Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1920)
- Date
- 1920-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2S. Mikr 19Ü ißet §&xaeiu. Hx. 18 ©die B ginnt mit einer Ileihe von Protesten und Beschwerden von Seiten beß „Bundes" und mit der Mitteilung, daß der Gemeindevorsteher Dr. Vchabsd infolge der Differenzen von feinem Amte zurückgetreten sei. Die Leitung der Versammlung übernimmt der zweite Vorsitzende Dr. WigodSktz. Herr Kruck erstattet Bericht über die Differenzen mit den Gemein deangestellten und erklärt deren Forderungen als unerfüllbar. UebrigenS sei der Streik nicht aus wirtschaftlichen Gründen entstanden, sondern stelle nur eine Machtprobe der Angestellten dar. Dagegen wehren sich die Vertreter der bundtsttschen Fraktion. Wenn auch die Angestellten ihre politischen Ansichten hätten, so handele es sich doch nicht um einen politischen Streik, sondern lediglich um einen Brotkampf. Von anderer Sette wird an Hand der Finanzlage der Gemeinde nachgewiesen, daß die Forderung der Beamten nicht zu erfüllen seien. ES wird , endlich nach langer Debatte beschlossen, eine viergliedrige Kommission zur Schlichtung der Streitfragen zu bilden, und die Vertreter des Streikkomitees erklären, daß die Arbeit in dem Moment ausgenommen wird, sobald die geeigneten Mitglieder für diese Kommission nominiert sind. Reges -Leben ist auch irr den Kreisender Orthodoxie zu beobachten. Auf einer allgemeinen Versammlung von Rabbinern, Magidim und Jrschiwahlehrern wurde ein Komitee gebildet, in dem acht prominente Persönlichkeiten des tboratreuen Judentums ihren Sitz haben. Aufgabe des Komitees ist, für Förderung der Thoralehranstalten wie Erstarkung des Thoralernens in der StM energisch einzutretrn. Zwei Mitteilungen hiesiger Zeitungen rufen in den jüdischen Kreisen einige Hoffnungen wach. Erstens soll beim Wilnaer jüdischen kaufmännischen Verband eine juristische Kommission zur Registrierung aller Kriegsschäden gebildet werden, die im Gegensatz zu den bisher ähnlichen Institutionen die Vermittlung vollkommen unentgeltlich leistet. Zweitens soll sich die Ersatzpsticht auch auf dis von den Bolschewiki angerichreten Schäden erstrecken. Wie ferner bekannt wird, habe Deutschland bereits nach Ratifizierung des Friedens 6 Milliarden Mark zur Deckung der Kriegsschäden an Polen gezahlt. Es ist zu hoffen, daß die Arbeiten der Entschädigungskommission dazu beitragen werden, daß auch die Metstbetroffenen, die Juden, zum! Teile wenigstens auf ihre Rechnung kommen.! TI xijertj&-g?l0Pc*akev lugenöorflanifafion in Oer Storoaftei. Ureßönrg, 8. März. Unter Förderung des Preßburger Oberrabbiner fand am Sonntag, den 7. März die konstituierende Sitzung der orthodoxen Jugendgruppe statt. In der Sitzung, in welcher die Herren Awrohan Schmul Schreiber, Carl Rosenbanm, S. Fischloff, S. Stern, D. Unger, N. Collmann zu Vorstandsmitgliedern ernannt wurden, beschloß man, die Preßburger und weiterhin die slovskische Jugend unter Leitung der rabbinischen Führer zu organisieren. Es wurde auch bereits die interne Organisation nach dem Vorbilde der Frankfurter und Wiener Jugendgruppen der Agudas Jisroel vorbereitet und die einzelnen Sektionen für die Thora- und Gemilus Chesed Aufgaben eingerichtet. Die zweite Sitzung fand in der orthodoxen Landeskanzlei statt und wurde das Gesuch um .dauernde Üederlaffung eines Lokals durch den GeMetndevorstand Herrn David Kraus liebenswürdigerweise sofort bewilligt. Auch sind bereits namhafte Spenden durch die Herren Reumann, Kraus und andere erfolgt. Als erstes "idh hat die Jugendgruppe bereits die Rückführung einiger Flüchtlinge aus Erez Jisroel in das?"NX durchgeführt. Die öffentliche Gründungsversammlung soll Mittwoch stattfinden und hoffen wir, bei der großen Notwendigkeit, die auch hier allseits mehr erkannt wird, und der eifrigen Tätigkeit der obengenannten und anderer gesinnungstüchtiger Herren, auf eine erfolgreiche, immer wachsende Tätigkeit unserer jungen Gruppe für und inmitten des btn®' ^2. Die Utahiberoeaunn. Urag, 17. März. Die Wahlbewegung zum Landtag hat begonnen,- die Wahlen sollen am 18. und 25. April statt sin den; es besteht Die von den Nationalisten geschaffene „Vereinigte jüdische Partei" entfaltet eine lebhafte Tätigkeit, um womöglich mindestens einen jüdischen Abgeordneten durchzubringen. Die orthodoxe Landeskanzlei hat sich gegen die Aufstellung besonderer jüdischer Wahlkandidaturen erklärt. gtumättttf«* Rumämftfie 7akiik. London, 19. Marz. Es scheint, daß sich das Spiel, das Rumänien nach dem Inkrafttreten des Berliner Vertrags mit seinen Verpflichtungen gegenüber Len Juden trieb, wiederholen soll! Der rumänische Korrespondent der „Times" veröffentlicht einen! ziemlich offiziösen Anstrich tragenden Artikel, worin bittere Klage über das schwere Unrecht der Rumänien auferlegten Judenschutz-Klausel geführt wird. Die Bauernschaft sei verloren, wenn sie einer befreiten Judenheit „ausgeliesert" werdeselbst die Wahlen dürften — horribile dictu — nicht am Samstag sein — wohl aber am Sonntag. Man darf gespannt sein, ob die Garanten des Vertrags von Versailles über die rumänischen Diplomaten den Sieg davontragen werden; daß das LoS der rumänischen Juden inzwischen kein beneidenswertes sein wird, ist leider außer Frage. KrhrneLz. YerbanO Oer Scfuneberifcft-IsraeCKilchen firmenpfiegen. Waden, 3. März. Die, israelitischen Armenpflegen der Schweiz hielten eine Konferenz in Baden ab. Hcmptvcranlaffnng der Konferenz und darum auch erstes Traktandum derselben war die D urchw an dererfrage. Es hat seit November 1919 eine starke Wanderung aus Polen eingesetzt, die teilweise auf dem Weg nach Paris, London und Amerika auch unser Land berührt. Es kommen mit den Zügen jewetlen auch kleinere und größere Trupps, die iu Buchs die Grenze überschreiten und in Zürich und Basel die Hilfe der Gemeinden in Anspruch nehmen. Am meisten hat Base! dafür zu leisten. In der D i s k u s s i o n wird angeregt, vor allem dafür zu sorgen, daß die Durchwanderer auf dem kürzesten Weg von Buchs direkt nach Basel befördert werdender Umweg über Zürich und ein Allssteigen daselbst sei im Interesse der Passanten und im Interesse der Kassen zu verhüten. Es herrschte Einstimmigkeit darüber, daß sämtliche Armenpflegen verpflichtet werden sollen, an die Kosten dieser Aktion Verträge zu leisten, wobei der Hauptanteil ans die größeren Gemeinden fallen soll? Es wird schließlich dem Vorschläge beigestimmt, die Beiträge nach der Kopfzahl der Gemeindemitglieder (Fr. 5.— pro Kopf) zu erheben. Der Präsitent bittet die anwesenden Delegierten, für die finanziellen Leistungen bet ihren Gemeinden Sorge zu tragen. Rabbiner Dr. Littmann empfiehlt, daß man sich an die Alliance und an die Jca wende, um dort einen größeren Beitrag zu erhalten. Es wird alsdann noch die Frage der Unterstützung.Hilfsbedürftiger in Orten, wo keine Gemeinde besteht, erörtert. Louis Wyler (Baden) regt an, einen Htlfsfond für die Schweiz zu gründen, um in der Lage zu sein, in solchen Fällen Unterstützungen zu leisten. Rabbiner Dr. Littmaun regt die Gründung von Ferienheimen für jüdischeKinder aus derSchweizan Der Sabbafh im dürtfier Nantmisrat Zürich, 13. März. Auf der Sitzung des Zürcher Kantonsrates vom 9. März begründete Kanwnsrat Höhn (Dem.) seine Ablehnung gegen die Dispensation jüdischer Volksschüler von den manuellen Tätigkeiten am Sabbat und Feiertagen. Er erwähnt u. a., daß während im Jahre 1901 von 308 isr. Schülern nur. 32 dispensiert waren, wovon bloß 2 im III. Schulkreise, im Jahre 1920 in diesem Kreise allein bereits 393 dispensierte Schüler gezählt wurden, welche Zahl fortwährend zunimmt. 80°/o der dispensierten; Schüler sind Ausländer. Dieses bringe Störungen für den Lehrerstand. „Die orthodoren Juden wollen mit dem Judentum demonstrieren. Wir haben schon in Zürich einen guten Anfang zu einem jüdischen Ghetto." Das Volk verstehe nicht, daß einer Minderheit größere Rechte als der Mehrheit gewährt werden. Erziehungsdirektor,Negierungsrat Dr. Mous son tritt für den seinerzeirgen Regierungsratbeschluß ein, der die Toleranz etwas weiter ausdehnt, als sie durch die Verfassung im Gesetz vorgeschrieben ist. Die starke Zuwanderung fei tatsächlich unerwünscht, jedoch beeinflusse die Toleranz in den Schulen keineswegs diese Zuwanderung. Der Regierungsrat wird erst prüfen, ob die Verhältnisse die Aufhebung der Toleranz rechtfertigen. Br in er (Soz.) bemerkt, die meisten Dispense seien nicht von den Eltern, sondern von gewissen Rabbinern veranlaßt worden. Die Juden, möchten am liebsten am Samstag die Schule überhaupt nicht besuchen, und sei dies, wenn man den Dispens nicht aufhebe, die einzige richtige Lösung. Schneller (Christl.-Soz.) ersucht um Ablehnung der Motion. Es sei erfreulich, daß der Regierungsrat die Toloranz weiter treibe, als es die Verfassung vsrschretbt. Es handle sich hier aber nicht um Valutaschieber und Millionäre, sondern um arme Teufel aus Galizien. Dr. Färb stein (Doz.), der einzige Jude im Zürcher Kantonsrat, beantragt Ablehnung der Motion. Religion ist eme Gefühlssache, für die der Motionär aus einem gewissen Rationalismus heraus kein Verständnis hat. Die Schieber sind in der Regel Leute, die in ihrer Jugendzeit machen durften, was sie wollten und denen der religiös-kategorische Imperativ etwas Fremdes war. Durch den Zwang, am Sabbat zu schreiben, wird das Kind der orthodoxen Juden demoralisiert. Die Annahme der Motion würde zur Gründung konfessioneller Schulen führen. Regierungspräsident Dr. Ernst erklärt: Man darf in den Kantonsrat keine antisemitische Note htneintragen, die nicht zu Ehren deS Rates gereichen würde. Ter jüdischen Rasse hat die Welt die großen Geisteskämpfer, Philosophen und Künstler zu danken und die Juden gehören zu den intelligentesten Menschen. Diese kleinliche Art des Denkens gegenüber einem uns rassenfremden Volke sollte nicht zur Geltung kommen. Infolge der vorgerückten Stunde wurde die Erledigung der Motion verschoben. Zürich, 11. März. Herr Oberrabbiner Lazar Splra in Munkücs ersucht das Zentral-Bür» der Agndas Jisroel in Zürich gegenüber den von verschiedenen zionistischen Zeitungen verbreiteten Nachrichten, er hätte sich in jüngster Zeit der zionistischen Ideenwelt genähert und in llngvar in einem öffentlichen Vortrag besonders die nationalistischen Bestrebungen gutgeheißen, in der jüdischen Presse festzustellen, daß er nach wie vor ausgesprochener Gegner aller Bestrebungen ist, die zum Zionismus neigen. Er billige keineswegs den Zionismus oder den Misrachismus, und könne sich vorerst selbst dem Jischuw-Veretn und der Agnda nicht anschließen, weil er befürchte, zionistische Tendenzen könnten dadurch gefördert werden. In seiner Ungrärer Rede habe er allerdings den bei den ungarischen Juden eingeriffenen Brauch, Mische Namen, jüdische Sprache und jüdische Tracht abzulegen, scharf gegeißelt. Er habe aber zuleich im Änschluß an den Ausspruch <