Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1920)
- Date
- 1920-04-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450088-2450103--68182-2525284- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
m. gyt« na* *___ Die Bsrschule der Jeschirva bildet die ihr als Unterabteilung angeschlöffene Talmud-Thsraschule, KN der eine akademisch gebildete Lehrkraft tätig ist, die durch ihre besondere Unterrichtsmethode den Talmud-Thoraschülern den Wortschatz der Thora zum geistigen Besitz macht. Das regelmäßige Wochenpensum an der Talmud-Tyora bildet die ganze laufende Sidra mit den entsprechenden Erläuterungen, wobei sich der Raschiunterricht einer ganz besonderen Pflege erfreut. Der Begründer der Leipziger Jeschtwah und Talmud-Thora des Vereins „Ahavas-Thora", der sich so hohe Aufgaben zum Ziele gesetzt hat, darf zuversichtlich hoffen, daß nicht nur. die gesetzestreuen Juden Leipzigs, sondern auch die des/ gesamten deutschen Reiches ihre Aufmerksamkeit dieser jüdischen Pflegestätte zvwenden werden, und ihre die regste materielle Förderung zuteil werden lassen. Spenden nimmt Herr Kassierer A. Weigler, Leipzig, Tauchaerstr. 22, Postscheckkonto 52135 dankend entgegen. - > -NH - ■< Die flusroeifungen. München, 15. April. Die zu Pesach erfolgten und dann, dank den rührigen Bemühungen einiger Herren, verschobenen Ausweisungen sind dieser Tage von neuem ergangen, sodaß in dieser Woche zahlreiche Ostjuden, von München allein vorläufig mindestens 500, Bayern verlaffen müssen. Bei der Denkungsart der bayerischen Regierung war eine neuerliche Milderung nicht zu erreichen, im Gegenteil ist zu befürchten, daß^rr bisherigen Ausweisungen bald weitere folgen werden, wenn die Landtagswahlen, die in 8 Wochen stattfinden sollen, nicht eine grundlegende Aenderung der Regierung bringen - werdend Segen Sie ungarischen öreuei- Wien, 13. April. Am Sonntag fand eine große Protestversarmnlung gegen die ungarischen Judenverfolgungen statt, in der Obberrabbiner Chahes als Hauptredner erschütternde Einzelheiten über die Schicksale der unglücklichen Opfer des ungarischen weißen Schreckens mitteilte und an das Gewissen der Kulturmenschheit appellierte. Ts tijedjxr-gHo waket. wellkonkeren? )K9ifdWo?mlitfi!(iier Parteien. ^rag, 6. Avril. Die hier stattgehabte Konferenz der Zeire Zion und des Hapoel hazoir hat zur Vereinigung dieser beiden Parteien, .die stch von Psale Zion durch stärkere Betonung des jüdisch-nationalen Moments unterscheiden, geführt. Tine große Rolle spielte Dr. Martin Bub er 8 auf der Tagung, die aus Palästina stark beschickt war. Dr. Schemaya Levin vertrat das Londoner zionistische Aktionscomttee. Noten. vle Srem9en. Warschau, 11. April. Wie ernst es mit der Entfernung der Fremden gensmmen wird, beweist der Umstand, daß man sich bereits nach Aufnahmcorten für die ÄuSge-- wiesenen umgesehen hat. Auf Grund einer Anfrage bei den Stadtverwaltungen sind bereits 21 Gtädte in Palen als vorläufige Aufenthaltsorte den Fremden zugewiesen. Dos Innenministerium plant die Beseitigung von einigen zehntausend Fremden „mit Rücksicht auf die Wohnungs- und Lebensmittelnot" baldigst durchzu führen. warschauer Brief- Warschau, 12. April. Da alle Bemühungen beim Ministerium und im Landtag gegen die Volksbelustigung der Bartabschneidens bisher ihre Wirkung verfehlten, wandten sich die orthodoxen Ratmänner dieser Tage noch einmal an alle zuständigen Der Israeli». Ar. IS «**;« ft Instanzen, mit dem Erfolge, daß die Wachen in den jüdischen Gaffen verstärkt und mit den nöt-gen Instruktionen versehen wurden. Anwidernd ist die Art, wie eine gewisse jüdische Preffe auch diese traurigen Erscheinungen zum Gegenstände der beliebten Orthodoxenhetze macht. Der „Moment" ist der merkwürdigen Meinung, daß der Unfug des gewaltsamen BartabschneidenS in erster Reihe die Orthodoxie angrhe und ge-« rade diese sich in der Sache gleichgiltig verhalte. Falsch ist erstens, daß die dem Judentum angetane Schmach nur von den eigentlich Betroffenen empfunden werden darf und unrichtig ist es ferner, daß die Vertreter der Gesetzestreuen sich nicht energisch. ins Mittel gelegt hätten, ihre Brüder zu schützen. Zwanzig jüdische Kinder, Waisenkinder aus Galizien, die als Heimatlose aus Wien abtransporüert worden sind, sind durch Vermittlung des polnischen Konsulates in Wien, in Warschau angelangt. Das Zentralbüro der Aguda übernahm die heimatlosen Kinder und versorgte sie in jüdischen Kinderheimen. Wie traurig es mit der Mazzoversorgung dieses Jahr in Warschau bestellt war, geht aus einem Artikel in der am Rüstetag zum Pesachfefte erschienenen Nummer des Warschauer „Jud" unter dein Titel: „Wann wird die Gemeinde den Mazzospreis festsetzeu" hervor. Es wird darin auf Unzuträglich ketten hingewiesen, die sich durch Spekulationen und wucherischen Allüren von Händlern im freien Mazzoverkauf herausentwickelt haben. ES wird der Gemeinde Mangel an Umsicht und Emsicht vorgeworfen, wodurch es möglich war, daß sich Wohlhabende zu enormen Preisen weit über ihren Bedarf hinaus mit Mazzaus versorgen konnten, aus Kosten der ärmeren und Mitteistandsbevölkerung, die den Miuimalprcis von Mk. 20.— per Pfund kaum ausbringen kann. teiligt. Fünf Juden fanden den Dvd, zweihundert Juden trugen Verletzungen davon und selbst dre* Frauenschändunqen wurden verübt. Die britischen Verwaltungsbehörden verhielten sich sonderbarerweise passiv, obzwar sie von der zionistischen Kommission rechtzeitig gewarnt und auf die bestehenden Gefahren aufmerksam gemacht worden waren. Selbst das zionistische Angebot, zum Schutze der Bürger ein Selbftschutzkorps beizustellen, wurde abgelehnt, und einige Mitglieder der für alle Fälle geschaffenen Selbstfchutzabteilu.^g wurden sogar verhaftet. ' Die zionistische Kommission forderte nunmehr die strenge Bestrafung der arabischen Aufwiegler, die Enthebung der kompromittierten städtischen Funktionäre, ferner völligen Schadenersatz, und die Einsetzung einer Untersuchungskommission unter Beiziehung der Vertreter der Juden. ' Die englische Regierung erklärt, daß seit dem 7. April in Jerusalem Ruhe herrsche und kein Anlaß zur Furcht vor einer Wiederholung von Unruhen vorlieqe. LnglsnS un9 Paläffina. «London, 16. April. „Times" veröffentlichte am Mittwoch ein sensationelles Telegramm aus Washington, worin die englische Regierung nach Gerüchten „in gewöhnlich gut informierten Kreisen" — der Absicht beschuldigt wird, die Balfour-Deklaration zurückzuziehen. Palästina solle dem Emir Faisul gegeben werden unter Garantie jüdischer Minoritätsrechte. Die Times wendet sich in einem Leitartikel unter der Ueberschrift „Das gelobte Land" heftig gegen derartige Absichten, die wenn sie beständen, England wortbrüchig machen und eine starke anttengüsche Propaganda in Amerika entfesseln würden/ Es ist nicht anzunehmen, daß man in so kraffer Weise Vorgehen wird, wie die Washingtoner „Gerüchte" besagen) aber es gibt ja Mittel und Wege genug, um auch ohne Wortbruch die praktische Verwirklichung der Palästina-Hoffnungen zu vereiteln. Nordau und Joseph Co wen verlangen stürmisch eine sofortige jüdische Masseneinwanderung nach Palästina als einziges Mitte! zur Rettung der Situation, d. h. zur Majorisierung der Araber. Irgendwelche Aussicht hat dieses Programm jedoch leider nicht. Die örffioööxiß und die Hahlen. Jerusalem, 2. April. Die Ratbinen Diskin und Sonnen seid fordern zur strikten Wahlenthaltung auf, weil die Beteiligung der Frauen gesetzwidrig sei. Rabbiner Kuk hat sich, trotzdem er den letzteren Standpunkt teilt, dem Aufruf nicht angeschloffen) die Misrachisten werden wählen. Die Delegiertenversammlung wird demnach eine ausschließliche Ziontsten-Vertretung sein. Die kx?slle in Jerusalem. London, 13. April. Laut Mitteilung der zionistischen Kommission in Beirut vom 10. April haben sich bei den Jerusalemer Unruhen die arabischen Polizeileute an den Plünderungen und Gewalttätigkeiten be¬ Hauptlehrer Jfaoe Braver 7,"^. Jchci,hausen, 4. April. Am 20. Adar hauchte HaupNevrer Jsaac Brader seine edle Seele aus. Das bedeutet für unsere Gemeinde und für die Judenheit Bayerns einen empfindlichen Verlust. Der Verklärte ragte in unsere Zeit hinein als ein memento jener Zeiten, in der jüdische junge strebsame Leute auf die eigene Kraft und aus die Fähigkeit ihres eigenen Willens angewiesen waren, um die Vorbereitung für den dornenvollen Beruf des jüdischen Lehrers zu treffen. Unsere junge Generation hat kaum einen Begriff von dem Idealismus, weicher Leure wie Bradec d"7 erfüllte. Er lebte in einer Welt des Altruismus, die Kinder waren ihm ein Heiligtum, die Schule war ihm ein Eden und die Gemeinde war ihm die Stätte, in der er an jedem Einzelnen selbstlose Wohltat ausübte. Jedes bedrückte Her^ suchte ihn und fand bei ihm Trost und Genesung. Seine Sabbaioorlräge führten zwanglos zur Erfüllung der jüdischen Weltanschauung, sein Gotteswort einte in unzähligen Füllen Entfremdete und Friedlose. Die Vielen, die an seiner Bahre weinten, zeugten, daß sie einen Vater verloren hatten. Sein Andenken ist in unserer Gemeinde unvergeßlichdie Erinnerung an ihn ist und bleibt ein Bregen. ,1"28Zri Bad Kissingrn, 8. April. Im hohen Alter von fast 75 Jahren starb nach schwere,,! Leiden Frau Klara Seelig, die Gattin des lamljährigen hiesigen fcn'B» Isaak Seeiig. Eine würdige, bescheidene Iran, die durch ihr feines Wesen, gepaart mit echtjüdischer Frömmigkeit, allseits bekannt und hochgeschätzt war. Ihren, Manne stand sie als wahres nsPK, ihren Kindern, die sie in ihrem Sinne zu echten Jehudtm erzog, als treusorgende Mutter zur Seite. Bei der Beerdigung, die ein getreues Bild gab von der großen Beliebtheit der Verstorbenen, schilderte Herr Dtstriktsrabbiner Dr. S. Bamberg er an der Hand kerniger Nim '131 das vorbildliche Wesen dieser edlen Frau unter Berücksichtigung der Zeit, die «ein ergentlrcheS *183.1 untersagte. Alsdann nahm in ergreifenden Worten der Sohn der Verblichenen, Lehrer Seelig aus Bad Orb, Abschied von der geliebten Mutter. n"3!Wi. Köln, 18. April. Der Schulrat der „Jawne", Höhere jüdische Schule i. E. (Realgymnasium und Lyeeum), hat Herrn Oberlehrer Dr. Cahn, bisher in Leipzig, der längere Jahre an den staatlichen Gymnasien in Wiesbaden und Hersfeld gewirkt hatte, zum Direktor der Jawne erwählt. Herr Direktor Dr. Cahn, den» ein ausgezeichneter 'Ruf als Pädagoge und Gelehrter vorausgeht, ist bereits in fein Amt eirtgeführt und hat mit Beginn des neuen Schuljahres die Leitung der Jawne übernommen. Wir hoffen, daß die junge Anstalt unter seiner sachkundigen Leitung sich immer mehr ausgestalten möge und sich tu weitesten jüdischen Kreisen stets zunehmender Beliebtheit erfreuen wird. Hamburg, 15. April. Der Vorsitzende des Heine'fchen Krankenhauses, Borstandsmttgltcd Marcus Berth, ist im 78. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene hat sich um das Krankenhaus wie uw die Verwaltung der Gemeinde überhaupt große Verdienste erworben. Posen, 10. April. Der bisherige Konitzer Rabbiner Dr. Go itschalk hot sein Amt als liberaler Rabbiner der Synagogengemeinde Posen angetreten. Sratmar, 15. April. In Szatmar ist am 9. März eine Leuchte deorthodox-jüdischen Lebens Oberungarns, Rabbi Jehuda Grünwald, im Alter von 70 Jahren verschieden. Rabbi Jehuda Grünwald galt «IS einer der einflußreichsten Führer als eine der mächtigsten Stützen der nordungarischen Orthodoxie - in seiner Jeschiwa, deren Ruf wett über die Gemarkungen Oberungarns htnausretchte, lauschten alljährlich uiehrere hundert Bachurtm seinen geistvollen Vorträgen und wir können ohne Uebertreibung sagen, daß er »ährend seiner 40 jährigen Tätigkeit als Rabbi über 10.000 Schüler in den Talmud eingesühat hat. If'aswn.