Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1920)
- Date
- 1920-04-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile « Nr. 17 Der Jsrseur Ein Aufruf ies wssS itasmanl an 9as arabiidie Volk- Jernfatem, S. April. Der „Waad HaZmani" in Jerusalem wendet sich mit einer Kundgebung an das arabische Volk, in dem er u. a. das von böswilligen Elementen ausgestreute Gerächt, daß die Juden nach Palästina kommen wollen, um die Araber ihrer Rechte zu berauben, sie von ihrem Boden zu verdrängen, als Lüge bezeichnet. Wghr sei, daß Erez-Jsrael das einzige jüdische Vaterland ist. „Es ist das Land unserer Vergangenheit und unserer Zukunft, das Land, in das wir zurückkchren werden, um unser nationales Heim wieder aufzubauen." Aber die Juden seien nicht gekommen, um Krieg zu führen, sondern sie wollen in Frieden leben, arbeiten und aufbauen. In Palästina sei Platz genug für alle. „Wir wollen hier ansässig werden, um den Boden mit unserem Schweiß zu bearbeiten, alle lebendiaen Kräfte zum Wiedererwachen zu bringen, die Naturschätze zu heben. Wir wollen unsere Energie, unser Wissen und unsere moralischen und geistigen Kräfte in den Dienst des Landes stellen. Das jüdische Volk, das während 2000 Jahren von verschiedenen Bedrückern unterjocht wurde, wird niemals jemanden seiner Rechte berauben und nicht in ein Land kommen, um irgendjemanden zu verstoßen oder auszubeuten. Aber keine Macht wird imstande sein, unsere Arbeit zu stören und uns zu hindern, unser Ziel zu erreichen. Die Juden sind bereit, für das Wohl und die Wiederbelebung des Landes mit dem arabischen Volke, das im Lande lebt, mit seinen Massen, Bauern, Arbeitern und Handwerkern, die nicht Streit suchen, sondern friedliche und einige Arbeit wollen, Schulter an Schulter zusamm'en zu arbeiten". Der Aufruf fordert zum Schluß die Araber auf, mit den Juden zusammenzugehen und mit geeinten Kräften den schlummernden Orient aufzurichten, ihn zu beleben und von neuem fruchtbar zu machen auf materiellem und geistigem Gebiet. Die zionistische Leitung erhielt folgendes Telegramm vovl Londoner Auswärtigen Amte: Es ist ein Telegramm an Lord Ällenby abgesandt worden, mit der Weisung, daß sofort Untersuchung über den Tatbestand eingeleitet, alle möglichen Maßnahmen zur Verhütung der Möglichkeit einer Wiederholung derartiger 'Vorfälle getrosten werden sollen und daß'die arabischen Forderungen bezüglich der Auflösung der Zionist Commission und der Demobilisierung des jüdischen Bataillons nicht erfüllt werden können. Vermischtes. Berlin, 7. April. Das Opfer einer bei einem Teil der Reichswehr vorhandenen antisemitischen Stimmung ist der Kaufmann Salomon Katz aus der Zimmerstraße geworden. Katz hatte in Köln geschäftlich zu tun gehabt und fuhr in der Nacht zum 30. März im v-Zug nach Berlin zurück. Auf der kleinen Station Ahlen in .Westfalen hielt der Zug plötzlich und die im Abteil sitzenden sechs Herren, darunter Katz, wurden von Reichswehrsoldaren der Brigade Epp aufgesordert, sich zu legitimieren. Während die fünf anderen Herren unbehelligt gelassen wurden, rief bei Katz ein Soldat dem Leutnant zu: „Herr Leutnant, hier ist ein Jud"! Katz wurde ohne Angabe van Gründen verhaftet und war von diesem Augenblick an verschwunden. Seine von einem Kupeegenossen benachrichtigten Angehörigen wandten sich an Rechtsanwalt Dr. Abraham, der mit sehr weitgehenden Vollmachten des Reichswehrministeriums ausgerüstet, Nachforschungen anstettte, und, indem er etappenweise von Stadt zu Stadt fuhr, endlich fkststcllte, daß Katz, von 16 Reichswehrsoldaten eskortiert, nach Münster i. W. geschafft w-rden war. Auf Ersuchen des Dr. Abraham wurde Katz von dem Kriegsaerichtsrat Rasche sofort auf freien Fuß gesetzt. Als Grund der Verhaftung wurde angegeben, Katz habe im Kupee aufrührerische Reden (!!) geführt und sich als Freund RadekS bezeichnet. Die Anzeige sollte von einer Frau erstattet worden sein, die im Abteil gesessen habe. Tatsächlich haben fick, wie eidlich bekundet worden ist, nur sechs Herren und kerne Frau im Abteil befunden. Gegen die beteiligten Solda.en wird ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung eingeleiiet werden. Berlin, 16. April. Den Monumentalbau der Synagoge in der Fasan enstratz e haben sich bübische Hände dazu ausersehen, um die kunstvollen Eingangsx tore mit schwarzer Oelfarbe in Form von großen, sogenannten Hakenkreuzen zu bemalen. Auch mehrere der Synagoge benachbarte Häuser sind mit diesen Hakenkreuzen „geschmückt" worden, die in gewissen Kreisen als antisemitische Wahrzeichen gelten. Haustüren und Parterrefenfter einzelner Wohnungen sind gleichfalls mit diesen Kreuzen in starken Farbenaufstrich übermalt. Die Täter haben ihr Werk in einer der letzten' Nächte verübt und sind leider nicht b.-obachtet worden. Die Versuche, die Kreuze zu entfernen, waren nrit einfachen Mitteln vorläufig ergebnislos. Die Synagogenverwaltung sieht sich genötigt, die Portale durch Handwerker abhobeln und reinigen zu lassen. Würzbnrg, 20. April. Freitag, den 16. April (28. Nissan), wurde in der Seminarfynagoge der erste JahrzeitStag des verewigten Vorstandes Rabbiner Nathan Bamberger, durch eine pielätvolle Gedenkfeier begangen. Außer den Schülern und dem Lehrkörper des Seminars, hatten sich Vertreter des Kuratoriums, der Familie Bamberger, sowie ein Kreis von Verehrern eingesunken. Seminarist Lieber eröynete die Gedenkfeier durch Gesangsvortrag des Seelengebeies. Anstaltskassierer Grotzkaufmann Hermann Buxbaunr übergab eine Marmorgedenktafel und führte aus, daß das ehrendste Gedenken im Festhalten am Borbilde des Verewigten bestehe. Unter Leitung des Seminarlehrers Dr. Feinberg wurde Schiur gelernt, dem sich eine Gedenkrede deS Schiurleiters anschloß, der ein Charakterbild des Heimgegangenen Rabbi entwarf. Kaddisch beschloß die einfache aber würdevolle Gedenkfeier. Nürnberg, 13. April. Im überfüllten Saale des „Grand Hotel" fand Dienstag abend eine machtvolle Kundgebung der gesamten hiesigen Jugend statt. Fünf Redner aller Richtungen kennzeichneten ihre „Stellung zur deutschen Gesellschaft". R. A. Dr. Rauh eröffnete die Versammlungdas Gemeinsame aller Inden sei die Liebe und Treue zum Judentum und das Bestreben, dasselbe zu vertiefen und zu verinnerlichen. Als erster' Redner sprach Herr A. Klug mann von der „Aguda". In seinen klar disponierten Ausführungen wies er ctuf das ideale Streben der Orthodoxie hin, der nichtjüdischen Gesellschaft Werte und Gedanken vorzuleben, ihr die göttliche Ethik zu übermitteln. Tiefen Eindruck hinterließ der'" reiche, tiefe Gehalt der mit innerem Feuer vorgetragenen Rede, die mit lang andauerndem Beifall ausgenommen wurde. Ein Vertreter des ZentralvereinS, I. Weinschank, rechnete mit den Antisemiten ab und polemisierte gegen die Zionisten. Eine rhetorisch gute und tiefwirkendste Rede hielt Karl Glaser, Redakteur des; „Echos". Besonders hervo-'zubeben wären die glühenden j Worte für das alte, überlieferte Judentum, die der r Zionist fand. Der nächste Redner, Kurt Neu, r sprach wie er sagte, für die Partei der ungeklärten? Köpfe und damit fü" den größten Teil der jüdischen j Jugend. Jüdischer Wellschmerz, Zweifel, Qualen der Jugend, spielten eine wichtige Rolle in der wortreichen Rede. Die Versammlung verlief würdig und harmonisch, i bis zum Momente, da der letzte Redner, der liberaleRabbiner Dr. Heilbronn, auf den Plan trat und durch seine gehässige Polemik gegen die Orthodoxie zum guten Teil die Wirkung deS Abends zerstörte. Bon Zwischen, rufen unterbrochen, schloß er seine Rede unter lebhaftem Widerspruch. Nach einem schönen Schlußwort des Herrn Dr. Rauh wurde die Versammlung geschloffen. Uürth i. Baden. 26. März. Durch zwei Ereigniffe wurde in diesem Monat neues Leben in unseren j Aguda-Gruppen geweckt: durch die Palästinawoche und durch den Besuch Dr. Nathan Birnbaums. Die Palästinawoche, die gemeinsam mit den Nürnberger Gruppen veranstaltet wurde, brachte unS außer einer wohlgelungenen Purimseier der Jugendgruppen einen Vortrag von Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg. Der beliebte Redner sprach über das Thema: „Wir und Erez Jlsroel." Er führte aus, daß die Sehnsucht nach dem Heiligen Lande aus verschiedenen Motiven entspringe, daß aber die richtige Sehnsucht nur durch . Vertiefung' in unser heiliges Schrifttum gewonnen werde. Es komme nicht so sehr darauf an, sich an den Schnittern zu freuen, die die Ernte des heiligen Bodens heimbringen, als vielmehr den Geist der Väter im Lande Israels zu erneuern. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommenein zionistischer Redner, der die Aouda 'aufforderte, mit den Misrachisten zusammen die orthodoxen Ideen innerhalb des Zionismus zu vertreten, wurde von dem Referenten in glänzender Weise widerlegt. — Die Palästina-Sammlung, um die sich Herr Simon Höchster als Vertrauensmann sehr verdient macht, verspricht ein ansehnliches Ergebnis. Wenige Tage darauf durften wir Herrn Dr. Nathan j Birnbaum hier begrüßen. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden der Ortsgruppe, Pros. Dr. Feilchenfeld, behandelte der Redner sein Thema: „Einsames Volk". Der reiche Gedankeninhalt deS Vortrages, der auch durch die glänzende Form und die steigende Begeisterung des Redners mächtig auf k die Zuhörerschaft wirkte, läßt sich in knappem Rahmen j nicht wiedergeben. Nur soviel /ei davon gesagt: f Birnbaum meint, wenn er das jüdische Volk einsam! nennt, nicht die Einsamkeit der Verfolgung und des I Unglücks, sondern die Einsamkeit deS Glückeder Srr 86 April 1980 wählung zum GotteSvolk. Israel ist auSerwählt, damit wir sein Volk seien und uns heiligen in seinem Dienste — nicht zum Schaden der andern Völker, sondern nur, daß wir den andern mit gutenk Beispiel vorangehen. Es ist kein Grund zu triumphieren, daß wir nicht mehr das alte adelige Volk Gottes sind. Es ist eine große Selbsttäuschung der „aufgeklärten" Juden, wenn sie meinen, daß die Welt ungläubig geworden sei. Es ist vielntehr nur eine vorübergehende Erscheinung, daß der alte heidnische Geist sich wieder ausbäumt geg n den jüdischen Geist, der zu Gott hinlenkt. Die Gläubigkeit nimmt zu und wird schließlich den Sieg davontragen. Stolz aus unser Judentum, Stolz auf unsere heiligen Satzungen muß uns erfüllennur durch ihre volle Beobachtung machen wir uns unseres Vorzuges würdig. Der Redner schloß mit einem warmen Appell gerade an die Mitglieder unserer altehrwürdigen Gemeinde, sich ihrer großen Vergangenheit würdig zu zeigen Rauschender Beifall folgte den begeisterndeu Worten des Redners - in eine Diskussion, die nur abschwachend hätte wirken können, wurde nicht eingetreten. Mir warmen Dankesworten, die zur Beherzigung des Gehörten und zu eifriger Werbearbeit für die Aguda aufforderten, schloß der Vorsitzende die glänzend verlaufene Versammlung. Der für den folgenden Tag angesctzte Vortrag in Nürnberg, sowie eine Jugendversämmlung in Fürth, in der Dr. Birnbaum gleichfalls sprechen wollte, konnten leider wegen der politischen Unruhen nicht statt finden. Mutterstadt, 12. April. Die hiesige israelitische Schule, die in den letzten Jahren nur wenige K-nder hatte, soll ab 1. Mai nächsthin auf. gelöst und der derzeitige Inhaber der Schulstelle, Herr Lehrer Mich. Rosen stiel, der über die Kriegsjahre an der hiesigen protestantischen Schule eine Schulklaffe führte, pensioniert werden. Kirchen, 12. April. Ein gemeindepolitischer Kampf, auf dessen Ausgang man gespannt sein darf, hat sich hier entspannen. Auf Antrag der hiesigen Landwirte, die sich weigerten, Vieh abzugeden, wenn es geschachtet wird, hat .der hiesige Gemetnderat beim Bezirksamt Lörrach die Auf- Hebung der Schachtung beantragt. Als Begründung führt er an, daß dasselbe eine unnötige Tierguälerei sek, und daß in unserer jetzigen lebensmitteiarmen Zeit alles verwendet werden müsse, auch das Vlui, das beim Schächten verloren geht. Die Entscheidung darüber, ob die Schächtung aufgehoben wird oder nicht, liegt zur Zeit beim Landeskommissar in Freiburg. Es dürste der Behörde in Freiburg nicht schwer fallen, Sradtrat und Landwirte von der Unsinnigkeit der Annahme, daß gegen das Schächten ethische oder hygienische Bedenken sprechen, zu überzeugen Neumagen a. d. Mosel, 28. März. In der Zeit der Hochflut des Antisenlittswuses ist es erfreulich, auch einmal einen Akt von echter Humanität eines christlichen Gemeindcrates rühmend veröffentlichen zu können. In Anbetracht der teuren Lebeusverhülmiffe gewährte der hiesige Gemeinderat den Lehrern des Ortes im Herbste vorigen Jahres eine einmalige Teuerungszulage von 300 Mk. und im verflossenen Februar eine nochmalige Teuerungszulage von 2109 Mark. Aus Antrag der' Gesamtlehrerfchast des Ortes bewilligte der Gemeinderat einstimmig die beiden Zulagen auch dem Lehrer Grünewald, dem derzeitigen Inhaber der israelitischen Bolkssckulstelle dahier mit dem Bemerken, die israelitische Gemeinde trage zu allen Kommunallasten bei, sei i.ber nicht leistungsfähig genug, um ihrem Lehrer die oben erwähnten Zulagen zu zahlen, deshalb halte er es für seine Pflicht, diesem die den christlichen Lehrern bewilligten Teuerungszulagen aus der Kommunalkaffe zu gewähren, denn der israelitische Lehrer dürste vor seinen christlichen Kollegen nicht zurückgesetzt werden. Manche jüdische Gemeinde, die leistungsfähig ist, könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Hannover. 11. März. In der Erez JiSroel- Woche veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel einen öffentlichen sehr beifällig aufgenommenen Bortrag deS Herrn Dr. Nathan Birnbaum über „AgudaS JiSroel und Erez Jisroel". Eine sich anschließende Purimseier nahm einen sehr schönen Verlauf und hielt die Mitglieder der Ortsgruppe und ihre Freunde bis zur späten Stunde zusammen. Die Geldsammlung ist noch nicht abgeschlossen, läßt aber et« befriedigendes Ergebnis erwarten. Saddat-Anfang und Ausgang. a'EHp '-inx rotp 0 R Ti Anfang WatUM AuSgang Ubr >Min. 1920\ 5680 Uhr' jMm. Frankfurt a. M. 7 10 ) 30. April IS. Aar S 86 Berlin .... — — — — München . . . f IS i 8 10 Gtrakbrrrg - - — — i — — Stuttgart. . . — — i — — Pose« .... — > —! — Nürnberg, . . 7 _ i 8 17 Hamburg . . . — : _ 8 44