Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1920)
- Date
- 1920-05-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Brr ASraeM. Nr. 18. Seite 8 6. Mai 1920 Nie Zuden der Ostmark. Einem an anderer Stelle veröffentlichten Notschrei, der sich mit dem Schicksal der in Posen zurückgebliebenen oder von dort ausgewanderten Gesinnungsgenossen besaßt, habrn wir trotz den daran geknüpften schwerer! Anklagen Raum gegeben, weil er aus ehrlichem Herzen kommt und — 2218 ’tfSCÖ Indessen gebietet die Gerechtigkeit, diese Ar,klagen von vornherein an der Hand derjenigen Tatsachen zu prüfen, die dem Herrn Verfasser nicht bekannt waren, oder die er nicht genügend gewürdigt har. Vor allem ist feftzusteüen, daß die „Freie Vereinigung" ihren Mitgliedern in der Ostmark gar keinen schlechteren und gefährlicheren Dienst hätte erweisen können, als wenn sie ihre „Ostdeutsche Abteilung" — gegen den Willen der ehemals deutschen, jetzt polnischen jüdischen Brüder — in Posen aufrecht erhalten hatte. Grade die von dem Herrn Verfasser vermißte Fühlungnahme, die in ausgiebiger Weise stuttfand, führte zu dem von ihm beklagten Ergebnis. Die in der Provinz Posen verbleibenden gesetzestreuen Kreise können nichts besseres tun, als den Schutz ihrer religiösen Interessen der polnischen Landcsorganisstion der Aguda, den „Schlome Emune JZroel" anzuvertrauen und innerhalb dieser Organisation ihren Einfluß tatkräftig auszuüben.. Was aber die Auswandern den betrifft, so müssen wir gestehen, daß — abgesehen von Beamten — irgend ein Symptom, das eine besondere Hülfsaktion angezetgt erscheinen ließe und den Weg dafür wiese, uns nicht zu Gesicht gekommen ist. Offenbar hat die Hochflut des deutschen Wirtschaftsgetriebrs, die bisher — wir stehen allerdings vielleicht vor einer Wendung — überall, nicht zum wenigsten auch in den Sabbat haltenden Kreisen, eine stürmische Nachfrage nach Arbeitskräften zu jedem Preise entstehen ließ, die Zuwandernden mühelos absorbiert. Wer Sabbat hallen .wollte, konnte es bisher — die VersicherungWasse des Stellenvermittlungsvereins, der Demobilisattonsfondsfonds der gleichen Organisation sind verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen worden, sodaß ein Eingreifen auf wirtschaftlichem Gebiet überhaupt nicht in Betracht kommen kann. Die religiöse Propaganda aber für Sabbattdee und Sabbathut kann doch kaum für eine bestimmte Gruppe, die sich gar nicht erfassen läßt, spezialisiert werden. Wir sind überzeugt, daß nicht nur wir, sondern auch die in Betracht kommenden Verbände sich gerne belehren lassen, falls der Nachweis erbracht wird, daß trotz den entwickelten Gesichtspunkten eine mit praktischen Mitteln zu lösende Sonderausgabe vorliegt, und falls greifbare Vorschläge zur Methode dieser Lösung gemacht werden. Warum zählen wir? tAns der Symbolik des „Sefirns haaumer".) Suchen wir nach den Gründen und tiefen Zusammenhängen des Omerzähleus im Talmud, so wird die Ausbeute nicht gerade groß,sein. Wohl ist in Mischna „Menachoth" ein ganzer Abschnitt ('■» 's) dem Omergebote gewidmet. Hier aber finden wir lediglich Schilderungen über die Art der Ernte und der Darbringung dieses eigenartigen Gersteopfers. So lehrt die Mischna u. a.: Man sehe darauf, daß die Gersteühren aus der Nähe der Stadt Jerusalem kommen und nur da, wo dies nicht angeht, dürfe man sie auch aus der Ferne holen. Die Ernte der ersten Gersteahren, die mit Ausgang des ersten Festtages vor sich ging, war vorher schon durch Beauftragte in allen Einzelheiten vorbereitet. Das Schneiden selbst fand unter großem Pomp in Anwesenheit der Bewohner aller umliegenden Städte statt. Je d r e t m a! fragten die Schnitter laut und vernehmlich : „Ist die Sonne gesunken? Sollen wir diese Sense, diesen Korb benutzen? Sollen wir endlich die Aehren schneiden?" All diese Umständlichkeiten hatten den einen Zweck, in aller Oeffentltchkeit gegen die Böotusäer zu demonstrieren, die behaupteten, man müsse, getreu dem Buchstaben der Thora, mit dem Omerschneiden erst am Sabbatausgang nach dem Feste beginnen. Wir finden ferner in der Mischna eine genaue Schilderung der Metamorphose, die die Aehren durchzumachen hatten, bis daß sie in der Form eines Mehlhäufleins, dreizehnfach gesiebt, als Opfer auf den Altar gelegt wurden. Wir erfahren endlich, daß man unmittelbar nach Schwingung des Omeropfers den Getreidemarkt der heiligen Stadt mit allen Erzeugnissen des von Gott gesegneten Bodens beschickt fand und daß man von diesem Augenblicke an, in Jerusalem selbst, schon das neue Getreide genießen durfte, währnd man in der weiteren Provinz, wo man nicht Augenzeuge des heiligen Vorgangs sein konnte, damit bis zum Nachmittage warten mußte. Im Tempel selbst hat man mit der Verwendung der neuen Frucht für Opferzwecke bis nach Darbringung der „zwei Brote" am Schowuosfeste gewartet. Dies alles bezieht sich ansschließlich auf Ernte und Darbringung des Omers. Wo aber bleibt die Sefiroh, das Zählen? Man kann im Zweifel sein, ob die Sätze '21 222 222221/ die sich dem ■■■"gMHt IBPjWWHWKüg«' ’ «II i"i »■ronMwWn.tWin>a,Wt.|l,wt|)W m.. Aphorismen. Leberrsglnck. „Lebensglück" ist etwas anderes als „Glück im Leben". Letzteres besteht aus einer Reihe zufälliger glück« licher Ereignisse, die wohl auch glücklich machen, die aber nicht die innerliche Ruhe geben, weil der Betreffende, bewußt oder unbewußr, nicht von dem bangen Zweifel loskommen kann: wird bei der nächsten Gelegenheit mir wieder das Glück lächeln? Sein Glück bildet kein festes Fundament zum Weiterbauen, weil es gleichsam ans einzelnen losen Sandkörnern besteht. Das „Lebensglück" dagegen ist ein Programm, das der Jüngling und die Jungfrau sich beim Eintritt ins Leben zurecht machen,' ein Ziel, das sie mit den ihnen zu Gebote stehenden Fähigkeiten erstreben und zu erreichen suchen. Hier tritt schon der Unterschied zwischen den beiden vorerwähnten Glücksarten in Erscheinung. Denn während beim „Lebensglück" schon der Weg zu ihm, das Streben nach demselben, Befriedigung gibt und glücklich macht, weil wir unser ganzes innerliches und nutzeres Leben nach dem uns vorgezeichneten Ideale veredeln, lösen für uns beim „Glück im Leben", selbst wenn dasselbe uns auch lange treu bleibt, nur die wirklich etngetrofstnen glücklichen Ereignisse ein meistens nur vorübergehendes Giücksgesirhl aus. Diese zwei verschiedenen Glücksempsindungen lassen sich ungefähr mit den Gefühlen zweier Kaufleute vergleichen, von denen der eine ein glücklicher Spekulant ist, der andere aber ein solides Geschäft Hatz das er durch seine ununtcrbrrrchkne Arbeit, nach Meü SttUNLsützSttz in die Höh? bringt. 3 Wenden wir uns nun der Frage zu, welches I Lebensglück junge Leute — ich spreche hier zur jüdischen Jungfrau und zum jüdischen Jüngling — erstreben sollen, einerlei ob das letztgesteckte Lebensziel nun Netchlum, Gelehrsamkeit oder Befriedigung des Ehrgeizes ist, so ist die Antwort daraus das Gottesgebot: Gründet möglichst frühzeitig ein eigenes HauS: heiratet eine euch gleichgesinnle Frau, einen euch gleichgesinnten Mann.' Denn nur eine harmonische, glückliche Ehe bildet das eigentliche Lebensglück und nur, wo nach Gotteswort beide Gatten, in allen Lagen des LeSens einander helfen und beistehen — Eser kenegdau — und sie die einem jeden Menschen anhaftenden kleinen Schwächen liebevoll übersehen, kann das fürs Leben gesteckte Ziel mit voller Befriedigung erreicht werden. Das erreichte Ziel.ist dann nur noch die Krönung des ununterbrochen getroffenen Lebensglückes. Ganz anders aber, wenn der Mensch die Er süllung des Gebotes der eigenen Hausesgründung aufschiebt, bis er das äußerste ihm vorschwebende Lebensziel erreicht hat. In neunzig von hundert Fällen glückt das erst, wenn die beste Zeit des Lebens vorüber ist. Glücklos und ahne innerliche Befriedigung langt man auf der Höhe seiner einstigen Wünsche an, weil man versäumt H hat, den langen Weg dahin zum Levensglück zu gej statten und außer Acht gelassen, daß das höchste s Lebensglück in der Beglückung eines andern! Wesens liegt. H. C. j , (Archäologisches aus Palästina). Ende Mürz ä fanden, wie der „Neuesten Zur. Zrg." aus Jerusalem geschrieben wird, unter der persönlichen Leitung des englischen MilitSrssusernsms GensxsL Lrsrrs hie Sitzungsn h?k Sksten srchüvlvgifchen Derfammlurrg Omergebote anschließen, organisch mit diesem verbunden sind, oder ein selbständiges Gebot darstellen. Im elfteren Falle wäre unsere Sefiroh als Teil ecnes zu deu p82 21'l222 NW zählenden Gesetzes heute nicht mehr biblisches Pflichtgesetz. Im zweiten Falle stellt sich uns aber d.-s Zählen als Thors gebot für sich mit voller Verpflichtungslraft dar. Diese unbeantwortete Frage ist'es denn auch, die unsere Dezisoren im Zweifel darüber läßt, ob die Sesiroh heute 82'21822 oder 22222 ist. Allein, Hand in Hand mit der Halachah, dem Produkte des aus Sw'athöhen schöpfenden Mischen Geistes, geht auch die jüdische Seele auf die Suche aus nach Gründen und Zusammenhängen, die sich an die eigentliche Materie kaum gebunden fühlen, dafür aber alle Saiten des jüdischen Herzens hell erklingen lassen. So darf?s denn nicht wunder nehmen, daß das. Grundbuch der Kaöbalah, der heilige Sohar, und nach ihm alle anderen alten Schriften, der Sefiroh ein Eigenleben verleihen, das ganz losgetrennt ist von Blühen und Ernten. Die Sefiroh ist hier, bar aller Erdenschwere, die Wartezeit eines Volkes, das dem Tage seiner Vollendung entgegenzählt und zittert ... Und sie ist auch das Zählen des Golus, da Seufzer und Tränen gezählt werden, bis daß das Maß voll ist, zur Geula... Sehe»! wir uns selbst die Stelle im Sohar, Abschnitt „Emor", Seite 97 an: 282127' Tin *72 82128222 {2'28 lim 8228 8212722 112 2'2J£Ö2 228 82128222 82T2 822' 22 82 82282 222 2'22 2'2P2'8"' 8w'2p 8p2l22l2'28177J282 8228 822 1.2'22 8212822 p2S 2'2 8228282 2P2S282 222 2^2 8212822 '22 1p2S 22 222221 221 822 *18 2*? 22221 2122 .22 2^2 22 22-221 228p2 8p"2 222 „Wie Israel in Mizrajim war, befand es sich im fremden Besitze und war in Unreinheit besangen, wie die Abgesonderte in den Tagen ihrer Unreinheit. Mit der Befreiung trat es den heiligen Teil an, der,.Bund" genannt wird. Nach dieser Vereinigung mit Gott wich die Unreinheit von Israel und es hatte nun gleich der Abgesonderten die Tage der Reinheit zu zählen. -Heißt es doch bei dieser: „Und sie zähle", hier aber: „Und ihr sollt zählen!" „Und darum kann, schlicht der Sohar — der Menschensohn, so er die Zählung nicht vornirnmt, nicht rein genannt und nicht würdig befunden werden, an der Thora Anteil zu haben". Den: Sinne nach bedeuten diese Darstellungen in Sohar und anderen Schriften: Israel wird aus tiefster Gesunkenheit von Gott als erkorene Braut heimgesührt. Und es schmückt sich die Braut und zählt und zittert im Wonnenschauer die Tage und die Wochen, die sie seit Kriegsende statt. An dieser Versammlung beteiligten sich Gelehrte aller in Jerusalem vertretener Nationen und Religionen und daneben auch einige französische und englische Archäologen, darunter der englische Schriftsteller und Gelehrte Chesterton unb der Pariser Orientalist Prof. Slouch. Nach einleitenden Bemerkungen des Präsidenten über die Bedeutung Palästinas als Quelle für kulturgeschichtliche Forschungen referierten die Anwesenden der Reihe nach über ihre letzten Arbeiten und Ausgrabungen, wobei sich herausstellte, daß die Ausgrabungen auf dem ZionSberg und um Jericho neue und sehr iulereffante Funde zutage gefördert haben. Hauptmann Mae Key, Leiter des archäologischen Instituts in Palästina, berichtete über den Einfluß der attpalästinischen Kultur auf die spätägyptische Kunst und belegte seinen Vortrag mit interessanten Tafeln und Originalfunden. Die diplomatischen Vertreter Frankreichs, Amerikas und anderer Staaten, nahmen als Gäste an den Veranstaltungen der archäologischen Gesellschaft teil und hielten Begrüßungsansprachen. Die nächste Generalversammlung findet im Mai statt. Bis dahin wird die neugegründete archäologische Schule in Jerusaleru ihren Leiter, Prof. Garstina aus Liverpool, erhalten haben. Familiennachrichlen. , Geburten. Eiren Sohn: Max Oppenheimer in Gebern. — Einen Sohn. Jrttz Hirsch und Frau Selma, geb. Kaufmann, Ladcnburg. Silberne Hochzeit. Das Fest der silbernen Hvchzeit feiern am 0. Mar d. IS., Metzgermeister Sigmund Hlein Nsib Argu, geb. Rorhsi?lll in Psppenlffuer.