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Der Israelit · 1920-05-20 · Heft 20-21 (20.5.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 20-21 (20.5.1920)
Date
1920-05-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 10 «. 21 »er Israelit 13. Mai 1930 sitionen bei Juden beklagte und auch die Frage der Sonntagsruhe zur Sprache brachte. Der Minister zeigte Verständnis für die Wünsche der Juden und gab die Versicherung, an deren Erfüllung mitzuwirken. Der Geheimbericht über 9ie polnischen Zuöenpogrome- Amsterdam, 6. Mai. Im englischen Unterbause erkundigte stch ein Mitglied, wann der Bericht der Ksmmissrvn Sir Stuart Samuels über die Lage der Juden in Polen veröffentlicht werden soll. Cecil Harmsworth erwiderte, der Bericht werde baldigst dem Völkerbundrat vorgelegt werden, da es sich hier um eine Angelegenheit handele, für die der Völkerbund zuständig sei. „Westminster Gazette" bemerkt hierzu, viele Leute würden argwöhnen, daß für die Nichtveröffentlichung des Berichts über die Judenverfolgungen weniger die Achtung vor den Rechten des Völkerbundes als der Wunsch maßgebend sei, im gegenwärtigen Augenblick keine Ab neigung gegen die Polen hervorzurufen. GnAland. bonöoner Brief- Gemeindewahte» in der United Synagogue. — Misrachi und Aguda. London, 12. Mai. Am letzten Sonntag fanden in den verschiedenen Synagogen der Londoner Gemeinde die Neuwahlen statt. Man glaubt dabet eine Zunahme des Interesses namentlich der jüngeren Elemente haben feststeüen zu können. Interessant waren die Vorgänge in der neuen Westendsynagoge, wo die Herren Spielmann und Adler zwecks „Hebung der» religiösen Gefühle" die ältesten Ladenhüter der Reform zu einem Antrag verdichteten, der die Einführung des dreijährigey Cyklus bei der Thoravorlesung sowie englische Gebece verlangte. Der Antrag wurde, wie nicht anders zu erwarten, mit großer Mehrheit abgelehnt, nachdem ihm Lord Swaythling und Elkan Adler energisch entgegengengetreten waren. Die Auseinandersetzung zwischen Misra chi und Aguda hat jetzt ihren Weg auch in die englische Prepe gesunden, nachdem sich ein Führer des Misrachi in einer öffentlicher Versammlung in ziemlich persönllcher Schärfe gegen die Uebergabe des Memorandums der Warschauer Schlome Emuny Jisrvel in Sachen der Paläftinaeinwanderung an die englische Regierung geäußert hatte. Indessen läßt sich feftftellen, daß die Formen dieser Preffepolemik bisher wenigstens die Grenzen eines freunönachbarlichen Meinungsaustausches nicht überschritten haben. Rabbiner Dr. I u n g, Vorsitzender der englischen Aguda, ist diese Woche aus kurze Zeit nach Amerika gereift, wo er der Amtseinführung seines Sohnes als Rabbiner in Cleveland betzuwohnen beabsichtigt. Der Leiter der englischen Misrachi-Bewegung Rabbiner Dr. Schönfeld, verläßt dieser Tage England, um zwecks Leitung der Erziehungsinstitutionen des Misrachi nach Palästina überzusiedeln. HJei?mann über das PalüRinamaniaf- London, 9. Mai. Weizmann hat sich einem Vertreter der Times gegenüber über seine Auffassung der gegenwärtigen Lage wie folgt geäußert: „Es sind noch wichtige Einzelheiten ungeregelt, jo z. B. die wirklichen Bedingungen des, Mandats und die Frage der Grenzen Palästinas. Ich muß ein Mißverständnis anfklären. Palästina ist nicht im Begriff ein rein jüdischer Lräat zu werden; es wird für einige Zeit von einer englischen Verwaltung kontrolliert werden, wobei jedoch stetig das Ziel im Auge behalten wird, in der Z a k nn f t d a-raus ein jüdisch-nationales Hein, zu mache n. Tie ersten Ausgaben werden sein, die jüdische Einwanderung zu ermutigen, die dichte Besiedelung des Landes und die Entwicklung der öffentlichen Arbeit. Eine große Zähl Juden brennen daraus, sich in Palästina niederzulassen, hauptsächlich aus Rumänien, Rußland und anderen Ländern der Unterdrückung, aber natürlich, muß die Einwanderung in Ucbereinstinrmung mit den wirtschaftlichen lichtesten des Landes geregelt werden .... Wir haben nicht die Hoffnung, gegenwärtig das im arabischen Besitz befindliche Land zu erlangen, noch beabsichtigen wir deswegen Streitigkeiten zu beginnen. Das Land, das wir Hamm wollen, gehört zn einer anderen Kategorie; es sind die Staatsoo inanen, die aus wüstem, nicht vlkupisrlem Lande bestehen. Der Anbau dieser Landstrecken würde für die nächsten 5 oder 6 Jahre genügende Beschäftigung bieten. Für jede Entwicklung in Palästina ist es wesentlich, daß die Araber Mitarbeiten. Sie sind intelligent und fähig, aber Jahrhunderte hindurch durch türkische Mißwirtschaft in ihrer Entwicklung gehemmt worden, und durch politische Agitatoren demoralisiert. In Palästina ist, abgesehen von der Lanowirtschast Raum, uue Juoustrten zu entwickeln, welche mit der Seidenweberei in Verbindung stehen. Es ist alles gtine Frage des Geldes und usir werden eineil guten Rückhalt an unseren Glaubensgenossen haben. Während der nächsten 5 oder 6 Jahre werden wir im Ganzen 25—30 Millionen Pfund brauchen, -steht diese Summe, zur Verfügung, so ist kein Grundvorhanden, weshalb ivir nicht in zehn Jahren eine Million Juden ansiedeln könnten. Wir wünschen in Palästina nicht etwa zwei Kasten zu schaffen, einte europäische für den Handel und die anderen als bloße! Holzhacker und Wassers höpfer. Juden und Araber müssen zusammen arbeiten mit gleichen Möglichkeiten. Die Bearbeitung des Oedlandes, wo Bewässerung und Drainage die erste Ausgabe ist, und die Errichtung poir 5000 Häusern werden vielen Tausenden Arbeit geben. Dann liegt das Werk der Aufforstung und des Wegebaues vor. Bis all dies im Gang ist, wird der Friede wiederkommen. Ein Oberkommissar kann jeden Tag ernannt werden — und die britische ^Verwaltung wird ohne Zweifel die Real, rungssorm feststellen, bis die - Bevölkerung die Zügel unter dem Schutze Englands selber in die Hand nehmen kann. Das Land kann eine Bevölkerung von 6 Millionen ernähren und das Werk des Wiederaufbaues wird, wenigstens 100 600 Menschen Beschäftigung geben. Ich sehe der Zukunft nicht nur mit bester Hoffnung, sondern auch mit Vertrauen entgegen." Inzwischen erwartet marr jeden Tag die Ernennung Herbert Samuels zum Oberkommissar für Palästina. — Die zionistische Leitung will in ganz England vom ersten SchowuoStage an große Geldsammlungen für den Wiederaufbau von Palästina unter dem Namen einer Geula-Woche veranstalten. Man rechnet in London auf die Mitwirkung von 1000 männlichen und 500 weiblichen Hülfskrästen bei diesem Sammelwerk. UalirRncr. Die Wahlen [n die palLffmenlische Delegierten* Versammlung. Zürich/ 15. Mai. Wie die „Jüdische Preßzentrale Zürich" zu berichten weiß, fanden die Wahlen zur Delegierten-Versammlung unter großer Beteiligung statt. Besonders in Jaffa war die Agitation während der letzten Tage eine äußerst rege. Eine Flut von Wahlproklamationen ergoß sich über die Stadt. Am tätigsten zeigten sich der Hapoel-Hazatr, die Achdutß Haawoda, die Sefardim und die Jemeniten, während die Bürgerpartei (Esrach) weniger rührig war. Gewählt wurden in Jaffa 11 Sefardtm, 11 ls/ 6 Jemeniten/ 2 Misrachi, 8 Hapoel- Hazair, je zwei Mandate fielen Mikadnim und ch zu. Das Wahlresultut in Jerusalem ist noch unbekannt, da die dortigen Wahlen sowohl wegen des Pogroms als des Beschlusses der ersten Rabbiner-Konferenz, wonach die orthodoxen Juden sich an den Wahlen nicht beteiligen sollen, auf den 2. Mai verschoben wurden, in der Hoffnung, bis dahin mit den Orthodoxen zu einer Verständigung zu gelangen. Nach den letzten Nachrichten kam es auf einer neuerlichen Rabbinerversammlung bei Rabbi Kook tatsächlich zu einer Verständigung. Die Rabbiner stimmten einer Beteiligung der Orthodoxen zu, unter der Bedingung, baß sie das Recht haben, als besondere Gruppe, ohne die Frauen, an den Wahlen teilzunehmen, wobei es edoch jedem Familienhaupt zusteht, auch für eine Frau zu stimmen. Sollten die Frauen aus ihr passives Wahlrecht nicht Verzicht leisten, dann werden zwei Delegtertenhäuser eingerichtet werden, ein orthodoxes ohne Anteil der Frauen, und ein allgemeines. Bet wichtigen allgemeinen Angelegenheiten ist die Zustimmung bei der Häuser erforderlich. Auch die Misrachisten haben trotz ihrer Teilnahme an den Wahlen sich gegen das passiveWahlrecht der Frauen ausgesprochen. Interessant ist, daß die Liste der orthodoxen Sefardim, bei denen die Frage des Frauenwahlrechtes nicht direkt zur Diskussion stand, trotzdem keine einzige Frau als Kandidatin enthielt. Waris, 9. Mai. Nach Londoner Meldungen werde die Regierung von Palästina, das unter britisches Mandat kcmme, einem Kommissär anvertraut werden, dem ein Betrat zur Seite stehen werde, bis eine Volksvertretung gebildet sei. Dir Ziviloerwaltung werde im kommenden Monat der Militärverwaltung unterstellt werden. (?) Nach weiteren Meldungen aus London finden längs des Jordan Ansammlungen von Arabern statt. London, 8. Mai. Einem Vertreter des sozialistischen „Daily Herald" gegenüber äußerte Dr. Max Nord au über die nahe Zukunft Palästinas : „Das erste, was getan werden muß, ist, der Immigration Tür und Tor zu öffnen und eine halbe Million Juden nach Palästina — ich scheue das Wort nicht — hineinzupacken. Millionensehnen sich ernstlich danach, hinzugehen, besonders die Inden der Progromländer. In Polen haben die Pogrome fast aufgehört, aber unser Volk ist einem allgemeinen Boykott ausgesetzt, der eine Gemeinschaft von vier Millionen zu erdrücken droht." „Wird ein solcher Zustrom von den gegenwärtigen Bewohnern gerne gesehen werden?" „Ich glaube es. Es ist Raum genug. Bloß 32°/0 des arabischen Landbesitzes westlich vom Jordan werden jetzt mit den primitiven arabischen Ackergeräten bebaut und unsere Leute werden moderne Metoden hineinbrinzen. Oestrich vom Jordan liegt der Hanrün, ein großes Gebiet, welches nur von den nomadisierenden Beduinen bewohnt und verödet bezeichnet wird, aber in Wirklichkeit ein fruchtbares Land ist. Wenn dieses in unsere nationale Heimstätte einbezogen wird, wird mit der Zeit eine Bevölkerung von mehreren Millionen hinzukommen können." „Und die Streitigkeiten wegen der heiligen Stätten?" „Ich hoffe, wir werden das Schlimmste dadurch vermeiden, daß wir keinen Versuch machen, Jerusalem kolonisieren oder beherrschen zu wollen. Ich wünsche, unser ganzes Volk wolle diesem Standpunkt zustimmen, aber manche sprechen mit Verachtung von einem „Zionismus ohne Zion". In der Tat ist für mich Jerusalem eine Gesühlsangeiegenheit, doch die Dinge, die wirklich nottun, sind Nahrungsmittel, Kleider und Wohnstätten." Personalien. Bilstein, 10. Mai. Am Dienstag, 16. Jjar, wurde unter großer Beteiligung Frau Dorchen Katz zur letzten Ruhe geleitet. Ein schweres, an Prüfungen lberraus reiches Leben hat seinen Abschluß gesunden. In allen Lagen war sie durchdrungen von der Aufgabe des jüdischen Weibes. Ihre tiestnnige Frömmigkeit, ihre nie versagende Menschenliebe, machten sie zum Mittelpunkt unserer Gemeinde, in die mit dem Heimgang dieser vorbildlichen Frau eine Lücke gerissen wurde, die sich so bald nicht schließen wird. Am Grabe widmeten ihr Herr Provinzialrabiner Dr. Bamberger,' Hanau und Herr Lehrer Levi, Birftein, Worte warmen Empfindens. Er ist nicht im Sinne der Verblichenen, hier ihr Lob der Oessentlichkett. kundzutun; wir können uns nur dadurch rechtfertigen, das es zum Ansporn werde für unsere jüdischen Frauen. n-Mün. Vermischtes. Amsterdam, 11. Mat. Der Kciegsminister hat angeordnet, das jüdische Heeresangehörige in Trauersällen für die Dauer der religionsgesetzlich vorgeschriebenen Trauerwoche beurlaubt werden. Derartige Urlaube sind auf den deck Soldaten zustehenden allgemeinen Urlaub später anzurechnen. Wilhelmshaven, 15. Mai. In hiesiger jüdischer Gemeinde wurde ein Literaturverein gegründet, der bereits 60 Mitglieder zählt. Als erster Vorsitzender wurde Hexr Lehrer Siegfried Wetzl er gewählt. Vn'efkasten. Herrn Leop. Str. in K. Von 1 Uhr nachmittags an. K. in L. Die Bemerkungen zum „Wilnaer Gaon" können nicht erscheinen.

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