Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1920)
- Date
- 1920-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450088-2450102--68157-2525258- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der FSrsem. IS. April 1930 Jjlt. 15. Seite S jsajs$m&L> Sßandautr Str. 16 C/ Königstraße 11-14 Gegründet 1815 Kaufhaus für diesem Gelehrte von sich wirft und mit dem Haß gegen die Schule, auch den gegen den in dieser Schule gelehrten Glauben verbindet und die Glaubenslehren ungeprüft verwirft, sich blind nach der großen Menge richtend, wird möglicherweise ein in der neuen Schulfreihett herangebildeter Schüler, bet dem der Haß gegen die Schule und das in ihr Gelehrte fortfällt, mit dem Ernst der Verantwortung, der ihm im Schulleben anerzogen wägen und Prüfen, was sein Volk im Laufe der Jahrhunderte erhalten. Er, der es gelernt hat, dem Gesetze sich zu beugen, das keinen Machthaber des Zwanges, sondern einen Vertreter des sittlichen Strebens im Mitschüler ihm vor Augen stellt, er wird auch dem GotteSgesetz Gehorsam zollen, auch wenn auf Erden keine Autorität des Zwanges, sondern ein Vertreter des sittlichen Wollen im gleichstrebenden Bruder vor Augen ihm steht, wird das Verantwortltchkeitsgefühl im Sinne des Wortes unseres Weisen: „In Israel haftet einer für den andern". tjWw nn m lebenskräftig sich erhalten. Mit diesem Geiste will auch unsere Präparanden- und Bürgerschule in Burgpreppach, die nach Anordnung der Behörden in ihr eingeführten Einrichtung der Schülerausschüffe und Schülerversammlungen durchdringen und hofft so in dieser eine praktische Ergänzung durch Uebung zu sittlich-religiösem Wollen, zu dem ihren Schülern intensiv vermittelter« jüdischem Wissen bieten zu können, hofft, so in sich gefestigte Persönlichkeiten heranzubilden, die freiwillig aus dem Gefühl der Selbstverantwortung heraus dem Gesetze die Treue wahren, denen Gesetzestreue als Blüte der Freiheit und der Anerkennung des inneren Wertes im Herzen verankert ist. Ein Gleiches gibt sie den andern jüdischen Schulen zur Erwägung anheim. Lin Nachwort zur Frage Prag—preßburg. Bon Rabb. Dr. E. Bah in Kutteribers- Der Gegensatz zwischen den Ausführungen von Prof. Dr. E. Lieben und denjenigen in der Wochenrundschau in Nr. 7 des „Israelit" bezüglich der Orthodoxie in der Tschecho-Slovakei veranlaßt mich zu einer Bemerkung behufs Vermeidung einer mißverständlichen Auffassung. Wer die tschechische Judenheit ebenso wie die deutsche Orthodoxie durch jahrelangen Umgang in ihrer Mitte kennen gelernt hat, wird mir zustimmen, wenn ich behaupte, daß der eine und der andere Kreis zwei verschiedene Welten sind, die für einander kein Verständnis besitzen, ebensowenig die Mittel zur gegenseitigen Annäherung finden. Wäsche, Kleidung, Seidenstoffe, woll-, Wirk- und Webwaren, Sardinen, Teppiche Es bleibt nun die Alternative: entw der isoliert sich die Orthodoxie und nimmt einen völlig ablehnenden Standpunkt zu den anderen Parteien ein, oder sie benützt jedwege Gelegenheit dort, wo noch eine Tür zür rDTtPfi zu vermuten oder neu zu brechen wäre, die Bahn zur min zu weisen. Nun ist die Frage: Ist der erste Standpunkt möglich und ist er im Sinne der mifi? Heute scheint er nicht möglich zu sein, denn die Orthodoxie in Böhmen, von welcher in den angeführten Artikeln zumeist die Rede war, ist so schwach, daß sie nicht bestehen könnte ohne den Anschluß an eine bedeutendere einheimische Organisation. Wenn z. B. in Böhmen heute niemand den Einfluß besitzt, von der Regierung die Mehlzuweisung für Mazzos zu erreichen als der jüdische Nationalrat, und wenn in diesem wiederum niemand ein warmes Interesse an der Mazzosfrage hat, als die Familie Lieben, so ist wästhe-Znsstattnngen Anfertigung in eigenen Werkstätten Wohnungs-Einrichtungen vier Stockwerke Möbel es eine Notwendigkeit durch den Nationalrat dem Bruchteile der böhmischen Judenheit, der am Peßach kein Chomez essen will, dies möglich zu machen. Hierzu muß man auch bedenken, daß die Großgemeinden wegen ihrer früheren Deutschfreundlichkeit bet der Regierung. im Verrüfe stehen. Zur zweiten Frage, ob die Isolierung der Orthodoxie und die Bekämpfung des jüdischen Nationalismus in Böhmen im Sinne der mm wäre, muß man wissen, daß es viele, vielleicht die meisten, Gemeinden hier ohne Rabbinen gibt, oder nur mit solchen, denen ihre Gemeinden oder auch sie allein sich den Rabbtnertitel zuerkannt haben; Gemeinden ohne Schabbos, ohne Schechitoh ohne Miloh, ja sogar ohne regelmäßigen Wochen- und Feiertags-Gottesdienste daß die Kinder von den Mizwaus nichts mehr erfahrendaß man in der Provinz keinen einheimischen mn’’ findet, der lernen kann, und wenige, die lesen können, so Man verlange öle illustrierte Preisliste Nr. 1920 vierzehn jüdischen Familien und aus der StandeSbuchsührung der Gesamtbevölkerung der Stadt Frankfurt besteht, wird am Beispiel der eingewanderten französischen und. flämischen Frankfurter Familien gezeigt, wie sich Wohlstand und bürgerliches Ansehen mit einem Blühen durch Jahrhunderte vereinen läßt, wenn nur die Tendenz zum tätigen Berufsleben erhalten bleibt. Familtenpolitik, die sich nur auf den Genuß von Reichtum und Ehren richtet, führt zum Tode der Familie. So ging der alte Frankfurter Adel zugrunde und auch eine Anzahl sehr bedeutender jüdischer Familien erlag der nach der Jndenbefreiung gegebenen Möglichkeit ungehemmten Wohllebens. Feudalismus und Plutokrattsmus wurden v on den vom äußeren Erfolg am meisten begünstigten Familien zum gefährlichsten Feinde. Eine Familie kann reich werden und reichbleiben ohne Schaden zu nehmen, wenn sie nur in ihrer Gesinnung bürgerlich bleibt. In diesem Sinne ist aber nicht nur der Adelstolze und Geldstolze unbürgerlich, sondern auch der sich in Jeingeistigkeit Verwöhnende und von seinen Nebenmenfchen zurückstehende Sonderling. Angehörige all dieser menschlichen Daseinsform sind letzten Endes Zärtlinge und Schwächlinge, die ihr Geschlecht verderben. Sie sind es aber, wie die Untersuchung zeigt, nicht aus angeborener Anlage, aus Naturnotwendigkeit, sondern infolge der an und für sich günstigen äußeren Umstände, deren Gefahren durch eine einseitige Erziehung nicht beseitigt wurden. Es ist auch für den Bestand des Geschlechtes wichtig, daß eine bestimmte Familientradition gepflegt wird, daß sich die Familienmitglieder wenn möglich, nicht zu sehr von der beruflichen Einstellung des Geschlechtes entfernen. Der Einzelne soll den Lebensstyl der eigenen Familie lieben und so werden wollen, wie seine Eltern und Voreltern waren. Aphorismen. Beistand. Nicht umsonst sagen wir täglich in unserm Gebete: „Chonenu meitecho Deio, Btno, Wehaskeil": „Gib uns doch von Dir (Gott), Wissen, Einsicht und Vernunft"^ denn gar oft ist — selbst ein scharfer menschlicher Verstand zu spitzfindig und „krumm". Gottes unendliche Weisheit soll für unser Denken ein Vorbild sein. Unser Gedankengang soll klar, d. h. ohne Krümme, geradeaus auf den zu erreichenden Zweck gerichtet sein, wogegen ein „unvernünftiger" Verstand sein Ziel aus spitzfindigem, krummen Wege zu erreichen sucht. Während beispielsweise ersterer sagt: „Zweimal zwei sind vier", wird letzterer sagen: „Zweimal zwei sind fünf weniger eins". Das richtige Resultat kommt bet beiden herausjedoch denkt der eine vernünftig, der andere nicht. H. <£. Schleichhandel in alter Zell. In der „Orientalischen Literat.urzeitung" berichtet Bruno Meißner über den blühenden Schleichhandel, der einmal in Zeilen der höchsten Not in Babylon herrschte. In den unglückseligen Kämpfen der beiden Brüder Assurb anipal und Saosduchin war Babylon wohl im Jahre 651 von den Aegyptern eingeschlossen rvorden. Die Not in der Stadt stieg bald bedeutend. Schon ein vom 13. Marcheschwan des 18. Jahres SaosduchinS datierter Vertrag, in dem ein Palmenhain übermäßig billig verkauft wird, hat die ganz ungewöhnliche Nachschrift: „Damals war Not und Bedrängnis im Lande entstanden und die Mutter öffnete der Tochter nicht die Tür". Mit typischen Worten wird hier die Unglückszeit geschildert. Aehnltche Angaben besagen, „daß die Menschen aus Nahrungsmittelmangel stürben". Zugleich mit dieser Not trieb nun der Wucher sein niedriges Geschäft, wie folgende Notiz an einem Kontrakt vom 29. Jjär des Jahres 20 erkennen läßt: „Not war im Lande entstanden und als Preis für drei Sila Getreide (etwa 1,2 Liier) wurde 1 Sekel Silber im Geheimen, d.> h. im Schleichhandel, bezahlt". Dys war in der Tat ein ganz abnorm hoher, noch nie dagewesener Preis. Nach alter Regel sollte das Kur, das in alter Zeit 300, später 180 Sila hatte, 1 Sekel kosten und tatsächlich erhielt man in Babylon auch zu Affurbanipals und Nebukadnezars Zeit diese Quantität, ja noch mehr (bis 243 Sila) dafür. In der Zeit des Nabumuktn-apal hatten einmal wohl auch infolge von Hungersnot 20 Sila 1 Sekel gekostet, und nach der Perferherrschaft stiegen die Getretdepretse auf eine früher nie geahnte Höhe, aber diese Teuerung und dieser Mangel, den nur die ganz Wohlhabenden auf dem Wege des Schleichhandels notdürftig überwinden konnten, ist in der babylonischen Geschichte vorher und nachher nie dagewesen.. Nachdem schließlich die Bewohner von Akkod vor Hunger „das Fleisch ihrer Söhne und Töchter gegeffen und die Lederbeschläge abgenagt hatten", „stürzten die Götter den Saosduchin in einen brennenden Feuerschlund", und im Sommer 648 fiel die unglückliche Stadt in die Hand des Siegers.