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Der Israelit · 1920-03-04 · Heft 9 (4.3.1920) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 9 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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verausgabt wurden. Diese Summe wurde nur durch freiwillige Spenden gedeckt. All den edlen Spendern rufen wir heute nochmals herzlichen Dank zu. Nach Revision unserer Bücher hatten wir am 31. Dezember 1918 einen Bestand von 1328 48 Mk. Für unsere Vereinskaffe sind vom 1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1919 eingegangen: 4288.70 Mk. Jahresbeiträge 8438,23 „ einmalige Spenden. 12,676,93 Mk. + Saldo vom 31. 12. 18 und Rückvergütungen von Fernsprech- 2756.91 „ gebühren, Portis re. 15.433,84 Mk. Die Ausgaben im Jahre 1919 betragen: Für Salaire, Teuerungszulagen, Büromiete 6764.50 Mk., Portis 1100,03 Mk., Fernsprechgebühren 448 60 Mk., Drucksachen 1112,10 Mk., Inserate 832,90 Mk., Reisen 155,65 Mk, Diverse Ausgaben und Anschaffungen 2963,89 Mk. Demzufolge verbleibt der Verwaltungskaffe des Vereines ein Saldo pro 1. Januar 1920 von 2054,59 Mk. Außer dieser Summe betragen die Bestände pro 1. 1. 20 der M.kwouskaffe 547,32 Mk., her Gabriel. Hirsch-Stiftung 610,94 Mk., des BeerdigungSfonds 320,45 Mk., des Stipendtenfonds 209.50 Mk., der Bibliothek des jüdischen Volksfreundes 1290,29 Mk. .. Es sind dies leider nur ganz kleine Summen, die ich als Bestände aufführen kann. Die Aus« gaben wachsen infolge der allgemeinen Teuerung beinahe um das zehnfache. Nicht so die Etnnyhmen! Es haben wohl ca. */* der Mitglieder ihre Jahresbeiträge erhöht, auch ca. 80 neue Mitglieder sind infolge unserer vorjährigen Propaganda unserem Vereine beigetreten, aber trotz alldem muß ich Sie bitten, nicht nur durch sehr reichliche Spenden und Erhöhung ihrer Jahresbeiträge uns unter die Arme zu greifen, sondern bei jeder Gelegenheit Sammlungen zu veranstalten und immer wieder neue Mitglieder zu werben, damit wir unserer großen Aufgabe, für das Judentum zu wirken, gerecht werden können. Nachdem ^>err Meno Auerbach, Köln, den Revisionsbericht gegeben hatte, wurde dem Herrn Rendanten unter besonderer Anerkennung seiner Leistungen, Entlastung erteilt. Hierauf nahm Herr Rabbiner Dr. Wolf das Wort zu seinem Referat. ' Zum erstenmale feit 1914 kommen wir wieder zusammen und dürfen, abgesehen von den Kriegsopfern, die wir leider zu beklagm haben, im ganz wörtlichem Sinne den Segensjpruch ausfprechen. Das „Durchhalten" war vielfach nicht leicht, sowohl , im materiellen als in ideellem Sinne. Die» Landgemeinden waren naturgemäß vom Kriege stark betroffen. Das Gemeindeleben lag dort brach. Denn die rm Leben stehenden Männer taten ihre Pflicht fürs Vaterland. Im Aufblühen - begriffenes Gemeindeleien, das unsere Freunde sich inmitten großer Gemeinden anderer Gesinnung in Jahre langer Arbeit unter großen Opfern begründet hatten, wurde jäh unterbrochen. Neue ungekannte Aufgaben., traten an uns heran, ohne daß wir vorbereitet waren. Die gewohnten Bahnen, die sich in der Zeit der Veretnsarbeit herausgebildet hatten, mußten verlaffen werden. Eine völlige Neuorientierung war notwendig geworden. Da stand im Vordergründe die Sorge für unsere Krieger. Sie sollten sich nicht — so tätige das möglich wäre — an verbotene Speisen „gewöhnen" und sollten wiffen, daß ihre Sorge die der Heimat, ihr Wohl auch den Trost der Heimat bedeute. Gerade hier in Köln, als Vorort des Rheinlands, mit seiner großen Garnison, wurden viele Soldaten ausgebildet, für' die es galt, gegen oder ohne Entgelt rituelle Speisege legerchett. zu schaffen. Nach : wenigen Wochen trat an uns die Notwendigkeit: heran, auch die" Kämpfer im Feld bis in die Schützengräben hinein und sogar in dertzLazaretten zu v'rsörgen. Es ist Ihnen bekannt, was dieser Teil unserer Arbeit an geldlichen Mitteln bedeutete. Was er an kleinen und - großen Sorgen brachte, wiffen nur die Damen, die die an sie gestellten Anforderungen mit Hingabe und Ausdauer lösten und denen an dieser Stelle der Dank aller derer ausgesprochen sei, welchen ihre Fürsorge galt. Die ehemalige Leiterin unseres Büros, Frl. Else Stern, hat mit gelegentlicher Unterstützung von anderen jungen Damen, Großes geleistet und nicht minder ihre Nachfolgerin Frl. Rosenbaum. In zahlloser Menge mußten Urlaubsgesuche Gesuche zur Befreiung von der Menage und Reklamationen besonders für die Herren Lehrer schriftlich und mündlich beantragt werden. Zum größten Teil waren ste von Erfolg begleitet. Als nun die Lebensverhältniffe enger wurden, traten neue Aufgaben an uns heran. Es galt die Heimat. Auch die Pflanzenfettversorgung drohte in der einzigen Form, .in der sie für den rituellen Haushalt von Wert ist, aufzuhören. Die Einschränkung des Schlachtens bedeutete für manche Landgemeinden den Verzicht auf Fleischgenuß. Die Wahl des Verkaufstages stellte die Heilighaltung des row in Frage. Jeder Tag brachte neue Probleme. Sie fanden bei den damaligen Behördeen zumeist glückliche Lösung. Leider aber nicht Geduld und Opferfreudigkeit genug m dem Kreis, für den wir sprachen. Ich will keinen Prozentsatz errechnen. Aber die Magenfrage hat einen erschreckend großen Teil der Bevölkerung zur religiösen Verzweiflung gebracht. Sie sind leider im Kampf mit sich unterlegen. Auch die Hoffnung, die aus eine geistige Re-' naissanee gerade derjenigen gesetzt worden war, die daheim und draußen die ernstesten Erfahrungen gemacht und das herbste Leid erlitten hatten, wurde enttäuscht. Ste sahen nicht, was sie erlebten und hörten nicht, was die Geschicke und die Geschichte, deren direkteste Zeugen sie waren, kündeten. Es berührte sie nicht, daß das große Pharaonenreich im Osten wie die tönerne Traumerscheinung Daniels in Trümmer siel, das Reich, das vor sechs Jahren noch alö gefürchteter Koloß die Gemüter Europas in Spannung hielt. Es berührte sie nicht, daß der Pharao des judenfeindltchen russischen Reiches wie der Aegyptens .elendiglich in den Fluten der Volkswut seinen Untergang fand. Ste blieben an der Oberfläche und schauten Gott nicht in alledem. Und so verstanden sie nicht lüü daß der Gott des Lebens ein Gott des Krieges und des Todes sein kann. Verstanden nicht, daß die Liebe zur Menschheit und ihrer Erhaltung die Bestrafung eines einzigen Geschlechts erheischen mag, verstanden nicht, daß der Mensch" nicht nur körperlich, sondern auch sittlich leben-muß, um Mensch zu sein, begriffen nicht, daß der Mensch nicht! nur Rechte und Ansprüchebei seinem Schöpfer geltend zu machen habe, sondern auch Pflichten zu erfüllen hat. Eine Dekadenee-Parole wird ausgegeben oarxo äism JYJj23 '2 77NV1 ^28 Genießen, unsinniges Vergnügen bildet die Zerstreuung und sogenannte „Entschädigung" vieler Heimkehrenden für die langen unsagbaren Entbehrungen, die sie erlitten. Sm denkt: ein großer Teil, der durch die Aeußerltchkeit, an der er haftet, gestrauchelt ist. Abetz-rr-w' Es gibt G. s. D. doch auch solchedie als kleine Minorität das SKTO* rrilKttr darfteüen. Es sind die B'p'TS N2 122' die Pflichttreuen, die in allem Ne Leitung der Vorsehung schüren, ein Jsraelzentrisches System der Geschichte erleben und daher fortschreiten auf dem Wegder -Menschkichkeit zur : Mkösung. der Menschheit: Me sind zurückgtzkehtztz mir der- Erfahrung 1 -- ., des Wunders, mit dem Mleben derMiteGottes und der W' ditzsötzs ErkßnntniS haben sie sich in dis- M unserer Volksmutter geflüchtet, der Sie haben den' frischen- GÄsfl des", starken Willens mitgebtzacht, sichzu vvvvollkömmnen im jüdischen Denkew und Wissen und Leben. Und allerorten entstehen kleine Kreisedie sich mit Hingebung und Eifer demÄHorastudiMN widmen. in? Bi'.l NI- Damitz sindwir am Ziel, das uns gesteckt ist und ^das-auch unser Verein von Anfang an iw Auge hatte.. Die Cölner Talmud Tauroh als Mitglied desVereinsund derzeitiger Rabbtnatssitz desselben, setzt uns in den Stand, auch die Jugend unseres Vereins ihre Einrichtungen mitgenießen zu lassen. Schon jetzt kommen regelmäßig Schüler von auswärts hierher, um Wiffen und Anschauung zu bereichern, und dieser Kreis muß größer werden. Besonders soll die schulentlassene Jugend das Jahr, das sie nicht mehr unter Waffen dem Dienst des Vaterlandes zu leisten haben, seinen friedlichen Zielen und zugleich den höchsten Anliegen des Judentums widmen und ein Jahr hier ausschließlich Thora lernen. Ich fordere unsere Gemeinden aufv o n d i e s e r Et nrtzcht ttng we4 t g e h e n d st e n Gebrauch zu machen, im Interesse 'ihrer selbst und der jüdischen Gesamtheit. — Die Vorträge, welche vom Rabbiner und zuweilen von Herrendie sich dazu.zur Verfügung stellten, in den Gemeinden gehalten wurden und werdenbilden' wohleine willkommene Anregung, können' aber allein als Verbreitung von mifl nicht angesprychen werden. Lehrpläne die entworfen wurden, Schulprüfungen, Lehrerkoaferenzen, die vor dem Kriege regelmäßig abgehalten wurden, haben den gewünschten Erfolg nicht gebracht. Es gibt eben für allesErfatz) nur für Thora nicht. An den täglichem — ja' man kann G. s. D. sagen — an den fast ununterbrochen abgehaltenen unserer hiesigen Talmud Thora können gern auch unsere Herren Lehrer teilnehmen, ohne dadurch Opfer auf sich nehmen zu müssen. » Dieser Weg der Thoraverbreitung wird gangbarer werden, als' der, den wir früher wählen mußten, so lange wir noch nicht ein ausgebautes Lehrhaus zur Verfügung stellen konnten und auf Notstehekfe angewiesen waren. Jetzt ist die Gelegenheit gegeben. Anoden Gemeinden unseres Vereins liegt es nun, die gebotene Gelegenheit wahrzunehmen. Sie wissen es alle, daß die geistige Anregung das Hauptziel des Vereins bildet und von jeher von uns erstrebt wurde. Als unbedingt-sicheres Mittel dazu haben wir vor sechzehn Jahrettz den Jüdischen BoMfreund begründet. Witz haben ihn von jeder inneren und äußeren Politik sreigehalten und ihn lediglich belehrend: gestaltet. Aus ihm hat sich vor 12 Jahren die-Biblivthek des jüdischen Volksfreundesentwickelt mit dein Zweck der weitesten interesselosen Verbreitung jüdischen Wissens und Denkens. Ein geschriebenes Wort ist un verloren. Es ist wie-ein Saatkorn im den Wind gestreut. Man sieht nicht, wohin es fällt, aber es findetzseineN'Bod'enauf dem es ausgeht.:— Möchten auch unsere Gemeinden Anteilan der in erster Linie für sie geleisteten Arbeit'nehmen? ' Auch in die literarischen Bestrebungen griff störend der Krieg mit rauher Hand ein. Tsie Auflagen wurden kleiner und die Erschetnungsfolgen geringer. Eine kräftige Unterstützung setzte uns in die Lageden Bettieb des-Jüdischm Volksfreundes wieder mitz früher gewrHnter Regelmäßigkeit zu beginnen. Weniger Fortschritte sind in der Retttzfierung, des Altersheims zu verzeichnen. Unsere- Mttgkett für dasselbe/mußte hintetz vier Tagesfragen zurücktreten. Die Soldatenfürsorge nahn^ die" ganze- Zeit und Kraft in' Anspruchs Zudem ist es ' eine ZukurtftSgrürchMlg, da die?Whr^ des. Kapitals noch nicht erreicht ist, das nkchder

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