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Der Israelit · 1920-04-01 · Heft 13-14 (1.4.1920) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 13-14 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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nicht nur von den Erstgeborenen, sondern er wählt auch aus diesen die besten Tiere aus. Daß die Gesinnung deS Opfernden und nicht sein Opfer wesentlich ist, ergibt sich auS der Nennung der Persönlichkeit, alS Grund für die Annahme oder Ablehnung de- Opfers, (vergl. Hirsch.) Aus diesem Opfer d?S 22N lernen wir noch etwas Bedeutsames. Es gibt eine sichere Grundlage zu geharnischtem Protest gegen die Unterstellung, Tteropser seien ein Beweis für blutrünstige Grausamkeit. Einer derartigen Frage nach der Berechtigung zu Tieropfern könnten wir ja ohne weiteres die Gegenfrage entgegrnstellen, ob es denn weniger human wäre, daS Tierleben einer sittlichen Idee) als dem Magen und dem Gaumen preiszugeben. Aber zu Hcwels Zeiten war ja der Ti'ergenuß noch gar nicht gestattet und galt für den Menschen noch als Blutvergießen. Dös Tierleben als Ausdruck einer Idee hmgropfert hingegen, galt auch schon für Hkwel als gottgefälliges Werk. Damit ist die Berechtigung der Tieropfer jeder ungesunden Sentimentalität entrückt und das positive Zeugnis erbracht, daß das Tierdasein eine natürliche Brsriedigung in der Gvtieshuldiguvg des reinen Menschen findet, um mit seinem Leben zu bekunden, waS der Mensch mit seinen Worten singt: -Wer ist wie Du verherrlicht durch Heiligkeit«. Zudem war 22H der bessere Mensch und y? welcher vegetabiles Opfer brachte, war es, der die erste Bluttat auf dem Gewissen hatte l 5. rOT 82. Die Form NOT ist hier natürlich nicht prusquperf. aufzufosftn. Da die Negation SO hinzutritt, konnte das Jmperf. mit Waw mcht gebraucht werden. NN'1 mit Hinsicht auf die Vergangenheit war er verdrießlich, und mutlos blickte er in die Zukunft 2'2L l?sn. Diese Zerknirschung ist das Sündenbewußrsein, das sühnr. 6. "WI. Der Allgütige sucht ihn mit freundlichen Worten aufzurichten. ("128 im Gegensatz zu 12*7 I 42,7 und 30.) Ern . solches Gotteswort bedeutet die NNL2 die Verzeihung. 7. Wenn der DerS so unendlich vielen Auffassungen begegnet, so sei auf eine^ gleiche Satzkonstruktion II 32,32 hingewiesen, die gleichzeitig das Wort OT3 als „verzeihen" erklärt. Der erste Verstell ist scheinbar hier wie dort ein Anakoluth und das Ganze würde lauten: „Wenn Du die sgewahrtej Verzeihung (V. 6) gut anwendest — Jcmnn ist es gut) wenn Du sie aber nicht anwendest, so ruht zu dem -Eingang die Sünde." *2*7 ist schließlich doch nicht nur ein ungestörtes friedliches Ruhen, (Hirsch) sondern es bedeutet doch auch ein Erliegen, unter der Last die schwer drückt. (II 23,5.) Die Sünde ist immer nicht beherrschend, vielmehr beherrscht. Sie sehnt sich wohl nach Dir (3,18) aber darum, um, wie das Weib, beherrscht zu werden. Sie ist ja nur Mittel. Sie ist blind, der Mensch ist der Sehende. Der Mensch kennt das Ziel, er har es erspäht und er lenkt die Sünde dorthin, sie ist gleichsam das Tier, auf dem er dorthin reitet. Mensch und Sünde können nur gemeinsam zum Ziele, dem sie fern bleiben sollten, gelangen. Vielleicht dürften wir zur Vollendung des Gedankens nne das mit dem bestimmten Artikel verbunden ist, mit dem NNL in "pD“* nns (Ps.119, 130) gleichstellen. Die Sünde wartet auf den Anfang, den ersten Schritt. .Ihr Vorhandensein, die Versuchung ist die Strafe, wenn du die eben gewährte Verzeihung nicht in dankbarer Anerkennung deine Läuterung vollziehen lässest. Wenn »2*7 als mase. zu ridrvn tritt, so vervollständigt das nur den Gedanken der wachsenden Macht der Sünde (Midr. Rabb. .mpsns 22,11) Ist doch vielleicht darum III 5,11 und 12 in am nttün Kert Uketib, um zu sagen, daß wenn die Sünde auch anfänglich schwach an den Menschen herantritt, sie bald erstarkt. '72 min z. St.) Aber auch dann noch kann der Mensch, wenn er ernstlich will 12 ~ inp wn (masc.), wenn sie selbst mächtig geworden ist, ihrer Herr werben. Wrq. jolM Sefirah'Vettachtunsen und Erinnerungen von Samson Äayhae! Sirfch. AuS Irschurun L Wenn die Sichel angkfangen am Getreide KLngst du an zu zählen Sieben »vcherr (5. B. M. 18,»). Wen» Israel in „seinem Lande" Vas Fest seiner politischen Auferstehung „im Aehren-Mo- -träte" feierte, hatte bereits ba§ Frühkorn seine erste Reise erlangt unb harrte der schneidenden Sichel. Aber.dieses Fest, an welchem alljährlich sich Israel iit seine ursprüngliche Armut, in seinen ursprünglichen, der - Freiheit, der Selbständigkeit des Bodens, des Anrechts an den Gütern der Erde verlustigen Zustand zurücksühlen sollte, das Pessachmußte erst vorüber sein, das Mazzohfest erst begonnen haben, ehe die Sichel beginnen durste, das -neue Korn zu schneiden. So lange war Saöbath für den Schnitter, auf daß dieser Schnittersabbath Israel in Gott den Schöpfer seines Volksdaseins, den Eigner und Lehnsherrn seines VolksbvdenJ erkennen und verehren lehren möge, wie der Weltsabbath die Menschheit auf ihren Schöpfer und Meister aus den Eigner und Lehnsherrn ihrer Erde Hinweisen sollte. Mit dein 15 ten Nissan, nachdem Israel bereits einen Tag oas Brot seines alten „Elends" genossen, ging dieser Schnitter-Sabbath zu Ende, und Israel trat in den Vollgcnuß stines Bodens. Aber wenn, nun am andern Tag, rtach Beendigung dieses Sabbaths, munter „die Sichel am Korn angesangen", batte Israel nicht nur noch ferner ' auch während des Vollgenusses seines Bodens noch 6 Tage das Brot der Armut zu genießen —, auch noch während des Vollj genusses seines BodenS sich die eigne Unselbständigkeit zu gestehen, sich zu gestehen, daß es diese Fülle nur Gott verdanke und ohne Gott noch! jetzt das Brot der Armut essen würde —, nein, wenn schon die Sichel angesangen am Getreide, wenst Israel schon das Ziel erreicht hat, j das den Höhepunkt des Nationalstrebens anderer Krpise bildet, Freiheit und Selbständigkeit hat, Land und Boden hat, Frucht und Getreide hat aus eigenen Aeckern und Feldern, da> wo andere aufhören zu streben und zu zählen, sängt Israel erst an, Tage und Wochen bis zu dem Tage zu zählen, an welchem es den Empfang des Guten feiert, für welches es Freiheit und Selbständigkeit, Land und Boden, Aecker und Felder erhalten, das allein erst seiner Freiheit und Selbständigkeit, seinem Land und Bodert, feinen Aeckern und Feldern Wert und Bedeutung verleihet, ohne' welches alle diese Nationalgüter j wertlos und bedeutungslos werden, ja das ganz eigentlich Bedingung und Boden seiner Nationalität bildet, das somit in Wahrheit sein einziger Nationalboden und fein 'einziges Nationalgut ist und bleibt. Den Wert der Thora dem Freiheit und Boden besitzenden Israel in die Seele zu rufen, — dem Staate im Ganzen und jedem Einzelnen in diesem Staate zuzurufen: das Land, das ihr besitzet, die Aecker) die euch blühen, die Früchte, die euch reisen, sind eure Götter und Güter nicht, sind nicht die Träger und nicht die Zwecke eurer Nationalität, eures Volks- und Einzellebensund Strebens; für die Thora ward euch dieses alles, .für die Thora habt ihrs, ohne die Thora verliert ihrs. und dieses ganze Land mit all seinem Ueberfluß an Milch und Honig, und das ganze, freie, reiche Volksleben, das in ihm ausblühet, ist nur Mittel, hat nur den einen Zweck, nur die eine Bestimmung/ mit dieser Freiheit und Fülle ein Gesamt- und Einzelteben zu entfalten, wie es euer Gott -wnd Herr euch in seiner Thora gezeichnet, diesen bedingungsloser: Wert der Thora und den bedingten ZÄert aller übrigen Güter uns in die Seele, ans Herz zu reden, das war die Bedeutung des Zählens, das war die Bedeutung der Tage und Wochen, die die Repräsentanten -er jtidrschen Gesamtheit, sowie jeden Wnzetne i» Israel vom Anfang der GichA tSM Getreide bis zum Feste der Thoragebung Mb zählen hatte. Als Jsraeß diese Zählung vergaß, akS eS aufhörte, auf seine Thora zu zählen, die Thora als Hauptsaktor seines Nationallebens zu betrachten — als es ansing,. Freiheit und Selbständigkeit von seinem Land und Boden zu erwarten und Land und Boden als sein nach Völkerweise zu besitzendes, nach Völkerrveise zu wahrendes Eigentum zu betrachten, als cS meinte, auf sein Land und seinen Boden zählen zu dürfen, der Thora entraten und Brot und Bod«m, Freiheit und Selbständigkeit ohne Thora sich erhalten zu können, als „die Zahl seiner Städte Judas Götter" geworden waren — da verlor es Land uns Boden, Freiheit und Selbständigkeit, rettete nichts als sie Thora, auf die es im Lande nicht mehr gezählt, itnd wandert uu» bald zweitausend Jahre in der Fremde — und es kreisen die Zeiten, und es leuchtet die Sonne nur) es träntet oer Tau, aber ihm sprießen keine Saaten, ihm blühen keine Felder, es schwingt keine Sichel mehr am eigenen Getreide, auf eigenem Boden, weil — in dieser „Sichel" seine Bestrebungen enden wollten, und es nicht von dieser Sichel erst ansangen wollte, zu seiner Thora hin zu zählen! Seitdem es die Sichel vergötterte, hat es die Sichel verloren! Und doch zählen wir noch, zählen, nach der Anordnung unserer tiefblickenden Weisen auch jetzt — bodeutos, ackerlos — noch, nicht von dem Tage, an welchent wir,, die Armen! die Sichel an das Getreide schwingen, sondern von dem Tage, an welchem die Väter auf freiem, eigene«. Boden einst die erste Sichel an das neugereifte Korn schwangen, Tage und Wochen zum Tage der Thora! Ist diese Zählung Ironie? Ist diese Zählung wehmütige Trauer? Bedürfen such die armen Bodenlosen, Ackerlosen, bedarf der fett zwei Jahrtausenden jedes eigenen Bodenrechts beraubte Menschenstamm noch der Warnung: dieses Bodeurecht, diesen Land- und Bodensitz nicht zu überschätzen? Bedarf auch er noch der Mahnung, Land und Boden nur als Mittel zur vollen Erfüllung der Thora zu schätzen, Land »nd Boden wertlos zu achte», so deren Besitz nicht zur Thora führt? O, die Erfahrung unserer Tage hat uns die volle Bedeutung dieser Zählung, den vollen Ernst dieser Mahnung auch für uns kennen gelehrt! Wir haben Zeiten erlebt, wo Söhne Israel^ an den Stufen der Thöra. an den Pforte« der Kammern — die Thora im Arme — um das Recht der Heimat, um das Recht deS Land- und Acker^Lesitzes bettelten, und dieses so lange versagte, so zögernd und schwankend bewilligte Recht so sehr überschätzten, daß sie sich bereit erklärten, die Thora, — dieses ihr heiligstes, einziges Nationalgnt — zum Achtel, »um Viertel, zur Hälfte preiszugeben, um dafür ein ganzes, halbes, viertel, achtel Recht der Ansiedelung, der Einwurzelung in den Boden der Geburt zu erlangen, daß sie sich bereit erklärten, die „Thora" für die „Sichel" zu verkaufen^ Wr haben die Zeiten erlebt, wo man das jüngere Geschlecht gewöhnte, die „Berechtigten"» die „/Besitzenden", „Bosengetragenen" zu beneiden, den Besitz der Thora zu hoch um den Preis deS Anbürgernngsrechts erkauft zu achten, die Thora als Hindernis auf dem Wege zur Freiheit, zur Selbständigkeit, zur „Sichel auf eigenem Äcker" aeringzuschätzen, oder ihr dadurch nur noch eineu Rest von .Hochachtung zu retten, daß man die Gewissen durch das Opiat der Lüge betäubte: sie selbst fordere garnicht solche Opfer, sie meine ihre Anforderung garnicht so ernst, sie habe ihre heiligsten Gesetze nur mit der stillschweigendere Klausel, nur unter Vorbehalt eines geheimen Artikels gegeben, daß man alles nur zu halten brauche, so lange es aus dem Wege des bürgerlichen Fortkommens nicht hindere, sie selbst, achte die Sichel viel höher, als sich selbst und weiche gerne, wo sie die Schwingungen der Sichel störe-! Wir haben die Zeiten erlebt, Uw der Vater der Menschheit gezeigt, wie leicht rihm fei,

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