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Der Israelit · 1920-03-04 · Heft 9 (4.3.1920) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 9 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Stiftungsurkünde vorhanden sein muß, bevor wir düs Haus' ^richten dürfen. Wir verfügen aber erst über 100,000 Mk. in deutschen, preußischen, Provinz und Stadtanleihen. Auch für das Altersheim wird noch seine Zeit kommen. Auch ihm möge ein' Gönner erstehen. Welchen Zeiten wir entgegengehen, wissen wir nicht.' Aber eines wissen wir. Denn wir Juden haben nicht s nur eine Vergangenheit, eine, Geschichte zurückgelegt, die aus allem Ungemach uns wieder zur Höhe hob, dem jüdischen Volk ist auch seine Zukunft sicher. Drum haben wir weder Kriegsgeschrei noch das Tosen elementarer WNtüüsbrüche zu fürchten. Unsere Hände dürfen nur' nicht erschlaffen. Die führenden Persönlichkeiten und die leitenden Gesamtheiten müssen, wie Moscheh dereinst im Kampf mit Amalek, ihre'Hände erheben, .Müssen sich selbst und das Volk, das sein Auge auf sie gerichtet hält, unentwegt zum Himmel weisen, ihr Herz Gott unterwerfen. Unsere Verteidigung besteht vornehmlich in Selbstläuterung, unsere Abwehr in innerlicher- Vertiefung. Denn wenn Moscheh seine Hände erhob, dann siegle Israel. Nur wenn die Hand der Selbsterhebung und -der Rechenschaft vor unserem Gewissen, der Reinheit und Ehrlichkeit, unserer Gesinnung und Tat sinkt, dann unterliegt Israel. Wenn das Waffengeklirr des verfolgenden Feindes hinter unrund die brandenden Wagen vor uns unsere Nerven erschüttern, unfern Blick in die'Zukunft trüben wollen, dann brauchen wir nur den Kampfruf IID'1 in' unsere eigenen- Rethen hinein zu rufen: „vorwärts auf dem Wege zur Pflege der n-im und dann wird sich auch an uns und'unseren Kindern der Erfolg bewähren: Gott wird für euch streiten und ihr könnt ruhig sein. An diesen Bericht knüpfte sich eine mehrere Stunden währende Diskussion über Vorschläge, wie jüdisches Denken und Leben im Rheinland zu mehren sei. Schließlich' wurd.e die Frage einer Kommission überwiesen. In dieselbe wurden die Cölner Herren des Vorstandes und außerdem die Herren Max Cohen, Felix Loeb-Vallendär und Dr. Rothschild-Dinslaken gewählt. Bet der Borstandswahl wurden wiedergrwählt die Herren Mi L. Munk-Cöln, Stadtverordneter I. B. Jonas-M. Gladbach, Nathan Kahn-Cöln, I. Grünsfeld-Cöln, A. Kadenbach- Düsseldorf, als Stellvertreter Jac. Cohen und Gottfr. Loewenstein-Cöln. Neugewählt wurden die Herren Jos. Alexander-Vallendar, Heinr. Levisohn-Siegburg, Dr. Rothschtld-Dinsiaken, Moses' Schweizer- Euskirchen. Da der Begründer des Vereins und wohlverdiente langjährige Rendant desselben, Herr S. Hanauer-Euskirchen... eine Wiederwahl mit Rücksicht ans sein Alter ablehnte, wurde er einstimmig zum Ehrenmitglied des Vorstandes ernannt. Möge es'ihm vergönnt sein, noch lange Jahre in körperlicher und geistiger Gesundheit an dem Gedeihen'und der Entwicklung seiner Schöpfung regen Anteil zu nehmen. Nachdem dann der Haushaltsplan für 1920 festg'estkllt worden war, würde" die anregende Versammlung durch den Vorsitzenden geschlossen. Zum purimfeste. Eon Willy Wolf, Köln. „-Denn Ich werde das' Andenken Amaleks restlos unterm Himmel vertilgen". (II. 17, 14). „-so sollst Du das Andenken Amalels unterm Himmelvertilgen/ vergiß eS nicht". (V. 25, 19). Vierzig volle Jahre waren feit Israels Begegnung mit Amalek verflossen. Der unvergleichliche Lehrer und Führer seines Volkes, der ' damals mit seinen gen Himmelgehobenem Händen, weil der- Sinn seines Herzens GoM zugewaüdt war, den Kämpf beschwor, hielt jeM am der' SchwE des gelobten Laüdes seines Abschiedsrede. Wie viele gewaltige Begebenheiten,- > bei denen Amalek keine Rolle spielte, haften sich inzwischen im Sonnenbrände der Wüste ereignet, sodaß in den geschichtlichen Aufzeichnungen der Thora in der Zwischenzeit kaum Amaleks Name wiederkehrt! Jetzt pflanzte der greise Lehrer seinem Volke die Pflichten ins Herz,,die seiner auf heiligem Boden warten —-, unbba schaut fein noch mit ungeschwächter Jugendkraft begnadetes Auge das Erlebnis des Amalekstages wieder, Mit welchem Israels Geschichte nach dem großen Wunder am Schilsmeere begann. Sein heller, weiter Blick schweift dann in die Zukunft und sieht Israel in völliger Ruhe vor seinen Feinden. — Gott selber hat sie geschaffen (V. 25, 19), wer vermöchte sie zu stören —, und die Ruhe herrscht ringsum (ebendaselbst) an allen Landesgrmzen. Wie konnte da die Rede die Bilder der Ruhe und des Friedens malen, an deren Vorausblick sich das prophetische Auge weidete. Aber der Sinn des Größten aller Zeiten ist auf H ö h e r e s eingestellt. Der Moment solchen Gedankens und solcher Voraüsschau ist ihm heilig, Israel die göttliche Pflicht der Vernichtung Amaleks zu künden, seinem Volk etwa zu bedeuten: „Wenn auf weiter Flur keine Waffe mehr klirrt und die dir von Gott geschenkte Ruhe dich beglückt, dann gilt's für dich, Anialeks Andenken zu vertilgen. Und dieser Pflicht wohnt eine solche Wichtigkeit inne, daß ich ihr noch einen besonderen Satzteil widme, den allein die Wörtchen bilden: „Vergiß' eS nicht". Gerade im Zustande des Friedens und der ^Ruhe könnte dir leicht das Verständnis für die Gefährlichkeit der amalekitischen Gesinnung schwinden. Drum mahne ich dich, ständig seines Angriffs bei deinem Auszuge aus Aegypten eingedenk zu bleiben, um aus der stets /-frischen Erinnerung daran den Pflichteifer für die Vernichtung Amaleks zu schöpfen. Für deine Ruhe bedeutet das Dasein Amaleks eine Gefahr. Eine dauernde Zukunft ist ihr erst mit seinem Verschwinden gesichert und dich, Israel, das wie kein andres Volk Amaleks Wesensart erfahren, hat der Vater der Menschheit mit bew Aufgabe betraut, sie von der Welt zu bannen. Deshalb „sei eingedenk — und vergiß' es nicht"! i*S * Welch' idealem Gebiete dieses Gebot der Tilgung Amaleks angehörr, läßt uns R. Jose erkennen, Indem er in einer Boraitha (Sanhedrin 20,2) lehrt: „Drei Pflichten wurden Israel bet seinem Einzuge ins Land zuteil, einen König zu wählen, das Gedächtnis Amaleks auszurotten und den Tempel zu erbauen". Da steht die Vernichtung Amaleks in einer Reihe mit der Köntgswahl und dem Tempelbau und ragt wie diese auf der hohen Warte der Menschenbestimmung. Der König stellt nach jüdischem Begriffe die Verwirklichung der irdischen Habe und Macht im Dienstdes göttlichen Willens dar) und der Tempel ist die Stätte, an welcher die h im mische Herrlichkeit schon auf Erden weilt. Der König bietet weithin ldas Beispiel machtvoller Entfaltung des jüdischen Gesetzes auf dem Felde der Tat) in den geweihten Tempelhallen zeigt sich das Himmlische auf Erden verpflanzt 'und beide Gebiete können erst dann ungestört vereint gedeihen, wenn Amaleks Geist nicht mehr auf der Welt besteht. Das sollte im Sinne des R. Jose, Israel bei seinem Eintritte ins heilige; Land zum Bewußtsein kommen, — und Moses i hatte Recht, wenn er den Stämmen seines Volkes beit Thora-Abschnitt über Amaleks Vernichtung nach vier Jahrzehnten i m- A n b l i ck e P a l ä st i n as mitteilte. * * * Es währte nicht so lange, da schlug die Stunde der Erfüllung. Der Tempel erhob sich noch nicht auf der Moriahöhe, aber das Haupt des Erkorenen schmückte schon, die Köntgskrone.; Jetzt galt es, Amalek restlos zu vernichten. 'Aus dem Munde des Propheten Samuel empfing - Saul dazu den göttlichen Auftrag. Der König ^begann — aber nach dem schwungvollen Anfänge HM' er vM dem- Ende' zagend - inne. Er schönte r den König und den Reichtum an Btrh und Habe, indem er der Regung seines Herzens folgte und im Gefühle eines Mitleids, das dieser Anlaß nicht rechtfertigte, dem Liefen Grunde zuwiderhandelte, aus welchem Gott selber Amaleks Andenken aus seiner Schöpfung gelöscht wiffen wollte. Saul. ließ Agag leben — und die trübe. Folge war die SchreckenszeiL von Schuschan. Saul hatte die Pflicht obgelegen, das an Israel gerichtete Gebot zu erfüllen: „Du sollst das Andenken Amaleks unterm Himmel vertilgen", und seit er sie verabsäumt, blüte keinem Sterblichen die Gelegenheit, sie in ihrer Vollkommenheit zu betätigen. » * » Tiefe Verzweiflung könnte daher Israel ersaffen bei dem Gedanken, durch die Schwäche seines Königs für immer. den Augenblick der Vernichtung Amaleks verscherzt zu haben) tiefe Verzweiflung bet dem Gedanken, daß infolgedessen Amaleks Geist sich weiter auszubreiten drohte —, hätte nicht der Barer der Menschheit seinem Gebote: „Du sollst-vertilgen", die trostreiche Verheißung: „Ich werdevertilgen", vorausgeschtckt. Vierzig Jahre zuvor ward sie gesprochen und der erste Kampf mit Amalek hatte sie veranlaßt. Wie herrlich ergänzen sich die beiden Sprüche! In dem einen spricht Gott zu Israel: „Vertilge Du" und im andern sagt Er von sich selbst: „Ich werde vertilgen"! In jenem heißt's einfach: „Vertilge", aber in diesem: Vertilgen, vertilgen werde Ich". Bedeutet solche Verdoppelung des Ausdrucks : „Ich werde wiederholt, nach und nach, oder etwa: Ich werde restlos vertilgen? Wir glauben, beides sei in der Redewendung enthalten und wenn wir das Rechte getroffen, so lehren dann die Leiden Verse im Zusammenhänge: Gott erteilte Israel vor dem Einzüge ins Land das Gebot: „Vertilge Du Amaleks Gedächtnis wie mit einem Schlage") aber längst vorher hatte Er beim ersten Zusanrmentreffen mit Amalek die Voraussage verewigt: „Ich werde jedenfalls — wenn auch Du dich deiner Aufgabe nicht gewachsen zeigst — Amaleks Andenken restlos vertilgen) in unablässiger Waltung allmählicher Entwicklung werde Ich dann im Abläufe der Geschichte das Werk vollbringen"! Als Gott au jenem ersten Amalekstage feinem Volke den Sieg verliehen und soeben dieses in alle Zukunft reichende Wort: „Ich werde vertilgen, vertilgen", gesprochen, j bekundete Moses sein tiefgründiges Verständnis für den weltgeschichtlichen Augenblick, indem Er Gott einen Altar erbaute und den Thron der göttlichen Herrschaft erwähnte. (II. 17,15 u. 16). Der erste und größte Lerrer Israels brachte somit - schon damals in Verbindung mit der Vernichtung Amaleks dieselben-Momente, welche später R. Jose in der obigen Boraitha mit ihr .zusanunenfaßt. Denn der Thron des jüdischen Königs ist ein Abglanz des Thrones der göttlichen Herrschaft und der Tempel bildet den Umkreis, in dessen Mittelpunkt sich der Altar befindet. Wollen wir nun recht begreif:«, welche Gedanken Moses beseelt haben mögen, als er Gott zur Huldigung für den Sieg über Amalek den Altar errichtete und im Anblicke desselben des himmlischen Thrones gedachte, so genügt der Hinweis aus die Auffassung unsrer Weisen, daß Gottes Name und Thron, auf Erden erst vollkommen sein werden, wenn Amaleks Name von der Welt geschwunden ist) solange stehen sie unvollständig da und solange währt Gottes Kampf wider Amalek. So sprach dem Sinne gemäß Moses, als soeben Gottes Wort gesprochen war: „Ich werde Amaleks Gedächtnis in unablässiger Waltung restlos vertilgen", als er dm Altar erbaute. Irren wir nicht, so spricht zu uns daraus im Zusammenhänge mit der Boraitha des R. Jose die geschichtliche Wahrheit: Wohl sollte Jpdas erster König Amalek vernichten und der Tempelbau sich zeitlich daran anschließen. Aber Gott verkündet es schon im voraus: „Er ift's, dessen Name einst

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