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Der Israelit · 1920-04-01 · Heft 13-14 (1.4.1920) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 13-14 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1. Avril 1SL0 inderecke MD Vas Grab der Aegypter. Von Dr. Michael Sachs. Als Pharao mit seinem Heer versank, Als in dem Meer Aegyptens Macht ertrank, Da wollte vor dem Herrn der Welt zum Dank Der Engel Schar anstimmen einen Gang. Da sprach der Herr: Die Werke meiner Hand Versinken, in den jähen Tod gesandt. Kein Auge sieht die Weggeraffien wieder, Und ihr wollt feiern mich durch Sang und Lieder? I. Sein Ruf in Judäa- Alexand er der Große, auch der große Mazedonier genannt, der um 800 vor der ' üblichen Zeitrechnung die ganze Welt zu seinen Füßen gezwungen hatte, hat in der jüdischen Geschichte keinen schlechten Ruf hinterlassen- Daß er bei seinem Einzug in Jerusalem die Huldigung der Priester, unter Anführung von Simeon dem Gerechten, sehr wohlwollend entgegennahm, ist Euch aus der Geschichte bekannt, ebenso daß das jüdische Vvlk ihm ein lebendiges Denkmal für alle Zeiten gesetzt hat, indem man während eines ganzen Jahres sämtliche zur Welt gekommene Knaben, nach ihm Alexander benannte und somit den Namen, der bis jetzt einen griechischen Klang gehabt, unter die gut jüdischen Namen aufnahm. In Talmud und Midrasch werden aber noch recht nette Geschichten vom großen Welteroberer erzählt, die hier zum Teile wiedergegeben seien. II. Im Kanöe Ser Amazonen- Jenseits der finsteren Berge kam Alexander auf seinem Eroberungszuge in ein Land, das nur von Frauen beherrscht und verwaltet wurde. Auch das Kriegsheer bestand aus lauter weiblichen Soldaten. Bor dem Tore zogen ihm die Frauenkrieger entgegen und sprachen zu dem großen Sieger also: „Was zwingt Dich, großer Kaiser, auch in den Besitz des Frauenlandes zu gelangen? Weißt Du, was Du damit wagst? Solltest Du uns erobern, so würde dadurch dein Ruhm kaum wachsen, denn wer sollte es bewundern, daß Alexander mit seinem gewaltigen Heere das Reich der Frauen bezwungen hatte? Wehe aber, wenn es in der Weit heißen sollte, die schwachen Frauen hätten Alexander standgehalten! Dein Ruhm und Deine Macht und Dein Ansehen, sie wären dann zu Ende und alle Vasallen würden darin einen Wink sehen, sich auch ihrerseits gegen Dich aufzulehnen und Dein Joch abzuwerfen." Alexander sah die Richtigkeit dieser Worte ein und beschloß, ohne Kampf abzuziehen. Er verlangte nur etwas Brod, da ihm auf dem langen Marsche der Vorrat ausging. Die weisen Frauen überreichten ihm auf einer Schale von glitzerndem Golde ein goldenes Brot. Der Kaiser wollte das Brot zum Munde führen, konnte aber nicht hineinbeißen und fragte verwundert und verärgert, ob sie wohl seiner spotten wollten? Die Frauen aber erwiederten ruhig: „Wir wußten nicht, daß der große Kaiser, der an all seinen Ländern noch nicht genug har und das ganze Erdenrund sich zu erzwingen sucht, wie ein ganz gewöhnlicher Sterblicher Der Israelit/',, Brot aus Korn und Weizen ißt. Mußten wir doch glauben, daß für einen solchen Herrn das Gold zur Nahrung gerade gut genug ist . . ." Alexander verstand diesen weisen Wink und nahm ihn nicht übel, denn er war großzügig wie großmütig und hatte Sinn für ein kluges Wort. Beim Verlassen der Stadt schrieb er an die Stadtmauer: „Ich, Alexander, war mein Lebtag ein Narr, bis daß ich zu den Frauen kam und dort bei diesen Weisheit gelernt habe!" III. Im Lange des öiücfees. In einem finsteren Erdwinkel Afrikas traf Alexander ein glückliches und zufriedenes Volk, wie er es noch nie gesehen, noch geahnt hatte. Mühelos ernährten sich die Leute von ihrem üppigen Boden, in Ruhe gingen sie ihrer angenehmen Beschäftigung nach, und niemals wurde der Friede und die Freundschaft zwischen Mensch und Mensch getrübt. Ein weiser und wilder König saß auf dem Throne und sprach, geliebt von allen, Recht zur Zufriedenheit aller Parteien. Mit seinen glitzernden Bächen, grünen Auen und köstlichen Früchten mutete das Ländchen wie ein Paradies, eine Insel der Seeligen an, und Alexander beschloß, hier längeee Zeit zu weilen, um die Sitten und Gebräuche der Glücklichen zu beobachten. Wie er eines Tages den König besuchte, sah er, wie zwei Männer in einer Streitsache vor dem Throne standen. Der eine sprach: „Ich habe von meinem Gegenmann ein Feld gekauft und fand, als ich darin grub, einen blinkenden Schatz aus Gold und Edelsteinen. Ich mag dieses Gold nicht behalten, da ich nur einen Acker und nicht auch Schätze gekauft habe. Der Verkäufer weigert sich aber, das Gold in Empfang zu nehmen." Der Andere sprach: „Ich habe das Feld mit allem, was darum, daran und darin ist, verkauft. Ich muß es ablehnen, fremdes Gut in meinem Hause zu behalten und bestehe darauf, daß der Schatz beim Käufer verbleibe." „Nein", verharrte der Käufer auf seinem Standpunkt, „so wie dieser es nicht will, daß I fremdes Gut an seinen Fingern hafte, so lehne auch ich es ab, mich an fremdem Eigentume zu vergreisen." Alexander, der solche Art von Streit noch niemals und nirgends auf Erden erlebt hat, war gespannt, wie hier der königliche Richter entscheiden würde. Der König aber sprach zu dem Einen und zu dem Anderen: „Du hast einen Sohn! „Und du hast eine Tochter!" Da es beide bejahten, entschied der königliche Richter: „Der Sohn des Einen möge die Tochter des Anderen heiraten und der Schatz gehe auf die neue Familie als Mitgift über." Alexanders erstauntes Gesicht fiel dem König auf, uns dieser fragte: „Bist Du mit meinem Urteile nicht einverstanden? Und hättet Ihr in Euerm Lande anders entschieden?" „In unserem Lande," antwortete Alexander, „kommen solche Streitfälle nicht vor. Die Streitfrage liegt immer so, daß jeder behauptet, «das Geld gehöre ihm. Sollte sich aber je ein solcher Fall ergeben, so würden wir kurz folgendermaßen handeln: Wir werden den Einen wie den Andern rasch-und geräuschlos aus der Welt schaffen, und den Schatz der königlichen Schatzkammer zuführen ..." Jetzt war es an dem fremden König, ein sehr erstauntes Gesicht zu machen. „Scheint denn auch bei Euch die Sonne, kommen Regen und Tau vom Himmel herab, um die Erde zu befruchten?" fragte er treuherzig. „Gewiß, alles wie bei Euch", antwortete Alexander. „Dann habt Ihr es dem lieben Vieh zu No.-lZ u. U Gstte 11 verdanken", meinte der König/ „denn Ihr mit Eurer Gerichtsbarkeit verdient es wahrlich nicht, daß der Himmel Euch so bedenke . . ." IV. Das Völftergeridif- Alexander hatte den Krieg satt und er .wollte auch in der ganzen Welt dem Kriege ein Ende bereiten, indem er ein Völkergericht einrtchtete, an dem alle Streithändel zwischen Volk und Volk entschieden werden sollten. Er selbst führte den Vorsitz in diesem Bölkertribunal und sprach Recht in allen Klagen und Anklagen, die eine Nation gegen die andere erhob. Unter den ersten Volksstämmen, die sich bei Alexander zur Prozeßführung meldeten, gehörten die Aegypter, die die Juden des Diebstahls bezichtigten. In der Schrift heiße es nämlich, sagten sie, die Juden hätten beim Auszug aus Aegypten goldene und silberne Gergte und kostbare Gewänder mitgenommen/ sie hätten jedoch diese Gegenstände an die Eigentümer nie wiedergegeben. Jetzt, nach Jahrtausenden noch, sollten die Juden dafür zur Verantwortung gezogen werden. Alexander ließ eine Vorladung dem Sanhedrin in Jerusalem zugehen) wo diese große Bestürzung verursachte. Die Weisen Israels waren aufgefordert, einen Vertreter vor das Bölkertribunal in Alexandria zu schicken, aber keiner wollte sich für diese undankbare Aufgabe hergeöen. Endlich meldete sich ein kleiner, buckeliger Mann, namens Gabtha, Sohn Pessisas, Wäscher von Beruf und aus den niedrigsten Volksschichten herkommend. Die Weisen fragten ihn, wie er dazu käme, sich für diese schwierige Sache zu melden. Er antwortete: „Es ist gut, wenn einer der geringsten die Verteidigung übernehme, denn mit seiner Niederlage könne der Name Israels nicht so sehr entweiht werden, indem man es der Unfähigkeit des Boten zuschreiben würde. Wie groß aber müßte die Ehre Israels wachsen, wenn es auch dem Geringsten gelingen sollte, das jüdische Volk wirksam zu verteidigen . . Diese Worte fanden Gefallen bei den Gelehrten und Gabiha bekam die Vollmacht, vor Alexander das jüdische Volk gegen die Aegypter zu verteidigen. In den folgenden Lagen standen Leide Parteien vor dem Nlchierstuhle Alexanders. Die ägyptischen Vertreter brachten ihre Klage an und beriefen sich auf Sätze im zweiten Buche Moses, wo klar zu lesen ist, daß die Juden bet ihrem Auszuge all die Kostbarkeiten mir sich genommen hätten. „Was weißt Du nun dazu zu sagen"?, fragte Alexander, an Gabtha gewendet, streng. Gabiha sagte: . „In der gleichen Urkunde, die die Kläger nicht entkräften können, nachdem sie daraus ihre Klage schöpfen, ist auch unsere Verteidigung enthalten. Ist doch im gleichen Buche der Schriftsatz enthairen: „Und Ser Wohnsitz der Söhne Israels in Mizrujim erstreckte sich auf 400 Jahre." Wir sind nun gern bereit, die Rechnung der Aegypter anzuerkennen und zu begleichen, wollen aber nur unsere Gegenrechnung ausfteüen: 600000 Menschen haben 400 Jahre im Lande Knechtarbeic geleistet, ohne den geringsten Lohn erhalten zu haben. Wir stellen nachträglich unsere Lshnrechnung aus, von der wir gern den Wert der mitgenommenen Gegenstände abziehen lassen." Alexander richtete nun an die Aegypter die Frage, was sie dazu zu sagen hätten. Sie waren jedoch durch die unerwartete Wendung der Dinge dermaßen vewirrt, daß sie keine Antwort wußten. Sie erbaten sich eine dreitägige Frist zur weiteren Ueberlegung. Diese Frfft benutzten sie aber, dazu, eiligst über die Grenze nach Hause zu flüchten. Der Klagefall war damit erledigt. TM 1

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