Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1920)
- Date
- 1920-05-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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30$t Sette 6 Nr. 18_ heimatlos machte, seine Gemeinde zerstörte, sein Bermögen, mit dessen Früchten er so viele erquickte, vernichtete, ging er dahin, und wenn auf einen, so darf ma» auf ihn das Wort anwenden: „Du Schmuck Israels, auf deiner Höhe bist du gefallen". Doch wenn er auch von uns ging, so hat er uns doch nicht verlasten, seine Seele ist gebunden «an das Leben der Ewigkeit — und an das Leben der Zeitlichkeit. Denn in jedem, der ihn je zu sehen, zu sprechen daS Glück hatte, lebt er weiter alS der Herrliche Mann, in dem das Wort Gottes lebte, akS der Große, dessen Signum die Bescheidenheit war, der Thorafürst, besten Krone die Liebe zu seinen, Volke Gewesen. „Das Bündnis, das Gott mit ihm geschloffen, ist ihm und seinen Nachkommen nach ihm, ein Bund ewigen Priestertums"! Sein priesterliche» Wirken, wirkt fort in seinen gleichftrebigen Kindern, in seinen dankbaren Schülern, in allem, das einmal seines Geistes Hauch gespürt. So werden zu tausendfachen, Borbild und mildem, aber zwingenden Mahnen, das Leben und die Persönlichkeit des Bohorodczanyer -kaw. ,"1312*7 p’IX 13T. W. S. I. Dozenteniubiläum des Herrn Dr. Wohlgeuruth Berlin, 28. April. Auf eine 25 jährige Lehrtätigkeit am Rabbiner- Seminar konme zu Beginn dieses Semesters Herr Dozent Dr. I. Wohlgemut) znrückblrcken. Er war damals, obgleich erst stlbst eben aus der Anstalt entlasten, auf Grund feiner hervorragenden Talmudkemttniffe und seiner wissenschaftlichen Befähigungen, als Dozeni angesteüt worden und übernahm zunächst den Talmudunterricht in der Unterabteilung. Aber schon nach wenigen Jahren wurde ihm ein Lehrauftrag für Potzkim, für Religtonsphilofophie und wiederum nach einigen Jahren für Homiletik erteilt. Die Eigenart seines Talmudunterrichtes hat ihn bei seinen Schülern beliebt gemacht, mehr aber noch das persönliche Interesse, das er an jedem Einzelnen von ihnen nahm und die Förderung, die er ihnen in wissenschaftlicher und materieller Hinsicht zuteil werden ließ. Auch seine hervorragende schriftstellerische Begabung hat er in seinen mistenschaftltchen Beilagen zu den Jahresberichten, aber auch sonst durch zahlreiche Monographien und seit sechs Jahren durch Begründuug und Herausgabe des „Feschurum" in den Dienst des gesetzestreuen Judentums gestellt, Wiederkehr seines Eintritts in das Lehrerkollegium wurde in schlichter Werse am Eröffnungstage des neuen Semesters gefeiert. Nach einer Ansprache seines Kollegen Dr. Eppenstein verlas der älteste Hör^r eine Adresse, die Lehrer, Schüler und Kuratoren unterzeichnet hatten, und es überreichte namens des Kuratoriums Herr Dr. Pinchas Kühn mit einer kurzen Ansprache Ehrengeschenke. Giestcu, 14. April. Ein Festtag war für die Israelitische ReligionSgesellschast der 26. Nissan, der Tag, an welchem sie das 25 jährige Amts- und Ortsjubiläum des Provinztalrabbiners Herrn Dr. Leo Htrschfeld feierte. Im Jahre 1895 wurde der „KultuSverein zur Wahrung eer religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Oberüessen" gegründet. Er berief sosyrr Herrn Rabbiner Dr Hirschseld alS geistigen Führer der Israelitischen ReligionsgescÜschast nach Gießen. Ein nur winziges Häuflein Getreuer fand Herr Dr. Hirschseld in Gießen vor. Nachdem sich das Gros der Landgemeinden ihm unterstellt hatte, erhielt er am 1. April 1867 den Titel eines Großherzoglichen Provinzialrabbiners. Bon nun an brachte er seine Gemeinde durch rastlose und unermüdliche Arbeit zu immer größerer Bedeutung. Sein erstes Werk war die Errichtung eines würdigen Gotteshauses (1899). Alle Gemeindeinstitutionen verdanken ihr Entstehen seiner Initiative. Seine besondere Aufmerksamkeit wandte er der Religionsschule zu, in der er die oberen Klassen persönlich unterrichtete. Hervorragendes Interesse schenkte er seiner Lehrerschaft. Bis zum Eintreten der Verkehrsschwierigkeiten versammelte er seine Lehrer allmonatlich in einem Fortbildungskursus um sich. '' Jedoch nicht nur nach außen, sondern vielmehr im Stillen wirkte er segensreich im Kreise der Gemeinde. Als glänzender Redner und anerkannter bedeutender 2311 Tobl* hat er es verstanden, nicht nur die Sympathie und Achtung seiner näheren Umgebung, sonder» auch die Anerkennung weit Über die Grenzen seines Wirkungskreises hinaus zu erwerben. Ära Jnbiläamsraa früh um 0 Wr, freöte sich der Oysgmryorsiaub in der Wohnung des Jubilars ein und begrüßte ibu zugleich im Namen der Landgemeinden der Provinz, unter Ueoerrsichmig einer überaus wertvollen Ehrengabe mit einer die Wirksamkeit des Jubilars voll würdigenden Ansprache. Besucher reihten sich an Besucher. Um 1 Uhr fand in der festlich erleuchteten und geschmückten Synagoge ein stimmungsvoller Gottesdienst statt. Ergreifend war es, als der Jubilar geleitet von dem Vorstande, durch den Synagogcnchor «nier der vortrefflichen, wie stets bewährten Leitung des Herrn Joseph Würzburger mit einen, von Herrn Würzburger komponierten xan “112 begrüßt wurde. Den Höhepunkt des Gottesdienstes bildete nach dem beendeten “n:v-Gebet die Festrede des aus dem nahen Marburg hcrbeigeeilten Herrn Prooinzialrabvtner Dr. N. Cohn. Warme und tiefempfundene Worte fand er in seiner großangelegten Rede sowohl für den Jubilar als auch für die Gemeinde. Er schilderte den Jubilar an Hand eine? packenden Midrasch als Hirt der Herde, Hüter de? Weinbergs und Vater der Gemeinde. Für den durch Krankheit verhinderten Herrn Provinzialrabbiner Leo Lahn, Fulda, sprach Herr Rabbiner Dr. Hirsch selb selbst tn geistreicher Weise über den Satz der Sidrah: or.i "xv>t tk sinn uv"i 1N312N, womit er Herrn Rabbiner Dr. Cohn seinen herzlichen Dank aussprach und von n"'V.n den Gegen für die Israelitische ReligionSgesellschast und seine Gemeinden auf dem Lande erflehte. Beendet wurde die Feier durch den vom Synagogenchor in vollendeter Weise vorgerragenen Psalm 156. Um 5 Uhr begann die akademische Feier, vingeleitet wurde sie durch den vom Chor vorzüglich oorgetragenen Psalm 100 von Alfred Rose unter Leitung seines Meisterdirigentcn Herrn Joseph Würzburger. Der erste Vorsitzende, Herr Liebmann Bär, eröffnete den Reigen der Reden mit einer die Herzen der Teilnehmer fesselnden Ansprache an den Jubilar über die einzelnen markanten Züge seiner Wirksamkeit. Nach launiger Erwiderung des Jubilars, der die vor 25 Jahrer herrschenden primitiven Verhältnisse der Israelitischen NerigionSgeseüschast schilderte und einen Rückblick auf ihre Entwicklung bis zu ihrem heutigen Stande warf, begrüßte Herr Lehrer Klein tm Namen der Lehrerschaft der Provinz den Jubilar in eindrucksvoller Rede. Es folgten Ansprachen au? Ansprachen von Körperschaften und Vereinen. Nach dem 2'ixv-Gebet traten gesangliche und theatralische Aufführungen in ihre Rechte, von ehemaligen » und jetzigen Schülern der ReligionSgesellschast unter i Leitung des Herrn Würzburger veranstaltet. Alle, » sogar die Kleinsten, wetteiserlen in voller Hingabe an die Sache und ernteten für die Reichhaltigkeit rhrer in jeder Beziehung das Maß des Dilettantismus überragenden Darbietungen allseitig den wohlverdienten Beifall) besondere Anerkennung wurde den Gesangsvorlrägen des Herrn Asbel zureil. Den Höhepunkt bildete die Schlußnummer des Programms: „Unseres Rarvs Jubiläum", eine Huldigung, dargebracht von Schülern der Israelitischen Religionsgesellschaft. Das .Hauptverdienst an dem gesamten Festarrangemenl und dem vollen Gelingen der auf künstlerischer Höhe stehenden Chöre wie auch des Abendprogramms trug der in den Vorbereitungen zu demselben unermüdliche Chordirigent Herr Joseph Würzburger, dem auch in spontaner Empfindung der Dank aller Mit wirkenden, der in den Herzen aller Festteilnchmer lebendig widerhallte, in Form einer sinnigen Huldigung öffentlich zum Ausdruck gebracht wurde. Wir wünschen dem Jubilar unter dem Rufe stVX'. silst weitere segensreiche Tätigkeit nso iy. Biebrich, 20. April. Am ^>n:r! nsa? beging der Lehrer unserer hiesigen Gemeinde, Herr Simon Sulz buch er, sein 25 jähriges Ortsjubiläum. In diesen 25 Jahren seines Wirkens hat er feine besten Kräfte mir steter Liebe und voller Aufopferung in den Dienst unserer Gemeinde gestellt und sich damit die ausnahmslose Anerkennung und Verehrung der Gemeindemitglieder erworben. Beredtes Zeugnis davon legten der Festgottesdienst in der Synagoge und die i verschiedensten Ehrungen für den Jubilar ab. Zu Beginn des Festaktes sprach der Vorstand unserer! Gemeinde, Herr Moritz Sender, dem Jubilar, den tiefgefühlten Dank der ganzen Gemeinde aus uud überreichte eine Ehrengabe. Ferner sprachen die Herren Rabbiner Dr. Kahn und Dr. Lazarus, Wiesbaden. Ais Vertreter veS Lehrervereins Hoffen. Nassau, sprach Herr Kantor Nußbaum. Einige Kollegen der Nachbargemeinden als deren Vertreter, sowie ein Vertreter des hiesigen Männerkrankenvereins beglückwünschten Herrn Lehrer Sulzbacher. Der Gottesdienst wurde durch erhebenden Psalmgesang des Herrn Lehrer I. Sulzbacher, des Bruders des Jubilars, eingeleitet und beschlossen. Allen Rednern sprach der Gefeierte tn schönen Worten seinen Dank aus und versicherte die Gemeinde seiner weiteren gewissenhaften und liebevollen Tätigkeit. Nürnberg, 16. April. Herrn Dr. Siegfried Rothenberg, der in früheren Jahren an den Htlfsverernsschulen in Jerusalem längere Zeit tätig war, ist der Titel „Professor" verliehen worden. Boi'ghorü i. Wests., 28. April. Am 25. April verschied hier in eimm Alter von 75 Jahren Herr Georg Hertz, Borflnndsmiiglied des „Vereins zur Wahrung der religiösen Amereffen des Judentums in Westfalen".. Der 'Verblichene gehör;? zu den wenigen wahrhaften 2’SI’ Westfalens, die unter den schwierigsten Verhältnissen, unter unsäglichen Opfern ihren Prinzipien treu brieben und inmitten einer andersgesinnten jüdischen Bevölkerung durch seltene Charaktereigenschaften wie durch eine stets hilfsbereite Wohltätigkeit der Orthodoxie Ehre machten. Die Beerdigung fand am 27. er., unter großer Beteiligung statt. An seiner Bahre HM ihm Herr Rabbiner Dr. Klein aus Gelsenkirchen einen tiefempfundenen Nachruf. An der Hand einer sinnigen Auslegung der Midraschworte ri:pt ’in ab e.-rost schilderte er das Leben dieses jp?, der wie einst unser Stammvater Abraham die I Kunst deS Aiterns verstand, der begriff, daß miss? ] -K2ön npi2 “ns ns’B> “i.ssn, das Alter einem nur dann r zur Prachikrone werden könne, wenn man die letzten I Jahre des Lebens, in denen die Jugendwünsche ver- 1 stummen müssen und die Jugendkraft schwindet, dem z «. «Ui 1990 »ohle anderer weiht, «le die? der MerbliHeve d«r^ seine Förderung de» orthodoxen westfälisch«* Teret» getan. Mit zu Herzen gehenden Worten ermahnte er die Kinder de? Verblichenen, im Geiste ihre? Vaters zu leben und zu wirken, damit er in ihnen weiter fortlede. Herr Lehrer Gmanuel au? Burgsteinfurt nahm in herzlichen Worten im Namen der engeren Gemeinschaft von dem Verblichenen Abschied. Nach der sprach Herr Rabbiner Dr. Klein nochmals im Hause de? Heimgegangenen liefergreifende Worte, um die Hinterbliebenen zum Ausbau ihre? zerstörten fe",T>3 zu ermuntern, damit sich da? Wort bewahrheite: ,1212V p’12 IST. Vermischtes. BreKlau, 90. April. Zum ersten Rabbiner für die Neue Synagoge wurde an Stelle de? verstorbenen Professor Dr. Äuttmann, Herr Rabbiner Dr. Bog elftein auS Königsberg in Pr. gewählt. Lindenfels i. Odw., 20. April. Man schreibt uns: „ES ist bekannt, weich' ein beliebter Ausflugsort unser Städtchen ist und es war bislang erfreulich festzustellen, daß die antisemitische Woge den Frieden deS idyllischen Platzes nicht zu stören vermochte. Biele, die dies wissen, wird es daher peinlich' berühren, daß hier vor einiger Zeit im Hotel Odenwald, das bislang allen Gästen unterschiedslos gute Aufnahme gewährte, eine Wandlung eingetreten ist. Am Hoteletngang war kürzlich ein Schild angebracht: „Juden haben keinen Zutritt". Indem wir einerseits die antisemitische „Tat" seststellen, sind wir andererseits überzeugt, daß die anderen Gasthausbesitzer, gleichwie die friedliebende Bevölkerung, das Verhalten jenes Wirtes durchaus mißbilligen." Bremen, 28. April. Am Montag, 26. April, fand hier eine Versammlung'" der Mitglieder und Freunde der A gu d as Jisrv el statt. Herr Rabbiner Dr. Rosenak hielt einen Bortrag über die Bedeulung der Agudas JiSroel und forderte zu praktischer Arbeit für ,H15> und rmsj» und N"v2 aus. AiS den wesentlichsten Gehalt deS Aguda-Gedankens bezeichnete der Redner den Zusammenschluß für praktische jüdische Arbeit, frei von allen Phrasen und gehaltlosen Schlagworieu, wie man sie sonst in heutiger Zeit vielfach aurtifft. Dem Bortrage wie auch dem sich anschließender; religiösen Verträge auS bem Gebiete der Midrasch-Literatur hörten die Anwesenden aufmerksam zu und gaben ihren Beifall dadurch zu erklären, daß um baldige Wiederholung solcher Veranstaltung gebeten wurde. Die als Gäste Anwesenden zeichneten sich sämtlich alS Mitglieder der AgndaS JiSroel ein. Cöln, 3. März. Am 2S. Febr. sprach im Jüdische» Jugendverein Gabriel Rietzer Herr Dr. Bei8, Andernach über „Kulturbilder aus der Geschichte der Deutschen Juden". Nach Schilderung der Kuliurzustände im Mittelalter ging der. Redner zu den beiden großen Emanzipatoren der deutschen Juden über. Er entwarf zum Schluß ein kurzes Bild von Gabriel Rietzer, deffen Bedeutung als politischer Befreier der der deutschen Juden grade in unserer Zeit vor allem erwähnt zu «erden verdient. BüdaftesL, 20. April. Das Kuratorium des neuen Spitals. der Budapester jüdischen orthodoxen Gemeinde hat in einer unter dem Vorsitz deS Oberrabüiners Koppel Reich abgehaltenen Sitzung Herrn Leopold von Freudiger zum Präses des Aüsschuffes und den bekannten Arzt Dr. Alexander Dach, der sich auch bisher schon um die Behandlung der Armenpattenten der Gemeinde große Verdienste erworben hat, zum Oberarzt der Jnternabtellung ernannt. An der Spitze der chirurgischen Abteilung steht der dirigierende Oberarzt Dr. Max Rosenak. Sabbat-Anfang und Ausgang. Ö K Ti Anfang > DatuM Ausgang ilbr ISJHn.!l920l 5680 i Hör jSRin. 7. 20, §i«? Svauffuvt«, M. 7 2S Mai & 45 Bsriliu . . - . — — — — München . - - 7 15 s 21 StxatzöupK . . — — — — Stuttgart. . . — — — — Pose« .... — — — — 'Untmtm. . . 7 — s 28 Hamburg . . . — ■ — 8 58 "TO Dr. Goldschmidt-ro Taunus-Sanatorium Bad Momburg v. d. H. (S468 für Nervöse, iaaerlieli Kraake, Erholungsbedürftige.