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Der Israelit · 1920-03-04 · Heft 9 (4.3.1920) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 9 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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fidircher Volksfreund Monats-Beilage zum „Israelit" Verantwortliche Redaktion: Rabbiner Dr. Wolf in Köln. MWMB Wir bitten die virckstanvigerr pro 1920 baldgefl. auf unser Postscheckkonto No. 50648 Eöln einzahltn zu wollen. Her oorilonö des Hereins für die ifidiien 3niereffen BOelnfanöa S. Grünsfeld, Rendant Demnächst erscheint erstmalig in meinem Verlag: Israel. Taschenkalender für das Jahr §681 NS"in berechnet nach Kötner Zeiten vom Verein für die jüd. Interessen Rheinlands (<E V.) Köln. ★ ^oröestettnngen nimmt entgegen: Molf TopiLorosky Keör.Wnch-, Kunst- und WnatienHandtung Köln am Rhein —Pfeilstraße 23 Stricht über die io. ordentliche Mglr'ederverfammlung für die jüdischen Interessen Rheinlands. Am 2. Februar 1920 fand in Köln nach langer Unterbrechung wieder eine ordentliche Mitgliederversammlung unseres Verbandes statt. Der Niedergang der religiösen Verhältnisse auf dem Lande'machte eine Aussprache darüber dringend nötig, wie dem rapide zunehmenden Abfall gesteuert werden könnte. Die unsichern und eingeschränkten VerkeHrsverhältnisse haben in die Tätigkeit des Vereins sehr störend eingegriffen und mußte auf Abstellung dieser Unterbindung des persönlichen Verkehrs gesonnen werden. . Es muß das Leben des Vereins aufs neue angefacht werden. Junge Kräfte mit Idealismus und Begeisterung müssen Helsen, die geistigen Kräfte auf dem Lande zu sammeln, das jüdische Empfinden zu wecken und besonders das vorhandene zu erhalten, zu stärken und zu vertiefen. Iw Wort und Schrift muß gearbeitet werden,' jüdisches Wissen zu verbreiten und die Familien dem Judentum zu erhalten, in denen noch ein Funke anzutreffen ist. v Von dieser ernsten Sorge war die Versammlung erfüllt und von diesem Geist war die Verhandlung-getragen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr M. L. Munk, Köln, eröffnete die Versammlung mit folgender Ansprache: Meine Herren! Indem ich die 10. ordentl. Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands eröffne, begrüße ich Sie alle und danke Ihnen, die Sie von auswärts unter den obwaltenden schwierigen Verkehrsverhaltniffeu herbeigeeilt sind, besondes für Ihr Erscheinen. Die letzte Mitgliederversammlung wurde am 25. Januar 1914 abgehalten. Wir unterließen bisher die Einberufung einer Versammlung, obwohl das Mandat des Vorstandes abgelaufen war, um die Kriegsteilnehmer in ihren Rechten nicht zu schädigen und auch wegen der ganz oder teilweise verhängten Verkehrssperren. Die Aufsichtsbehörde verlangte aber dieses Jahr auf Grund des § 12 unserer Satzung die Einberufung der Versammlung. Ich konstatiere, daß dieselbe ordnungsgemäß geschehen und daß die Versammlung beschlußfähig ist. Am 2. Februar 1902 wurde der Verein begründet. Er hat somit das 18. Jahr vollendet Tt TO3. Nach den Jahren ttwm man 82, in denen der gewaltsame Tod in leider so viele Häuser gedrungen ist, hoffen wir nunmehr auf Leben, Gesundheit, Friec.cn und Kraft des Vereins, seiner Mitglieder und Korporationen. Es hyt denn auch unser nach dreijähriger Abwesenheit aus dem Felde zurückgekehrte Rendant, Herr Grünsfeld, mit anerkennenswerter Energie die Neubelebung unseres Veretnswesens in die Hand genommen. Er hat die Mitgliederzahl wieder auf die ursprüngliche Höhe von über 450 Mitgliedern gebracht, darunter über 80 neue und hat für die Eingänge und ihre Erhöhung mit Erfolg gearbeitet. Herr Grünsfeld wird selbst Ihnen über das Kassenwesen berichten. ' Daß die Kriegsjahre für unfern Verein eine unerhörte Arbeit und Leistung bedeuteten, wissen alle die, denen seine Bestrebungen galten. Ich nenne Ihnen nyr die runde Summe von 100000 Mark im Vergleich zu unserem minimalen Vereinsvermögen. Soldatenfürsorge und Unterstützung von Soldatenfamtlien heißt der Titel, unter dem in kleinen Spenden diese - Summe aufgebracht und verausgabt wurde. Leider erinnern sich , nach wohlbehaltener Rückkehr aus dein Kriege nur wenige der Adresse, die sie sehr wohl ausfindig zu niachen wußten, als sie hinauszogen und als sie draußen waren. Große Anforderungen wurden auch an unsere Sterbekasse gestellt, die einer Auffüllung bedarf. Zum Glück hatten jvir vor dem Kriege mit dem Herrn Landeshauptmann der Rheinprovinz die Vereinbarung getroffen, daß Patienten, die in den Provinzialhetlstätten stürben, auf dem Friedhof-der nächsten jüdischen Gemeinde bestattet werden sollten. Leider, aber zum Glück der Betroffenen, traten im Kriege eine große Reihe, solcher Ansprüche an uns heran. Biele Fragen der Beschaffung ritueller Lebensmittel, der Schrchitah, des Fleischverkauss, der Sabbatheiligung, beschäftigten das Rabbinat und uns während des Krieges und nach geschlossenem Waffenstillstand unausgesetzt, soda^ verwaltungstechnisch in der Geschichte des Verein" noch nie soviel — manchmal mit einem ganze Stab von Helferinnen und Helfern — geleistet worden ist, wie im Krieg. Möchten sich auch die Gemeinden, denen wir dienen wollten und dienten, in ruhigen Zeiten doch' einmal unfern guten Willen und stete Hilfsbereitschaft vor Augen führen. Wir verlangen keinen Dank. Aber Undank ist ungerecht und kein taugliches Erziehungsmittel für die Jugend. Was allein die Mazzozeutrale für das besetzte Gebiet und die Beschaffung von holländischen Fleischwaren im vergangenen Sommer für Mühe und Ungelegenheiten bereitete, können nur die I ermessen, die ähnliche Tätigkeiten ausführten, bei denen die Ausnahme der Interessenten'nicht im entferntesten im Verhältnis zum guten Willen der Desinteressierten steht. Während der Berichtszeit verloren wir ein treues Mitglied unseres Vorstandes, Herrn Hermann Kauf fmann, Eschwetler. Mit pünktlicher Gewissenhaftigkeit nahm er an unseren Arbeiten in den Sitzungen teil. Sein. Rat war uns stets wertvoll. Herr Emanuel Wolf war stets bereit für unsere Sache draußen durch seine gediegenrn Vorträge über jüdische Themen - zu werben, Herr Henry Kreutzer hatte mit energischem und taktvollen Auftreten unsere Soldatenfürsorge am hiesigen Platz begründet. Beide Herren und mit ihnen so mancher hoffnungsvolle Sohn unserer Gemeinden wurden uns als Kriegsopfer entrissen. Wir erwähnen auch den verstorbenen Herrn Provinzialrabbtner / Dr. Cahn in Fulda, der bet der konstituierenden Versammlung unseres Vereins am 19. November 1902 die. Festrede hielt, die heute noch bei den damaligen Teilnehmern in dankbarer Erinnerung ist. Möge ihr Verdienst unserer heiligen Sache betstehen und ihr Andenken für immer gesegnet sein. _ Indem ich den Bericht über die ideellen Aufgaben und die ideelle Seite der materiellen Leistungen dem Herrn Rabbiner überlasse, frage ich die Herren, ob jemand zu meinen Ausführungen das Wort wünscht. Hierauf erstattete Herr Grünsseld, Köln, der Rendant des Vereins, folgenden Kassenbericht. Im Januar . 1915 übernahm ich von. Herrn Hanauer die Rendantur unseres Vereines mit einem Saldo von 1748 Mk. der Verwaltungskaffe, 844 Mk. des Stipendienfonds, 717,83 Mk. der Mikwouskaffe, 1090 Mk. des Schulfonds. Kurze Zeit darauf wurde ich zur Krtegsdienstleistung etngezogen und konnte mich naturgemäß während dieser 37- Jahren dem Vereine nicht widmen. Erft als ich im Dezember 1918 wieder nach Hause kam, übernahm ich wieder die Geschäfte der Rendantur und war erstaunt, mit welch' großen Beträgen, für die Soldatensürsorge allein, gearbeitet werden mußte. Laut Kassabuch stellte ich fest, daß für die Versorgung der jüdischen Soldaten mit Koscherkost während des Krieges rund 100000 Mk.

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