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Der Israelit · 1920-04-29 · Heft 17 (29.4.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 17 (29.4.1920)
Date
1920-04-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 No. 17 Der Israelit. 29. April 1920 Spaten, Heugabeln, Hacken, Schippen und Schaufeln, einschartgen Pflügen, Gras- und Getreidemähmaschinen, Säemaschinen und Dreschmaschine, alles tut Not". Die SynoSalroahien in Sagen. Karlsruhe, 26. April. (Tel. Bericht.) Nach dem vorläufigen Ergebnis haben bei der gestrigen Synodalwahl die Konservativen von den 21 Sitzen in der Synorde, elf errungen. Es durften in die Synorde einziehen: Dr? Jonas Simon, Heidelberg- Rechtsanwalt Dr. Kassewitz, Freiburg- Rechtsanwalt Dr. Pfälzer, Weinheim; Dr. Heilbron, Gailingen - Josef Bloch-Dreifuß, Freiburg-Land- Hch. Weil, Emmendingen- Louis Weil, Offenönrg- Gust. Hoch Herr, Eppingen- Dr. Jul. Moses, Mannheim- Eduard Bauer, Mannheim; Rechtsanwalt Dr. Hugo Marx, Karlsruhe. Line Versammlung jüöifcher Seminaröireftforen. Lasset, 20. April. Am 12. und 13. April b. Js. fand in Cassel! eine Zusammenkunft der Direktoren der fünf jüdischen Lehrerseminare Preußens (Dr. Ca.rlebach- Cöln, Guttmann - Berlin, Knoller - Hannover, Lazarus-Cassel, Stcinthal-Münster) statt, um über die Fragen zu beraten, die sich aus der inneren und äußeren politischen Umgestaltung und der Abwanderung der Juoen in die Großstädte und dem Rückgang der Landgemeinden aus der zunehmenden Abwendung unseres Nachwuchses vom Lehrerberuft, sowie aus der Neuordnung des gesamten Lehrerbildungsweftns für die jüdischen Seminare ergeben. Außerdem nahmen die Seminarlehrer aus Cassel, sowie Vertreter des Vorsteheramtes der Israeliten zu Cassel an der Behandlung teil. Es wurde zunächst betont, daß die Ausbildung jüdischer Lehrer nach wie vor an den jüdischen Anstalten erfolgen müsse, denn von dem Vorhandensein eines jüdischen Lehrerstandes, nicht einer gewissen Zahl von Lehrern, die zufällig Juden sind — hänge der Fortbestand des Judentums ab. Kleine und mittlere jüdische Gemeinden ohne Lehrer seien dem Untergang geweiht. Aber man verschloß sich auch nicht der Erkenntnis, daß begeisterte und befähigte junge Männer, sich auf die Dauer nur dann dem Lehrerberuse widmen werden, wenn sie eine auskömmliche Besoldung erwarten dürfen- Die Konferenz nahm deshalb eine Resolution an, die allen die allgemeinen Interessen des Judentums wahrenden Verbänden zugesandt werden soll und folgende Stellen enthält: „Die Direktoren der jüdischen Seminrre in Preußen halten unter den geqenn:artigen Verhältnissen noch mehr als früher, die Ausbildung von pädagogisch und wissenschaftlich auf der Höhe ihrer Aufgabe stehenden Lehrern im Interesse der Erhaltung des religiösen Lebens — namentlich in den kleinen und mittleren Gemeinden — für eine unabweisbare Notwendigkeit. Sie sind aber auch überzeugt, daß die Möglichkeit der Heranbildung einer ausreichenden Zahl tüchtiger Netigionslehrer und KultuSbeamter nur gegeben ist, wenn ihren Schülern eine sichere und auskömmliche Besoldung in Aussicht gestellt werden kann. Sie richtet deshalb an die jüdischen Verbände das dringende Ersuchen, durch großzügige Altionen, wie eine solche schon vom Bunde gemäßes treuer jüdischer Gemeinden in die Wege geleitet worden ist, durch Zusammenfassung aller Kräfte und Inanspruchnahme aller dazu berufenen Organe namentlich den kleinen Gemeinden, die Anstellung erneS der Würde feines Berufes und den Verhältnissen der Gegenwart entsprechend besoldeten Lehrers und Kultusbeamten zu ermöglichen." Die Versammlung hielt es dann für nötig, ihre Stellungnahme zur jüdischen Volksschule dahin zu präzisieren, daß die Errichtung jüdischer Bekenntnisschulen überall da, wo sie möglich sind, von den Gemeinden auch gefordert werden soll. Denn nur durch die jüdische Bekenntnisschule könne eine wahrhaft jüdische Erziehung unserer Jugend, nur in ihr voller Schutz gegen konfessionelle Verhetzung gewährleistet werden. An dritter Stelle beschäftigte sich die Ver- | sammlung mit der Umgestaltung der Seminare. Nach der Reichsverfassung erwerben sich die künftigen Volksschullehrer ihre Allgemeinbildung auf einer höheren Lehranstalt, die Fachbildung wird voraussichtlich auf besonderen pädagogischen oder auf den bestehenden Hochschulen erfolgen. Schon hat die preußische Landesversawmlung in der Sitzung vom 12. Dezember 1919 beschlossen, die Staarsregierung zu ersuchen, die in der Neichsversassung ausgesprochene Forderung zu verwirklichen und zu den bestehenden höheren Lehranstalten als gleichberechtigt eine neuzuerrichtende höhere Schule aus ausgesprochen deutscher Grundlage, die sich aus der Volksschule auföaut, die deutsche' Oberschule, treten zu lassen, die bisherigen Lehrerbildungsanstalten in deutsche Oberschulen zu verwandeln und die Fachbildung auf besondere pädagogische, oder die bestehenden Hnchschulen zu verlegen. Die Teilnehmer der Versammlung waren einstimmig der Ansicht, daß auch die jüdischen Seminare in deutsche Oberschulen verwandelt werden müßten, um ihrer Bestimmung, jüdische Lehrer heranzubilden, erhalten zu bleiben, daß ferner besondere Einrichtungen getosten werden müßten, um ihren Abiturienten die Möglichkeit einer speziellen Ausbildung aus dem Gebiete der Rellgionswlssenschasten, der Religionsmethodik und des Kantorats zu ermöglichen. Aber auch darüber war mau sich einig, daß die Zahl der jüdischen Lehrerbildungsanstalten zu groß sei und daß Schriite getan werden müßten, um eine Zusammenlegung der Anstalten in Harmover, Cassel und Münster herbeizuführen. Unter den Versammelten herrscht über die Notwendigkeit dieser Maßnahme volle Einigkeit. Sobald die neuen Bestimmungen über das Lehrerbildung-Wesen veröffentlicht sein werden, soll in einer gemeinsamen Sitzung der Lehrerkollegien und der Verwaltungskörperschaften der drei Seminare die Praktische Durchführung der Zusammenlegung erwogen werden. Sowohl um der Hebung der Leistungsfähigkeit der Seminare willen wie auch aus paritätischen Gründen wird es für nötig gehalten, daß der Staat, der bisher schon einzelne Anstalten subventioniert hat, sich mehr als bisher des jüdischen Lehrerbildungswesens am-ehu.e, und soll der Vertreter des Verbandes der jüdischen Lehrervereine auf der demnächst ftattfindenden Reichsschulkonftrenz ersucht werden, für den Fall, daß' der konfessionelle Charakter der Seminare gewahrt bleibt, die Umwandlung von zwei bis drei jüdischen Seminaren in staatliche zu fordern. Allgemein wurde geklagt, daß unsere Schüler mit einem zu geringen jüdischen Wissen in die Seminare eintreten, und von allen Setten wurde gefordert, daß die Religionsfächer eine stärkere Betonung erfahren. Schließlich wurde die Forderung ausgesprochen, daß die an den jüdischen Seminaren beschäftigten Lehrkräfte inbezug auf die Besoldung den Lehrern an den staatlichen Anstalten gleichgestellt werden. Unter jämtlichen Beteiligten herrschte nicht nur in den Hauptfragen, sondern auch in den Einzelheiten eine erfreuliche Einmütigkeit. Oeste^eritz. Neue poinifche Pogrome. Wien, 17. April. Flüchtlinge aus Sstgalizien, die vor wenigen Tagen aus den Gegenden von Kolomea, Brody und Tarnopol nach Wien gelangt sind, berichten über furchtbare Ausschreitungen der in Ostgalizien zum Kampfe mit den Bolschewisten zusammmgrzogenen polnischen Truppen. Diese Ausschreitungen richten sich ausschließlich gegen Juden und Ukrainer. In den meisten Städten und Städtchen fanden Pogrome statt. Die polnischen Soldaten plündern unter den Augen ihrer Kommandanten. Das berüchtigte Bartabschneiden, ein Hauptspaß der Truppen des Generals Haller, wird neuerdings praktiziert. Die ungesehensten Juden und Ukrainer werben in Rudeln zusammengetrieben und zu den niedrigsten Zwangsarbeiten angehslten. Besonders häufig sind Ueberfälle auf Gotteshäuser, aus denen die Gläubigen mit Gewalt zu Arbeiten hinter dcr Front geholt werden. So überfielen Hallertruppcn am Zweiten Peffachfeste in Kol omea die Hauptsynagoge und trieben die zu feierlichem Festgetzet versammelten Juden zusammen und zwangen sie zum Verladen von Kriegsgerüt. Aehnliche Vorkommnisse spielten sich in Brody und in der Umgegend von Brody ab. Bisher sind viele Mordtaten vorgekommen. Zahlreiche Einwohner flüchten ins Ungewisse. DJiener Brief. Men, 20. April. Bei der Beratung der neuen Gemeindereform (sie wurde schließlich mit den Stimmen d'er Jüdischnationalen und der Sozialisten gegen die Christlichsoziaien und Tscheschen angenommen) im Gemeinderate brachten die Abgeordneten Dr. Ehrlich und Dr. Plaschke die nationale Radaupolitik der Rechtsparteien zur Sprache, schilderten die Vorgänge an der Grazer Universität, wo man jüdische Studenten ohne Grund zurück^ewiesen und geißelten scharf das erbarmunglose Vorgehen gegen die Ostjuden. Die Gegner der Vorlage ergingen sich natürlich in antisemitischen Ausfällen. Die angenommene Reform tritt mit dem 1. Juni in Kraft und bringt einen freieren Geist in die Zusammensetzung und Arbeit des Siadtparlamentes. — Ein Lohnkampf der Angestellten ist in der israelitischen Kultusgemeinde ausgebrochen, der möglicherweise zum Streike der letzteren führen wird. Die jüdischen Reltgtonslehrer an Volks - und Bürgerschulen verlangen vom Vorstand der Kultusgemeinde die Gleichstellung im Gehalt mit den städtischen Lehrern. Dieser Kampf nähert sich nun dem Höhepunkt, denn die Religionslehrer haben in einer Resolution an den Vorstand ein Ultimatum gestellt und drohen mit Einstellung des Unterrichts. Der Vorstand der Kultusgemeinde behauptet, nicht in der Lage zu sein, ihnen auch nur ein halbwegs menschliches Auskommen zuteil werden zu lasten. Nun soll dieser stille Kampf, der sich bis jetzt in den Bureaus der Kultusgemeinde abspielte, in der Ocffentlichkeit ausgetragen werden. Die Religionslehrer wollen mit" der Einstellung ihrer Arbeit, mit der Lahmlegung des Religionsunterrichts und der Störung des ganzen öffentlichen Unterrichtes nicht nur die kommunale Behörde, sondern hauptsächlich die jüdischen Steuerträger aus ihre kritische Lage aufmerksam machen. Die Wiener Kultusgemeinde sollte doch Mittel und Wege finden, ihre 50 Religionslehrer wenigstens so zu stellen, daß sie nicht hungern müssen. Engiifdie Biife. Men, 22. April. Die „Agudas Jisroel London" bat für Ihre notleidenden Brüder in Wien 72000Kronen zu Pessach gespendet, welche von einigen anderen gutherzigen Leuten in London aus Kronen 90000 erhöht wurden. Das Geld wurde an Arme, Talmide Chachomim, sowie an Kranke, Invalide, Witwen, kinderreiche Familien und Festbesoldete verteilt. Eine Sammlung in der Wiener Aguda brachte den Reinertrag von 50000 Kronen, welche ebenfalls an Bedürftige verteilt wurden. Die Aguda-Zentrale in der Schweiz sandte ungefähr 4000 Kilo Mazzos und über 100 Kilo Fett (streng kosche.), welche ebenfalls gratis an Bedürftige abgegeben wurden. Insbesondere wurden durchreisende Palästina-Heimkehrer, E.mig r an t en und solche Personen bedachtt, die keinen Anspruch auf die offizielle Mazzosbeteiligung hatten.

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