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Der Israelit · 1920-03-04 · Heft 9 (4.3.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 9 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 9. Gelte 3 . Der ASraeW. 4. März 1920 lung, die von ihm selber früher mit größter Energie bekämpft wurde. Die dabei empfohlene doppelte Besetzung, der Lehrstühle durch Vertreter der orthodoxen und bibelkritischen ,,Richtung" kann doch wahrlich die Tatsache nicht »ns der Welt schaffen, daß hier unter aktiver Mithilfe und Förderung gesetzestreuer Kreise eine Stätte unbegrenzter "ip'JD!TVÖ3, noch dazu auf dem heiligen Boden des Gottesgesetzes selber, ins Leben gerufen werden soll. Die misrachistischen Befürworter des Universitätsprojekts berufen sich auf die Notwendigkeit, innerhalb des akademischen Rahmens auch einigen gesetzestreuen Hochschullehrern zum Worte zu verhelfen und so die künftigen Studenten vor der einseitigen Beeinflussung durch die atheistische oder areligiöse, ja religionsfeindliche Atmosphäre der Universität zu schützen. Gewiß ist dies die gute Absicht der Herren Dr. Frankel, Dr. Pick und Genossen, die im Grunde ihres Herzens eine rein-jüdische Hochschule in unsrem Sinn für alle Getfteswiffenfchaften dem jetzt entstehenden Gebilde zweifellos vorziehen würden. Aber die Hoffnung der Herren muß ja jedem vorurteilslos Prüfenden von vornherein trügerisch erscheinen. Die gesetzestreuen Dozenten werden im Rahmen des großen Ganzen nicht allein kaum eine Seele retten können, sondern vielmehr ihrerseits zu Konzessionen und Kompromissen bis in die Tiefen des jüdischen Bewußtseins hinein erzogen werden, Sollten aber einmal über den Durchschnitt ragende geniale Köpfe uns erstehen, so werden sie sich außerhalb des Universitätsbetriebs weit, weit besser durchsetzen und die Originalität ihrer Anschauungen zur Geltung bringen als im Schoße der akademischen Zunft. Immerhin — wir hätten es verstehen können, wenn der „Misrachi" sich mit einer Universität abgefundsn hätte, die Medizin, Technik, Agrikultur, Nationalökonomie pflegt, ja wenn er um den Preis seiner Mtthülfe dem jüdischen Volke mit allen Mitteln die Schmach erspart hätte, das Gottsswort in seiner eigenen Heimat dem kritischen Würfelspiel einer rationalistischen Bibelwissmschaft preisgegeben zu sehen. Was sich jetzt vollzieht, ist ein tragisches Schauspiel, ist die Kapitulation wertvoller. Teile der gesetzestreuen Judenheit vor einer modernen Theorie, die in Seelenruhe alle Gegebenheiten der Ueberlieserung vor dem souveränen menschlichen Geiste in die Brüche gehen und dem jüdischen Forscher die freie Wahl läßt, ob er je nach Stimmung und Intellekt, bej Weühausen oder Nachmanides, bei Gunkel oder Hoffmann in die Schule gehen will. Dieser „freundliche Wettbewerb" mag höchst modern, höchst zionistisch, höchst wissenschaftlich sein — jüdisch tft er nicht, und der „Misrachi" stellt sich mit dieser Wissenschafts-Politik, in schroffsten Gegensatz zu dem an der Thora gereisten jüdischen Vviksempfinden. Soll es wirklich dabei bleiben? Wird man auch in Erez Jisroel selber freudigen Herzens dabet mithclfen, an der Stätte des entthronten Gottesgesetzes den Tempel des sich selbst vergötternden Menschengeistes zu erbauen? Wir vermögen das vorerst nicht zu glauben. . Sin Mahnruf! Von Hermann Seckbach in Frankfurt a. M. Es bedarf gewiß keines Hinweises, welchen Aufgaben wir alle in Zukunft gegenüberstehen. Um uns herum liegen die Trümmer so vieler Hoffnungen und Wünsche, nicht bloß für die Gegenwart, sondern für fernere Zeiten. Unser Lebenskörper ist krank und kaum einer unter uns, der nicht am eigenen „Ich" den nagenden Wurm der Zeit verspürt. Dennoch haben weite Kreise des Judentums noch keinen Begriff, welche verheerenden Erscheinungen sich auf wichtigste« Gebieten bereits zeigen. In der goldenen Friedenszeit gab es kein schöneres Ziel, keinen edleren Zweck als den, Bauten der Menschenliebe zu errichten, in denen allen von Leid Geplagten in echt jüdischem Sinne Hilfe und Linderung geboten werden sollte. So entstanden Werke wahrhafter Menschengüte, die berufen waren, eine Quelle der Glückseligkeit den Hilfesuchenden zu erschließen. Das Valutaelend und die hiermit verknüpfte Entwertung der Stiftungsgelder bringen es nun mit sich, daß die Gründungen vom brausenden Sturm der Jetztzeit bedroht werden. Jeder müßte sich nun darüber klar sein, daß es mehr als je gilt, diese Gefahr aözuwenden. Nach einer mir vorliegenden Mitteilung einer Anzahl Krankenanstalten betragen z. Zt. die Selbstkosten für den Patienten III. Klasse etwas über M. 20.— pro Tag. Was das für solche jüdischen Krankenanstalten bedeutet, die als milde Stiftung keine Klasseneinteilung haben und denen keine Einnahmen aus Klaffen (erste Klasse bis M. 60.— pro Tag!) gegenüber stehen, davon macht sich der Fernstehende keine Vorstellung.. Abgesehen von der Verpflegung und medizinischen bezw. chirurgischen Behandlung mittelloser Kranker, die von diesen Anstalten zu übernehmen ist, sind — und das ist von eminenter Bedeutung die Kranken mit Wäsche und Kleidung zu versehen. Sollen wir nun warten, bis auch hier der Zusammenbruch heranrückt, sollen wir zusehen, daß unbemittelten Kranken und hilfsbedürftigen ll. In Beantwortung eines weniger Geschätzten. Sie fragen, geehrter Herr Seserwar-n, was bas für ern neuer Unfug sei mit dem Erlebten und Erlauschten und behaupten, diese Rubrik habe Sie um Ihre ganze Purwifreudc gebracht. Ob der Ei leber und Erlauscher nichts anderes und besseres.wisse, als sich uw. ehrlichen Buchhandel zu reiben, die Valuta ais weißes Lämmchen dahinzustellen und die Buchhändler als Wucherer anzuschwärzen) ob er nicht wüßce, daß -— dah-und daß .... Und wenn die Jungens angeblich be! den alten Gemoraus auf Schritt und Tritt stolpern, so liege es an der Führung .... Ein Schüler, der wirklich Freude am Lernen hat, schreiben Sie, störe sich nicht an solchen Kleinigkeiten. Hillel fei auf das Dach des Lehrhauses gestiegen und habe sich noch obendrein einschrieien lassen Gemach, Herr Seferwann, auf soviel Vorwürfe war der Schreiber des Artikels nicht vorbereitet. Er suchte nur nach dem Schuldigen, und daß es der Buchhändler am Platze nicht allein ist, hat er selbst u. a. festgestellt. Auch lag es ihm fern, die garstige Valuta irgendwie reinzuwaschen. Stur dürfe der jüdische Idealismus ur>d die Freude am Lernen nicht bis zum Tiefstand der Valuta herab sinken .... Im übrigen hat der Schreiber den Hinweis auf Hillel an die Jungens wekrergegeben. Sie sind gern bereit, gelegentlich aufs Dach hinauszusteigen . . . , ' Au ^griR WZss m? r;? Muss 228 ,,#g LsSsfrStZ;" 88S „LtzSSKSSs Hülwüwaus" zurück, mir der Bemerkung, es gehe nicht an, meinen Rat zu befolgen und in Paris und London Kurse in diesen Moraibüchern einzuführen. Sie wollen nach.wie vor „Jad Hachäsokoh" lernen und danach handeln ... So hören Sie, lieber Herr Clemeneau! Wir bei uns Haben jetzt über vierzig Jahre lang „Jad Hachasokoh" gelernt, gelernt mit „Migda! Aus", „Maodane Melech" und allen anderen Kommentaren , . . Wir haben es zu Ende gelernt: alles zu Ende, „Maadane Melech", „Mischne l'Melech" auch „Kesses mischueh" . . . und „Lechem mischneh" . . . Der Stjum war nicht sehr festlich noch erfreulich . . . Darum lassen Sie sich raten und warnen, lieber Clemeneau! . . . Es hat schon einmal irgendwo einen Minister gegeben, der nach „Jad Hachasokoh" lernte und Noten in die Welt^ausschickte, die auf „l'Jaschmid uliabed" gestimmt waren. Sie — die Noten — haben es erreicht — daß wir heute soviel trinken, daß wir noch am Schuchan-Purim nicht unterscheiden können zwischen Ministerpräsident und Ministerpräsident (bitte, Namen selbst ausfüllen) ... Darum lassen Sie sich raten und warnen, lieber Clemeneau, vom Verantwortlichen für das am Purim „Erlebte und Erlauschte". (Sert wann lrbcn Juden in Rumäniens) Bekanntlich rvurden die in Rumänien wohnhaften und dort geborenen Juden bis vor kurzer Zeit als Fremde behandelt and erst jüngst hat der Friedensvertrag die Frage der jüdischen Bürgerrechte gelöst. Interessant ist, daß ein Teil der jüdischen Bewohner von Namünien ans eiben längeren Aufenthalt in hem MglkanrZjEZ Mr'bWiiZi MB Mi Mrrrnärrrn jflhfL MswagsA fß §88 ääLtäftge Däzkkt? kärnerr, ftedienrsn f{e jrch §l§ TvkWekjHe? §ei Ser eirrheinrisHsn dem Jammer und Elend jetzt ganz besonders preisgegebenen Menschen die Zufluchtsstätte entzogen wird? Nein, so weit darf es und soll es nicht kommen! Darum soll ein Mahnruf an all diejenigen ergehen, die mit Reichtum an Gesundheit und materiellen Gütern gesegnet sind. Fördert und unterstützt durch Stiftungen und Beiträge in wesentlich erhöhtem Maße die jüdischen mildtätigen Anstalten. Sie sind die Säulen der Menschenliebe, die uns und unserer Heranwachsenden Jugend steten Anreiz geben, Herz und Seele für das Leid zu vffmn. Stehn uns auch allen schwere Entbehrungen und vielleicht manch sorgenvolle Tage bevor, ein wertvolles Vermächtnis können wir immer zu allen Zeiten in uns tragen, und das ist Gemiluth Chesed, das allen Schmerz zu lindern vermag. Emespondenzen und Aachrlchlen. MrrLMsS eins Million kür eins isnSwirWättlicke Lisgiung in krs? Jisroel. Krankfurt, 1. März. Die Palästinazentrale der Agudas Jisroel für Deutschland teilt uns mit: Bei Beginn der soeben stattfindenden Erez Jisroel-Woche hat ein Ungenannter der Palästinazentrale eine Million Mark zwecks Gründung einer landwirtschaftlichen Siedlung gemeinsam mit industriellen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Ein Spezialprospekt wird in Bälde veröffentlicht werden und Interessenten Gelegenheit zur Information geben. Bun0 oefeöesfreuer Wischer 6emein9eri Deuffchfanös. KalöerstadL, 25. Febr. Gestern fand hier die constituierende Vertreter- Versammlung eines „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" unter Führung der Synagogengemrinde Halderstadt und der Hochdeutschen Israeliten Gemeinde Altona statt. Der Bund, der im Sinne von Artikel 137 der Reichsverfassung.eine öffentlich-rechtliche Körperruug und ein Dekret des lheodosiani'chen Kodex vom Jahre 397 spricht ihnen den kaiserlichen Schutz für ihre Gotteshäuser zu. Nach einer alten UeberliJeruug, bit der Wahrscheinlichkeit nicht ganz enbe^rt, sollen die Zuvr Iudcnium übergeiretenen Chazaren, deren Staat sich über!erüdrutzland und Kleinasien erstreckte,, mit einem starken Heere im achten Jahrhundert aus Sittrußland in die Donaugegenden eingezogen sein, und durch etliche Zeit soll der jüdische Glaube im Lande der vorherrschende gewesen lein. Als die Molbau und die Walachei unter türklsche Oberhoheit kamen, aab. es in dem heutigen Rumänien sogar einen Fürsten jüdischen Ursprungs, Emanuel Aaron, welcher seine 1578 erfolgte Wahl dem italienisch jüdischen Arzte Salomon Äschkenasy dünkte, der eine der einflußreichsten Personen am Hose des Sultans war. Aber der Fürst verließ den Glauben seiner Väter und wurde ein grausamer Verfolger seiner Brüder, von denen er etliche tötete, während die anderen aus dem Lande gejagt wurden. ■uajuinmattda Der von den Pächterinnen des „Hote! Lion" und „Hotel Central" in Herrenalb (Württ. Schwarzwald), Frau S. Michel Ww., resp. Frau L Weil!, geleitete Hoterberrieb ist wegen Unzulänglichkeit dieser Lokalitäten eingestellt worden. Die beiden Konkurrenten haben sich daher in garem Einvernehmen zusammengeschlossen und das mannt? Schwarznrald- Hbte! , „Anw Sternen" gegenüber hem Kurgarren in Herreuakö käuflich erwürben. Das neue Qftghlifjement, §8ß Lift älter» Käärjärt Ser Slen^sii irr, 8M EiiSS WtM 5rrsßnet werben. H6 wrrb m mmsfmmi IMF? iiäch Särärrf Angewiesen

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