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Der Israelit · 1920-04-15 · Heft 15 (15.4.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 15 (15.4.1920)
Date
1920-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1». «P«il 193« lichkeit gedrungenwar. Ls erscheint aber nicht zweifelhaft, daß der Termin absichtlich so gelegt wurde, nämlich um den Ausgewiesenen die Abwicklung ihrer wirtschaftlichen Verbindlichkeiten zu erschweren, da drei von den fünf Lagen der Frist Feiertage sind, und außerdem, um die Ostjuden zu zwingen, Bayern und Deutschland an den ersten 2 Pesachtagen zu verlassen, soweit überhaupt eine Möglichkeit für sie dazu besteht. Trotzdem sich die Bekanntmachung ein Verwenden zu Gunsten der Ausgewiesrnrn verbat, gelang es den rastlosen Bemühungen einiger Herren, wenigstens für einen Teil unserer Brüder eine kleine Erleichterung in so ferne zu erlangen, als die Ostjuden mit Aufenthaltserlaubnis noch über Pesach hier bleiben dürfen und inzwischen ihre Erlaubnisscheine — wenn auch, wie erklärt wurde, nicht wohlwollend — nachgeprüft werden. Gegen die sofortige Ausweisung derjenigen, die „schwarz" hier sind, ließ sich natürlich nichts machen. Im übrigen soll der Kreis der Betroffenen unter den Oftjuden nicht so groß sein, als angenommen wird, und sich nur auf einige Hundert Seelen belaufen. Man kann aber doch damit rechnen, daß einzelne — vor allem Familienväter, die nachgewiesenermaßen einwandfreie Geschäfte machen — erneute Aufenthalts- Lewilligungen erhalten. ein Verbsns ser bayerifdien öemeinden. München, 2. April. Die Möglichkeit, die die neue Verfassung bietet, sowie die Notwendigkeit, mit Rücksicht auf die, derzeit bedrohliche, innerpoliiische Lage eine anerkannte Instanz und Vertretung der bayerischen Judenheit zu besitzen, ließen den Wunsch nach einem bay. Gemeindeverbond, ähnlich dem preußischen, an mehreren Orten laut werden. Es wurde deshalb für kurz nach Pesach von den Kultusgemeinden eine Zusammenkunft der Rabbiner und Vertreter der Gemeinden in Nürnberg anberaumt, der vor allem ein Verfassungsentwurf des hiesigen Oberlandesgerichtsrates Dr. Neumayer vorgelegt werden soll. Diesem Entwurf zufolge hat der Verband die Aufgabe, unter Wahrung der Selbstbestimmung der Gemeinden, die bayerischen Juden zur Pflege ihrer JMeressenMsammenzufaffen. Er vertritt die Gemeinden nach außen, gegenüber Staat und Geffentlichkeit. Ihm obliegt insbesondere: Die Förderung allgemeiner religiöser und religiös-sozialer Angelegenheiten, sowie die Unterhaltung von Einrichtungen und Anstalten, die solchen Zwecken dienen. Ferner die Bereitstellung fürnicht genügend leistungsfähigeMitgliedsgemeinden. Die Vertretung der Gemeinden bei den Verhandlungen mit der Staatsregierung, die sich aus der Aenderung des Verhältnisses der Religionsgemeinden zum Staate ergeben (Revision des Judenediktes). Und schließlich die Förderung einer deutschen Gesamt Organisation unter Berücksichtigung der Organisation der Länder. Die Selbstverwaltung der Gemeinden ist unbeschränkt, soweit die Zuständigkeit des Verbandes nicht ausdrücklich festgesetzt ist. Insbesondere wird die selbständige Ordnung der Angelegenheiten des Kultus, Ritus und Unterrichtes von Seiten der Gemeinden durch die Zugehörigkeit zum Verband nicht berührt. Trotz des letzten Passus ist es unbedingt notwendig, daß die gesetzestreue n Gemeinden Bayerns für sich eine eiaene Orgcmisktjyn —. ähnlich demHalberstädterGemeindebund— insLeben rufen und diese sich, wenn angängig, dann mit dem allgemeinen Gemeindebund in einem Dachverband zur Vertretung best i mm rerJntereffen zusammenschließt. Wenn auch dem Neumayerschen Entwurf zufolge die religiösen Fragen außerhalb des Bereiches des Gsmeindebundes liegen, so läßt es sich doch nicht verhindern, daß bei Verhandlungen mit Behörden oder bet der „Revision" die Gewissensfreiheit der Gesetzestreuen verletzt wird. Außerdem sieht sogar der Entwurf den Beitritt eines Verbandes von Gemeinden (Zwecks- oder Beztrksverband) vor, wenn diesem Verband die Eigenschaft einer öffentlichen Korperation zukommt. Am Tage vor der oben erwähnten Tagung wollen Der sich daher die ge setz es treuen Rabbinen und Gemeindevertreter zu einer Vorbesprechung in Nürnberg treffen und entscheiden, ob und in welcher Form die frommen Gemeinden dem Bunde Seitretm können, ohne im religiöser Beziehung eine Zurücksetzung und Majorisierung ihrer Ueberzeugung befürchten zu muffen. €s roirö »etter gehefet München, 7. April. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten" hat jetzt in einem offenen Brief an die Negierung des Freistaates Bayern, den alle größeren Tageszeitungen brachten, von der Regierung energisches Einschreiten gegen den wüsten Juden Hetzen gefordert. Er weist darauf hin, daß in den Tagen des Kavp-Putsches unbescholtene Söhne angesehener Münchener Familien in der Türkenkaserne von Reichswehrsoldaten auf Befühl beschimpft ihrer Freiheit beraubt und blutig mißhandelt wurden, weil sie Flugblätter mit wahnsinnigen Verleumdungen gegen die Juden entfernt hatten. Bei dem Andenken der Lausende für das Vaterland gefallenen jüdischen Soldaten erhebt der Bund feierlichen Protest gegen die unerhörten Versuche des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, der Juden Heimat und Ehre zu rauben und sie als wurzellose, verbrecherische Abenteurer zu zeichnen. Er erhebt feierlichen Protest gegen die systematische Vergiftung der Jugend, die mit steigender Erbitterung vergeblich den Schutz vor Hatz und Lüge ersehnt. — Es ist leider zu befürchten, daß die Hetze trotz dieses Protestes ungemindert weitergehen wird, wie auch in der Mazzos- und Zuckerversorgung Dementi und offizielle Richtigstellung nicht verhindern konnten, daß auch heute noch Tag für Tag dieselben verleumderischen Behauptungen in Presse und Flngzetteln wiederholt und auch geglaubt werden. Dazu lischten die Antisemiten zu Pesach noch der leicht-gläubigen Oeffentlichkert das Märchen von einer Doppewersorgung mit koschrer Milch auf, belegten ihre Behauptungen kühn mit Namen ans den Bezieherkreisen der Koschermilch und erregten begreiflicher Weise in jüdischen wie nichtjüdifchen Kreisen beträchtliches Aufsehen. Der Fall wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben und dann Klarheit nach allen Richtungen bringen. Inzwischen ist aber die Koschermilchversorgung erheblich eingeschränkt und scharf kontrolliert, andererseits auch die Stimmung der Massen noch gereizter und bedrohlicher. Men, 12. März. Die israelitische Allianz zn Wien, Wien II, schreibt uns: Seitdem der Notstand unter der jüdischen Bevölkerung in Wien sich verschärft hat, hat die Israelitische Allianz, welche seit ihrem Bestände hauptsächlich in den östlichen Ländern für die in Bedrängnis lebenden Juden Hilfswerke geleitet har, die Aktion in Wien selbst, inbesondere für den unter furchtbaren Entbehrungen leidenden gebildeten jüdischen Mittelstand, für Rabbiner, Lehrer, Beamte und andere Festbesoldete, in ihren Wirkungskreis einbezogen. Unter den der Israelitischen Allianz für diesen Zweck zugegangenen Spenden befinden sich bis jetzt K. 30000.— aus Brasilien, K. 25000.— aus Milwaukee, K. 92500 aus London, K. 9000 aus Nottigham und verschiedene Zuwendungen aus Kopenhagen, Malmö und Trondhjem, darunter solche, welche an den Sekretär der Gesellschaft Rabbiner Dr. A. Kaminka mit der Bestimmung gelangt sind, an solche Familien von jüdischen Gelehrten verteilt zu werden, welche sich mit ihrem Elend nicht an die Hilfskommitees wenden und denen nur in diskreter Weise Beistand gewährt werden kann. Bis jetzt haben aus den eingefloffenen Spenden durch die Israelitische Allianz ca. 700 jüdische Familien Subventionen erhalten. Leider erweist sich jede Geldhiife als minimal und wirkungslos gegenüber der Unerschwinglichkeit der Preise der Lebensmittel, der Kleider und Wäsche, welche anzuschaffen den Familien aus dem Mittelstände fast zur Unmöglicher. 16 Gelle 6 kett geworden ist. Nur mit sehr ausgiebigen Mitteln könnte die tragische Situation dieser Kreise einigermaßen erleichtert werden. Zuwendungen von einzelnen Wohltätern oder von Hilfskomitees sind an dieJsr. Allianz, Wien II,Unt. Donaustr.33, zu richten. Aus der Jugenflberoegung. Wien, 19. März. In der letzten Ausschußsitzung der hiesigen orthodoxen Jugendgruppe berichtete der soeben von einer längeren Reise durch Polen zurückgekehrte Herr S ch r e i b e r über die umfassende und erfolgreiche Tätigkeit der polnischen Aguda, worauf Herr Stern über die Konstituierung der Jugendgruppe Preßburg referierte. Der M a ch s i k e L o m d e T h a u r o - V e r e i n hier hat sich mit der Agudas-Jsroel-Jugendgruppe verschmolzen. Großen Beifall fand ein Referat des Herrn Dr. Feßler über „Ziele und Zwecke der A g u d et s I sroe l". Der Aguda -- Gedanke müsse in die orthodoxen Massen eindringen, um die in der letzten Zeit leider heroorgetretenen Separierungsbeftrebungen der Juden aus den verschiedenen Ländern hintanzuhalten. Der Chossid möge in seiner Klaus dawenen, der nngal rische Jude in seiner Synagoge beten, beide rnö-- ihre Minhagim bcibehalten, aber alle müssen sich zu einer orthodoxen Einheitsfront bekennen. All dieses birgt der Name „Aguda" in sich. Sie ffguSgL lrwel in Men. Wien, 2. April. Unter dem Vorsitz des Herrn Eduard Deutsch fand Ende März die Generalversammlung der Wiener Aguda statt, in der Herr Wolf Pappenheim ein groß angelegtes Referat über die Ziele und Arbeiten der Gesamtorganisation wie diejenige der Wiener Gruppe erstattete. Bei den Wahlen in den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Siegmund Bondi, Eduard Deutsch, David Fast, Moritz Felsenburg, Bernhard Hofbauer, Abraham G. Hornstein, Markus Kamm, Professor D. Kohn, Alexander Landau, Leopold Lederer, Osias März, Franz Neumann, S. Nüssenbaum, W. Pappenbeim, Adolf Raab, Dr. Isidor Reiniger, Akiba Schreiber, D. Schreiber, Julius Steinfeld, Jsak I. Thumim, Lippe Türkl. In die Kommission wurden gewählt: W. Pappenheim, Obmann- Jsak I. Thumim, Eduard Deutsch, Obmann-Stellvertreter- Lippe Türkl Kassier- Samuel Nüssenbaum, Adolf Naab, Schriftführer- Abraham G. Hornstein, Kontrollor. Rege Tätigkeit entfaltet dje Jugendgruppe, die in den verschiedenen Bezirken Etnzelsektionen gründet und dabei auch die Auseinandersetzung mit dem über diese unliebsame „Konkurrenz" höchst entrüsteten Gegnern nicht scheut. So sind dieser Tage im 17. und 20. Bezirk Gruppen ins Leben getreten, die sofort mit der Einrichtung regeimäßiqer Lehrkurse begonnen hahen. EL3 -i. Noten. Die Ueberfäile in DJarfcbau. Warschau, 2. April. Die Ueberfälle auf Juden hören nicht auf. Auf Vorstellungen des Herrn Rabbiner Halpern erklärte der Vtzeminister, alle Maßnahmen gegen die Exzesse zu treffen und in Verbindung mit allen Regierungs- und Armeegewalten, Militär und Beamten dahin zu instruieren. Ob dieses etwas nützen wird, ist nach den bisherigen Erfahrungen mit ministerellenVersprechungen leider sehr zweifelhaft. Auch die orthodoxen Rntmänner haben beim Ministerium des Innern die nötigen Schritte getan, um die Sicherheit der Juden zu erwirken. Besonders mehren sich dir Ueberfälle auf den Bahnhöfen, wo harmlose Juden angehalten und mißhandelt werden. Die ge^ltsame Bartabschneidung ist immer noch an der Tagesordnung. Der vorläufige Erfolg der Aktion der „Schlaume

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