Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1920)
- Date
- 1920-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der KSrarttr. iS ®ei. e 5 6. Rai 182t GrweriSmöglichkeit zu suchen. Und dubei drsht -ei -er geringsten Fristüberschreitung Internierung in Ingolstadt, mit all den Schikanen und Mißhandlungen dieser jetzt überall zur Genüge bekannten Konzentrationslager. Dabei ergehen die Ausweisungsbefehle mit erstaunlicher Rücksichtslosigkeit: Frauen vor der Niederkunft) Witwen, die ihre zahlreichen Kinder durch ihrer Hände Arbeit schlicht und recht durchbrachten, ehemalige Soldaten und Offiziere, die auf Seiten der Mittelmächte vom ersten bis zum letzten Kriegstage im Felde waren, deren zahlreiche Wunden und Auszeichnungen ihre Tapferkeit beweisen,' in einem besonders krassen Fall trifft er sogar zwei minderjährige Kinder, die Tochter Putzmacherin, der Sohn geistesschwach und taub, die beide vom Unterhalt des Vaters leben, uns von diesem durch die Ausweisung erzwungenermaßen getrennt werden sollen. — Jüdischen Deutsch-Oesterreichern oder Böhmen, die bereits immatrikuliert waren, wurde jetzt die Erlaubnis, hier Vorlesungen zu hören, wieder entzogen, da sie, im Gegensätze zu ihren Landsleuten „fremdstämmig" seien und wurden außerdem noch polizeilich innerhalb einer Frist von 2 oder 3 Tagen ausgewiesen. Die Frage: jüdische Religion oder Nation, ist von den Antisemiten also kurzer Hand im zionistischen Sinne entschieden worden. übelberüchtigten Journalisten, einem getauften Juden, ausgehendes angebliches Interview. Dr. Löw bestreitet entschieden, irgend eine der ihm zugeschriebenen Aeußerungen getan zu haben, und es ist auch vollkommen unglaubhaft, daß das Interview mehr als eine verleumderische Erfindung sei. Dennoch besteht die Gefahr, daß das Standgericht den sein ganzes Leben lang als begeisterter ungarischer Patriot bekannten Rabbiner verurteilen wird. Die jüdische öffentliche Meinung befindet sich in höchster Erregung. Ts djedpJ-Sfkwrt&et. Arag, 28. April. Die Statuten der Organisation der orthodoxen Gemeinden in der Slovakei wurden von der Regierungsbehörde legalisiert. Somit hat die orthodoxe Organisation in derSlovakei ihre gesetzliche Anerkennung gefunden. LnglllckL Hilfe. Warschau, 25. April. Das jüdische Hilfskommitee in London hat 5000 Pfund, (über eine halbe Million Mark) zur Unterstützung von Jeschiwaus und Talmudthoraschulen in Polen überwiesen. Das Geld wird von einem Komitee verwaltet, dem die kin öayerifcfrer ßemeindebund. Müncherr, 26. April. Am 20. und 21. fand — wie wir bereits berichteten — eine Tagung der Vertreter der bayerischen Gemeinden in Nürnberg statt. Ueber das Ergebnis, auf das sich die Vertreter aller Richtungen schließlich einigten, hören wir folgendes: Der Neumeyersche Entwurf wurde, von sonstigen geringfügigen Aenderungen abgesehen, einstimmig gutgeheißen, mit der Ausstellung, daß an Stelle der einen, vorgesehenen Kommission für die Fragen des Ritus, Kultus und der Schule zwei, von einander völlig unabhängige gewählte Kommissionen, treten sollen, die eine für neologe, die andere für gesetzestreue Gemeinden. Für die Frage des Ritus und Kultus erfolgt die Besetzung dieser Kommissionen zur Hälfte mit Rabbinern, Lehrern nnd Laien. Sie vertreten ihre Interessen auch den Behörden ‘ gegenüber selbständig. Außerdem wurde bestimmt, daß die Unterstützung bedürftiger Kleingemetnden unabhängig von deren rituellen und religiösen Führung zu erfolgen habe, eine Bestimmung, deren Toleranz auch der liberalen Seite oft zu Gute kommen mag. Außerdem wurde aber noch von der Delegiertenversammlung eine Resolution angenommen, die den gesetzestreuen Gemeinden das Recht zugesteht, für sich einen eigenen Gemeindeverband, mit den Eigenschaften einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes, zu bilden und dann als solcher in dem bayerischen Gemeindebund beizutreten. üniDerfifätsftraualie gegen die Juden. Wien, 28. April. Die deutsch-nationale Studentenschaft hat gestern blutige Krawalle begonnen, um die jüdischen Studenten von der Teilnahme an den Hochschulvorlesungen gewaltsam auszuschließen. Die Universität wurde zunächst auf zwei Tage geschloffen. Die von der amerikanischen Commission finanzierte „msnss. judaica“ (jüdische Studentenküche) wurde bereits vorher von den fanatisierten deutschen Studenten demoliert. Ungarn. llngarifcker Terror- Andspest, 25. April. Der greise Szegediener Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw — der Sohn des bekannten radikalen Reformrabbiners Leopold Löw — ist unter der Anklage des Hochverrats verhaftet worden) Es handelt sich um ein von einenr Herren Rabbiner Halprrn, Posnanski, sowie die Deputierten Forbstein und Grünbaum angehören, Natansohn und Eiger lehnten es ab, sich an Unterstützung religiöser Institutionen zu beteiligen. Vom Komitee wurden sofort Ferienkolonien für arme Talmudthora-Schüler in die Wege geleitet, die auch von Aussichtsbeamten der „Schlaume emune Jisroel" begleitet werden. Allerlei aus Polen. Warschau, 28. April. Die Arbeit der „Jüdisch-ameri kanisch en Emigrationskommission" in Warschau geht gut von statten. Tausende wurden mit Pässen versehen und sehen der baldigen Ueberfahrt entgegen, besonders hervorzuheben ist die Tätigkeit der Kommission zur Auffindung der von Amerika aus gesuchten Verwandten der Amerikaner in Polen. In den jüdischen Zeitungen werden die Rabbiner und Vorsteher der Provinz ersucht, die in den Jahren 1914/1915 bei der Flucht aus der Provinz, in Warschau hinterlassenen Thorarvllen, jetzt wieder in Empfang zu nehmen. In Radomsk starb plötzlich im Alter von erst 4L Jahren der Rebbe, Rabbi Jisroel Weltfreud der als WJ von einem großen Kreise verehrt wurde. Die'Bestattung fand unter gewaltiger Beteiligung statt. Krtarren. Die HJahlen für den Landtag. Kowrro, 28. April. Die Wahlen für die litauische Konstituante werfen bereits ihre Schatten voraus. Der Aufmarsch der Parteien hat begonnen. Die jüdischen bürgerlichen Parteien haben sich einstimmig auf die Kandidatenliste der„Jüdischen nationalen Vereinigung" geeinigt, die folgende Namen enthält: D. Rosenbaum, D. Soloweitschik, Finkelstein, Friedmann, Gorstnkel,Man.de!brot,Margolin, Rabbinowitsch, Walotzki und Kamber. $Mk&xvxna> flnfdiluß der öefefcestreuen der öukswina an die „flgudas Jisroel.“ Zürich, 2. Mai. Aus Czernoürltz wird der „I. P. Z." berichtet: Die unter Leitung von OLerrabbiner Dr. I. Rosenfeld und Rabbinatsasseffor Chodrow stehende „Agudas Scho m re Hadas w'jischuw Erez Jisruel der Bukowina" hat in ihrer Plenarsitzung des Verbandsausschusses vom 6. April den Anschluß an die Agudas Jisroel beschlossen. England. Das Urteil gegen Jadofinsfty. London, 28. April. Das englische Militärgericht in Jerusalem hat den bekannten Schöpfer und Führer der jüdischen Legion, Wladimir Ja botinsky, der bei dem arabischen Pogrom in der heiligen Stadt, einen jüdischen Selbstschutz organisieren wollte, zu fünfzehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt! Dieses Schreckensurteil gegen einen Mann, der in diesem Falle doch sicherlich nichts Entehrendes getan, sondern lediglich dem natürlichen Instinkte jedes bedrohten Wesens, dem Instinkte der Selbstverteidigung gefolgt ist, erregt hier alle Kreise. Man verlangt eine "unparteiische, nicht militärische Untersuchung durch hohe richterliche Beamte und wird dies wohl auch durchsetzen. grankvjciäj. Judenausmeifungen aus Sranftreicft. Saris, 30. April. Eineganze Anzahl polnischer Juden, zum Teil Familien, die schon lange Zeit hier wohnen, sind durch Verfügung des Ministers des Innern ausgewiesen worden. Auf Initiative des Großrabbiners hat sich ein Kommttee zum Schutze der bedrohten Kreise gebildet. Die Motive des Ausweisungsverfahrens sind nicht klar, doch ist seit längerer Zeit in der Presse eine Campagne gegen die ostjüdische Einwanderung im Gang, die wohl nicht ohne Einfluß auf die Regierung geblieben ist. Oberrabbrner Pinkas Horowitz 7"X7- Bshorodezanh (Galizien), 27. April. Die Sefirotage, von jeher Tage ernster Wehmut, in denen unsere Seele weint um das große Sterben unter Rabbi Akibas Jüngern, nahmen auch dieses Jahr unserer Gemeinschaft einen ihrer herrlichsten Führer. Erschütternd trifft unS die Kunde, daß Rabbi Pinchas Horowitz, der Vohorodczanyer Raw, eingezogen sei in die Welt der Wahrheit, daß jener große Mann nicht mehr unter uns weilt, den alle, die ihn nur je gesehen, liebten und verehrten, weil seines Wesens Milde, seines Herzens Güte, seines Geistes Hoheit, sriner Seele Adel ausgegossen waren auf seinem Antlitz! Wir sahen ihn zum ersten Mal bei einer Versammlung der Züricher Agudo. Unter hunderten von Menschen zog seine Gestalt unsere Bli<ke magisch auf sich und als wir ihn dann sprechen hörten — nicht mit dem Pathos und der Rethorik des Volksredners, sondern in der tiefen Schlichtheit des wahren Großen — da wußten wir, welche Bewandtnis es mit den Worten hatte, dit einst Gott Pinchas zum Lohne seines heiligen Eifers, gesprochen: wia ns svv ’irr ölbt?. Die herrliche Harmonie von Geist und Gemüt, die Abgerundetst des Wesens, die keine Spaltung und Zerklüftung kennt, die vollständige Uebereinftimmung zwischen Lehre und Leben, die Universalität des Geistes, die alle Bezirke des Wissens umfaßt, die menschenfreundliche Güte, die dem Judentum schon entfremdete Seelen ihm wiedergewinnt, die bet laller Prinzipienfestigkeit so milde und verstehende Würdigung auch des anderndas war der Bund, den Gott geschlossen mit Rabbi Pinkas Horowitz, zum Lohne dafür, daß er: „eiferte für seinen Gott und Sühne brachte den Kindern Israels". Wie eiferte er für seinen Gott? Er war der Gründer und der Letter der ersten Jeschiwoh Galiziens, durch seine Tatkraft und durch die Geldmittel, die er selber gub und die er sammelte, wurden auf seine Veranlassung in Galizien und in der Bukowina viele Jeschiwaus gegründet, aus denen Führer unseres Volkes herrorgingen, Männer, die dem Meister nachahmten, die gleich ihm Thora in Israel vermehrten und erfüllten. , Er eiferte für seinen Gott, indem er der Welt zeigte, wie bescheiden und anspruchslos Israels wahre Großen sind und wenn ein Schüler in einem Nachruf von ihnr schreibt, daß er selber zu den Kranken eilte, um ihnen praktische Handreichungen zu leisten, daß er jedes weinende Kind, ob jüdisches oder nichtjüdtscheS, das er auf der Straße sah, tröstete, daß er den größten Teil der zahlreichen Schüler seiner Jeschiwoh selbst erhalten, am eigenen Tische alle speiste, dann sind das kleine äußere Striche, aus denen wir uns sein großes Bild konstruieren können. Und nun ist er nicht n ehr. Im 54. Jahre seines Lebens, vorzeitig zermürbt crom .Kriege, der ihn