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Der Israelit · 1920-04-15 · Heft 15 (15.4.1920) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 15 (15.4.1920)
Date
1920-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8 Nr. 1b Der Ksrseltt. inderecke Cheldai und Veruril. sTakmudische Erzählung, nach Jawez.) An einem brennend heißen Tage schritt ein etwa 17 jähriges Mädchen die Straße dahin. Sie war sehr schön, und die Leute nannten sie darum Berurit, das heißt jene, die gleiche der Sonne auserwählt ist. Als sie weiter ging, verspürte sie Durst und neigte sich, um aus dem Brunnen auf dem Felde zu ^rinken. Da kam ein starker Jüngling hinzu, der trieb sein stattliches Roß zur' Tränke. Der Jüngling blickte auf sie und auch sie wandte sich ihm zu und blieb von ferne stehen. Der Jüngling merkte dies, bestieg sein Roß und ritt weiter. Aber er kam nur langsam von der Stelle. Nachdem er fort war, ging sie zu dem Brunnen und wollte den Trinkeimer herablassen, als sie ausglitt und in die Tiefe fiel. Schnell wie der Blitz eilte der Jüngling auf seinem Rosse herbei unb schwang sich aus dem Sattel in den Brunnen. Zittern und. Bangen ergriff ihn und darum sprach er: „Ich beschivöre Dich, mir zu sagen, ob Du ein Menschenkind oder ein Geist bist, der die Seelen mit Zauber betören will." Da schrie sie aus ihrem gequälten Herzen: „Ich bin ein Menschenkind." Darauf sagte der Jüngling: „Wenn ich Dich heransziehe, sollst Du mein sein." Nachdem sie dies versprochen, zog er sie mit starker Hand aus der Grube. Nun fragte sie ihn nach seinem Namen, und er nannte!hn ihr. Cheldai — so hieß der Jüngling — und Berurit schlossen jetzt ihren Bund. „Der Brunnen und die Herden mögen Zeugen sein -- sagte Cheldai — daß ich kein anderes Weib freien will und du keines anderen Gattin werden sollst." Dann lnd er sie ein, sein Roß zu besteigen und ihm als Herrin seines Hauses ffu folgen. Aber Berurit weigerte sich dessen, indem sie erwiderte: „So ist es nicht der Juden Brauch. Komm in meiner Eltern Haus und dort will ich mich Dir nach Sitte und Recht verloben. Dann will ich Dir zu Deinen Angehörigen folgen." Und er versprach, nach ihrem Willen zu handeln und nach drei Tagen bei ihren Eltern zu erscheinen. Hierauf gingen sie beide ihres Weges, sie nach Hause und er mit dem Rosse in die Ferne. Daheim erzählte Berurit nichts von dem, was ihr begegnet war. Sie wollte die drei Tage abwarten, bis ihr Erwählter kommen werde. Aber Cheldai berichtete alles ganz genau seinen Eltern. Doch fein Vater hörte nicht auf die Worte des Jünglings, sondern sprach: „Weißt Du. daß wir zu dem Festmahle eingeladen sind, daS unser Verwandter, der Fürst Ben-Jeschabeam, zur Feier des Geburtstages seiner Tochter gibt?" Darauf erwiderte Cheldai: „Wofern man mich nicht über meine Frist zurückhält, will ich gern mitgehen." „Wie Du willst," entgegnere der Vater. . II. Die Leute bestiegen ihre Rosse und zogen nach der Residenzstadt zu dem Palaste Ben- Jcschabeams. Und Cheldais Augen konnten sich an dcni herrlichen Anblicke der großen Stadt nicht genug sattsehen, und seine Ohren, waren erfüllt von den Freudenklängen, die aus dem Paläste zu ihm drangen. Und nachdem er den Palast Gen-Jeschabeams betreten, staunte, er über das gewaltige Gebäude, die Pracht der Säle, die wunderbaren Diener und ihre Kleidung. Traurig M «Pr« im und wie rm Traume dachte et bei sich: „WaU «ützt mir der Reichtum meines Katers, wenn ich auf einem Dorfe unter dem Vieh des Feldes wohne, das nur essen, schlafen und trinken kann? Was nützt es mir, wenn der Vater sich des Goldes und des Silbers freut?" Während diese trüben Gedanken sein Herz durchfuhren, kam der Fürst Ben-Jeschabeam ihnen entgegen und küßte sie beide auf die Wangen. Dann stellte er ihnen seine Tochter vor. Diese war ein schönes Mädchen von schlankem Wüchse und in ihrem ganzen Gehaben prägte sich stolze Würde <ni§. Sie trug ein weißes KlÄd, wie alle Königsnnd Fürstenkinder in Israels vergangenen Tagen. Freundlich begrüßte sie die Gäste. Die Diener zündeten die Kerzen an, die Gäste strömten herein und der ganze Palast erstrahlte in Schönheit und Glanz. Und als Cheldai der Fürsteütochter von dem gewaltigen Eindruck erzählte, den die Stadt und ihre Bewohner auf ihn gemacht hätten, meinte sie, daß sie das Land und seine Leute vorziehe. Jeschabeam, der unbemerkt hinter ihnen stand, sagte: „Wenn dem so ist, dann kannst Du ja diesem Sohne des Landes folgen." Und so geschah es. Cheldai zog einen Ring vom Finger, schenkte ihn dem Fürstenkind, und nach Verlauf eines Monats ward sie sein Weib. Nach einem Jahre wurde ihnen ein Kind geboren und die Freude wollte aus ihrem Hause nicht weichen. Als aber das Kindlein drei Monate alt war, kam plötzlich eine abscheuliche Katze in das Haus geschlichen, kratzte das Kindlein und lief davon. Die Mutter erschrak heftig und das Kind schrie entsetzlich. Die bestürzten Leute riefen die Äerzte herbei, aber alles war umsonst, und am Morgen starb das Kind. Die Trauerzeit war vorbei, als den Eltern ein Knäblein geboren wurde. Die Mütter suchte in ihm einen Trost für den Verlust ihres Erstgeborenen und umgab den Säugling mit aller Sorgfalt. Das Knäblein wuchs heran und ward ein Jahr alt, als die Amme an einem heißen Tage mit ihm hinansging und in der Nähe des Brunnens spazierte. Da das Kind Durst hatte, führte die Amme es zum Wasser. Der Knabe steckte die Arme aus und fiel in den Brunnen. Die Amine schrie aus Leibeskräften nach Hilfe und zog das Kind heraus. Als aber die Leute herbeikamen, war das Knäblein bereits tot. Und die Trauer ward diesmal noch größer als über best Verlust des ersten Kindes. Die Eltern der beiden kamen, um sie zu trösten, aber es half nichts. Endlich faßte Cheldai Mül und gestand seinem Weibe den Grund ihres Unglücks. Er erzählte ihr, was ihm mit dem Mädchen widerfahren, und von dem Schwure, den er ihr geleistet und so schnöde gebrochen hatte. Da ward Cheldais Weib von tiefem Schmerz ergriffen. Aber bald faßte sie sich und sprach: „Weil ich Dich liebe, will ich mich für ewig von Dir trennen. Denn ich fürchte, daß auch Dich das Verderben ereilen wird. Nun gehe hin und vermähle Dich dem Mädchen, der Du Nie Treue geschworen. Sie ist Dein Teil." Da weinte Cheldai heftig, umarmte sein schönes, reines Weib, gab ihr sein Eheversprechen zurück und ging. Am nächsten Morgen trat er vor Berurits Vater und berichtete ihm alles. Der fand Gefallen an dem schönen Manne und seinen Worten. Nun sprach Cheldai: „Ich hörte, daß Gott Dir ein wackeres Mädchen schenkte. 'Gib mir Deine Tochter znm Weibe. Da versetzte der gute Mann: „Wohl dünkst Du mir der Rechte, aber wisse, daß meine Tochter schon Hwei Jahre Deiner harrt. So oft sie einen Mann sah, zerriß sie ihr Gewand und jagte ihn davon." Da entgegnete Cheldai: „Sei dem, wie es wolle, ich will sie freien und koste es mein Leben." Und als er die Stube betrat, stürzte sie ihm entgegen, umarmte ihn und sprach: „Cheldai, hast Du mich wirklich nicht vergessen? Ich habe immer an Dich denken müssen und vor Kummer war mein Geist umnachtet." Darauf versetzte Cheldai: „Ich habe getzen gen Gott KsraeA Hjefündigt Lnd Dich, Berurit, gekränkt!*' Dan» erzählte er ihr alle seine 'Schicksale. BeturU hörte aufmerksam zu und nach drei Woche» war8 sie. Cheldais Weib. Lange lebten sie noch und Gott schenM chnen Söhne, Töchter, Reichtum und Ehre. Roses sebutt. Ein kecker Wind fährt durch die Wüste und kiihtt den lohenden Sand. Der Wind ist übermütig, fwj, denn er weiß ein gar fützeS Geheimnis: bald wird Me Wüste einem Garten gleich erblühen und duftige Lebenssülle ausatmen. Bon der Wüste streifte der Wind zu den Bäume». Wie freuten sich diese, daß er da war. Ihr Grün erstrahlte, die Blätter bebten vor Wonne, selbst die kahlen Stämme reckten sich: Denn der Wind hat ihnen gute Botschaft mitgebracht; von keinem Beile, von keinem Mordwerkzeuge soll ihr Leben mehr bedroht werden. Der Wind gelangte in Feld und Garten und alles, was da wuchs, voni winzigsten GräSlein bir zum mächtigsten fruchttragenden Baume jubelte ihm zu: Besonders errötete die Rose und die Tautropfen in ihrem Kelche glichen den Freudenträncn einer geschmückten Braut .... Zartes Morgenlicht, rauschender Duft und buntes Farbenspiel — sie strömten ineinander. Der Himmel — ein feierlich majestätisch Blau wie das eines Königsgewandes, ein Rauschen und Schlage» von Engelsflügeln durchzitiert die Luft und das Echo eines neuen Liedes rollt am Firmamente, senkt sich vom Himmel zur Erde herab und dringt in die Herzen der Menschen. Nur der Nil, der Beherrscher und Pflegevater Aegyptens, zeigt ein verzerrt böses und verstörtes Gesicht. Voll Unmut und Unheil im Herzen stöhnt er tief auf, sodaß die Wellen turuihoch übereinanderschlagen, und alle Mafien des Abgrundes mit seine» > Ungeheuern hknaufgepeitscht werden. Der Thron Pharaos wankt und die Krone auf seinem Haupte erbebt. Seine Weisen und Ratgeber sind bestürzt und aus allen Teilen seines Reiches kommen Boten herbeigerannt: Unglücksbotschaften überbringen sie. Die Götzen find zusammengebrochen, ihre Tempel find ntedergestürzt. Sogar der Palast der Sonne hat z« wanken begonnen.... Da ward das Herz Pharaos gar schwer und er befahl: Jedes neugeborene Kind wll in den Nil geworfen werden. sAuö dem Hebräischen.) Mel. Bon!8. Wachruch in Kreuzvach. , Mir n sagt es in ernstem Ton Der König zu dem altfiten Sohn. Mit n ruft es der Fleischer schnell Hinaus dem luftigen Gesell. ' flufiöfuns 3es Raffe is in flr* 12; nixo cö" npsv- Richtige Lösungen sandten ein: Trude Hirschfeld, Gießen; Wolf Landau, Gunzenhausen; Karl Willner, Nürnberg; Siegfr. Rothschild, Dinslaken; Alb. Neuberger. Haßsurt; Klara Kulb, Sontheim; Minua Strauß, Marburg; Mb. Abraham I! Köln; Hermann Schummer, Leipzig; T awid Oppenheimer, Marktbreit; Simon Grabowski, Posen; Kurt Selig, Jakob Felsenftein, Willi Bodenheimer, Adolf Bodenheimer, Ludwig Rapp, Karl Stern, Ludwig Blumenthal, Jakob und Hanna Rotschild, Jakob I Edinger, Hermann Kahn, Susanna Bamberger, Tilli und Trude Schachuowitz, Carry Prager, Trude! und Willy Isaak, Ludwig Kuttner, Hans Philipps, Arnold , Deutsch, Leo Lehmann, Emi! Neumaun, Jsak Kauf- I* mann, Josua Kahn, Eva Länge, Berthold und Moritz Taubert, Max Draller, alle in Frankfurt a. M.; Solomon Schenk, Wien; Eva Wolf, Leipzig; Markus Neuberger. Salomon, Rafael, Eli Stcinberg, Berlin; Albert Mayer, Dawid Warßawski, H. Landau, Fürth; Kar! Strauß, Lina Rothschild, Karlsruhe; S. Beermann, Hannover; Ludwig Halberstadt, Halle; Alfred Herzberg, Nürnberg; Jsa und Judith Frank, Altona; Jsr. Ginsberg, Horst; Rahel Steinhardt, Neutomischel; Manfred u. Rahel Fischer, Hamburg. Aus dem Talmud uud Midrasch. (R. Jochanan:) Einen Beweis der Nächstenliebe soll man mit einem größeren Beweise derselben erwidern. Hat dich dein Nebenmensch mit Linsen bewirtet, bewirte ihn mit Fleischer bewies ja als Erster Freundlichkeit. Gen. r. c. 38. * Warum wurde der Gelehrte Nachum „Gamsu" genannt? Weil er bet allem Ungemach, das ihm zustieß, zu rufen pflegte: „Auch dies ist zum Guten" (Gam su l'tauwoh). Taanith 21». --

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