Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 No. S schaft ist, bezweckt die Zusammenfassung, Stärkung und Vertretung aller jüdischen Gemeinden, deren Verfassung und Jnstitunonen dem überlieferten Religionsgesetz entsprechen. Er behält sich vor, mit anderen Organisationen, soweit es die Wahrung der eigenen Grundsätze zuläßt, zum besten der gesamten deutschen Judenheit zusammenzuarbeiten. Vorort des Bundes ist für die nächsten zwei Jahre Halber st ad t. Briefliche Anfragen sind am Herrn Rabbiner Dr. Auerbach in Haiberstadt zu richten. Die IDahlen zur Berliner StudentenDertrefung. Berlin, 27. Febr. Zu den Wahlen in die Berliner Studentenschaft wird geschrieben: Die elf Parteien, die sich zum Teil in den Formen gröblicher Beschimpfung bekämpfen, sind in der Hauptsache nach politischen uud religiösen Grundsätzen gegliedert. Einen rein akademischen Standpunkt unter Ausscheidung konfessioneller und parteipolitischer Momente nehmen nur die Gruppen ein, deren stärkste, der „Deutsche Hochschulbund", nach feinen grünen Werbe-- zetteln für tatkräftige Arbeit in der Studenten- Vertretung ohne Parteipolitik ekntritt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die nationalistischen Gruppen den stärksten Anhang haben. Auf allen nicht nationalistischen Werbeplakaten sind von den Anhängern des Woffenringes rote Zettel angebracht, auf denen das Wort „Judenmache" oder „Judengen offen" schwarz auf rotem Grund steht. Zum Teil sind die nicht nationalistischen Werbezettel überhaupt abgerissen oder mit unflätigen Worten beschmiert. Dieser wüsten antisemitischen Hetze gegenüber waren die Besonnenen fast machtlos. Als Teilergebnis der beiden ersten Wahltage liegen folgende Zahlen vor: Waffenring 701, Deutsche Gruppe der Korporationen 698, Deutsche Ftnkenschaft 1289, Sozialisten 359, Deutsche Studenten jüdische «Glaubens 356, Deutscher Hochschulbund 419. Her Suzug vom Offen. Merlin, 23. Febr. Vom Wolffschen Büro wird eine amtlich Darstellung verbreitet, um die Maßnahmen zu rechtfertigen, die von der Polizeibehörde gegen den andauernden starken Zustrom der Ausländer aus dem Osten getroffen oder geplant sind. Es wird bestritten, daß diese Maßnahmen sich nur gegen Juden richteten. Sie gelten vielmehr für alle Ausländer aus den östlichen Nuchbarstaaten, die ohne Genehmigung und verbotswidrig in das Inland einreisen. Allerdings »seien mindestens 90 v. Hder Znziehenden Juden. Seit Inkrafttreten des Frieds«sverlroges sei der Zustrom noch durch diejenigen östlichen Flüchtlinge vermehrt würden, bis bisher!n den sdMrekenen, dshin i Nicht besetzten Tellen Posens tm5 hesyxch^eS j Westpreußens Zuflucht gefunden harren. Bei sehr vorsichtiger Schätzung werde man die Zahl der im Monat Januar hier zugereisten östlichen Ausländer auf mindestens 3000 annehmen müssen. Im Februar habe sich der Zuzug gegen den Vormonat abermals verdoppelt. Auf Grnnd dieser Tatsachen wird erklärt: „Man braucht gar nicht antisemitischen und antibolschewistischen Gründen nachzuspüren, die die Auswetsungsmaßnahmen angeblich begründen, der Selbsterhaltungstrieb des e genen Volkes erfordert die Entfernung aller unnötig und verbotswidrig sich hier aufhaltenden Fremdlinge." Wie dem auch sei, treffen die Maßnahmen, die wir in ihren Einzelheiten noch nicht kennen, viele Unschuldige, darum sollten sie im neuen : freien Deutschland nicht mechanisch und wahllos zur Anwendung gelangen. Von Ser ttuffusgemelnSe. München, 1. März. I Der Verwaltungsbericht der hiesigen Kultus-! gemeinde gieöt die Zahl der Gemeindenmglteder! Der Israelit. Ende 1919 mit 2754 an, die Mk. 183000 Kultussteuern aufbrachten. Der Bericht beschäftigt sich ausführlich mit der Statistik der Volks¬ und Mittelschüler, die Religionsunterricht empfangen. Etwa 130 Schüler aus den Kreisen der gesetzestreuen Ohel Jakob-Gesellschaft genießen seit 1919 einen besonderen, von der Schulbehörde anerkannten Religionsunterricht. Die Wohltätigkettskaffe vereinnahmte Mk. 60000, die Waisenstlftung gewährte Mk. 16000 Erziehungsbeiträge. Oesterdeich. Das amerihanifche itilfsroerh für Oflgaiijien Wien, 28. Febr. Auf Einladung deF Verbandes der galizischen und Bukowinaer Juden. (Federation of Galician - and Bukowtnian Jews) in New-Jork begibt sich demnächst eine von der zionisttjchen Landesorganisation Oftgaliziens und der Wiener Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ofigalizien entsendete viergliedrige Kommission nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika behufs Organisierung des HilsswerLes ihrer amerikanischen Landsleute für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der ostgalizischen Judenheit. Die Kommission ist unter anderem bereit, auch sämtliche unmittelbaren Wünsche und Anliegen der ostgalizischen Juden — sofern diese Wünsche in kuvernerten Briefen an sie gesandt werden — an deren Verwandten und Bekannten in Amerika zu übermitteln. Molen. vre Einheit der polnifchen Orthodoxie- Warschau, 19. Febr. Ein Aufruf, der von nahezu 300 Namen, fast sämtlicher Rabbinern in Polen, unterzeichnet ist, wendet sich an die wohltätig gesinnten Glaubensgenossen, an die Rabbiner und weltlichen Führer der Gemeinden in England, Frankreich, Amerika n. a. Ländern und ruft diese in den wärmsten Tönen an, mit Herz und Hand für die Jeschiwoth und Thora-Lehranstalten in Polen einzutreten. Da die orthodoxen Anstalten von den Unterstützungen^ die vom Auslande der polnischen Judenheit zukamen, vollständig ausgeschlossen wurden, so ist es nötig, das gesetzestreue Unterftützungswerk selbständig zu ordnen und die für diesen Zweck gedachten Spenden durch eine entsprechende Zentrale im Sinne der Spender zu verwenden. Diese Z-ntrale hat die gesetzestreue Judenheit Polens in der Organisation der „Schlaume emune Jisroel" und es ist hocherfrenltch, daß darch diese dreihundert Unterschriften dieser Organisation in der Tat eine allumfassende Autorität verliehen wird, die sie zur legitimen Wortführern öer gesetzestreuen Massen in Polen nrscht. M ist zu hsff?u, dssi der Aufruf sein? volle Wirkung nnsüben Wtröl Ts Oberrabbiner Weber über die Aufgaben der ilooahifchen Orthodoxie. Bratislava, 12. Febr. Anläßlich seiner Anwesenheit in der Slovakei, nahm der Herausgeber der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" Gelegenheit, mit dem Pistyaner Oberraötuer Koloman Weber, dem Präsidenten des Zentralöüros der Orthodoxen israelitischen Gemeinden in der Slovakei, Rücksprache über die Aufgaben und Ziele der slovakischen Orthodoxie zu nehmen. Herr Oberrabbiner Weber sagte unter anderem: „Ein gut Drittel! der orthodoxen Gemeinden dc§ früheren Ungarn befindet sich auf dem Gebiete der Slovakei. — Gewiß, wir sind zusammengeschrumpft und arg reduziert, aber wir sind homogener geworden. Während im alten Ungarn große Gemeinden, wie Miskolcz und Balaffagyarmat, durch ihr ständiges Liebäugeln mit den Neologen eine Gefahr für die Orthodoxie; __4. Mürz 188» bildeten, gibt es unter den Gemeinden, die sich uns angeschloffen haben, vielleicht keine einzige, die nicht von der Notwendigkeit der Orthodoxie innerlich überzeugt wäre. Diese Gksinnungs-- gleichheit der orthodoxen Gemeinden bestärkt mich in der Hoffnung, daß die großen Fragen, die dringend der Lösung harren, auch eine glückliche, nach allen Seiten hin befriedigende Lösung finden werden. Unter diesen Aufgaben möchte ich die Jeschiboth-Frage, die - Schaffung eines Pensionsfonds für die Kultusbeamten wie auch die Besserung der materiellen Lage der Rabbiner an" erster Stelle erwähnen. Insbesondere die Versorgung der Jeschiöoth liegt mir sehr am Hcrzen. — Sind doch die Jeschiöoth der Lebensnerv unserer Orthodoxie, und diese haben nicht etwa blvs für das Inland eine ganz ungewöhnliche Bedeutung, sondern auch das Ausland, dag unsere Jeschiboth beschickt, hat schon viele Talmudgelehrte aus den hiesigen Jeschiboth gewonnen. — Ich verweise auf P'.eßtzurg, Galanta und Hunsdorf, die von zahlreichen ausländischen Bachurim besucht sind. Ihr geschätztes Jnsor- Mütiansorgan sollte das Interesse seiner Leserpublikums für die Jeschiöoth rege erhalten. Die Beantwortung Ihrer zweiten Frage sowie aller anderen Aragen, die Sie an mich in dieser Angelegenheit gerichtet haben, steht im engsten Zusammenhänge mit der Antwort, die ich Ihnen ans die erste Frage erteilt habe. — Wir sind geneigt, uns mit jedem zu alliieren, wenn die Thora-Interessen gewahrt bleiben, lehnen aber jedes Zusammengehen ab, wenn auch nur das geringfügig st e religiöse Interesse durch dieses Zusammengehen gefährdet erscheint. Ihr großer Lehrer und Meister, der berühmte Hunsdorfer Gaon, hat 6 Wochen vor seinem Ableben in einer kleinen Rabbiner- und Laien-Versammlung, die vom Preßburger Oberrabbiner eigens nach Poprad — einem Städtchen in der Nähr von Hunsdorf — ejnberufen wurde, damit auch der alte Mann teilnehmen könnte, Worte zu uns gesprochen, die verewigt zu werden verdienensie lauten: „Die Orthodoxie die religiösen Jntereffen, müssen wir in erster Reihe sichern, dann erst kommen die wirtschaftlichen Jntereffen in Betracht - werdet Ihr für die tein religiösen Angelegenheiten eintreten, dann wird der Allmächtige — deffen seid versichert — auch Euere irdischen Jntereffen beschützen." — Das war seine letzte Kundgebung, die wir in seinem Namen der orthodoxen jüdischen Oeffentlichkeit übermitteln. Seine Worte haben sich uns tief ins Gemüt gegraben, wir werden auch nach denselben handeln. Uebrigens weise ich auf den offiziellen Bericht über die Verhandlungen, dir wir mit dem Volksverbande geführt haben, hin. Ls findet sich darin über all»S die gewünschte Aufklärung." Rumänien und die fflinöriföfsretflfe JtMftosesi, 10. Febr. DerBukar:sLerB.-KorresP0ndentder„Jüdischen Preßzentrale Zürich" berichtet: Von Rumänien wird jetzt eine Preßkampagne noch einer neuen Methode betrieben, deren innerer Kern wieder die Judenfrage bildet. Aehnlich wie nach dem Berliner Kongreß, werden jetzt nacheinander alle Register aufgezogen, um die internationalen Verpflichtungen den Juden gegenüber nicht erfüllen zu müssen. Erft erklärte Rumänien trotzig stark zu sein, niemand könne ihm diktieren, weshalb man ihm Konzessionen machen müsse, wenn man wünsche, daß es den FriedeZvertrag unterschreibe. Jetzt erklärt es, schwach, von inneren Unruhen bedroht und von den Bolschewiken gefährdet zu sein, ohne daß die Regierung die Kraft habe, die unpopulären MinoritLtenrechte durchzuführen. Die Nachricht, doß die Zensur und der Belageruneszustand aufgehoben sind, muß richtig verstanden werden. Die Aufhebung erfolgte nur beschränkt für 'Alt-Rumänien, die Kriegsgericht >