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Der Israelit · 1920-03-04 · Heft 9 (4.3.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 9 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ser JSraettt. Nr. » SevO » k Mikrz IW» funktionieren aber dort weiter, so daß die ZivilpAksouen in allen ihren politischen Aeußerungen den Kriegsgerichten unterstellt sind. In den neuen Gebieten herrscht die Gendarmerie-Willkür, Prügelstrafe usw. und steigert die Erbitterung der ganzen Bevölkerung. In dieser Lage sucht die Regierung Kredite im Auslände um den Unzufriedenen im Innern des Landes den Mund verstopfen zu können und Konzessionen in der Judenfrage, um sich über die politischen Unannehmlichkeiten hinwegzuhelfen. Der rumänische Minontätenvertrag ist nämlich nur provisorisch von General Coanda unterschrieben, jedoch noch nicht von den Großmächten. Rumänien hat sich ausdrücklich Vorbehalten, weitere Verhandlungen zu führen, so daß die Mmoritätenrechte noch nicht gesichert sind. GnOtnnv. Deizmsnn un9 3sngwill über PMffins- «Lvndan, 26. Febr- Die Zusammenkunft des zionistischen Komitees hat wesentlich Neues über den Stand und die Aussichten der Palästina-Frage nicht gebracht. Weizmaun erklärte in einer Rede, die er in Lfftntftcher Versammlung hiel?, daß man einen Mischen Staat nicht erlangen könne und ihn nicht verlangt habe, Was er verlangt habe, seien die Mittel, um die BeLin^ungrn zu schaffen, aus denen ein jüdischer Staat werden könnte. Er verstehe, darunter die Möglichkeit des Erwerbes freien Landes, die Vergebung öffentlicher Arbeiten an jüdisches Kapital un^> jübnche Arbeit und kulturelle Freiheit bei öffentlicher Anerkennung der hebräischen Sprache. Ferner solle der Saboat als der offizielle Ruhetag anerkannt werden. Es ist natürlich, daß Zangwill die ganze Schale seines Sportes über diese aüs Resignation und scheinbarem Optimismus zusarnmeugesÜKteu Ideen We-zmanns ausgteßr. Zangwill har in der Tat in einer diese Woche bei den Poals Zion gehaltenen Rede ziem-ich überzeugend nachgewrefen, daß angesichts der arabi chen Majorität und dev Haltung der Araber das von Weizmcmn und Sokvlow notgedrungen akzeptierte politische Mttumaiprograrnm nicht das mindeste zur Lösung des jüdischen Problems beitragen kann und im Grunde etu völliges Fiasko bedeutet. Inzwischen hat Weizmann dem Jewish Eßronicle auf Aufrage bestätigt, daß d-e Brhauprung des Emirs Faiful in seinem Interview mir A. H. Goodman, wonach ein arabischjüdischer Gehetmvertraq bestehe, richtig ist,' nur sei es kein förmlicher Vrrrag, sondern etu Austausch von Briefen, in dem die Harmouks der Ansichten niedergelegt wurde. Nach Ser Seite dürfte somit die künftige Stellnug der Juden in Palästina ziemltH ZkklLri feltt - jöjp sxxtzM in kMkW ist i8e-; sentlichen uTköischeu Zsnöe unter englischer Oberhoheit Vollkommene kulturelle Autonomie und ein großes Maß wirtschaftlicher Bewegungsfreiheir genießen, solange nicht durch sehr starke Einwanderung der arabische Chauvinismus gereizt wird. Die zionistische Organisation wird somit ihre größte Akttvüär fortan wohl auf kulturellem Gebiete entfalten, während wirtschaftlich die Privat- Jmtio.tive fchließiich die Vorhand gewinnen wird. Die jlMcken ßewerklÄstten unS 9er Sabbst Loudorr, 20. Febr. Die gesetzliche Festlegung einer wöchentlichen Ma^imalarbeitszelt von 48 Stunden läßt auch in England eine Wiederbelebung der Sabbat- Beobachtung in Arbeiterkreisen aussichtsreich erscheinen. Auf Einladung Rabbiner Dr- Jungs der in dieser Frage -seit langem rührige Tätigkeit entfaltete, fand eine Konferenz der größten jüdischen Arbeiter - Gewerkschaften statt, insbesondere derjenigen der Kousektton, wobei die allgemeine Einführung der Sabbatruhe ^in den Fabriken ernst diskutiert wurde. Schwierigkeiten entstehen nur in den vier Wmtermonaten, wo der frühe FreitagSschluß eine Verlängerung der Arbeitszeit über neun Stunden an den fünf Wochentagen bedingt. Die anwesenden Arbeitervertreter beschloffen einstimmig, ihren Organisationen die Annahme der Jung'schen Vorschläge zu empfehlen. Inzwischen haben auch die Vorstände der Gewerkschaften diese Haltung der Delegierten gebilligt. Aegypten. Das groge Sanfiedrin. Kairo, 6. Febr. Die von dem Rabbiner der hiesigen Aschkenasim-Gemeinde, Rabbi... Aaron Mendel Hakohen, vor dem Kriege ins Leben.gerufene „Kneßes Jisroel"-Organtsation hat ihre Tätigkeit, unterstützt vom Chacham-Baschl, Rabbi Raphael Aron den Schimon, »nd feinem rührigen Bruder, wieder ausgenommen. Sie erstrebt die Schaffung eines Bes bin hagodvl von ein-- nndsiebzig hervorragenden Thoragrößen der ganzen Welt in Jerusalem als großes Sanhedrtn und Höchsts reltgiöst Autorität für das ganze jüdische Volk, ihm soll ein Sanhedrtn ketanno von 28 Männern der Tat und der W ssenschaft zur Seite stehen. Die Grundlage sollen große Welt-Sammlungen für einen Religions-Fonds des jüdischen Volkes bilden. Ein ausführlicher Plan, der alle Einzelheiten vorsieht, ist ausgearbeitet und wird auf Wunsch Interessenten zur Verfügung gestellt. Nalersttna. IUiu9a& Jisroel in PaMirrs. Zürich» 1. März. Wie uuS aus Jerusalem mitgeteilt wird, wurden dort in den Vorstand der „Agudas Jisrvkl" gewählt: die Herren Rabbiner I. I. Disk in, Ehrenpräsident; Rabbiner I. Eh. Sonnenfeld, Präsident; M. Frankel, E. M. Slutzktn, Salmen Zweig, B. Epstein, Aron Purisch, Dr. Wallach, S. Chawas, W. Schocher, Moses Blau,M.Tukazinski, S. Enda und Jacob Sonnenfeld als Vorstandsmitglieder. Personalien. Alttich, 22. Febr. Dem Kaufmann und Synagogenvorftrbcr A. van Dyk, Aur-ch, wurde düs Berdknsikreuz für Krieg'hilse verliehen. BüdStt bei Wien, 30. Am SNwSlüu, btil 24, Fförrar, feierte Me hiesige KulrllSgemsmtzL dsK äüjHtzcrg? ÄMsZkNötlsäll! iöres bochgeichützteu UN? hettsbL«» Hsxx« £&§-W$S$i&g%§ Wtelih. Mne? 88«;«bchtz?n hub Eprfi cm: stäillmerid, von feiner frühesten Jugend ß» Mit mW und nnm sich boschäftkgenb itt'.s auch ttiit ßrnfjcm profanen Wissen aubpesiatlct, hat er es verstanden, den hiesigen Böden für echt jüdisches Fühlen und Denken urbar zu machen. Die nutz oller Wett sich hier einfindenden Kurgäste, die in Menge unser Gotteshaus nufstichen, gehen eibaut und aeistig gehoben von dannen. Wirken doch die von Liebe zum Judentum dnrchalühten Predigten des JubilarS stärkend und aufrtchLsnd. Die große Wert chätzung und Hochachtung, deren sich unser Jubilar erfreut, beweisen die tausenden Gratulationen, die unserer Gemeindeverwaltung auS aller Herren Ländern zukamen. Möge es dem Jubilar gegönnt sein, noch viele Jahre auch weiterhin im Sinne unserer p/;rrin zu wirken. Urainfi Jb (Oberhessen), 24. Febr. Eine Fromme, eine echte „Esches Chajil" haben rvir mit Frau F. Stein zu Grabe getragen. Die Verblichene war eine treue Hüterin von Gotteswort und Gortessache und stand ihrem Manne, der als wahrer bekannt war, in langem glücklichen Eheleten treulich-zur Seire. Sie teilte^ mit ihm auch schwere Tage und verstand es, diese in Liebe und Miiarbeir erträglich zu gestalten. Wie ihr Gatte zu Lebzeiten für Kaschrusiachen, ,-rpo utld rituelle Berpstegung der So>da,en eifrigst besorgt war, so war sie ihm ihrerseits stets bet all diesen edlen Bestrebungen behilflich, besonders bei der Grün» d«na des hiesigen Fraueuveretns, die er neben der hreftgen Lhewrü^ KMscha ins Lehmr gerufen har. Bon der großen Beliebtheit der Verstorbanen legte die große Beteiligung an der Beerdigung beredetes Zeugnis nrb. An der Bahre sprach Herr Provinzialrabbtner Dr. Hirsch selb, Gießen, herzliche Worte des >.pachruft:s. Ihr Andenken wird bet uns zum Segen fortleben. ,i"22w. Lechenich (Bezirk Köln), 18. Febr. Am V2V» t'3 verschied hier nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 25 Jahren, Frl. Therese Simon. Mit ihr ist eine von den ganz Seltenen hingegangen, ein Cdelmensch in des Wortes tiefster Bedeutung. Ihr ganze- Denken, Fühlen und Handeln war getragen von dem Geiste wahren Judentums. Mit größiea Opferwilligteil und rwinlichsrer Genauigkeit übte sie die aus. In allen Lebensiagen, irotz mannigfacher Krankheit, blieb sie stets unerschütterlich in ihrem Goitvertrauen. Strenge gegen sich selbst, war sie mtlddenkend und nachsichtig gegenüber anderen. Für sich setbnlos und bescheiden, üble sie mit wahrer Hingebung -ivn IWIM im jüdischen Sinne. Die große Beteiligung bei ihrer Beerdigung legre Zeugnis av von der hohen Achtung und Wertschätzung, die sich die Dahtttgegangene durch ihr vorbildliches Leben bei Inden und Ntchijuden, bei arm und reich errungen habe. .Tirp übty TST8?. Ihr Andenken wird nicht schwinden! n"zu:ri. Wien, 14. Febr. Vorige Woche ist hier Herr Jaki.b Osias Mieses auri Pr;emyöl gestorben. Der Verstorbene spielte i»m?rha'b des gesetzevtreüen Judentums in Galizien eine he.yorragende Rolle, indem er nach Art der süddeutschen Ovrirodoxie die Tbora mit der BilSUttg verband. An feinem Ärabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Grunwald und der Sohn oes Bsrstoib'nen, Herr Schriftsteller Mathias MieseS. Außerdem hielt dessen Schwiegersohn, der jüdische Gelehrte Wolf Nappaoort ausPrzemySl, einön ec. greifenden Nachruf, in dem er hervorhob, daß der Verstorbene nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch in semer öffentlichen Tätigkeit ein Mann von unbestechlichem Charakter war. Als jahrelanger Vertreter der Stadigemeiude, als Nepräsemant der .KultuSgemeinde und als jahrelanger Vorsteher vieler gemeinnütziger Korporationen zeichnete er sich durch uneigennützige Handlungsweise für ' das öffentliche Wohl und die soziale Fürsorge aus. Aus einem edlen Kreise hervorgegangen — er war Urenkel des ytJMT — folgte er in pietätvoller Weise den Spuren seinen Ahnen und war beseelt von einem reinen Glauben an alles Gats. Neben seinen Kenntnissen in Bibel tlnd Talmud, war er ein guter Kenner der abendländischer Literatur. Er gehörte zu d n „Masktlim" alten und noch guten Schlages und war einer derjenigen, die die Thora und die Bildung tu sich ausgeitommen haben. Ein vorzüglicher Kenner deS Jim-Esra Uttd der svastigen^exegertschen und religwnsphi.'osdphischen Literatur. Seilt Andenken wird uns-zum Segen gereichen. n"2^r>. LLierr. 2l. Febr. Am 7. Februar ist nach kurzer Krankheit der Vizepräsident der Wiener Israelitischen Kultusgerueinde, Kommerzi. Irat Leopold Simon, Chet der Firma Gustav Simon gestorben. Sft'U Fftimmerzialrat Simon ist ein in der Wiener Gesellschaft außerordentlich bekc.rmler Mann von erprobter Bor- Nehmhcit und Uneigennützigkeir gestorben. Von frühaus mit den Gemeinoeangelegcnhetten vertraut, hat sich Kommerzialrat Simon den Geschäften der Israelitischen Kultusgemeinde mit außerordentlichem Eifer gewidmet. Neben den Angelegenheiten der Kaltusgcmeinde widmete Kommerzienrat Simon fein besonderes Interesse auch jenen deö Vereines zur Förderung des Haadwaiketz «ater den inländischen JsraellttN, als dessen Präsident er ssinem Vater r'.achnefylgr lo»r- 24, Febr. Der Zentraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schreibt uns: In den letzten Wochen ist in der deutschen Presse vielfach die Rede gewesen von gewalrigen Verfehlungen, die sich angeblich die Geschoßfabrtk von Gedr. Heidelberger in Frankfurt a. M. hat zuschulden kommen lassen. Es soll sich dabet um Bestechungen größten Umfangs handeln, ferner um die Unrerschmugg lung zurückgewtesener, minderwertiger Zünder unter neue Geschoßsendungen an die Front. Da dieser das größte Aufsehen erregende Fall in der antisemitischen Presse bereits gegen die Juden nusgebeutet w,rd, so haben wir einwandsfrei festgestellt, daß die Gebr. Heidelberger christlicher Religion und christlicher Abstam m un g sind. Berlin, 28. Febr. Gestern abend wollte der Bund „Neues Vaterland''' in der Aula der Kaiser Frtedrrch-Schule tu Charioitenburg eine Versammlung veranstalten, in der Helmut v. Ger lach über die Anslreserungsfrage sprecht.» sollte. Unter den Zuhüieru befand sich eine große Anzahl ehemaliger Balttkumkämpfer, Offiziere in Zivil, Studenten und aus der Gefangenschast yeimgekehrle Soldaten. Kaum war die Versammlung durch dcn Vorsitzenden eröffnet, io setzte etu unglaublicher Lärui ein. Die Soldaten, die zum Teil mit Revolvern und Seitengewehren bewaffnet rvareu, stürzten sich aus die Tribüne. Ein Sotüat hielt eine Ansprache, die in schtttfen perföiMchen > Angriffen auf Gerlacy gipfelte, dann forderte er seine

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