbala nach den Kapiteln des % Meser. Ti ’D"id)- l. 1. „Zehn Dinge wurden am Freitag in der Dämmerung geschaffen: Die Oeffnung der Erde (für Korcch), die des Brunnens (in der Wüste), der Mund der Eselin (Bilams), der Regenbogen, der Stab (Moschehs), das Man, der Schamirwurm, die Schrift, das Geschriebene und die Tafeln - einige sagen: auch die Schädigenden und Moschehs Grab und Jizchaks Widdernoch andere fügen hinzu: die erste (geschmiedete) Zange". Wie R. Elieser die Schilderung der hieniedigen Welt mit der Zchnzahl der „Herabsteigungen Gottes", der Stationen des Weltenverfalles beginnt, so leitet er auch die Darstellung des hieniedigen Heilighumes mit einer Aufrechnung ein. Es sind die zehn, diesen Abweg hemmenden, ja teilweise in einen Weg zu Gott verwandelnden Heileswerke. Die Beseitigung der Korahiden, der Feinde jedes in menschliche Lebenserscheinungsformen greifenden Gesetzes aus der Mitte der Gottesgemeinde gehört edenso dazu wie die wunderbare Speisung der treuen Herde durch Brunnen und Mandie Lächerlichmachung des Verleumders Bileam ebenso wie der Stab der Erlösermacht Moschrhs und wie der Wunderbau (Schamir) des Sühneheiligtumes. Das sind die Marksteine der Heilung am jüdischen Leidenswege, dessen Letter Schrift und Inhalt des Gotteswortes sind. Die Gesamt- Menschheit soll genesen: am Zeichen des Regenbogens. Er sendet nicht das eine weiße Licht, sondern deffen vtelfarbenen Teile aus. In ihm aber erkennen die Menschen, wie einheitlich die scheinbare Mannigfaltigkeit der Schöpfung begründet ist- und sie brauchen sich nur als solche Einzelteilchen im Weltgeschehen bekennen, um diese Einheit in Gott zu verstehen und zu ihm zurückzufinden. Zwar sind seit jenem ersten Sabbat (s.R. Hirsch) die Schöpfungstage abgeschlossen und ist seitdem das Werden und Wachsen auf die Welt des Willens befchränkt, der nunmehr die Aufgabe hat, der Welt in Mühe und Fleiß den Stempel der menschlichen Arbeit, des Bewahrens vor dem Verfalle aufzudrücken, sie zu bearbeiten und zu behüten. Aber genannte zehn Dinge sind so sehr irdisch und doch wieder so sehr von Generation zu Generation fortschaffend, daß man sie nicht ohne Grund als Uebergangsformen zwischen Schövfungswerk und ewigem Geistesleben, zwischen Welt und Sabbat ansehen darf. Moschehs Tod als Läuterung der Edelsten, Jizchaks Opferung und die Beherrschung der Welt durch das Feuer (der „Schmiedezange") kennzeichnen sich als nicht unähnliche Gnadenwaitungen Gottes, die dem Menschen (Pf. 8, B. 5) „wenig vom Göttlichen fehlen lassen". — 2. „Zur siebten Tagesstunde des Sabbatrüsttags betrat der erste Mensch den Garten Eden. Die Engel des göttlichen Dienstes huldigten ihm und führten ihn hinein. Schon in der Dämmerstunde desselben Tages ward er vertrieben. Als er auszog, spräche» die Engel über ihn den Vers: „Und der Mensch übernachtet nicht in der Ehredem Tiere gleich verstummen sie". Nicht: „verstummt er", sondern wie Tiere verstummten Beide. Da kam der Sabbattag nnd wurde ein Fürsprech dem ersten Menschen." Der Abfall von Gott führt die Menschen^ paare immer weiter von jenem Gott durch die Tat lobsingenden heiligen Miternanderleben fort, das erst, die allwöchentliche jüdische Gottesfeier wieder einführt. Der Sabbat sprach zu Gott: „Herr der Welten! In den ersten sechs Tagen ist kein Todesurteil in der Welt vollzogen worden, bei mir fängst du an. Ist das meine Heiligkeit, das mein Segen?" Durch das JTDT des Sabbat ist der Mensch vom Gerichte des ewigen Verfall femrs des Gehinom bewahrt geblieben. Da sah Adam die Macht des Sabbat ein und sprach: Nicht umsonst hat Gott den Sabbat gesegnet und geheiligt", und er begann zu singen und zu jubeln dem Sabbattage. R. Jtschmael sagt: Den Sabbatpsalm hat der erste Mensch gesprochen, und er blieb allen Generationen vergessen, bis Moscheh kam und ihn erneute, wie es heißt: „Psalm und Lied für den Sabbattag", für den Tag, der ganz Sabbat und Ruhe ist, für das Leben der kommenden Welt. Für dieses Lied hat ersvMoschehs Gesetzgebung wieder gewonnen - daher auch in der ganzen Zwischenzeit der Psalm nicht im Menschengeiste Platz hat. „Gut ist es Gott zu danken. Der erste Mensch sprach: An mir mögen alle Zeiten lernen, daß es „gut" ist, daß jeder, der seine Missetaten etngesteht (hodoh-danken) und sie abtut, vom Gerichte des Gehimmom errettet wird". „Morgens deine Güte zu verkünden", d. h. allen für die morgengteiche Ewigkeitswelt Reifen. „Und nachts deine Güte", d. h. den Bewohnern des nachtgleichen Diesseits - sie alle mögen künden und sagen von seiner Treue und Güte, daß Er mich aus dem Gerichte der Verfallswelt befreit.^ In sabbatstillen Stunden hat selbst der Gottloseste, und am wahren Sabbat der Jude den Schmerz der Seele zu spüren, die nach Ewigkeit sich sehnt. Doch er vergißt nicht, in welcher Nachtwelt diese Seele schmachtet, und lobpreist Gottes „Treue", die ihm bis zum ersehnten Morgen durchhilft, und Seine Gnade, die ihn zum Ueberstehen des täglichen Kampfes stärkt. Der verzweifelnde Sänger der Klagelieder freilich mag, wie Jona im Schiffe, die Nacht als Balsam der müden Seele betrachtet und gerade den jungen Morgen (Thr. 3,24) als die Zeit der stets neuen „Treue" des helfenden Allgüiigen erlebt haben, die ihm den Schmerz des Erschauerns beim Eintritt in die wirkliche Welt lindert. 3. „Auf Zehnsait und Navel". Alles bewährte Zeugnis in Israel erging durch 10. D'e Harfe, auf der David spielte, hatte 10 Saiten, die Zeugen (die Zeugenschaft, wo es möglich ist, Jore Tea 265,6) des Beschnetdungsbundes sind 10 Leute, die der Toten (Sterbenden) zehn, die der Schwagerschridung (s. Eben haeser 169,12 und anschl. Seder, wo die „Kapitel" zitiert sind) zehn, die der Hochzeitssegenssprüche zehn, wie im Buche Ruth heißt: „Boaz nahm zehn Männer". Gott sprach: „Ich ziehe Israels Sinnen dem Garfenspiele vor", denn so spricht unser Psalm vom Sinnen (Higgajon) v or der Harfe. „Denn du erfreutest mich, Gott, mit deinem Werke". Adam sprach: Gott hat mich erfreut, in den Garten Eden geführt, mich das Herrschen und Schwlnden der vier Weltreiche sehen lassen und mir den Sohn Jeschais in der Zukunft herrschend gezeigtda nahm ich 70 von meinen Jahren und fügte sie zu denen des Letzteren, wie der Psalm sagt: „Tage auf die des Königs fügst du hinzu, seine Jahre wie von Generation zu Generation". Jede Generation — 35 Jahre. 2X35!Z 70 - Adam lebte 1000 Jahre weniger 70. Diese 70 hat er dem David „geschenkt". Der Sinn ist: Hätte Adam seine Bünde nicht eingestanden und gebüßt, nämlich durch einen 70 Jahre früheren Tod, so wäre die Welt nie mehr wert des hieniedigen Auftretens des Moschiah geworden - so sehr wäre sie verfallen. Anders ist der Passus nicht erklärlich, da David doch im Ganzen nur 70 Jahre alt geworden istohne Adams Selbstbescheidung hätte Israel ihn nie erlebt. 4. „Wie groß sind deine Taten, Gott", aber die Tiefe deiner Gedanken ist ein unergründlicher Abgrund. Hiermit mögen die Gerichte Gottes gemeint sein, deren Gerechtigkeit der Mensch im Weltenlause nicht erkennt. „Der leere Mann erkennt es nicht", ein Mann-in Israel, der leer von Einsehen ist, den mögen Israels Weisen belehren, wer aber im Götzenwissen bewandert ist, gilt als Sinnloser, denn er kann keinen Begriff für die Thora haben, „und ein Narr begreift dieses (soth hattorah) nicht" — Narr, selbstgewordener Nichtdenker, Eigensinn, — das ist das rechte Wort, „Lendennarr" der rechte Vorwurf für den, der von der Thora abgeirrt, Eigenmächtigkeiten begangen N7>2 lai-v DiTöa cnnnKi 12b bz z unb diese hinterher durch ein „System" gerechtfertigt hat. Das System aber ist Götzendienst. Krankhaft erscheint uns heute, was unsere Väter so nannten, und doch war obige Systemsucht die Wurzel dieses Götzendienstes. Heute feiert diese Bejchönigungsmache in der „Kunst" ihre Orgien. „Wenn Frevler blühen wie Kraut ..." — Sieht man Frevler wie Kraut die Erde bedecken und sprossen alle Systemvergötterer, die, wie ihre Werke, selber Unrecht und Bosheit sind in den Tagen des Moschiah, so hat Gott sie nur vermehrt, um sie von dieser und jener Welt zu tilgen, „sie zu vernichten für ewig". — In diesem Zustande sah David die Gottlosen und Götzendiener sprossen und sprach nicht Hallelujah, bis er ihren endlichen Untergang geschaut, wie es (Ende Ps. 104) heißt: „Die Frevler schwinden aus der Welt, und die Sünder sind nicht mehr da — Hallelujah So ist das „Werk der Gerechten und Ungerechten" am Sabbat an die Stelle der vollendeten Schöpfungstättgkeit getreten. Jetzt hat der Mensch, der Wille, das Wort. Jetzt kann er seine Scheinfreiheit zur wahren, seine Herrschaft über die Schöpfung zur wirklichen gestalten oder — mit ihr verfallen. Der Schein oder das Sein, das ist jetzt die Wahl. Der Mensch kann jetzt durch Ablegen der Sünde, durch Ueberwinden der Schwäche, die Krone der Schöpfung werden, der lebende, verwirklichte „Sabbath^,. 5. „Und dann ist Gott erhaben über die himmlischen wie über die irdischen Wesen- und du bist erhaben in Ewigkeit, Gott!" — Israel sprach vor Gott: „Herr aller Welten! Unsere Feinde haben ein schweres Joch auf unseren Nacken geladen, aber wir wissen, .daß es zu ihrem Verderb ist, — denn siehe, deine Feinde verderben". Wie die Spreu im Winde, so „zerteilen sich die Täter des Machtmißbrauches". — „Du erhobest wie das Rem mein Glückshorn." Wie des Rem Hörner höher als die aller Tiere sind und nach rechts und links stoßen, so sind die Hörner der Macht des Menahem ben Ammiel ben Joßef gewaltiger als alle sonstigen, und er stößt in alle vier Himmelsrichtungen. Ueber ihn spricht Moscheh: „Der Erstgeborene seines Stieres —Herrlichkeit ihm! Rems Hörner sind seine Hörner — und mit ihm die Zehntausende Efrojims, und mit ihm die Tausende Menaschehs!" Gegen ihn erheben sich Könige, wie der (zweite) Psalm spricht, ihn zu erschlagen. Israel im heiligen Lande in großer Notsetne Not aber verwandelt sich in „oltvenstetes Blühen". 'Israel im heiligen Lande sieht den Sturz der Hasser- „da schaut mein Auge meine Dränger, wenn Frevler gegen mich aufstehen, so hören es meine Ohren." Bis hierher die Schilderung, im Buche die einzige, des vormessianischen Zeitalters. Keine „goldene Aera", eher das Gegenteil: eine Zeit aus deren Not nur Gott retten kann. Den Kultus, der mit menschlicher Macht getrieben wirb, die Stellung, die ihr weit oberhalb des Rechtes zufällt, kann selbst in der Gedankenwelt nur durch ein Ereignis entwurzelt werden, welches wir den „Tod des Moschtah ben Josef" nennen. Das ist der Tod des letzten und edelsten der ewalth errsch er, des Mannes aus dem Hause Joßef, das längst prophetisch bestimmt ist, alles den übrigen Stämmen angetane Unrecht ari „Eßav" zu rächen. Denn Israel soll nicht durch Gebrauch der Gewalt, sondern durch ihre Verachtung sie bekämpfen lernen, darum fällt der der Mafchioh ben Josef. Am hieniedigen Sabba? schon unterläßt der Jude jeden ^veränderten Ein-