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Der Israelit · 1920-03-11 · Heft 10 (11.3.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 10 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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11. Mikz iss» 'Drc Armen und erwarte H«ll freudiger Zuversicht euere Antwort. ' Vergelte G»1t im vornhinein! Das Züricher Zentralbüro erhält täglich Ähnliche Berichte aus allen 'Gebieten, die der Aieg heimgesucht hat. Tie geringen Mittel, die der ' AgudaS tz^roel zur Verfügung stehen, reichen nicht hin, auch nur vorübergehend die Not zu lindern. Wäre es nicht an der Zeit, das alle Kreise im Judentum sich energisch zur ersprießlichen Hilfeleistung anf'raffen? DöHlNLN. vie kecklsttöllung Ser 3u9en in Ser LMeclio-Zlooskei. Wrag, 3. März. Der von der Regierung soeben vorgelegte Berfassungsentwurf unterläßt die Aufzählung der „nationalen Minderheiten", auf welche die Bestimmungen des Friedensvertrages Anwendung finden. Jedoch wird im Motivenbertcht ousgeführt, daß den Juden in der tschecho-slovatischen Republik, soweit sie national fühlen, nicht der Zwang auferlegt werden dürfe, sich zu einer anderen ethnischen oder nationalen Minderheit als zur jüdischen zu bekennen. Dabei müsse, wie der Berichterstatter ausführt, die Umgangssprache, deren sich der Einzelne bediene, außer Betracht bleiben, ebenso seine Konfession. Amerika. Lswscken in Umsriks. Jfrm Kork, 28. Febr. Ein neues Lebern geht durch die amerikanische Orthodoxie. Das erhellt aus dem Jnseratentell aller jüdischen Zeitungen, der doll ist mit Anzeigen, Einladungen und Berichten über orthodoxe Versammlungen und Konferenzen. Ja allen Gemeinden werden Lehrer gesucht für Talmud Thora-Schulen, die im jüdischen Geiste geleitet sind. Dos neue Ausieöen des jüdischen Geistes in Amerika kann als direkte Folge des Krieges bezeichnet werden. Die Schreckensnachrichten au§ dem Kontinent haben das jüdische Herz bis ins Innerste und Tiefste aufgewühlt, und auf der anderen Seite ist der kleine Mittelstand, der immer noch an: treuesten zur Tradition hält, zu einem Wohlstand gekommen und hat nun die Mittel in der Hand, der guten Sache auch die geeignete Form zu geben, was ja immer, besonders in Amerika, nur eine Geldfrage ist. Höchst erfreulich ist es, daß die Rabbiner Amerikas die Situation sehr rasch erfaßt haben und auf ihre Art so die „Hochkonjunktur" ausnutzen. Ihre Aufrufe werden von den jüdischen Massen, mit einem echt amerikanischen „Naaße" beantwortet. Tat und Leben allenthalben! An erster Stelle des orthodoxer; Programms in Amerika muß das Thorastudiunr ftehün, mit dem das Judentum hier wie überall sieht und fallt. Es muß darauf' grfthen werden, daß jede Gemeinde ihre Rabbiner und tatkräftigen Letter erhält, und Sache dieses Rabbiners selbst muß cs sein, sofort einen Kreis vom thorabeflissenen Jüngern um sich zu sammeln. Nur so ist die Zukunft 'des Judentums in Amerika zu retten. . Eine weitere vornehme Aufgabe der organisierten Gesctzestreuen in Amerika muß es sein, in enge Fühlung mit der Centralleitung der Aguda in Zürich und den „Schlaume emune Jisroel" in Polen zu kommen. Der Anschluß an den Klall ist der erste Weg, auch die einzelnen Landmannschafren mit neuem Leben zu erfüllen. Besonders im brausenden Leben Amerikas, ist es unobweichÜch rrstweMg, einen festen Halt am Klallgedankeu zu gewinnen. Darum muß und wird die Parole heißen: Vereinigung mit der allweltlichen orthodoxen Organisation und, Hand in Hand damit, unablässige Förderung des Thorastudiums. 8riedöerg i. H., 7. März. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Am nenn nena starb in Frankfurt a. infolge einer Operation, Herr Lehrer Neu mann, der mehr alb zwanzig Jahre die Funktionen eines Lehrers, Kantors und Schochers hier ausgeübt hat. Schüler der Präparandenanstatt zu Burgreppach und des Seminars zu Köln war er nacheinander in Lohrhaupten, Herborn, an der JSraeliti'chen ReligionSgcsellschaft in Gießen, in Reinheim, Groß-Gerau und schließlich dahier tätig. Uebcrüll mutzte er sich durch große Pflichttreue und Gewissenhasttgkeir die Zufriedenheit der Gemeinden zu erwerben. An fernem Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Sander, Gießen, der besonders das Lehrgeschick des Verstorbenen hervorhob, Herr Lehrer Ehrman«, dahier, für den „Unabhängigen Verein israelitischer Lehrer Hessens" und für den „Bund g. j. Lehrer Deutschlands", denen der Verewigte angehört hatte, Herr Rektor Philipps von -er hiesigen Volksschule, das Vorstandsmitglied Herr Ferdinand Krämer für die Gemeinde und Herr Studienassessor Ehrm ann, Frankfurt r. M., im Namen der Schüler. Möge sein Andenken ein gesegnetes sein! Schlüchtern (Hessen) ytk 5. März. Wir haben heute eine seltene Frau — eine in des Wortes schönster Bedeutung — zu Grabe getragen. Frau Jette Kellermann hauchte nach kurzem Kranksein ihre reine Seele aus. In Wiesenbronn lBayern), dem Geburtsorte des bekannten Rabbi S. B. Bamberger ^"7, Würzburg — geboren, ist sie sowohl durch die elterliche Erziehung als auch durch das vorbildliche echt jüdische Leben in der Gemeinde zu einer wahren mm» herangewachserr. Durch ihren unermüdlichen Fleiß konnte sic sich einen großen Teil des jyct zuschreiben, daß es ihren frommen Eltern vergönnt war, die beiden Söhne, den späteren Rabbiner Löb Wißmann, Schwabach und Rabbi Salomon Wißmann, in damalige,. Zeit unter den schwierigsten Verhältnissen die bekanntesten nm*L"'des In- und Auslandes besuchen zu lassen. Mit ihrem gleichgesinntkn Gatten fand sie später in Fnchsstadt und Gunzenhausen ein reiches Feld, sich als ^»n r*>L»N zu betätigen. Die Erziehung der Kinder. Uebung von non nVb'K, Unterstützung von Armen, Bewirten von Gästen, besonders von m»ßt>n, wareu ihre Aufgaben, denen sie sich mit einer Liebe und einem Eifer widmete, die nur echie rüiöN einzugeben imstande ist. Darum gelang es ihr auch trotz des frühen Heimganges ihres Gatten ry, die Kinder Zu amm» Zu erziehen und sie hatte das Glück, da.S heutzutage nur wenigen zuteil i wird, daß Alt und Jrmg in gleicher Gesinnung beisammen wohnen konnten) fand sie doch in ihren - Kindern Fortsetzung Ihres Lebenszieles. Mit seltenem Gotivertrauen hatte sie schwere Schicksalsschläge als £ Schickungen Gottes in Liebe hingenommen. Ihre jj Eigenschaften waren cs, die sie bei Gott und Menschen s beliebt wachte. Später verzog sie nach Nürnberg, 8 wo sie sich einen Lv' erwarb, wie er nur echten r Frauengestatten zuteil wird. Die letzten Jahre r-er-? brachte sie in Schlüchtern, wo sie nun im Alter von 8 85 Jahren starb. Am Grabe entwarf Herr Lehrer j Heß, hier', ein treffendes Charakterbild der Berstor- » Venen, besonders hervorhebend, welcher Hochachtung £ und Beliebtheit diese r.p’iS nt?# sich erfreute. Auch der Schwiegersohn und Neffe, Herr H. Witzmann, Nürnberg, widmete der teuren Schwiegermutter Worte des Dankes. pnx is*. Wiesloch, 7. März. Am vergangenen Sonntag. 29. Februar, durcheilte das Dorf Eichterstzeim bei SinSheim die schrecklich traurige Nachricht, daß die Frau des Herrn Zigarrenfabrikantcn und Vorsteher?, der Israelitischen Gemeinde, Max Wertheimer. Rosa geb. Seligmmm, nach nur zweitägigem Krankheiislager an der Grippe im Alter you 32 Jahren verschieden ist. Die Verstorbene hinter lässt ihren treuen, vraven Gatten mit fünf Kindern, wovon die älteste Tochter erst vor einigen Monaten in den Bund der Ehe mit dem Sohne des Herrn Rabbiners Dr. Tawroki aus Kreuznach einging. Es war ihr, der biederen, religiösen und guten Frau nicht vergönnt, lange in dem vor kurzer Zeit erworbenen neuer: Hause ihrer lieben Kinder als treubesorgts Mutter zu walten. In welcher hohen Achtung und Verehrung die Entschlafene bei allen Schichten der Bevölkerung von Nah und Fern, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses stand, zeigte die überaus große Teilnahme bei der Beerdigung, welche am Dienstag, 2. März stattfand. Auf dem Friedhof schilderte der zur Beerdigung berufene Herr Rabbiner Dr. Unna aus Mannheim in beredten Morren den Lebens,zang der Dahmgeschledenen, worauf der Schwiegervater, Herr Dr. Tamroki in herrlichen Zügen die guten 8 Eigenschaften der Verstorbenen als Qäaiiin unb Muster $ an' den Tag legte. | Naesfsld b. Barken, 1, März. Am ree» Beschsj lach starb hier Jos. Schwarz im 72. Lebensjahre. Derselbe war 28 Jahre Vorsteher der Gemeinde und bar dieses Amt stets in treuer Pflichterfüllung ausgeübt. In Freud' und Leid war er immer der Erste und Letzte. Seine Frömmigkeit war bekannt und ging er allen mit gutem Beispiel als aufrichtiger, frommer Mann voran. Sein letzter Wunsch am zu sterben, wurde ihn: erfüllt, kurz vor Nacht hauchte er feinest Hx. 10 Bebe 5 letzten Atemzug aud. Wie beliebt der Verstorbene war, zeigte sich bet der Beerdigung, die unter großer Beteiligung stattfand.' Sein Andenken wird der Gemeinde unvergeßlich bleiben. tt"2iun. Zürich, 1- März. Wie wir soeben über Zürich erfahren, ist Herr Dr. Scherhey aus Riga vor zirka einem Jahre in Konotop, einem kleinen Städtchen bet Kiess, verschieden. Scherhei war einer der hervorragendsten orthodoxen Gelehrten und Wissenschaftler im jüdische»» Rußland und »var ein eifriger und warmer Vertreter der Agudas JiSroelidee im Baltikum. .Y'aJün. Berlin, 5. Febr. Der „Verein für Arbeitsnachweis"/» e. B. (begründet von den Berliner Logen U. O. B. B.), Berlin N. 24, Monbljouplatz 10, Fernspreche.» für n»ännliche Abteilung, Lehrstellenvermittlung und Berufsberatung: Norden 9130, für weibliche Abteilung t»nd Schreibstube: Herden 9131, sieht auf ein 24 jähriges Bestehen zurück. In letzterer Zeit war es dem Verein zeitweilig recht schwierig, angesichts des katastrophalen Niederganges unserer Volkswirtschaft allen Anforderungen zu genügen. Der Verband bittet alle jüdischen Arbeitgeber, es als ihre größte Pflicht zu betrachten, ihm jede offene Stelle, ja auch die geringste Beschäftigungsmöglichkeit amgehend mit, zuteilcr!. In den Räumen des Arbeitsnachweises befindet sich auch die von der Hauptstellr für Berufsberatung der Juden eingerichtete Berufsberatungtzstelle für Groß'Bertin. Sie erteilt kostenlos Anskunst in allen die Berufswahl betreffenden Fragen, insbesondere für Kriegsteilnehmer. Berlin, 15. Febr. Der Zenrralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde in Berlin hat, um ein inneres Band um seine Mitglieder und Freunde zu schlingen, beschkoffen, eine Reihe von Borträgen über die wichtigsten Probleme des Judentums zu halten Der erste Bortrag fand am 12. d. MtS. im großen Logensaale statt. Der bekannte Herr Dr. Freund sprach vor der zahlreichen Versammlung über daS Thema „Was bedeutet uns das Judentum"? Der Redner verstand es in geistvoller Weise daö Wesen deS Judentums herauszukristallifleren und ein grandioses Bild von seiner sittlichen und geistigen Größe zu konstruieren. Er wies auf die Notwendigkeit hin, gerade heute am Judentum festzuhnlten und seine Ideale zu oerwUMchn. Die Bersamrulung dankte dem Redner für seine überaus tiefen und in der Form vollendeten Ausführungen durch reichen Beifall. An den Vortrag schloß sich die Beantwortung einiger aus der Versammlung heraus gestellter Fragen, die den» Redner die Gelegenheit gaben, seinen interessanten Vortrag durch viele Bemerkungen, die auch Las Leben der Gegenwart streiften, zu ergänzen. Würzburg, 23. Febr. Zwei altbewährte nrüp, der pp- und der jibx 'ZNix-Verein schloffen sich zusammen, um am vergangenen Sonntag einen qvd aus 81N2 und das 50 jährige Vcreinsjvbiläum festlich zu begehen. Im trauten *7"L,12 des alten Würzburger 3*1, dem AmrSraum des kaum vor Jahresfrist Hingeschiedenen Rabbiners und großen Sohnes, y'‘2 vollzog sich die schöne Feier. Nach Mariw, in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder, Freunde und Bekannte, trug Herr Dr. Tachauer, der verdienstvolle Leiter der Schiuriln, den Schlußteil von .ssv vor und ermahnte alle Zuhörer zu zahlreicher Beteiligung an den kommenden Schiurim. Herr Lehrer Gur mann, Vorstand des nex '^nix-Vercins, erstattete den Vcreinsbericht und machte die frohe Mitteilung, daß dem Verein in den jüngsten Taarn ein Legat von en. 30,000 Mk. zugcfallen sei, wodurch es möglich sein wird, die Houptzieke des AcreinS, min 'nü>£?/ in noch größerem Maßstabe gu verwirklichen. Mehrere neue Mitglieder fanden Ausnahme, einige noch lebende Gründungsmitglieder, darunter auch Herr Dr. Tachauer »vurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Herr Engel sagte nnmcnS des Vereins dem Vorstande und dem Schiurleirer herzlichen Dan! für ihre mannigfachen 3)!ühen und Arbeiteri. Nun folgte der zweite gemütliche Teil der Feier. Dank der Mühewaltung der verehrten Rabbinersamilie und dem bekannten Opferflnn einiger Herren stand eine reichgezierte Festtafel bereit. Leibliche und geistige Genüsse wechselten in bunter Reihenfolge. Wiederum erössnete Herr Dr. Tachauer den Reigen der Reden nüt herrlichen Midraschmorien. Es sprachert nocti die Herren Hauptlehrer Eise mann, Gur mann, Zahnarzt Dr. Rar Hanfe», Franksurr a. M., Direkrvr Mandeldaum und Engel. Ein Glückwunschschreiben des Herrn Rabbiner Dr. Unna aus Mannheim kam zur Verlesung^ Der Schriftführer^ H. P f c u s e r, las Zur Erykireruua üni&t Aufzeichnungen der Vereinschronlk vor und dssseu Bruder Hab'ein hübsches Gedicht zum Besten. Das Benschen wurde amerikanisch versteigert und ergab für die Armen den ansehnlichen Betrag von 460 Mk. Man trennte sich um die Mitternacht, in dem erhebenden Bewußtsein, daß im vier noch pmn der beste a”n b'ö ist und bleibt.

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