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Der Israelit · 1920-04-29 · Heft 17 (29.4.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 17 (29.4.1920)
Date
1920-04-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3m Mensiaat der Lhasaren. Historischer Roman aus dem achten Jahrhundert. (12. Fortsetzung.) Sir hörten in ihrem Gespräche kaum, wie Ben Chisdai leise ins Haus trat. Er hatte noch die letzten Worte gehört und er legte sanft die Hand auf Batsuas Schulter. „Es gilt heute, liebe Schwester, nicht, sich im Streite darüber zu verzehren, wer und was schuld sei. Hätte Machtr und seine Freunde um ihn recht und käme der Verrat von Kosarios, i ch wäre dann der Hauptschuldige, der das ganze Unglück zu verantworten hätte." „Und darum schweigt mein Gemahl zu all den Anschuldigungen?", sagte Nechamah. „Ja, darum. Weil mir jeoes Gegenwort wie eine Selbstrechtfertigung erscheinen würde, die mit vollen Gründen zu führen ich noch nicht imstande bin . . „Und was soll jetzt geschehen?" „Wir werden handeln, morgen schon." „Was gedenkst du zu tun?" fragte Nechamah erschrocken, „man hat doch selbst die Annahme des gesammelten Goldes abgelehnt". „Wir wandeln das Gold in Kraft und Tat um. Wir sind bald unserer hundert, mutig und kriegsgeübt, und werden von unserer Treue und Tapferkeit einen Tai beweis erbringen . . „Ihr wollt in den Kampf ziehen?" „Das werden wir, Nechamah, in der Tat, Schulter an Schulter mit den Chaseren gegen die Frinde", sagte er, ernst und fest. „Und ich, dein Weib?" „Du wirst als tapferes, jüdisches Weib ausharren, wie unsere Mütter in Aegypten ausgeharrt haben, bis zur Erlösung, und du und Batsua, ihr werdet uns, wenn wir nach dem Kampfe zum Ruhme Israels und zur Rettung unserer Gemeinde heimkehren, wie einst Mirjam und Debora mit Sang und Harfe empfangen." //Zieh' in Gott, Ben Chisdat!" weinte Nechamah. . „Zur Rettung der Ehre aller, die von der Bosheit zu Unrecht beschuldigt werden", fügte Batsua zu. In Reih und Glied zogen sie unter Anführung Ben Chisdai den Gababerg hinunter. Am Eingang der Chasarenstadt hielt sie die Wache an. „Woher und wohin?" „Ein Kriegstrupp gegen die Araber", lautete Ben Chtsdais Antwort. Und er bekam Durchlaß. Vor dem gartenumgebenen. Hause Rafael Affarius machten sie halt. Drinnen waren Kaspi und Balschan anwesend, die Ben Chisdai mit, dem Btbelgruß empfingen: „Gott mit dir, tapferer Held!" Der Arzt hatte zwar Bedenken gegen das ganze Unternehmen, doch sah er mit sichtlicher Freude dem Zug zu, wie er mit voller Kraft dahinmarschierte. Kaspi setzte aber große Hoffnungen auf den Ausgang der Sache. „Die Chasaren", sagte er, „sind ein Volk von Kriegern. Geld reizt sie nicht, doch wißen sie jedes Zeichen von Mut und Kraft und Tat zu schätzen". Balschan schüttelte skeptisch das Haupt. Er Saunte die Stimmung Milkamins und zweifelte an dessen Einwilligung. „Dann schlagen wir uns auf eigene Faust bis zur Streitmacht des Thronfolgers", sagte Ben Chisdai entschlossen. „Wenn er euch aber allesamt vorher in Gewahrsam nimmt oder noch was Schlimmeres tut? . . ." „So tue er es nur, wir aber werden dann für die Chasaren und deren Sieg, gleich unserem Rabbi und Führer, freiwillig Leiden und Prüfungen auf uns genommen oder gar das Leben eingesetzt haben! Sollte dieses nutzlos verhallen, und nicht für kommende Zeit für unsere Gemeinschaft Früchte tragen?" „Milkamin und der Pegan werden den Spieß umdrehen und euch als Verräter richten", sagte Balschan finster. „Er tue es immer", schrie es aus Ben Chisdat, „aber die Wahrheit wird sich Bahn brechen. Wir werden sie aus dem Gefängnis herausschreien, werden sie auf dem letzten Gange so laut in die Gewissen schreien, als unsere letzten Kräfte es vermögen . . . Und ihr werdet Zeugen unseres redlichen Wollens sein, und auch die Torwächter draußen werden es berichten, wie ein Trupp freiwilliger Streiter durch das Tor gezogen und ..." Heiliger, sittlicher Eifer sprach aus dem jungen Manne. Er bebte am ganzen Körper vor innerer Erregung. Kaspi erhob sich und umarmte Ben Chisdai. „Nimm diesen Kuß, junger Freund, als Gruß, als Segenswunsch, aus tiefem jüdischem Herzen. Wäre ich um ein Jahrzehnt jünger und wüßte ich nicht, daß ich Hier auf meinem Posten nötiger bin — für euch alle — ich schlösse mich deinen Fahnen an". Dem alten Asssrius standen dicke Tränen in den großen blauen Augen. Da griff Balschan langsam in die Tasche und seine finsteren Augen erhellten sich ein wenig. „Für diesen Fall, den ich vorausgesehen habe", sagte er, „habe ich gleich von vornherein ein Beglaubigungsschreiben in chasarischer wie in arabischer Schrift ausgefertigt und Milkamin hat es nichtsahnend mit anderen Dokumenten unterschrieben. Es ist ein freies Geleit bis zur Streitmacht, aus einen Kriegertrupp ausgestellt und Milkamin ahnt nicht, daß es sich um Juden handelt. Kommt es vorzeitig heraus, so geht es um meinen Kopf", fügte er leise hinzu, indem er das Schreiben Ben Chisdai aushändigte.- Im Morgenöämmer marschierte Ben Chisdai von keinem in der Stadt beachtet, Mit seiner tapferen Schaar über die Berge gen Südoften der Meereszunge entgegen. IX. Als der Rat der firben Wessen sich nach einer Mondrunde wieder im weißen Marmorsaale des Chakanat zusammenqefunden hatte,' saßen vor des Chakans Baldschmfitz zwei fremdartige Gestalten, die den Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit bildeten: Pater Johannes, ein würdiger Vertreter der christlich-byzantinischen Kirche, kn aus den Ruf BrrlrmS mit Genehmigung des Kaiser Leo eigens von Konstantinopel hinübergekommen war, um den Beherrscher des Chasarenreiches Aber das Wesen des Nazarenerglaubens zu belehren. Zur gleichen Zeit hatte sich aber Bulan Alkazzi einen hohen Geistlichen des islamitischen Glaubens aus Persiens Hauptstadt verschrieben, um die vornehmsten Lehrer beider Religionen zur gleichen Zeit zu hören. Nun saßen die Leiden Märrner, Vertreter zweier Welten, zu beiden Seiten des Thrones, der eine glatt und rund, im schwarzen Barett und weißer goldgestickter Toga, der andere asketisch und ernst, die Augen halbgeschlossen, den langen Spitzbart auf die Brust geneigt. Es schien als würde der eine den andern nicht sehen und doch flogen verstohlene Blicke voller Haß und Mißtrauen herüber und hinüber. Der Pegan Hamenas, dem die ganze Veranstaltung bis in die Seele zuwider war, bewegte sich unruhig auf, seinem Sitze und aller Augen hingen am Chakan, eines Zeichen zum Beginn des Turnees abwartend. Pater Johannes bekam das Wort zur Erläuterung derLehren seiner Religion. Ersprach warm, aus Ueberzeugung, vom alten und neuen Testamente, von den Aposteln und den Blutzeugen, auch von den Lehren der ersten'vier Kirchenväter und schloß dann zusammenfassend: „Wir glauben an Gott Vater, der die Welt geschaffen, sie leitet und durch seinen Sohn erlöst hat. Wir glauben, daß das ganze Menschengeschlecht sich aus dem Einen, dem Adam, herausgeöildet hat. W:r glauben an eine göttliche Vorsehung im Großen und Kleinen, an Gottes Offenbarung in Natur und Geschichte wie ansonst an alles, was in den alten heiligen Büchern der Lehre Mosis geschrieben steht, deren Wahrhaftigkeit durch das Alter und die allgemeine Anerkennung wie durch die Heilslrhre des SohneS verbürgt ist". Alles hörte ruhig zu. „Alter und Anerkennung", wandte Bulan nach kurzer Pause ein, „sind wohl feste Stützen, aber sie gelten nur für den etwas, der die Lehre als Erbe der Väter übernommen; für mich ist die Lehre neu und kann nur durch Beweise, die unwiderleglich sind wie unser Ich und unser Sein, Eingang in mein Herz finden. Sage du, Alkazzi, was der Islam in der Hauptsache lehrt". Alkazzi berührte mit der flach?» Hand die Stirn und hielt eine lange Rede über Mohammed und seine Sendung, seine Lehre, seine Gewalt über Menschen und Engel. Er schloß: „Wir erkennen die Einzigkeit und Ewigkeit Gottes an, und schließen alles aus, was seiner Reingeiftigkeit zuwider spricht. Was sinnfällig in Beziehung auf den Sctöpfer ausgedrückt wird, ist nur Bild und Beispiel. Das Buch der Bücher, der Koran, verpflichtet uns zur Lehre des Propheten in der Weise, daß es alle früheren Lehren und Glaubenssätze als unvollständige Vorlehren aushebt und alle Völker der Erde zum Islam ruft. Allah ist Allah, und Mohammed sein Prophet! Er bringt den, der seine Lehre beherzigt und betätigt, in das Gefilde der Seligen, wo des Lebens höchste Genüsse und Freudeu in endloser Fülle und ungetrübter Vollkommenheit blühen. Wehe aber über den, der dem Propheten zuwiderhandelt, sein Weg führt ins Fegfeuer der sieben stämmigen Hölle, zu ewiger Verdammnis! ..." Alkazzi schloß wieder die Augen halb und senkte den Kopf. „Worte!" seufzte Bulan, „Worte eines Buches, welches Menschen, die in ihm erzogen sind, wundersam heilig ist, mir aber mit seinen arabischen Lauten und Zeichen fremd und kalt bleibt. Wo sind die Zeichen und Beweise die unwiderleglich für jeden die Wahrhaftigkeit euerer Lehre Nachweisen?" „An Zeichen und Wundern hat es zur Zeit Mohammeds nicht gefehlt, die die Wahrhaftigkeit seiner Sendung bewiesen, wenn sie auch nicht alle aus uns überkommen sind", wandte Alkazzi etwas gereizt ein. „Was weiß euer heiliges Buch davon zu erzählen, daß und wie sich Gott durch wundersamen Eingriff in den Gang der Natur, ja Auflösung von Naturgesetz beu Menschen offenbart hat?" „Der heilige Koran gibt alles wieder, was auch in der Lehre Mosis vom Auszuge der Söhne Israels aus Aegypten, der Spaltung des Meeres, vom Manna und dem rauchenden Sinai, vom Stillstände der Sonne in den Tagen Josuas enthatlen ist, ebenso wie die Sintflut, Umkehrung Sedoms und Berufung Abrahams erzählt werden. Wer wollte es wagen« an der Wahrheit dieser, von Generation zu Generation überlieferten Berichte zu zweifeln." Der Chakan überlegte. „Auch du, Alkazzi, berufst dich auf die Lehre Mosis?" (Fortsetzung folgt.)

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