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Der Israelit · 1920-04-29 · Heft 17 (29.4.1920) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 17 (29.4.1920)
Date
1920-04-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8 «t. IT Die Men des Mlnaer Gaon. (Aus Dr. Unna: Rabbi Eliader Gaon von Wilna). Mit 20 Jahren verließ der Gaon seine Heimat und seine Familie, um sich, für längere Zeit auf Reisen zu begeben. Er folgte darin dem Beispiel anderer großer Männer jener Zeit, die ebenfalls solche Wanderungen ausgeführt oder, wie man dies nannte, „Golus" auf sich genommen hatten. Manche taten es, um die Verhältnisse ihrer Glaubensbrüder in anderen Ländern genauer kennen zu lernendenn da. mals gab es noch keine jüdischen Zeitungen, die über das Leben und Leiden der Juden in den verschiedenen Ländern der Diaspora berichteten. Andere unternahmen solche beschwerliche Reisen, um dadurch ihre Sünden zu büßen und sich im Kampfe gegen den Sündentrieb zu stärkendenn bei den mittelalterlichen Verkehrsverhältnissen war das Reisen nicht wie heutzueage eine, angenehme Erholung, sondern eine Anstrengung, voll von Mühen und Entbehrungen. Trotzdem R. Elia noch sehr jung war, war doch der Ruf seiner außerordentlichen Gelehrsamkeit und Frömmigkeit bereits überallhin gedrungen- und wenn auch ix selber peinlich bestrebt war, seinen Namen und seine Herkunft zu verheimlichen, so konnte er eS doch nicht verhindern, daß ihm in den Gemeinden, in die er kam, die größten Ehren erwiesen wurden. Aus der Zeit seiner Wanderungen werden viele Episoden erzählt, die den großen Eindruck seiner Persönlichkeit wieder-- fpiegeln. Er soll auch nach Berlin gekommen sein, wo ihn einer der Vorsteher der Gemeinde, ein -reicher und angesehener Mann, mit großen Ehrenbezeugungen bei sich aufnahm. Das Haus des Vorstehers wurde Tag und Nacht nicht leer von Besuchern, die alle den berühmten Gast kennen lernen wollten. Ein mit dem Vorsteher befreundeter Universitätsprofeffor, der in seiner Nähe wohnte, hatte auch von dem gelehrten Fremden gehört und erkundigte sich nach ihm bet vem Gastgeber- und als dieser ihm erzählte, daß R. Elia nicht nur im Talmud, sondern auch in den verschiedensten Wissenschaften bewandert sei, sprach er den Wunsch aus, ihn zu sehen und ihm eine mathematische Preisfrage vorzulegen, mit der man sich in wissenschaftlichen Kreisen schon lange beschäftige, ohne ihre Lösung zu finden. Während des ganzen Sabbat, den S R. Elia in Berlin verbrachte, war er von Besuchern umlagert, so daß sein Gastgeber ihm erst nach dem Ausgang des Sabbat den Wunsch seines Bekannten zum Ausdruck bringen konnte. R. Elia war sofort bereit, den Professor zu empfangen, und dieser setzte dem Rabbi die mathematische Frage, um die es sich handelte, auseinander. Nach wenigen Minuten der Ueberlegung zeichnete R. Elia einige Figuren auf ein Blatt und demonstrierte daran dem Gelehrten die Lösung. Der Professor war außer sich vor Erstaunen und Freude und sagte im Weggehen zu seinem Freunde: „Wisset, es ist kein Mensch, den Ihr bei Euch beherbergt, sondern ein höherer Geist!" Nachdem er etwa 5 Jahre mit seinen Reisen verbracht hatte, kehrte er nach Wilna zurün, um sich in seiner Heimatgemeinde dauernd niederzulaffen. Er führte dort ein anspruchsloses und entbehrungsreiches Leben. Tage und Nächte widmete er dem Studium der Lehre, und man! erzählte von ihm, daß er sich nur zwei Stunden I die Erholung des Schlafes gönne, die ganze » | übrige Zeit aber unablässig studiere. Sein ganzes | Einkommen bestand in der kärglichen Unterstütz-! ung, die ihm als Thoragelehrtcn von den Vorstehern der Gemeinde allwöchentlich zugebilligt wurde. Auch diese geringe Zuwendung mußte er eine Zritlang entbehren, weil der ungetreue Gemeindediener das ihm zur Besorgung übergebene Gelb unterschlug. R. Elia, der d'eS wußte, wollte trotzdem nicht die Bestrafung des Dienerherbei führen, und erst als dieser auf dem Totenbett seine Schuld bekannte, erfuhr man von der Angelegenheit. — Aber auch die drückendste Not konnte die Liebe und Hingebung, mit der er sich der Lehre widmete, nicht mindern. Für ihn schienen irdische Bedürfniffe überhaupt nicht zu existieren, er lebte ganz und gar in der höheren Welt de- Geistes. Sie letzte Rede des »-er Zedek/ Neben dem Zelte des Wilnaer Gaon auf dem alten Friedhofe zu Wilna ehrst sich auch der Grabhügel dsZ Rabbi Abraham, Sohn! Abraham, des großen Prosolhtrn, der am GchwuoSfeste des Jahres 1770 für sein Judentum iu den Tod gegangen ist. Ueber die letzten Worte des Märtyrers erzählt man sich im alten Wilna folgendes: Als man Rabbi Abraham an die RichtSstätte vor der Kathedrale brachte, war der ganze Platz wie von einer Mauer von blitzenden Bajonetten umgeben. In der Mitte des freien Platzes züngelten die Flammen des Scheiterhaufens, und um ihn herum standen die hohen katholischen Geistlichen in ihren goldgestickten Ornaten, mit Kreuz und Heiligenbild in der Hand, auch Vertreter der Regierung, der Militärmacht und eine! tauftndkäpftge gläubige Menge, die sich am tragischen Ende des Grafen Pototzki, der sich von : der christlichen Kirche abgewandt hatte, um ein „Rabbi Abraham" zu werden, weidete. Eine Militärkapelle setzte ein, die Pauken und Trompeten schallten über den Platz und ein Trupp Soldaten mit gezücktem Säbel führte den Angeklagten bis dicht an das Feuer heran, der weiteren Weisung des Kommandeurs harrend. Der Ger Zedek im langen Verbrechermantel, mit den schweren Ketten an Händen und Füsien, stand ruhig da, sah ins lodernde' Feuer und ein überlegenes Lächeln überzog sein blasses Gesicht. Die Menge bekreutzte sich und tausend Blicke richteten sich nach dem Ketzer, der seiner Strafe entgegen ging. Ein alter Dominikaner trat mit dem Heiligenbild in der Hand an den Verurteilten heran und machte einen letzten Versuch: „Siehe, mein Sohn, noch steht dir der Weg zur Rettung deiner Seele offen.. Küß das Bild und bereue deine Sünde öffentlich vor allem Volke und der Himmel steht dir offen!"! Rabbi Abraham hörte die Worte ruhig an,! ließ aber das ihm zum Kuß entgegengeftreckte -I Bild ungeachtet.! Der Dominikaner kam in Wut: „Wiffe, du 8 Abtrünniger. Wir haben allegetan, um deinen | Leib und deine Seele zu retten. Du aber hast 8 mit verstocktem Herzen all unsere Hilfe zurückgewiesen. Wir waschen unsere Hände in Unschuld. Dein Blut fällt auf deinen eignen Kopf zurück!" Das schien Eindruck zu machen. Der Ver-! urteilte hob die Hand, als' wollte er etwas sagen. „Bist du noch im letzten Moment zur Vernunft gekommen und willst du deine Sünde bekennen und bereuen, so tu es, mein Sohn, noch ist eS nicht zu spät," ermutigte der Dominikaner. Der Ger Zedek öffnete jetzt wirklich den Mund zu seiner letzten Rede: „Meine lieben teueren Brüder! In der letzten Minute meines Lebens will ich euch eine kleine Begebenheit erzählen, die ich als kleines Kind auf dem Gutshofe meines Vaters, des allen Grafen Pototzki, erlebt hübe. Dort spielte ich auf dem Hofe zuweilen mit einem kleinen Freunde mit Lehmpuppen. 88 «pM w§ | Lines TageS nahm mir mein Gespiel die Puppe!* wez und zerbrach sieich schwor ihm Rache. Ich sagte: „Wehe dir, wenn ich einmal groß und Graf bin, da sollst du eS schon büßen, daß d» mir meine Puppe genommen hast." Jrhre sind seitdem verstoßen und wenn ich später darüber nachdachte, so schien mir der Groll gegen meinen Jugendfreund so närrisch und kindisch, daß ich mich dessen schämte. Was hatte er mir Böses angetan, er hatte mir ja nur ein Tongrstell genommen!" „Und nun," wandte sich der Sprechende zu« Dominikaner, „wenn ihr jetzt meinen -Leib verbrennet, so habt ihr nichts anderer getan als jener närrische Junge, ihr habt mir das genommen, was nur irdisch uud hinfällig ist an mir. Hier habt ihr meinen Tonkörper, mein Grift aber kehrt in dir Hand Gottezurück, der ihn gegeben und in der er auföewahrt bleibt dis zu« letzten Tage." Der Dominikaner winkte den Genkern zu. Pauke und Trompete schallten wieder über den Platz und auS den Flawmen hob sich eine Stimme empor, die über die Köpfe der Menge sich die Bahn in Höhe brach: „Höre JSrae!, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" Das herrliche Frühlingsfest ist vergangen und wir befinden uns nun in der Zeit des 49876 54331. Da freuen wir uns schon wieder auf andere Feiertage, die uns daran erinnern, daß uns Gott einst auf dem 46 Sinai seine 6485 übergeben hat. Das war das kostbarste Geschenk, durch das Er uns hätte auszeichnen können. Israel war stets ein kleines 97 unter den Nationen der Welt, und niemals fehlte es ihm an mächtigen Feinden und 934481. Nicht 6742 allein war es, der versucht hatte, uns zu vernichten. Gar viel 4849 müßten wir genießen, wenn wir dadurch all der Leiden gedenken sollen, die im Laufe der Zeiten uns betroffen haben und deren 281 noch nicht gekommen ist. Sind es doch gerade die 643216 393, die uns daran lebhaft gemahnen! Längst hätte Israel, so klein an 4219, zugrunde gehen müssen, wenn nicht die 6485 ihm ein ewiges Leben verbürgen würde. Darum, liebe junge Freunde, beschäftigt Euch 9838 983 mit ihr. Laßt keinen Tag vergehen, ohne ein 421 zur Hand zu nehmen, um in ihm eifrig zu lernen. Ihr werdet damit Euren 93489 eine große Freude bereiten und auch Eurem Onkel in der Kinderecke. Auflösung des Rätsels in Nr. 15. T** 1-1*70 Richtige Lösungen sandten ein: Benno Zimmet, Simon Schwab, Eli. Posen, Albert Loewenthal, Willi und Emil Neumann, Daniel Haff, Hermann Kahn, Ludwig Rapp, Joseph Werner, Trude und Willy Isaak, alle in Frankfurt a. M.; David Warssawski, Fürth - Rosa Kulb, Sontheim,- David Oppenheimer, Marktbreit,' Markus Neuberger, Berlin- Salomon Wolf, Köln- Siegfried Rothschild, Dinslaken - Erna und Ruth Fischer, Hamburg; L. Rosenberger, Wiener Neustadt. 'WM# WM» MMV wMIVIHIMf» Reden anders Böses von dir, so sei der Große in deinen Augen wie der Kleinehast du aber von anderen Böses geredet, so sei in deinen Augen auch der Kleine wie der Große, damit du gehest und dich mit ihm aussöhnest. Derech erez futta. (R. Josua b. Levi:) Nie lasse der Mensch ein häßliches Wort über seine Lippen kommendie heilige Schrift weift hierauf hindenn sie hat an einer Stelle einen Umweg über acht Buchstaben genommen, um das Wort „unrein" zu vermeiden,, nämlich Gen. 7, 8. Prsachim 3s..

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