Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1920)
- Date
- 1920-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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13. Müi 18«« dem 5. Mai berichtet wird, die Liste derJüdischen Bereinigung mit sechs Namen durch. Außerdem wurden gewählt: 59 christliche Demokraten, 25 Sozialisten, 2 Polen und ein Deutscher. Die Wahlbeteiligung bei den Juden war sehr stark Und betrug im Ganzen 80 bis 80 Prozent. RirMarrd. -Krkch, &. Mai. Der „J.P.Z." wird auS Kifchtnew (jetzt: Chisinau) gemeldet: Das jüdische Leben in Beßarabien beginnt sich unter den neuen Verhältnissen allmählich zu entfalten. Mit besonderer Rührigkeit tritt die Agudas Jis roel - La ndesor ganisation auf den Plan. Der bekannte Oberrabbiner von Kischinew, I. L. Zirelsohn, hat die Leitung der Organisation übernommen. Das Organisations- Statut der Agudas JiSroe! für Beßarabien liegt in vier Sprachen gedruckt vor und hat bereits am 18. Februar 1920 die Legalisation der rumänischen Behörden erhalten. Kne erkiSrung?ur englischen PMMnspnlitik. London, 2. Mai. Ker englische Gouverneur von Jerusalem empfing nach Kairoer Meldungen die Vertreter der religiösen Gemeinschaften und erklärte ihnen, daß England sein Mandat über Palästina lediglich im Sinne der Erhaltung der öffentlichen Ordnung ausüben, jedoch sich in die religiöse Autonomie nicht einmischen werde. Die Grundbesitzer würden weder vertrieben, noch enteignet, Konzessionen an Einzelne oder Gruppen zum Nachteil der jetzigen Bewohner Palästinas nicht vergeben werden. Niemals werde die Minderheit über die Mehrheit regieren dürfen, auch dann nicht, wenn das Land in irgend einer Form Autonomie erhalte. (Cs wäre richtig, feftzusteüen, ob diese Erklärung lediglich den Arabern zur Beruhigung von einer lokalen Stelle abgegeben, oder von London inspiriert ist. Red.) knalilÄ-srLblsÄe Kämpfe in Palätlina- London» 3. Ma^ Nach einer Neutermeldung aus Kairo fanden in Palästina heftige Kämpfe zwischen arabischen Aufständischen und englischen Truppen statt. Bei Semskhi wurde die englische Besatzung von mehr als 2000 Arabern angegriffen und vollkommen aufgerieben. D;e Besatzungen j der benachbarten Ortschaften waren gezwungen, z sich in Richtung auf Jerusalem zurückzuziehen, j Das Kommando der englischen BesatzüngSarmee j betrachtet, wie Reuter erklärt, die Vorgänge in! Palästina mit wachsender Sorge.! KdiknSsrung des Urteils gegen Jabofinsfiy. Lorrdon, 5. Mai. Reuter meldet amtlich aus Kairo: Das britische Hauptquartier in Kairo hat das vom Militärgerichte in Jerusalem gefällte Urteil gegen Jabotinsky sowie gegen die weiteren 19 Juden dem General Congreve zur Überprüfung empfohlen. Dieser hat sowohl Jabotinsky als auch den anderen Verurteilten mildernde Umstände zuerkannt und die Urteile in folgender Weise abgeändert: Die Strafe gegen Jabotinsky wird von 1b Jahren aus ein Jahr leichten Arrest S, gegen die anderen 1« von drei Jahren Zwangsarbeit aus sechs Monate leichten Arrests herabgesetzt. —- Im Falle Jabotinsky mußte eine Strafe beibehalten werden, da die gegenwärtige Lage in Palästina andauernd kritisch sei und daher vorläufig ein Exempel statuiert werden mußte. Die Scftrechensfage in Jerusalem. Zürich, 7. Mai. Erschütternde Einzelheiten über den Pogrom Der Z'-rttel.o .. ____axaMi jgr. mm* _ . ....... in Jerusalem berichtet ein Augenzeuge, Harry ] A. Goodmann, dem „Israelitischen Wochenblatte skr die Schweiz": Drei aufeinanderfolgende Tag; raste ein Pogrom in den Straßen Jerusalems, ein Pogrom mit allen Elementen der russischen und polnischen Pogrome: Männer wurden ermordet, Frauen geschändet, Häuser und Synagogen verbrannt. Wenn man, wie Schreiber dieser Zeilen, die Tragödie dieser Vesachtage in allen ihren Phasen mit eigenen Augen beobachtet, wenn man die Toten und Verwundeten auf den Tragbahren gesehen hat, wenn man durch die Straßen des heiligen Jerusalems geschritten ist und in vielen, vielen Straßen sah, wie das Blut alter Männer und kleiner Kinder, die aus der Erde lagen, von Hunden ausgeleckt wurde, wenn man sah, wie die Araber in mörderischer Weise Alt und Jung ohne Unterschied mit Messern, Steinen und Stöckeri. angrissen und dann auf der Straße halbtot liegen ließen, wenn man all dies in einer Stadt sah, welche bestimmt ist. die Hauptstadt des Landes zu werden, das uns als unser nationales Heim durch das Volk versprochen wurde, und von dessen Armeen wir annahmen, daß sie uns beschützen, dann ist es schwer, von den stattgehabten Ereignissen leidenschaftslos zu schreiben. Am Sonntag morgen den 4. April ging ich mit Mr. Abrahams, dem Präsidenten der südasrikanischrn zionistischen Förderation, vom Zentralhotel durch das Jaffator aus einen öffentlichen Platz, wo eine religiöse Demonstration der arabischen Bevölkerung von Jerusalem in Gegenwart vieler Bewohner von Nablos und Hebron stattsänd. An die Menge, die viele Tausende zahlte, richteten verschiedene Muftis und endlich der Herausgeber der arabischen Zeitung „Shria Gcnufia" Ansprachen. Die Redner forderten die Massen aus, ihren Patriotismus ihrem einzigen Herrn, Emir Feisul.gegenüber, dessen Photographte ne zeigten, zu beweisen, indem sie das Land, das ihnen gehörte, aus den Händen der Juden nehmen. Wenn nicht mit Worten, dann mit dem Schwert, denn die Zeit des Angriffes sei gekommen. Und die Polizei stand dabei und beobachtete ruhig diese Szene. Ich hörte eine Weile zu, verließ dann' die Ausamniluug und ging langsam die Cisenbahnstraße entlang. Da hörte ich plötzlich ein lautes Geschrei in der Nähe des Jaffatvres und sah Menschen und Wagen die Straßen entlang stürzen, als ob sie vor einer Gefahr fliehen würden. Ich begann erst zu verstehen, was geschehen ist, als ich einen jungen Mann auf dem Boden liegen sah. aus dem 10 Araber herumtraten und ans den fast leblosen Körper Steine warfen. Wäre ich nicht dazwischen getreten, so hätten sie wohl ihr schreckliches Werk beendet. Ms nun die Araber begannen, auch mich mit Steinen zu bombardieren, wandte auch ich mich zur Flucht, in dem Bewußtsein, daß es mir bös erginge, wenn die Araber mich sängen. Nachdem ich im Hotel das Blut, das infolge leichter Wunden von mir floß, abgewaschen hatte, sah ich vom Balkon des Hotels aus, wie wiederum Bahren mit Toten und Verwundeten getragen, wie Läden in den Straßen geplündert wurden und die Plünderer ihr Werk ruhig fortsetzten. Darauf langten die britischen Truppen an und das einzige, was sie taten, war, das jüdische Selbstvertttdigungskorps zu verhindern, die Altstadt zu betreten, indem sie sich anschickten, ihre Maschinengewehre auf sie abzuseuern. An diesem Tage gab esungefähr 200 Verwundete und die militärischen Autoritäten versicherten den zionistischen Führern, daß sie die Situation vollständig beherrschten und die Gefahr vorüber sei. Am nächsten Morgen erwachte ich durch das Spiel einer durch die Straßen marschierenden militärischen Musikkapelle. Als ich durch das Fenster blickte, sah ich einige 100 Araber, unter Begleitung von Soldaten aus den Gesängnisbaracken, wo sie über Nacht sestgehalten wurden, durch die .Altstadt marschieren, wo sie bald daraus frei gelassen wurden. Ungefähr eine Stunde später wurden durch die männlichen und weiblichen Angestellten des Hadassä-Hospitals, die während der Krisis wunderbar gearbeitet haben, wiederum Verwundete eingebracht. Dieses Mal waren die Wunden viel tiefer und schrecklicher als am vorhergehenden Tage. Und mit meinen eigenen Augen sah ich den Kampf rn der Altstadt in Gegenwart der britischen Truppen, die keinen Versuch machten, den Mord, der 25 Iard von ihnen entfernt begangen wurde, zu verhindern. Da wurde Ingenieur Aramatr'aus einer Bahre herangetragen, der bald darauf feinen Geist aushauchte. Die Tragödie daher ist, daß dieser junge Mann kurz vorher Rußland und seine Pogrome verlassen und hier rn Gegenwart von Soldaten, die ihn beschützen sollten, von Arabern in brutaler Weise getötet wurde. Und wieder wurde auf das jüdische SclöstderteibigungskirpZ, das die Altstadt betreten wollte, durch die Soldaten gefeuert, welche viele von ihnen verhafteten. Auch uns, die wir bereits in der Altstadt waren, hinderte man die Straße zu betreten, wo die Kämpfe jiuttfanden und es war schrecklich, die Gesichter der armen Leute zu sehen, die auf uns blickten, wie oir dabei standen und nichts weiter tun konnten, als zu warten und dann die Verwundeten anfzuklanben. Auch einen jüdischen Polizisten hoben wir auf, welch m wir uns den Stufen der L)mermoschee schrecklich blutend vorsandcn. Am Dienstag morgen begann der Aus- Kr. 18 e 5 ZUg m9 der Altstadt und nur durch einen bloßen Zufall entging ich der Verhaftung für das von mir begangene Verbrechen, ungefähr 50 jüdische ^aMilien aus der Altstadt in die Neustadt gebracht zu haben, weil die britischen Autoritäten während des dreitägigen Pogroms nicht imstande waren, die arm« dort lebende jüdische Bevölkerung zu schützet. An diesem Dienstag morgen wurden neun weitere Ver> wundete gebracht, obgleich dies schon der zweite Taa nach der Versicherung der Militärbehörde ivar, daß alles gut gehe. Am Nachmittag des gleichen TageS wurden zwei alte Sephardim .eingebracht, die von indischen Truppen totgeschossen waren. Der eine, so hieß es, soll aus die Truppen einen Revolver abgeseuert haben und ans diesem Grunde wurden sie beide erschossen. Am Mttmoch sing es an ruhiger zu wevden und die Juden begannen an die Beerdigung ihrer Toten zu denken. Ein osfentliches Leichenbegängnis war geplant, aber durch die Behörden verboten worden. Nur 30 Personen erlaubte man, den Laichen zu folgen, obwohl die ganze jüdische Bevölkerung beschlossen hatte, den „Al kiddusch haschem" Gestorben« die letzte Ehre zu erweisen. Das Kriegsgesetz hätte ffb.n Verkehr aus den Straßen von 6 Uhr abends bis v Uhr morgens untersagt und mit grausamer Ironie die Beerdigung nur nach 6 Uhr abends gestattet. In Gegenwart einiger Hadassaärzte und Kranke ns hwrst^rn, welche selbst die Toten trugen, schritt die Prozenmn langsam zu dem Friedhas, wobei mancher starke Mann heiße Tränen'vergoß. Am nächsten Tage fan* den wir 10 Grabsteine zerschmettert und besudelt. Das war der letzte Streich des Pogroms." Goodman gibt zum Schluß daS Manifest wieder, das des Zentralksmmitee der „AchduS Hawaudo", des Arbeiterverbandes erlaffen hat und in dem die Beamten der britischen Verwaltung angeklagt werden, erlaubt zu haben, durchAgitytoren das arabische Volk aufzuhetzen, Demonstrationen abzuhalten, aufreizende Artikel in ihre» Zeitungen zu veröffentlichen und Juden selbst anzugreifen, ohne dafür vor Gericht gezogen zu werdendaß sie ferner Prozessionen der Haufen von Hebron und NabloS gestatteten. Die englischen Behörden werden ferner angeklagt, dem jüdischen Selbftverteidigungschor nicht gestattet zu haben, das Leben der Bewohner der Altstadt zu schützen, nachdem die britischen Autoritäten ihre Unfähigkeit dazu erwiesen und die Bildung einer jüdischen Polizeiformation verweigert haben. Die pogromierenden Araber schrien dabei, die Regierung stehe auf ihrer Sette, wie es auch ihre Ueberzeugung war. Juden, die ihre Brüder schützen wollten, wurden verhaftet. Aus diesen Gründen verlangt die Bereinigung, die sofortige Enthebung der hohen Beamten von ihren Stellungen und sie wegen Teilnahme an den Pogroms vor Gericht zu bringen. Die Juden Palästinas sollen die Ankläger sein. Ferner sei eine Kommission von London nach Palästina mit der Ausgabe zu entsenden, die Handlungen und Haltung der Beamten in Palästina seit seiner Besetzung durch die britischen Truppen zu untersuchen, sofort die Bildung eines Selbstverteidigungskorps in ganz Palästina zu gestatten, außerdem die Tore Palästinas ohne jede Beschränkung für die Juden weit zu öffnen und die vielen Versprechungen, die dem jüdischen Volke durch die britische Nation gemacht wurden, endlich zu erfüllen. Vermischtes. Berlin, 7. Mal. Vom Komitee für die „Israel Hildesheimer Jubiläums-Speude" wurde aus Anlaß des auf den 27. Jjar (15. Mai) dieses Jahres fallenden 100 jährigen Geburtstages von Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer b"2r, ein eigenes hebräisches Gebet abgefatzt und an verschiedene Rabbiner und Lehrer verschickt. Berlin, 0. Mai. In der vorigen Woche hat die Sicherheitspolizei und die Kriminalpolizei in Berlin wieder eine Razzia auf Ostjuden abgehaiten. Trotz der Ergebnisse der Wünsburger Untersuchung' hat die Negierung es zugelassen, daß diese Vorfälle sich wiederholten. Berlin, 10. März. Am 24. Februar hielt Herr Rabbiner Dr. Lieber mann in der hiesigen Frauengruppe der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums einen Vortrag über das Thema „Die Angriffe auf das jüdische Schrifttum". In einer kurzen Einleitung betonte der Redner die hohe Wichtig» keit der Apologetik nicht sowohl im Hinblick auf die Gegner des Judentums als vielmehr gerade mit Rücksicht auf zahlreiche ferner Anhänger, die nicht über das nötige Matz von jüdischen und wirtschaftlichen