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Der Israelit · 1920-05-06 · Heft 18 (6.5.1920) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 18 (6.5.1920)
Date
1920-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«rite 2 Nr. 18 Der JSraelit. 8. Mai 1920 und Frauen Besitz ergreifen sehen von jenerwBoden, auf dem Awrohoni, unser Vater, und Mosche, unser Lehrer, auf lern die Prephetcu und Rabbinen in Hriligkeir und Gortcslieb:: gewandelt, und wir verstehen die Stimmung derer, die vor dieser Invasion rhorafeindlichen, fremden Geistes in hebräische^: Gewände die Flucht ergreifen, aus dcm Lande der Pättr in die Stille eines Beshamedrasch irgendwo auf Gottes großer Erde flüchten und ihre Kinder lieber in einer wahrhaft jüdischen Golus-Kehilla, als in einem entjudeten Palästina Gemeinwesen, aus die Geula der Zukunft vorbereiten möchten. Und dennoch wäre die Unterwerfung unter eine solche Stimmung Verrat an der j n bischen Wahrheit, an der jüdischen Aufgabe. An der jüdischen Wahrheit: denn diese Wahrheit macht nun einmal aas Wohnen und Verharren auf dem jüdischen Boden zur geheiligten Pflicht des Jndivldumns, solange dort nicht etwa das Leben nach dem Gottesgesetze oder die Erziehung der Jugend zur Thora direkt unmöglich gemacht wird. An der jüdischen Aufgabe: denn niemals war es jüdische Art, dem kampfreichen Leben für Gott und sein Gesetz aus dem Wege zu gehen, statt es mutig zu meistern. Leicht wirddteses Leben für die Orthodoxie nicht sein--unqleich verteilt sind die Waffen, und die große Katastrophe des Krieges hat wesentliche Teile des jüdischen Volkes, die dabei wertvolle Dienste hätten leisten können, mehr oder minder zur Ohnmacht verurteilt. Umso straffer müssen alle Kräfte, die wissen, was Erez Jisroel uns bedeutet, zusammengefaßt und in den Dienst aufbaucndcr Erez Jisroel- Arbett gestellt, müssen vor allem im Lande selbst die noch nicht vergifteten Teile der Heranwachsenden Generation geweckt und g.'ftärkt werden, damitnicht in einem Augenblicke, der in anderem Sinne, wie die zionistische Auffassung meint, zürn Wendepunkt werden k a n n, lediglich eine Wiederholung der alten traurigen jüdischen Geschichtsersahruug-N'^Vl'' rx pan X'pm -fidjöorBevcite. j Erez Jisroel und das jüdische Volk vor dieser Kam- I ftrophe y'*i zu bewahren, ist die heiligste Aufgabe! der thoratreuen Judenheit, dir allein in der I Nacht dunkler Golusjahrhunderte Erez Jisroel! die Treue gewahrt har, und die nun diese Treue! im Sonnenstrahl einer anscheinend glücklicheren politischen Conftellation gewiß nicht verleugnen wird. nssri Wochemiilids-au. Das Sude des Revisions-Kampfes in Bayern. Mit der in Nürnberg vorige Woche stattge-- habten Tagung der bayrischen Gemeinden, die im Prinzip die Gründung eines öffentlich-rechtlichen Gesamtverbandes, einstimmig beschlossen und die statutarischen Grundlagen dafür geschaffen hat, endet ein Kampf, der mehr als ein Jahrzehnt die Gemüter diesseits und jenseits der blauweißen Grenzpfähle nicht wenig erregte: das Ringen um die Revision des bayrischen Judeued ikts. Zwei Umstände waren es, die der rechtlichen und moralischen Verfassung des bayrischen Judentums von jeder das des ondere Gepräge gaben: die durch Gesetz gesicherte öffentliche Anerkennung des Religiortsgesetzes^und seiner Organe als maßgebender Faktoren des Gemeindelebens und die daraus entstehenden, verhältnismäßig intimen Beziehungen zwischen orthodoxen itnb neologen Rabbinaten, wie sie in der einheitlichen Rabbinerkvnserenz zum Ausdruck kamen. Diese beiden Momente bewirkten, daß ein Teil der Orthodoxie jeder Aendcrung der Judenverfaffuug, selbst wenn sie Auslrittsmöglichkeit und damit religiöse Befreiung brachte, ''leidenschaftlich widerstrebte, daß aber andrerseits der Gedanke der Zentralkaffe wie der Zentralisation überhaupt auch innerhalb der Orthodoxie in Bayern lange nicht den Grad von prinzipiellem Widerstande und praktischer Befürchtung für die Freiheit der Gewissen auslöste wie anderwärts. Diese besonderen psychologischen Vorbedingungen muß man verstehen, wenn man das Ergebnis der Nürnberger Tagung richtig werten will. Was ist dieses Ergebnis? Nachdem durch die Reichsversaffung die gesetzliche Geltung des Judenedikts und der Ministerialentschließung von 1863 ernstlich in Frage gestellt, die staatliche Bindung der Gemeinden an das Religionsgesetz also beseitigt war,- nachdem auf der andern Seite die Bildung von Austrittsgemeinden ohnedies als selbstverständliche Folge der religiösen Gewissensfreiheit ohne weiteres gewährleistet erschien — blieben eigentlich nur zwei Probleme übrig: 1. Wie kann der Not der Landgemeinden und ihrer Beamten abgeholfen werden, ohne diese Gemeinden der Herrschaft der großgemeindlichen Neologie auszulüfern? ' j| 2. Wie vermag das orthodoxe Judentum seine » volle geistige Unabhängigkeit und darüber Ü hinaus seinen historischen Anspruch auf absolute Wahrheitsgeltung organisatorisch zum Ausdruck zu bringen? Inwieweit das erste Problem in Nürnberg gelöst wurde, kann nur die praktische Erfahrung lehren,' theoretisch ist das numerische Uebergewicht der sogenannten „Großgemeinden" in Bayern lange nicht so beträchtlich wie z. B. in Preußen, wo jede einheitliche Gesamtorganisatron unvermeidlich zur unumschränkten Tyrannis der Gemeindeftuben von Berlin- Frankfurt führen muß. Was aber die ungleich bedeutungsvollere zweite Frage anbelangt, so hat sich die bayrische Orthodoxie offenbar" zu einem bedauerlichen Kompromiß bequemen müssen. Müssen — weil der Einheitsgedanke, die Gewöhnung an das Zusammenarbeiten der Rabbinen aller „Richtungen" von vornherein eine Atmosphäre geschaffen hatte, die ein radikales Ultimatnm der geschlossenen Einheitsfront orthodoxer RaLLinare ausschloß und die wenigen Vertreter des orthodoxen Autonomie-Gedankens völlig isolierte. ‘ Immerhin ist das eine erreicht worden, daß die sogenannte orthodoxe „Kommission" — das Wort allein schon bedeutet eine Erniedrigung des historischen Judentums zur Rangstufe einer neben tausend religiösen Furbemrüancen eiuherlausenden „Richtung" —auch nach außen selbständig onftreten kann, sich also nicht von anderen vertraten lassen muß. Des weiteren haben sich die orthodoxen Gemeinden das Recht Vorbehalten 'für ihren eigenen Gemeindebund selbständig die Rechte einer öffentlichen Körperschaft gemäß § 137 der Reichsverfassung zu erwerben "und als solche in den Gesamtverband einzutreten. Hier käme es nun für die Zukunft darauf an, inwieweit es den Rabbinern und sonstigen geistigen Führern gelingt, in den Gemütern das Bewußtsein zu wecken, daß diesem orthodox en Bunde und nicht dem Gesamtverbande die Würde der „Religionsgemeinschaft" im überlieferten. Sinne zukommt.- Es ist schließlich dasselbe moralische Problem, das in Bayern den Orthodoxen bisher schon in jeder einzelnen Eiuheltsgemeiude gestellt war, mit dem Unterschied allerdings, daß" dort bisher der staatliche Zwang, jetzt „freiwillige" Ueberetukunft Wahrheit und Willkür zu einem widerspruchsvollen Ganzen zusammenkettet. Nachdem nun Bayern, Baden, Württemberg gesondert organisiert sind, dürften wohl weitere Erörterungen über eine, deutsche Gesamtorganisation überflüssig sein, solange das Problem nicht für Preußen gelöst ist. Keines Aeuillewn. Nie Sabdatterze. Bon David Pineas. Wenn ich, zum Sabbat mich zu rüsten, In meinem Heim begriffen Lin, Dann zieht mir — seltsam — ein Gelüsten Den Blick zum Fenster drüben hin. Wo stets — „es ist noch lang'bis Schabbos" — Ein Kerzenlicht schon traulich strahlt Und mahnend mir in mein Gcrnüte Das Bild vom nahen Sabbat malt. Sei mir gegrüßt, öit Sabbatleuchte! Die Hand auch, die dich fromm entbrannt, Der stille Hauch, der — um dich webend — Den Weg hofübrr zu mir fand! Doch wohin bin du nun entschwunden? Ich s h' dein sanftes Licht nicht wehr. An allen Jreiragmiitagstunden Das Fenster'drüben — es bleibt leer. Erkrankte wohl die fromme Seele? Wohnt nicht mehr dar Ich weiß es nicht. - - Ach, überschritt sie gar die Schwelle Zum ewigen Mabbatlamponllchi? — -- Die ersten Omergarden. Älus einem Jahrzeitslernen. Baba Kama, Folio 60 : „Wenn Feuer hervorgeht und findet die Döreer, und es wird ein Getrcidehuufen oder stehendes Getreide oder der Acker verzehrt, so zahle voll und ganz derjenige, der den Brand angezündet hat (M. 2,' 22, 5). Wenn Fener entsteht, so sind es immer die Dörner, die dieses verschmdet, es trifft aber zunächst das wogende Getreidefeld . . . Die wogenden Aehren — das sind die Guten und Frommen, sie bringen Segen und e halten die Weit. Die Dörner aber — das sind die Bösensie stehen der reifender! Mmcht im Wege und behindern ihr Wachstum. Die letzteren verschulden das Feuer, die erster en trifft es . . . . Es ist das Los der goldenen Aehre, daß sie unter der Sense des Schnitters fällt, lind zumeist sind es sogar die besten, die als Omergarben zuerst Herhalten müssen: . . . Ram Jaursef entnimmt ferner dem Satze.22 in M. 2, Kap. 12: „Und ihr aber, keiner gehe aus seinem Hanse bis zum Morgen", daß der Todesengel, ist ihm einmal die Macht in die Hand gegeben, keinen Unterschied zwischen Guten und Bösen kennt, ja die Guten sogar zuerst hinrafft, ruie es in Jecheskel 21 heißt: „Ich rotte aus deiner Mitre aus den Gerechten und den Bösen", den Gerechten zuerst. Darob meinte Ram Iausses bitterlich. „Ist dies der ganze Erfolg des Gerechten"?, fragte er, KNkrvSMt der jünger? Aübaje, eä ist zu feinem Guten, daß er, der Gerechte, bem weiteten Unglücke aus bem Wege gehr. Heißt ES SöH Ui j i Jesajas: „Bor dem Verhängnis ging der Gerechte i| dahin". Wer sind die „Kauzim", die das große Feuer verbreitet und eine Welt in Brand gesteckt haben? Blau- und Weißbücher werden es nicht feststellen. Gerichistribnale und Ausschüsse auch nicht. Wie nicder-- drückend aber der Gedanke, daß bei diesem Brande, für diesen schlechtesten aller Kriege, die Besten fallen mußten! Wir weinen mit Raw Jausses: „Ist das alles"? „Nein", tröstet Abbaje: „Bor dem Unheil ging der Gerechte dahin . . . Wie vieles ist ihm erspart geblieben! Ins Endlose stieg das Weltenunglück, seitdem sich dieses Grab geschlossen, täglich von neuem Teiche von Blut und Tränen bildend. Der Frühgeschiedene iah es nicht mehr . . . Und dann ist der Schlußsatz von Bedeutung: „Es bezahle und bezahle der, der den Brand veranlaßt". Auf Zion bezogen, ist es, nach Talmud, gemeint: „Gott, der Zion in Flammen uufgehen ließ, wird es wieder durch Feuer erbauen". Auf den Weltenbrand angewandt, ist es ein Hinweis aus'Ihn, den Erdenlenker, dem allein das „Schalem jeschälem", das Vergelten und Wiedergut m a ch e n zusteht ... „Schalem jeschalem", ein doppeltes Zahlen, ganz und lückenlos ist die Wiedergutmachung nn'mi sie von Ihm ausgeht, der still die Flammen um sich greifen ließ und es allein missen kann, wieso und warum. Darum meinen wir nicht mit Raw Jausses, sondern Hatten e§ mit Ab hg je > . ,

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