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Der Israelit · 1920-05-06 · Heft 18 (6.5.1920) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 18 (6.5.1920)
Date
1920-05-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton-Vellage zu Ar. 18 des „Israelit ✓/ 3m Zudenstaat der Lhasaren. 'V'% Htstsrtscher Roman aus dem achten Jahrhundert. - (13. Fortsetzung.) „Ja, auch wir berufen uns auf das Buch Mosis", sagte Alkazzi, „als auf die älteste Urkunde, die den Menschen geworden, auf die Gottesstimme, die von Generation zu Generation spricht..." - Der Pieter erhob sich. „Als einziger Ausleger der Lehre MosiS kann nur der Erlöser von Nazareth gelten, der mit feinem Blute die Sünden der Menschen gesühnt und mit seinem Worte die Seelen erlöst hat. Er kam nicht, um abzuftreichen, oder htnzuzufüzen, sondern nur zu deuten ... ." „Und deutete falsch!" riß Alkazzi der Geduldsfaden. „Er wollte nichts aufheben, sagen sie, und er hob doch das Zeichen, das Gott in Abrahams Fleisch geprägt, die Beschneidung, auf. Auch haben seine Anbeter gegen daS „Bott einzig" ihm, dem Menschen, der nur Prophet war, -Götteswürde erteilt." „Und euer Mohammed?" fragte Bulan. „Mohammed istProphet,1iächstMoses der größte aller Propheten und ersterem darin über, daß er von der Stufe der von diesem erhaltenen Lehre aus nochhöh er die Himmelsleiter hinan durfte..." „Wir berufen uns", sagte der Pater kurz und majestätisch, „auf die unzähligen Stellen in den Büchern Mosis, ln Jesajas und in den Psalmen Davids, die die Ankunft des Welterlösrrs verkünden, während es in diesen Büchern von Jsmael nur heißt: „Er ist ein verwildeter Mensch, dessen Hand an und in allem und an dem aller Hand ist . . „Die Deutungen der christlichen Lehre aus der jüdischen Bibel", gab der Moslim ohne aufzusetzen prompt zurück, „sind allesamt willkürlich und unverbürgt, dagegen ist aus dem Buche Daniel deutlich zu lesen, wie dieser,Mohammed im Traume vorausgesehen hat." „Wer war Daniel und welche Bewandtnis hat es mit seinem Buche, dessen Namen ich noch nie gehört", fragte jetzt Bulan. „Daniel war ein Jude am babylonischen Hofe, der dem Könige Träume gedeutet hat und selbst im Traume die Hülle von der Menschheit Zukunft fallen sah. Auch Mohammed sah er kommen . . Bulan wurde nachdenklich. „Ein Jude, der Träume deutete und die Muge, die rammen, sorsussah?" fragte er etwas zerstreut. Ein Gedanke bahrte sich ihm ins Gehirn, der ihn vom Disput der Geistlichen ganz sblenkte. „Es ist schwer, Rede und Gegenrede, wenn sich diese kreuzen, auf ihren wahren Gehalt zu vrüfen", sagte er endlich, „wir werden daher gut daran tun, die Vertreter beider Bekenntnisse noch einmal einzeln und jeden für sich zu hören". AlS die beiden Geistlichen nach rechts und links, jeder in das ihm angewiesene Gemach, abgetreten waren, sah sich Bulan fragend im Kreise seiner Räte um und sein Blick siel zuerst auf Taban, den großen Schriftkundigen des Chakanat. „WsS uns alten aufsiel", Hub Taban an, „ist, daß bet der Zwiesprache der Vertreter beider Behren, deren jeder eine dritte, ältere Lehre, die des MoseS und der Propheten, zum Zeugnis anrief. So wäre eS füglich am Platze, unS erst diese Lehre anzusehen und einen Kenner und Vertreter derselben anzußören . . Der Pegan sprang voller Unruhe auf, er wollte etwas einwenSen, doch kam ihm Bulan selbst zuvor: „Beide sprachen recht und wahr — nach ihrer Anschauung und nach dem, waS ihnen als heilig und wahr anerzogen und angelernt wurde. Aber jeder von ihnen nimmt nur das, was für ihn gegeben ist, als Leitfaden seiner Meinungen. Darum ist für uns, für die die Grundsätze des einen wie deS anderen nicht gegeben sind, das Ganze ein Streit mit Worten nur. Allein, beide begegnen sich in dem einen Punkte, daß die Lehre Mosis, von jedem in seiner Art gedeutet als ältest geheiligte Urkunde die Wahrheit enthalte, darum halte ich es mit Taban, daß wir auf der Suche nach der Wahrheit diese älteste Quelle erst kennen lernen." Der Pegan konnte endlich seinem Herzen Luft machen. „Dem hohen Chakan und dem Rate der Weisen möchte ich doch des Traumes warnende Stimme noch einmal in Erinnerung rufen: „Der Wille ist gut, doch schlecht ist die Tat!" Es ist edler Wille dabet, so die Wahrheit zu suchen, aber es hieße doch die Götter gar zu sehr reizen, wollte man jetzt gar noch die verachteten Juden vor dem Rate zu Worte kommen lassen, die Feinde nicht nur unserer Götter, sondern die auch von den anderen Bekenntnissen allerorts in Nord und Süd, Ost und West, verächtlich abgelehnt werden, wenn jene auch zuweilen im Widerstreite einiges aus ihren alten Büchen zum Beweise anführen." Taban erbat sich noch einmal das Wort: „Um die letzten. Worte des hohen und trefflichen Pegan, des Liebling Sidhartes, zu bestätigen bitte ich, wenn wir morgen Pater und Moslim einzeln hören, sie über ihre Stellung zum Mosaismus zu befragen." Der Chakan nickte verständnisvoll. Am folgenden Mittag stand Pater Johannes allein vor dem Throne und dem Rate der sieben Weisen. Hier, wo er ohne Rivalen seine Sache vertreten durfte, zeigte er sich ganz auf der Höhe seiner Sendung und packte sein ganzes gewaltiges Rüstezeug aus, um die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit zu beweisen und diese mit Zeichen und Wunder, Spruch und Vorschrift der Kirchenbücher als die Heilslehre der Menschheit darzustellen. Doch Bulan hörte nur mit halbem Ohre zu und gab Taban das Zeichen, deffen dieser harrte. „Im Namen des hohen Chakan, den Mächte des Himmels auf den Pfad der Wahrheit drängen, habe ich heute an den würdigen Pater, nachdem wir deffen klare Belehrungen über den byzantinischen Glauben mit Dank und Achtung entgegengenommen, nur dt? ein? Fragt zu richten: Was schätzt die nazarenische Kirche neben ihrem Glauben am höchst?u eingibt sie der Lehre Mosis oder der Mohammeds den Vorrang und was würden die Vertreter der Kirche, angenommen sie würden vom^igenen Glauben abgedrängt und hätten sich für Mosaismus oder Islam zu entscheiden, von beiden wählen?" „Zweifellos die Lehre Mosis", gab Pater Johannes entschieden und ohne lange Ueberlegung zurück. „Ein offenes Wort", lobte Taban, „für das wir dem würdigen Pater Dank wissen."- Nach wenigen Minuten stand auch Alkazzi allein vor dem Rate, um auf die gleiche Frage zu antworten. „Ohne Bedenken", sagte der Moslim mit fester Stimme, „werden wir allesamt uns für die alte Lehre Israels eher entscheiden, als für einen aus Menfchenblut neu entstandenen Gott, den wir nicht kennen und den Art und Wesen nur zu einem Vorläufer unseres Propheten machen" -- Als der Rat wieder allein unter sich war, konnte Taban seine Sieger» und Schadenfreude kaum unterdrücken. „Der treffliche Pegan, der bevorzugte Liebling Sidhartes und Trimurtis, wird nicht umhin können, eS zu Akt zu nehmen, daß die Vertreter beider Religionen einmütig sind in ihrem Urteile über die Lehre Mosis und daß beide Israels Glauben anerkennen, sich gegebenen Falls sogar zu ihm bekennen".' Pegan Hamenas schäumte vor Aut. Die deutliche Ironie im Tone seines alten Rivalen brachte ihn gänzlich aus der Fassung. Milkamin, sein Freund, dem die Dinge des Krieges oblagen, ergriff für ihn das Wort. „Muß es schon so sein", sagteer, /-daßdas gefährliche Spiel weiter getrieben wird, und sogar die grimmigsten Feinde der Götter, die Juden, zu Worte kommen, so sollte wenigstens damit bis zum Ausgange des Krieges gewartet werden. Wie sollten wir auf der Götter Hilfe rechnen dürfen und zur gleichen Zeit mit ihren Widersachern gegen sie spielen?" Gegen diesen Vorschlag.hatte keiner etwas einzuwenden und auch der Chakan gab sein Einverständnis mit stummem Kopfnicken kund. X. Der Disput der Geistlichen hatte dem Chakan keine Beruhigung gebracht. Sem nach Wahrheit ungestüm strebender Geist war mit dem Laufe der Dinge nicht zufrieden. Er fühlte sich nicht wohl und all die Kräuter seines Leibarztes, Rafael Affarius, versagten diesmal. „Ein seelischer Druck", sagte der Arzt kopfschüttelnd, „der der Nächte Schlaf verscheucht und morgens die Frische nimmt. Hier mußte auf eine 'Salbe für die Seele Bedacht genommen werden." Da kam ihn: Bulan eines Tages selbst auf halbem Wege entgegen. „Auch du, Affarius, bist ein Sohn des Stammes, der im Besitze der Bibel ist, der Quelle aller Glaubensbekenntnisse der großen Welt, des Stammes, der einen Moses, einen Daniel hervorgebracht, wer ist dieser Daniel, den ich bisher noch nicht nennen hörte?" „Ein Jude, der das Vertrauen des babylonischen Königs genoß und diesem Träume, die das Schicksal seines Reiches kündeten, deutete." „Habt ihr denn jetzt keinen Daniel mehr in euerer Mitte, der seelischen Bann löst, der uns überdies Rede und Antwort stehen kann über Gott und Welt und alle Dinge die in uns brodeln, ohne uns zur Ruhe kommen zu laffen? Oder bist du selbst, Affarius, als Sohn deines Volkes ein solcher Prophet und Arzt der Seele?" „Ich nicht", wandte Affarius bescheiden ein, „mein Amt war es von immerher, Leiden und Gebrechen des Leibes zu heilen und Schmerzen zu lindern.' Aber Rabbi Jzchak San gor!, der Weiseste unter unsist der Mann, den der große Chakan sucht." „Wer und wo ist dieser?" „In der Zitadelle, großer Chakan, als Gefangener, mit seinem Freunde, dem Kaufherrn Amram." „Westen klagt man sie an?" „Sie sollen mit ihrem Leben für den guten Ausgang des Krieges haften, an dem sie so unschuldig sind, wie ich, dein treuer Diener und Arzt, und wie die Juden, die hinter dem Gaba ihr friedliches Leben führen." (Fortsetzung folgt.)

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